Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

LNG-Terminals in Lubmin?

Allgemeine Informationen zu verflüssigtem Erdgas und zu LNG-Terminals finden sich hier.

Einwendungen gegen das FSRU von Regas in Lubmin

3. Dezember 2022:  Gegen die Genehmigung für das in Lubmin von der Deutschen Regas geplante Terminal für Flüssigerdgas gingen 28 individuelle Einwendungen und eine Sammeleinwendung mit 1.071 Zeichnungen ein.

Die Deutsche Umwelthilfe reichte am 28.11.2022 eine Einwendung beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (StALU) ein, in der vorgebracht wurde, dass die Antragsunterlagen essentielle Projektbestandteile ausblendeten. Die Antragsunterlagen für das LNG-Terminalschiff „Neptune“ seien unvollständig und fehlerhaft. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung solle offenbar mit Angaben, die nicht der tatsächlich beabsichtigten Kapazität der Anlage entsprechen, umgangen werden. Die DUH kritisierte, dass der vorgesehene Schiffsverkehr durch den geschützten Greifswalder Bodden, Wechselwirkungen mit benachbarten atomaren Anlagen in Lubmin und Klimafolgen nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Zudem entstünde der Eindruck, man wolle durch die Angabe einer zu hohen Einspeisekapazität von gesetzlichen Ausnahmeregelungen profitieren. Die DUH forderte daher die Behörden von Manuela Schwesig auf, das Projekt zu stoppen und die Bau- und Betriebsgenehmigung zu verweigern.

Die Deutsche Regas wollte sich am 28.11.2022 nicht zu der Kritik äußern. «Wir haben die Einwendung der DUH zur Kenntnis genommen, werden diese sorgfältig prüfen und im Rahmen des laufenden gesetzlichen Genehmigungsverfahrens gegenüber dem StALU VP beantworten.»

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern stellte die Biologin Corinna Cwielag fest: „Der erste und gewichtigste Einwand ist natürlich die Frage: Was konnten wir sichten? Wir konnten einen Teil der Unterlagen sehen. Wir wissen nicht, ob das alle sind. Das ist aus unserer Sicht sehr, sehr schlecht gelaufen“. Man habe sich die Projektunterlagen des Antragstellers angeschaut und viele Gründe für Einwendungen gefunden, obwohl das neue LNG-Beschleunigungsgesetz des Bundes die Fristen stark verkürzt habe. „Aus unserer Sicht ist völlig unverständlich, wieso man mit ‚Sicherheitsbedenken‘ eine Transparenz vermeidet und eine Bürgerbeteiligung enorm erschwert.“

Laut dem LNG-Beschleunigungsgesetz aus dem Hause des grünen Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministers Robert Habeck muss neuerdings auch keine Umwelverträglichkeitsprüfung mehr durchgeführt werden, sobald durch ein LNG-Projekt mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr ins deutsche Gasnetz kommen. Kein Wunder, dass die ReGas, die anfangs weniger angekündigt hatte, nun aber in ihrem Antrag bis zu 5,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr in Aussicht stelle, sagt Corinna Cwielag. 

„Diese Art und Weise das Naturschutzrecht außer Kraft zu setzen, ist ein Dammbruch. Dazu kommt noch, dass ein großes Problem auch ist: Wie bewertet man den Eingriff in den Naturraum? Und was bietet man an als Ausgleich? Da lässt leider das Beschleunigungsgesetz zu, dass erst bis zu zwei Jahren nach Genehmigung eine sinnvolle Maßnahme gefunden sein muss. Und dann hat man noch mal drei Jahre Zeit, die umzusetzen.“

Der BUND Mecklenburg-Vorpommern weist auf zwei besonders erhebliche Eingriffe hin. Da wäre zunächst der 24-Stunden-Shuttlebetrieb der drei kleineren Tanker durch das flache Boddengewässer: „Auch die Shuttle-Schiffe haben noch 6,80 Meter Tiefgang. Der Hafen ist sieben Meter tief. Also werden sie voraussichtlich nicht voll beladen werden können. Dann müssen sie aber öfter fahren, um die Flüssiggas-Mengen zu transportieren. Das bedeutet wiederum, dass die Störungen im Bodden im Bereich der Vögel, auch für Schweinswale, auch für Robben mehr werden würden. Und da ist die Argumentation des Unternehmens, die Vögel hätten sich daran gewöhnt oder würden sich auch daran gewöhnen. Das ist aus unserer Sicht verkehrt.“ So werde sicher die Größe der mehr als 100 Meter langen Shuttle-Schiffe auch für Verwirbelungen sorgen, die dann dazu führten, „dass Sediment aufgewirbelt wird, dass Schadstoffe aufgewirbelt werden und dass sich damit die Nahrungsräume für die rastenden Vögel, aber auch für Schweinswale und auch für die Robben verändern werden. Das ist alles nicht berücksichtigt.“

Zum anderen wäre da der Kühlwasser-Kreislauf auf der „Neptune“. Das Schiff werde täglich rund 30.000 Kubikmeter Ostsee-Wasser aus dem Lubminer Hafenbecken nehmen, um damit die Motoren ihrer Regasifizierungsmaschinen zu kühlen.

DUH: Mit Einfahrt des LNG-Schiffes in den Hafen von Lubmin sollen Fakten geschaffen werden

24. November 2022:  Das LNG-Spezialschiff „Neptune“ ist am 23.11.2022 im Hafen Sassnitz-Mukran auf Rügen angekommen – unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Unter anderem soll hier der Tiefgang des Schiffes von gut 9 Metern auf etwa 5,2 Meter verringert werden, damit es ins flachere Wasser vor Lubmin überführt werden kann, so der Terminal-Betreiber Deutsche Regas.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte das Vorgehen des Betreibers Deutsche ReGas. Die ‚Neptune‘ fahre zu einem Zeitpunkt in deutsche Küstengewässer ein, zu dem noch überhaupt nicht feststehe, ob sie überhaupt als schwimmendes LNG-Terminal betrieben werden dürfe. „Offenbar sollen in Lubmin Fakten geschaffen werden, ohne dass das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist“, so DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Für das Genehmigungsverfahren fehlen laut DUH noch diverse Unterlagen. Deshalb forderte die DUH die Landesregierung auf, die Einfahrt des Spezialsschiffes in den Hafen Lubmin bis zum Abschluss des Genehmigungsverfahren zu verbieten. „So halten wir den Betrieb der Neptune für nicht genehmigungsfähig“, sagte Müller-Kraenner.

Regas-LNG-Terminal wäre vom Start weg ausgelastet

21. November 2022:  Die Bundesnetzagentur hat mit einer Erteilung der Befreiung der Regas-Anlage von der Regulierung für die gesamte jährliche Durchsatzkapazität ab der kommerziellen Inbetriebnahme von Phase I die Weichen für die zügige Inbetriebnahme des neuen Flüssigerdgas-Terminals gestellt. Die Betreiberin Deutsche Regas GmbH & Co. KGaA wartet nun noch auf eine Genehmigung des zuständigen Landesamtes.

Das Interesse am Binding Open Season Verfahren für Phase I und dem Non-Binding Open Season Verfahren Phase II war hoch, die verfügbare jährliche Regasifizierungs-Kapazität für langfristige Buchungen von insgesamt 11,7 Mrd. m3 wurde mit 15,2 Mrd. m3 deutlich überzeichnet.

In der Phase I wird der mehr als 280 Meter lange Tanker „Neptune“ stationiert, an den die LNG-Schiffe mit einer Kapazität von 170.000 m3 andocken können, damit das LNG in den vorgelagerten Zwischenspeicher übertragen werden kann. In dieser Phase I beträgt die geplante Jahresdurchsatzkapazität mindestens 4,5 Mrd. m3.

In einer Phase II könnten – vorbehaltlich rechtlicher Klärungen – zwei der FSRU an die bestehenden Nord Stream-Unterwasserpipelines angedockt werden. Ab Dezember 2023 ist zunächst geplant, ein schwimmendes LNG-Terminal mit einer geplanten Jahresdurchsatzkapazität von 7,0 Mrd. m3 offshore im deutschen Hoheitsgebiet zu installieren (FSRU 2). Durch Verlegung der FSRU 1 vom Hafen in Lubmin an einen Offshore-Standort im Jahr 2024 soll die geplante Jahresdurchsatzkapazität um weitere 2,0 Mrd. m3 erhöht werden. In diesem Ausbauzustand soll die geplante Jahresdurchsatzkapazität des „LNG-Terminals Deutsche Ostsee“ dann ab dem vierten Quartal 2024 insgesamt mindestens 13,5 Mrd. m3 betragen.

Für die Prüfung der Einwendungen gegen das Terminal in Lubmin bleiben nur drei Tage

16. November 2022: Das Ende der Auslegung der Antragsunterlegen wurde vom 15. November auf den 21. November verlängert. Auch die Frist für die Einreichung von Einwendungen wurde vom 21. auf den 28. November verlängert. Schon vier Tage später am Donnerstag, dem 1. Dezember, plant die Deutsche ReGas, das schwimmende LNG-Terminal in Betrieb zu nehmen. Für die Prüfung der Einwendungen bleiben also gerade einmal drei Tage!

Die DUH konnte erreichen, dass die Antragsunterlagen für die Genehmigung eines LNG-Terminals in Lubmin den Umweltverbänden nun auch digital zur Verfügung gestellt werden. Sie können aber nach wie vor nicht heruntergeladen werden. Nach Berichten der DUH auf Twitter sei jedoch kein Speichern und keine Suchfunktion möglich. Auch sei der Zugang auf 24 Stunden beschränkt. Danach sei ein neuer Zugang zu beantragen, der vom Unternehmen Regas vergeben würde. Die DUH bezeichnete das als Schikane. Der Beteiligung der Öffentlichkeit würden Knüppel zwischen die Beine geworfen, wo es gehe. Das LNG-Projekt könne so nie genehmigt werden. Ansonsten wäre es ein Armutszeugnis für die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Antragsunterlagen passen in 4 Leitzordner. Nach C. Zerger (DUH) habe es dagegen allein für die Anbindungspipeline in Brunsbüttel 40 Ordner gegeben. Im Fall von Lubmin fehlten komplett die nautischen Unterlagen für die Anfahrbarkeit des Terminals und die damit verbundenen Störfallbetrachtungen. Eine Klimaprüfung gebe es nicht und so weiter.

Wie der SPIEGEL berichtete, ist das erste Tanklagerschiff für die Übernahme von verflüssigtem Erdgas auf dem Weg zu seinem Einsatzort in Lubmin an der deutschen Ostseeküste. Die »Neptune« soll als schwimmendes Terminal möglichst bald zum Einsatz kommen und importiertes, stark gekühltes Flüssigerdgas wieder in den gasförmigen Zustand verwandeln. Kleinere Schiffe sollen das Flüssigerdgas von einem auf der Ostsee liegenden Speicherschiff abnehmen, das wiederum von Tankern beliefert werden soll. Die kleineren Schiffe sollen das Flüssigerdgas dann durch den relativ flachen Greifswalder Bodden in den Lubminer Hafen zur »Neptune« transportieren.

»Wir werden technisch am 1.12. bereit sein«, sagte Stephan Knabe von der Deutschen Regas. Allerdings stehen noch Genehmigungen des zuständigen Landesamtes und der Bundesnetzagentur aus. 

DUH: Verfahrensfehler beim Genehmigungsverfahren für das Regas-Terminal in Lubmin

8. November 2022: Die Antragsunterlagen für das geplante LNG-Terminal Lubmin sind ab dem 8. November für eine Woche einsehbar, aber nur in analoger Form. Die Antragsunterlagen des Investors liegen im Staatlichen Umweltamt in Stralsund und im Amt Lubmin öffentlich aus – während der normalen Bürozeiten und in mehreren Aktenordnern in Papierform. Einsicht ist nur nach vorheriger Terminabsprache möglich. Auf Wunsch der Regas GmbH wurde eine elektronische Veröffentlichung der Antragsunterlagen verweigert.

Die Deutsche Umwelthilfe beurteilte die ausschließlich analoge Veröffentlichung als Verfahrensfehler, der die weitere Durchführung des Genehmigungsprozesses gefährdet. Eine gesetzliche Pflicht zur elektronischen Veröffentlichung folge aus der 9. Bundesimmissionsschutzverordnung. Diese sei auch durch das LNG-Beschleunigungsgesetz nicht aufgehoben. Die zuständigen Ämter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein hätten zuvor sämtliche Unterlagen für die dortigen LNG-Unterlagen auch elektronisch veröffentlicht.

Die DUH besteht darauf, dass die Unterlagen auch in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden müssten. Nur das erlaube einen umfassenden und schnellen Blick in das Mega-Projekt und sichere eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit. Auf Rückfrage der DUH bestätigte das zuständige Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern, dass es ein Entschluss des Vorhabensträgers, der Regas GmbH, gewesen sei, die Unterlagen entgegen der gesetzlichen Pflicht nicht elektronisch zu veröffentlichen. Die Regas GmbH plane, ein schwimmendes LNG-Terminal bereits zum 1. Dezember 2022 in Betrieb zu nehmen.

Auf Anfrage teilte die ReGas mit, man erfülle „vollumfänglich die vom Gesetzgeber für das Genehmigungsverfahren festgelegten Anforderungen“. Das Unternehmen habe sich bewusst gegen die elektronische Veröffentlichung der Unterlagen im Internet entschieden. Hintergrund sei vor allem die seit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines und die Deutsche Bahn komplett neue Sicherheitslage. Ein ReGas-Sprecher erklärte außerdem, das LNG-Terminal sei „Bestandteil der systemrelevanten sensiblen Infrastruktur und ist von daher höchst schützenswert“. Das Unternehmen leitet daraus einen besonderen Geheimhaltungsbedarf ab. Die ReGas sagt auch, es wäre zudem nicht nachprüfbar, wer genau Einsicht in die Unterlagen nehmen würde.

Dazu Constantin Zerger, DUH-Leiter Energie und Klimaschutz: „Das Vorgehen der Behörden in Mecklenburg-Vorpommern ist absurd. Offenbar trifft das Amt für Landwirtschaft und Umwelt keine eigenständigen Entscheidungen, sondern folgt willfährig den Wünschen der Regas GmbH. Dieses Vorgehen erinnert in fataler Weise an die Unterstützung der Nord Stream 2 AG und an die Einrichtung der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV. Die Landesregierung muss ein rechtsstaatliches Verfahren gewährleisten, das auch den demokratischen Beteiligungspflichten gerecht wird.“

Die Landesregierung hat Kritik zurückgewiesen, sie wolle das in Lubmin geplante Flüssigerdgas-Terminal möglichst schnell durchwinken. Davon könne keine Rede sein, teilte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums am 8.11. auf Anfrage mit. Berechtigte Einwände könnten das Projekt selbstverständlich verzögern oder gar verhindern. Umweltminister Till Backhaus (SPD) habe seit Beginn der Planung immer wiederholt, dass ihm unbedingt daran gelegen sei, das Verfahren rechtssicher durchzuführen.

Man gehe von zahlreichen Dokumenten aus, schrieb Constantin Zerger von der DUH auf Anfrage. „Diese Unterlagen nur physisch vor Ort durchschauen zu können, ist reine Schikane.“ Bei digitalen Dokumenten könnte man die Durchsicht aufteilen und einfach externe Expertise hinzuziehen. Zerger nannte das gewählte Verfahren eine „bewusste Sabotage der Öffentlichkeitsbeteiligung“.

Die Deutschen Regas argumentierte, man könne so eher nachvollziehen, wer sich die Unterlagen ansehe. Das wäre nicht der Fall wäre, wenn sich jeder die Unterlagen online herunterladen könnte. Die Hürden für den Missbrauch der Planungsunterlagen wären dann wesentlich niedriger. Sicherheitsberater und Anwälte hätten gerade nach den mutmaßlichen Angriffen auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee und Infrastruktur der Bahn dazu geraten.

Start des Genehmigungsverfahrens für das Regas-Terminal

29. Oktober 2022: Umweltminister Backhaus teilte mit, dass jetzt alle Unterlagen für den Antrag auf eine Genehmigung des FSRU vorlägen. Der Betreiber, die Deutsche ReGas, arbeitet weiter auf einen Start am 1. Dezember hin. Backhaus erklärte, es sei noch offen, ob bis Dezember eine Genehmigung erteilt werde. Das sei davon abhängig, wie viele und welche Einwände in dem entsprechenden öffentlichen Verfahren zwischen dem 8. und dem 21. November eingehen. Ein weiterer Faktor sei die Qualität der eingereichten Unterlagen, so Backhaus.

In dem für Regas ungünstigsten Fall könne sich das Verfahren bis zu 13 Wochen hinziehen. Laut Regas-Aufsichtsratschef Knabe arbeitet das Unternehmen darauf hin, bis Ende November alle nötigen Leitungen, Schiffe und sonstigen technischen Gegebenheiten vorbereitet zu haben. Dann hänge es nur noch an einer rechtssicheren Genehmigung.

Knabe teilte zudem mit, dass das am 21.10.22 zu Ende gegangenes Ausschreibungsverfahren für die Kapazitäten des Terminals erfolgreich abgeschlossen wurde. Es gebe mehr Nachfrage, als bedient werden könne. Aufgrund größerer Anlandeschiffe geht der Unternehmer davon aus, dass künftig jährlich statt 4,5 Milliarden Kubikmetern an regasifiziertem Flüssiggas bis zu 5,2 Milliarden Kubikmeter in das deutsche Gasnetz eingespeist werden können.

Corinna Cwielag, die Landesgeschäftsführerin des Umweltschutzverbands BUND, forderte einen Ausgleich für die Eingriffe in die Natur. Eine richtige Umweltverträglichkeitsprüfung sei in dem kurzen Zeitraum nicht durchzuführen. Zweifellos werde die Umwelt durch das LNG-Terminal beeinträchtigt. Es werde unter anderem mehr Schiffsverkehr im Vogelschutzgebiet geben. Wenn Meerwasser benutzt wird, um das aus dem flüssigen Rohstoff wieder Gas zu machen, werde dieses außerdem mit höherer Temperatur in den Bodden zurückgeleitet.

Von den Bündnisgrünen in Mecklenburg-Vorpommern hieß es, die Energiesicherheit habe für sie höchste Priorität. Dazu werde das LNG-Terminal beitragen. Gleichzeitig müsse klar sein, „dass die Genehmigung für den Import von fossilem Erdgas mit Blick auf die Klimaziele nach fünf Jahren neu bewertet und nach maximal zehn Jahren endgültig auslaufen muss“.


Zweifel am geplanten Zeitpunkt zur Fertigstellung des privaten FSRU Lubmin

18. Oktober 2022: Sechs Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme der Anlandung von verflüssigtem Erdgas am 1. Dezember 2022 hat der Investor, die private Deutsche ReGas, noch immer nicht alle Antragsunterlagen eingereicht. Die Vorbereitungsarbeiten für das ehrgeizige Gas-Projekt am Greifswalder Bodden in Lubmin haben schon begonnen. Die Deutsche ReGas hat jedoch beim Staatlichen Umweltamt in Stralsund bisher nicht alle Papiere eingereicht, die für eine Genehmigungsentscheidung nötig sind.

Der für die Genehmigung zuständige Minister Till Backhaus (SPD) hatte die Deutsche ReGas bereits Ende Juli aufgefordert, die Unterlagen für das private LNG-Projekt schnell einzureichen. Allerdings will Backhaus die Sache „gerichtsfest“ haben und sich eine Niederlage vor einem Verwaltungsgericht sparen. Denn es gebe namhafte Kritiker wie die Deutsche Umwelthilfe. Die hat sich äußerst skeptisch zu dem Projekt geäußert. Nach Ansicht von Backhaus müssen auch „die Besonderheiten des Standorts Lubmin mit dem bestehenden atomaren Zwischenlager“ berücksichtigt werden. Was Backhaus meinte: Der Standort der Castoren mit dem radioaktiven Müll erschwere das Verfahren. Und es gibt wohl nicht nur dieses eine Sicherheitsbedenken.

Regas mit weiterem Partner schreibt LNG-Kapazitäten aus

28. September 2022: Das private LNG-Projekt in Lubmin erhält Unterstützung vom australischen Infrastrukurinvestor Macquarie Capital, dem Unternehmensberatungs-, Kapitalmarkt- und Hauptinvestitionszweig der Macquarie Group. Die Deutsche Regas teilte am 23.9.2022 mit, dass sich der Investor im Rahmen einer ersten Minderheitsbeteiligung einbringe. Ein von Macquarie Capital gegründetes Unternehmen solle außerdem technisch und betrieblich unterstützen (in 15 Jahren 13 schwimmende Regasifizierungsprojekte).

In Abstimmung mit der Bundesnetzagentur will die Deutsche Regas ab dem 10. Oktober 2022 Kapazitäten für den Gasimport ausschreiben. Die Deutsche Regas will in einer ersten Phase 4,5 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas jährlich am Standort Lubmin anlanden. Ab Dezember 2023 soll diese Kapazität durch ein weiteres Terminal auf 13,5 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr steigen. Auch für diese zweite Phase will der Betreiber bereits ab Oktober Kapazitäten ausschreiben. Die dort genannte Zahlen sollen jedoch lediglich indikativ sein. Eine verbindliche Ausschreibungsrunde soll erst später folgen.

Bauarbeiten im Hafen von Lubmin haben begonnen

21. September 2022: Am 20.9.2022 wurde mit den Bauarbeiten für das privat finanzierte Flüssigerdgas-Terminal der Deutschen ReGas begonnen. Der Kai soll umgebaut und der Hafen auf sieben Meter Tiefe ausgebaggert werden. Außerdem soll der Liegeplatz am Ostkai des Industriehafens für das LNG-Terminal durch einen Zaun gesichert werden.

Für diese Baumaßnahmen investiert die Deutsche ReGas nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Arbeiten sollen im November abgeschlossen sein. Die Genehmigungen dafür liegen vor. Die Anträge für das LNG-Terminal sollen noch im September bei den Genehmigungsbehörden eingereicht werden.

Das Unternehmen Gascade plant den Bau des LNG-Anschlusses gemeinsam mit den Betreibern der NEL- und OPAL-Leitungen, die das angelandete Erdgas nach Deutschland und Europa weiterverteilen.

Ab dem 1. Dezember 2022 soll von ReGas das erste Flüssigerdgas in Lubmin angelandet werden. Vorgesehen ist, das Flüssigerdgas mit kleineren Shuttleschiffen von den vor Lubmin ankernden Großtankern in den Hafen zu bringen und dort bis zu 4,5 Mrd. Kubikmeter Gas ins deutsche Fernleitungsnetz einspeisen.

Eine 40 km lange Pipeline in der Ostsee bis zur Anlandestation in Lubmin

19. September 2022: Der Energiekonzern RWE und das norwegische Unternehmen Stena-Power wollen Lubmin als Standort für den Umschlag von Flüssigerdgas (LNG) ausbauen. Dazu sollen vor der Küste zwei Terminals entstehen, an denen das Flüssigerdgas von Tankschiffen in das bestehende Leitungsnetz eingespeist werden kann. Eine rund 40 Kilometer lange Pipeline soll von der neuen schwimmenden Plattform in der Ostsee parallel zu der nicht in Betrieb genommenen deutsch-russischen Gasleitung Nord Stream 2 gebaut werden, um Erdgas nach Lubmin zu leiten.

Bislang wurde russisches Erdgas aus der Ostsee-Pipeline über verschiedene Trassen in andere Teile Deutschlands und Europas weitergeleitet. Inzwischen hat Russland die Gaslieferung über die Leitung Nord Stream 1 eingestellt.

Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) informierte sich am 19. 9. 2022 gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig (SPD) vor Ort über die aktuelle Situation. Dabei ging es vor allem um das vom Bund geplante Terminal des Energiekonzerns RWE und des norwegischen Unternehmens Stena-Power. Das Projekt sei eine Art Gastankstelle für Deutschland, so Habeck. Es solle von Mitte 2023 an helfen, die Energieversorgung Deutschlands abzusichern. Habeck und Schwesig betonten, dass die neue Infrastruktur zudem in der Lage sei, zukünftig Wasserstoff zu transportieren, der zum Beispiel auch in Lubmin hergestellt werden soll.

Der Bund und das Land wollen fast eine Viertel Milliarde Euro (237 Mio. Euro) investieren, um die Häfen in Rostock und Lubmin so auszubauen, dass mehr Öl und Flüssigerdgas (LNG) angelandet werden können. Außerdem soll Geld in die Regionen rund um die beiden Hafenstandorte investiert werden, unter anderem auch um der künftig größeren Rolle von Wasserstoff als Energieträger gerecht zu werden.

Bayern unterstützt LNG-Terminals in Lubmin

31. August 2022: Der bayrische Ministerpräsident Söder (CSU) sprach am 30.8.22 mit seiner Amtskollegin Manuela Schwesig (SPD). Söder sagte, für Deutschland seien die LNG-Bemühungen an der Ostsee fast wichtiger als entsprechende Projekte an der Nordsee. Eine Leitung verlaufe über viele Bundesländer und Tschechien direkt nach Bayern.

Gebaut wurde die Infrastruktur in großen Teilen für die beiden Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2. In Lubmin befanden sich am Dienstag schon Bagger, die das Hafenbecken noch einmal auf die Norm-Tiefe ausbaggern. Das Material für eine notwendige Anschlussleitung ist nach Aussage einer Sprecherin des zuständigen Unternehmens schon bestellt.

Doch der Zeitplan ist vor allem mit Blick auf Genehmigungsverfahren ehrgeizig.  Deshalb will Bayern mit Personal aushelfen, das die Behörden im Nordosten unterstützen soll. Eine entsprechende Erklärung unterzeichneten die beiden Länderchefs an Deck eines Ausflugsschiffs auf dem Greifswalder Bodden.

Die Pläne für das staatlich unterstützte LNG-Terminal in Lubmin sind nicht ausgereift

4. August 2022:  Die Bundesregierung plant ein weiteres LNG-Terminal in der Ostsee vor Lubmin. Eine Inbetriebnahme durch den Enerergiekonzern RWE und die norwegische Stena-Powerist ist bis Ende 2023 geplant. Noch sind aber viele Fragen offen.

Auf Anfrage des NDR gab sich RWE in Essen betont zurückhaltend. Offen blieb, wie lange die Gespräche mit der Regierung dauern werden. Unbeantwortet sind die Fragen, mit welchen Kosten gerechnet wird und wie die Aufgabenverteilung zwischen RWE und der norwegischen Stena Power aussieht. Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob das geplante LNG-Projekt des privaten Investors deutsche ReGas ein Hindernis sei. ReGas will seine Anlage bereits am 1. Dezember in Betrieb nehmen. Der Bund will erst ein Jahr später nachziehen.

Der Greifswalder Bodden gilt wegen seiner geringen Tiefe als ökologisch sensibel. Um dort Rohre zu verlegen, dürften erhebliche Ausgleichsmaßnahmen nötig sein. Das Ministerium erklärte auf NDR-Anfrage, es sei nicht geplant, die Pipelines Nord Stream 1 oder Nord Stream 2 zu nutzen. Umweltminister Backhaus (SPD) hatte jüngst erklärt, auch die „Besonderheiten des Standorts Lubmin mit dem bestehenden atomaren Zwischenlager“ müssten berücksichtigt werden.

In Lubmin sind zwei schwimmende LNG-Terminals geplant

2. August 2022:  Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Betreiber eines schwimmenden Terminals in Lubmin, das mit Unterstützung der Bundesregierung gebaut werden soll, veröffentlicht: Das FSRU soll vom Energiekonzern RWE und der norwegischen Stena-Power betrieben werden. Die Inbetriebnahme ist frühestens Ende 2023 vorgesehen.

Das erste private Terminal der Firma Regas soll am 1. Dezember 2022 seinen Betrieb aufnehmen. 100 Millionen Euro stehen den privaten Interessenten für das Projekt zur Verfügung.

Das Unternehmen will jährlich 4,5 Milliarden Kubikmeter von Tankern angeliefertes Erdgas in das deutsche Netz einspeisen. Bei den notwendigen Genehmigungen steckt das Projekt aber offenbar noch in den Kinderschuhen. Bei den zuständigen Behörden sind nämlich laut Medienberichten noch keine entsprechenden Unterlagen eingegangen. Am 2. August wurde vom Abendblatt mitgeteilt, eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe der Landesregierung werde erstmals mit dem Unternehmen Regas beraten, wie das Genehmigungsverfahren für die geplante LNG-Anlandung in Lubmin zügig durchgeführt werden könne.

Eine Herausforderung für die Terminals vor Lubmin ist die geringe Wassertiefe der Ostsee. Die LNG-Tanker sollen deshalb vor dem Greifswalder Bodden ankern. Dort wird das LNG den Regas-Plänen zufolge in kleinere Tanker umgeladen und nach Lubmin gebracht. Drei Shuttleschiffe sind dafür vorgesehen. Umweltbeeinträchtigungen gebe es den Angaben zufolge praktisch keine, da unter anderem die bestehende Infrastruktur genutzt würde. Vom Liegeplatz seien es nur 450 Meter bis zum Fernnetz mit den Leitungen Eugal und Nel.

Zweifel an privatem LNG-Projekt in Lubmin, NDR, 21.7.2022

Der DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner drückte Skepsis gegenüber der Deutschen Regas aus. Deren Verantwortlichen seien neu in der Branche, würden ein weltweit neues Verfahren bei der Anlandung anwenden und ständen unter Zeitdruck. Müller-Kraenner: „Wir behalten uns zumindest rechtliche Schritte innerhalb des Genehmigungsverfahrens vor.”

19. Juli 2022:  Vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK) wurde heute mitgeteilt, dass die schwimmenden LNG-Terminals (FSRU) Nummer 3 und 4 in Stade und in Lubmin errichtet werden sollen. Für vier FSRU hat das BMWK LNG-Schiffe gemietet.

Zwei Bundes-Schiffe zur Anlandung und Regasifizierung von LNG stehen bereits in diesem Jahr zur Verfügung und sollen zum Jahreswechsel in Wilhelmshaven an der Nordsee und in Brunsbüttel an der Elbmündung eingesetzt werden. Die anderen beiden Bundes-Schiffe sollen ab Mai 2023 verfügbar sein.

Nach Angaben der Betreiber soll die FSRU-Anlage auf See vor Lubmin frühestens ab Ende 2023 zur Verfügung stehen.

Zudem soll in Lubmin bis Ende 2022 ein fünftes schwimmendes LNG-Terminal durch ein privates Konsortium mit dem Namen Deutsche Regas entstehen. Regas setzt auf eine Bündnis mit dem französischen Energieriesen TotalEnergies, von dem alle Schiffe gechartert werden sollen. Der NDR hat Zweifel an der Seriosität dieses Projekts geäußert.

Ein weiteres LNG-Schwimmterminal nach Wilhelmshaven und Brunsbüttel in Lubmin

14. Juli 2022:  Die Bundesregierung und die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern unterstützen Pläne des Unternehmens Deutsche Regas zur Anlandung von Flüssigerdgas (LNG) in Lubmin bei Greifswald. In Lubmin gibt es eine umfangreiche Gas-Infrastruktur. Von hier aus führen Gasleitungen nach Westen und Süden. Als Nachteil von Lubmin für den Flüssiggas-Transport mit Tankern galt, dass die Ostsee dort relativ flach ist.

Das mittelständische Unternehmen Deutsche Regas, hinter dem der Investor Ingo Wagner und der Unternehmensberater Stephan Knabe stehen, will in Lubmin in großem Stil LNG importieren. Das hierfür nötige Spezialschiff (FSRU) habe man sich bereits gesichert. Aufgrund der relativ geringen Wassertiefe des Greifswalder Boddens soll das Gas zunächst auf einem Tanker zwischengelagert und mit kleineren Schiffen an Land gebracht werden. Geplant wird, bis zu 4,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich in das deutsche Fernleitungsnetz einzuspeisen. Das erste Flüssiggas soll bereits im Dezember in Lubmin anlanden. Dafür müssten im September die Bauarbeiten starten.

Ein entsprechendes Eckpunktepapier unterzeichneten Vertreter der Firmen Deutsche Regas und des französische Energiekonzerns Totalenergies am 13.7.2022 in Rostock. Das FSRU solle von den Franzosen gechartert werden. Das Projekt ist laut Investoren zunächst ohne staatliche Finanzierung geplant.

Der Rostocker Hafen ist unterdessen vorerst raus als möglicher Standort zur Anlandung von LNG. Unter derzeitigen Bedingungen könne nicht sowohl Rohöl als auch LNG angelandet werden. Die Anlandung mit einem schwimmenden Terminal soll dennoch weiterverfolgt werden. Angedacht sei das für eine sogenannte zweite Phase der LNG-Versorgung Deutschlands nach entsprechenden Vorarbeiten.