Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

LNG-Terminal in Hamburg?

Senator Kerstan: Früher gegen den Import von LNG, jetzt eifrig dafür

21. Juni 2022:  Ende Juli 2022 könne grob gesagt werden, ob ein schwimmendes Flüssigerdgas-Terminal in Hamburg gehe oder nicht. Der Standort an sich sei gut geeignet, weil nur etwa 300 Meter Leitungen gebaut werden müssten. Es könnten am Ende aber doch noch unüberwindbare Hindernisse auftauchen. „Alle Ergebnisse der Prüfungen, die wir jetzt machen, werden im Detail im Oktober vorliegen“, sagte Kerstan. Dann könne endgültig entschieden werden. Das berichtete die SZ am 20. Juni 2022.

Der Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke Heine ergänzte, derzeit würden die Standorte Moorburg und Kattwyk-Hafen geprüft. Sollte einer der beiden tatsächlich ausgewählt werden, könnte das erste Flüssiggas im ersten Quartal 2023 gelöscht werden. Er betonte, das Terminal solle maximal zwei bis drei Jahre in Betrieb sein. 

Da sich zuvor aber bereits die Bundesnetzagentur für ein schwimmendes Flüssigerdgas-Terminal vor Lubmin an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern ausgesprochen hat, Bundeskanzler Scholz diesem Projekt gute Chancen eingeräumt hat und mit Wilhelmshaven und Brunsbüttel zwei der bis zu vier geplanten FRSU schon feststehen, ist es fraglich, ob Hamburg überhaupt noch Aussichten auf ein Flüssigerdgas-Terminal hat.

Für Lubmin spricht aus Sicht der Bundesnetzagentur, dass von hier aus ausreichend Gas von den Küsten nach Süddeutschland gebracht werden könne. Die Hinterland-Anbindung an das Pipeline-System wäre jedenfalls wegen der Nord-Stream-Infrastruktur vorhanden.

3. Juni 2022:  Das Hamburger Abendblatt meldete am 25.5.2022: „Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) wollen eine schnelle Realisierung“ eines schwimmenden LNG-Terminals in Hamburg. „Sie sehen in einem schwimmenden LNG-Terminal einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der Gasversorgung im Norden. … Umweltsenator Kerstan, der den Einsatz von LNG in der Vergangenheit immer ablehnte und der Technologie sehr skeptisch gegenüberstand, hat ein zusätzliches Problem: Er muss die Fernwärmeversorgung Tausender Hamburger Haushalte für den kommenden Winter sicherstellen. Das mit Steinkohle befeuerte Heizkraftwerk in Wedel ist völlig veraltet und sollte schon vor Jahren abgeschaltet werden. … Das weniger klimaschädliche Gas- und Dampf-Kraftwerk (GUD) auf der Dradenau soll die Fernwärmeversorgung sicherstellen, benötigt dazu aber dringend Gas.“

Allerdings wird das neue Erdgas-Heizkraftwerk in Dradenau, das das HKW Wedel ablösen soll, frühestens 2025 in Betrieb gehen. Das bestehende Gas-Heizkraftwerk in Tiefstack hat nur etwa 40 % der Leistung des Kohle-Heizkraftwerks in Tiefstack. Und schon Anfang März 2022 wurde von Wirtschaftsminister Habeck versichert, die Erdgasversorgung für den nächsten Winter sei gesichert.

Dazu kommt: Ob nun importiertes Flüssigerdgas in Wilhelmshaven, Brunsbüttel oder Hamburg in das Erdgas-Übertragungsnetz eingespeist wird: Welche Verbraucher in einer Gas-Notfallphase damit vorrangig versorgt werden, darüber entscheidet die Bundesnetzagentur und nicht der Hamburger Senat.

In einem Interview im NDR sprach Kerstan von einer „Zwischenlösung“. Es werde geplant, „hier vorübergehend eine schwimmende Plattform zu installieren, mit der wir LNG importieren können. Das soll aber wirklich nur für einen vorübergehenden Zeitraum für wenige Jahre sein.“

Im Gegensatz zur Umweltbehörde sieht die Hamburger Wirtschaftsbehörde hohe Hürden für den Einsatz eines schwimmenden LNG-Terminals in Hamburg-Moorburg. Diese reichen von Entzündungsgefahren bis zu erheblichen Störungen des Schiffsverkehrs und zu Einschränkungen bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff in Hamburg-Moorburg.

Zu den Beeinträchtigungen der Abläufe im Hafen sagte Kerstan, dass es im Umkreis von 200 Metern um eine LNG-Plattform eine Stilllegung geben müsse.

Fridays For Future Hamburg wollte am Freitag, dem 3. Juni,  um 15 Uhr bei den Landungsbrücken gegen LNG-Terminals demonstrieren.

Schneller und größer: Tschentschers schwimmendes LNG-Terminal im Hamburger Hafen

27. Mai 2022: Der NDR wies am 20. Mai 2022 auf Probleme für ein schwimmendes LNG-Terminal in Hamburg Moorburg hin. Moorburg sei nach Informationen aus derr Wirtschaftsbehörde zwar gut ans Erdgasnetz angebunden. Die nächste Gasleitung liege nur wenige Hundert Meter von der Kaikante entfernt. Noch nicht abschließend geprüft sei aber, welche Sicherheitsvorkehrungen gelten, wenn Tankschiffe durch den Hafen fahren – etwa, ob dann zeitweise die Elbe gesperrt werden müsse. Offen sei auch, ob die schwimmende Plattform durch die unmittelbar vor dem Energiestandort Moorburg liegenden Kattwykbrücken passe. Möglicherweise müssten die Fahrbahnen abgebaut werden, um das Schiff nach Moorburg zu bringen.

Weitere Bedenken zählte der NDR am 26. Mai 2022 auf: Sie betreffen den Sicherheitsradius um die schwimmende Plattform in Moorburg. Unklar ist offenbar, ob andere Schiffe dahinter liegende Hafenbereiche überhaupt noch erreichen können.

Die Elblotsen fordern angesichts künftiger Gastransporte, dass der Verkehr auf dem Fluss einheitlich geregelt werden müsse. Gastanker seien schließlich keine Spielzeugautos, die man hin- und herschiebe, so Lotsen-Ältermann Ben Lodemann.

Nach Angaben der WELT vom 25. Mai 2022 ist es vor allem Hamburgs grüner Umwelt- und Energiesenator Kerstan, der verflüssigtes Erdgas (LNG) im Hamburger Hafen anlanden lassen will. Die Umweltbehörde wolle für den Umbau der Fernwärmeversorgung in Hamburg vorübergehend ein schwimmendes LNG-Terminal. In Dradenau wird allerdings in einem neuen Gas- und Dampf-Kraftwerk nicht vor 2025 zusätzliches Erdgas für die Fernwärme gebraucht. Nach WELT-Information wird die Behörde bei ihren Plänen für ein schwimmendes LNG-Terminal von einem Konsortium um die Unternehmen RWE, Hamburger Energiewerke und Gasnetz Hamburg unterstützt.

In der Anlage zu § 2 des LNG-Beschleunigungsgesetzes, das von Bundestag und Bundesrat am 19. bzw. 20. Mai verabschiedet wurde, ist ein schwimmendes LNG-Terminal als „FSRU (Standort Hafen / Kraftwerk Moorburg) als Option unter 7 Kandidaten aufgeführt. Die Einrichtung von 4 FSRU ist gegenwärtig vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klima vorgesehen.

4. Mai 2022:   Aus drei vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten schwimmenden LNG-Terminals wurden kürzlich vier. Und schon hob Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erneut den Finger, um Hamburg für ein Terminal anzubieten, wie es die FDP schon Anfang April gefordert hatte.

Hamburg plane die Stationierung eines provisorischen LNG-Terminals für verflüssigtes Erdgas im Hafen. „Unsere Experten gehen davon aus, dass wir bis Ende des Jahres ein solches Terminal in Betrieb nehmen können.“ Die Kapazität betrage acht Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Die anderen geplanten schwimmenden Terminals bescheiden sich eher mit etwa fünf  Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr.

Der ZEIT schien es „verblüffend, wie flugs sich gerade alte Gewissheiten auflösen. Bislang galt auf minus 162 Grad heruntergekühltes und somit verflüssigtes Erdgas (kurz LNG) im Hamburger Hafen vor allem als Störfallrisiko, das man sich möglichst weit vom Leib halten wollte. Deshalb ging hier lange gar nichts voran: Ein Importterminal für LNG? Das sollten lieber die kühnen Hafenbetreiber in Brunsbüttel bauen. … Da ist jetzt auch egal, dass das Gas oft mit umweltschädlichem Fracking aus der Erde gepresst wird.“

Das schwimmende Terminal könnte vor dem kürzlich stillgelegten Kohlekraftwerk in Moorburg festmachen. „Dort können bereits bestehende Gasleitungen genutzt werden“, sagt der grüne Umweltsenator Jens Kerstan. Die Prüfung laufe »mit Hochdruck«. Einige Fragen seien noch offen, „dennoch gehen wir davon aus, dass wir ein schwimmendes LNG-Terminal technisch bis zum Winter realisieren können“. Und damit zügiger als anderswo.

Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe: „Wie ein solcher gefährlicher Störfallbetrieb im Hamburger Hafen Platz finden und sicher betrieben werden soll, ist mir ein völliges Rätsel.“

7. April 2022: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK) kündigte am 25. März 2022 in seinem Fortschrittsbericht Energiesicherheit drei schwimmende LNG-Terminals (FSRU) an. Daraufhin teilte die Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) am 30. März 2022 das Interesse Hamburgs als Standort für ein schwimmendes Gas-Terminal mit. Die BUKEA prüfe „in enger Abstimmung mit dem BMWK, den Hamburger Energiewerken, mit Gasnetz Hamburg und der Hamburg Port Authority, ob und wie ein solch zu charterndes Gas-Terminal kurzfristig in Hamburg eingesetzt werden könnte.“

Staatsrat Pollmann: „Wir prüfen intensiv mögliche Standorte in Hamburg … Mit unserem gut ausgebauten Erdgasnetz auch im Hafengebiet könnten bei uns die Leitungsbaumaßnahmen vermutlich vergleichsweise gering ausfallen.“

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher bestätigte am 6. April 2022 vor dem Übersee-Club, Bund und Stadt würden derzeit daran arbeiten, «kurzfristig einen mobilen Terminal in unserem Hafen zu schaffen, um LNG in das Gasnetz in Norddeutschland einzuspeisen».

Die Hamburger FDP forderte ein Zentrum für Flüssiggas und Wasserstoff im Hafen und einen sofortigen Stopp für den Rückbau des Kohlekraftwerks Moorburg.

Die Hamburger CDU forderte schon am 30. März 2022 in einem Bürgerschaftsantrag, dass die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Kohle-Kraftwerks Moorburg einschließlich einer CO2-Speicherung (Carbon Capture and Storage – CCS) und einer Auskopplung von Wärme in das Hamburger Fernwärmenetz geprüft werden sollte.