Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

22. November 2020
von Redaktion
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Dr. Brown verordnet einen Lockdown für Diskussionen über Buschholz-Exporte aus Namibia

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Dr. Chris Brown ist in Namibia ein einflussreicher Mann. Zurzeit ist er Geschäftsführer der namibischen Umweltkammer (NCE). Zuvor war er Leiter des Namibia Directorate of Environmental Affairs (DEA) im Ministerium für Umwelt und Tourismus. Bei der Ausarbeitung der Umweltklauseln in der namibischen Verfassung spielte er eine Schlüsselrolle. Zwölf Jahre lang war er Exekutivdirektor der Namibia Nature Foundation (NNF), die gegenwärtig am Prüfprozess der Hamburger Umweltbehörde zur Buschholznutzung  beteiligt ist. Unter anderem ist Dr. Brown im Beirat für nachhaltige Entwicklung in Namibia aktiv. Als Ökologe und Umweltwissenschaftler verfügt er über mehr als fünfunddreißig Jahre praktische Erfahrung in den Bereichen Umweltmanagement und -verwaltung, strategische Planung und Entwicklung, Projekt- und Programmgestaltung und -koordination. So sein Portrait im Internet.

Am 12. Oktober 2020 machte Bertchen Kohrs, die Vorsitzende des namibischen Umweltverbandes Earthlife Namibia, in Namibia eine Gemeinsame Stellungnahme von 21 Umweltverbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen bekannt. Von dieser Stellungnahme gibt es auch eine englische Fassung. Eine Presseerklärung von Robin Wood stammt vom 9. Oktober 2020.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Stellungnahme lehnen das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vorgeschlagene Projekt „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg“ entschieden ab. Sie wenden sich gegen den Import von Buschholz aus Namibia, das beispielsweise im Heizkraftwerk Tiefstack anstelle von Steinkohle verbrannt werden soll. Sie erklärten, dieses Projekt stehe im Widerspruch zum Hamburger Netze-Volksentscheid vom 22. September 2013, in dem es heißt: „Verbindliches Ziel ist eine sozial gerechte, klimaverträgliche und demokratisch kontrollierte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien.“

Wir können nicht wieder in Höhlen leben!

Dr. Brown reagierte auf die Information von Frau Kohrs noch am gleichen Tag. Er versandte einen an Frau Kohrs gerichteten Offenen Brief an einen umfangreichen Empfängerkreis. Darin richtete er scharfe Angriffe gegen die Gemeinsame Stellungnahme und deren Unterzeichnerinnen und Unterzeichner.

Frau Kohrs solle sich und das Leben auf der Erde nicht mit dieser „populistischen Opposition“ gegen eine vielleicht sehr gute Initiative für Namibia verbinden, so Brown. „Wir können nicht gegen alles Einspruch erheben, was mit Entwicklung und Ressourcennutzung zu tun hat, sonst müssten wir alle wieder in Höhlen leben.“ Er wolle sie „ermutigen, sich nicht von jemandem in Deutschland beeinflussen zu lassen, dessen letztendliche Absichten möglicherweise nicht transparent sind und/oder nicht mit den besten Umweltinteressen Namibias übereinstimmen.“

Diese letztendlichen Absichten lägen für ihn nahe im Hinblick auf die offensichtlichste Option für Hamburg: Gas aus Russland: „Es wäre zu prüfen, ob die Gegner der Biomasse-Option Namibias direkte oder indirekte Interessen im Gas- oder Kohlesektor haben …“. „Viele der Informationen in der Erklärung und der Pressemitteilung sind unbegründet, basieren auf falschen Annahmen und sind sachlich falsch – sie scheinen darauf abzuzielen, populistische Gefühle in der Öffentlichkeit unter den Uninformierten zu schüren.“

Die „Gemeinsame Stellungnahme“ lehnt das Verfeuern von Buschholz auf Grund von fehlender Klimaverträglichkeit ab. Ein Gutachten hat ergeben, dass die Treibhausgas-Emissionen je nach Nutzungs-Szenario höher als die von fossilem Erdgas oder sogar von Steinkohle wären.

Dr. Brown sieht das ganz anders:

„Ein wichtiger zu berücksichtigender Aspekt ist der Kohlenstoff-Fußabdruck der Busch-Biomasse, wenn sie Deutschland erreicht. Es wird Sie vielleicht überraschen, wenn Sie erfahren, dass spezifische Kohlenstoffbilanzen für das Projekt zeigen, dass es tatsächlich Kohlenstoff-negativ ist. Sie ist also sofort 100%+ besser als sowohl die vorhandene Kohle als auch das Erdgas, mit denen sie verglichen wird.“

CO2-Bilanz von Holzpellets aus Namibia in Hamburg gemäß dem IfaS

Dr. Brown wusste also schon Anfang Oktober von den aufsehenerregenden Berechnungen des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS), die in Hamburg erst vier Wochen später durch die Umweltbehörde der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Mit der vom IfaS gelieferten Abbildung einer CO2-Bilanz von Holzpellets soll gezeigt werden, dass trotz des sehr langen Transportweges das Verbrennen dieser Pellets aus namibischem Buschholz in Hamburg nicht nur klimaneutral wäre, sondern dabei sogar noch CO2 aus der Atmosphäre zurückgewonnen werden würde! Man will es nicht glauben. Aber das Grün in der Abbildung scheint kräftiger zu sein als das Schwarz, jedenfalls in der Analyse des IfaS.

Dr. Brown: Eine öffentliche Diskussion wäre nützlich

Am Ende seines Offenen Briefs ermahnt Dr. Brown Frau Kohrs: „Ich möchte Sie bitten, die Ausrichtung von Earthlife auf diese populistische, vielleicht eigennützige Fehlinformation, die darauf abzielt, eine potenziell gute Initiative für Namibia zu untergraben, sehr sorgfältig zu überdenken. Wir müssen der Machbarkeitsstudie ihren Lauf nehmen lassen und dann werden wir alle in einer weitaus besseren Position sein, um zu verstehen, was vorgeschlagen wird und welche Kosten und Vorteile damit verbunden sind. Eine öffentliche Diskussion, in der interessierte Menschen die Fakten erfahren, wäre in der Tat nützlich.“

Mit der „Machbarkeitsstudie“ meint Dr. Brown sehr wahrscheinlich den von der Hamburger Umweltbehörde durchgeführten Prüfprozess im Rahmen eines Memorandum of Understanding (MoU), bei dem es allerdings nicht um eine „Studie“ geht.

Wäre die Weitergabe einer Erwiderung auf einen verletzenden Angriff nicht ein Gebot der Fairness?

Frau Kohrs bat Dr. Brown, eine Erwiderung auf seinen verletzenden Offenen Brief an den gleichen Verteiler zu senden, an den seine eigene Erklärung gegangen war. Unabhängig davon schickte Prof. Rabenstein aus Hamburg, der von Dr. Brown als Autor einer Kurzstudie zur Wirkung des Buschholz-Import auf das globale Klima angegriffen worden war, ein Schreiben an Dr. Brown mit einer analogen Bitte.

Dr. Brown hatte aber inzwischen seine Meinung über den Sinn öffentlicher Diskussionen in Namibia revidiert. Die Versendung der beiden Richtigstellungen an seinen eigenen Verteiler kämen für ihn keinesfalls in Frage.

Er schrieb an eine Bekannte von Frau Kohrs, er habe „eine feste Einstellung gegenüber Menschen, die vor der Veröffentlichung der Ergebnisse eines Projekts eine starke Position gegen dieses Projekt einnehmen und dann versuchen, die öffentliche Meinung unter dem Deckmantel eines „wissenschaftlichen Experten“ zu beeinflussen. Das ist Aktivismus, nicht Wissenschaft. Und wenn es von Leuten gemacht wird, die behaupten, Wissenschaftler zu sein, dann werden sie zu Populisten. Davon haben wir genug in der politischen Welt, wir brauchen das nicht in der wissenschaftlichen Welt. Die meisten Mitglieder der Öffentlichkeit haben nicht die Zeit, Dutzende von Berichten und Publikationen zu lesen und so zu einer informierten Meinung zu gelangen, so dass sie sich von dem leiten lassen, was sie als die Meinung von „Experten“ betrachten. Und wenn Leute, die vorgeben, Experten zu sein, zu populistischen Fürsprechern werden, dann muss man sie herausfordern und die Sache richtig stellen.“

„Wenn Wissenschaftler über Informationen verfügen, von denen sie glauben, dass sie für die Machbarkeitsstudie wertvoll wären, dann müssen sie diese in diesen Prozess einfließen lassen, damit sie vom Expertenteam im Rahmen des Projekts richtig bewertet werden können. Meiner Erfahrung nach wenden sich „Experten“ populistischen Ansätzen zu, wenn sie eine vorgefasste, oft ideologische Position vertreten und nicht davon überzeugt sind, dass die Daten, auf die sie sich stützen, einer kritischen Überprüfung standhalten.“

Mit dem „Expertenteam“ sind die Befürworter im „Prüfprozess“ der Hamburger Umweltbehörde entsprechend dem Memorandum of Understanding gemeint.

Dr. Brown: Jetzt keine öffentliche Diskussion über dieses Projekt!

Dr. Brown weiter: „Ich möchte, dass die Machbarkeitsstudie ungehindert von „wissenschaftlichem Aktivismus“ vorangetrieben wird, damit wir gute Ergebnisse und klare Empfehlungen erhalten. Dann können die Diskussionen und die Debatte beginnen.“

„Es scheint, dass die Leute, die gegen das Busch-Biomasse-Projekt sind, eine öffentliche Debatte in diesem sehr frühen Stadium erzwingen wollen, egal wie unangemessen das für einen ausgewogenen und fairen Prozess sein mag. Ich verteidige den Prozess. Daher werde ich von meiner Seite aus nicht helfen, indem ich ihr Feuer mit Sauerstoff versorge. Ich hoffe, dass die wissenschaftliche Gesellschaft einen ähnlichen Ansatz verfolgen wird. Wenn die Machbarkeitsstudie abgeschlossen ist und wir die Informationen haben, dann lassen Sie uns reden, diskutieren und debattieren.“

Dem Hamburger Energietisch teilte Dr. Brown mit:

„Jegliche Maßnahmen Ihrer Organisation oder ihrer Vertreter, die auf unfaire Weise oder durch Fehlinformationen versuchen, den Namen der NCE oder meiner Person zu beschmutzen, werden entschieden abgelehnt.“

„Die namibische Umweltkammer (NCE) wird den Brief von Prof. Dietrich Rabenstein nicht in Umlauf bringen, da ich das Wettbewerbsumfeld in Bezug auf die von Earthlife Namibia verbreitete Erklärung und Pressemitteilung angeglichen habe.“

„Ich habe anderen auf Mitgliedschaft basierenden Organisationen in Namibia geraten, ebenfalls zu vermeiden, zu diesem verfrühten Zeitpunkt eine öffentliche Debatte über dieses Projekt zu fördern.“

Lockdown der Diskussion über einen Buschholzexport aus Namibia

Dr. Brown: „Die Machbarkeitsstudie über das Busch-Biomasse-Projekt beginnt gerade erst, und es ist verfrüht, ein öffentliches Interesse zu wecken, das einer präventiven Befürwortung einer Initiative gleichkommt, bevor alle Einzelheiten verstanden sind. In Namibia umfasst unser formeller Prozess ein öffentliches Engagement, das dazu beitragen soll, die Schlüsselfragen einer Entwicklung zu identifizieren, dann eine Reihe von Studien, um die Kosten, den Nutzen und mögliche Abhilfemaßnahmen im Zusammenhang mit diesen Fragen zu verstehen, dann die Bereitstellung der Informationen für alle interessierten und betroffenen Parteien, und dann die Erörterung der Frage und die Entscheidungsfindung. Wir halten es für zutiefst unprofessionell, zu versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, bevor die Studien über den Machbarkeitsprozess abgeschlossen sind.“

Die „anderen auf Mitgliedschaft basierenden Organisationen in Namibia“ scheinen sich Dr. Browns Vorgabe unterzuordnen. Für die Mitglieder der Umweltorganisation Earthlife Namibia hat das sehr unangenehme Folgen. Sie werden sozial ausgegrenzt und eingeschüchtert. Sie müssen mit schlimmen persönlichen Auswirkungen rechnen, wenn der geplante Buschholzexport scheitern sollte.

Hält sich die Hamburger Umweltbehörde
an den Rat von Dr. Brown?

In Hamburg hat die Umweltbehörde auf ihrer einschlägigen Internetseite zum Thema Biomasse-Partnerschaft Hamburg-Namibia zu drei jeweils dreistündigen virtuellen Konferenzen mit der Konferenzsprache Englisch zwischen dem 26.11.2020 und dem 8.12.2020 eingeladen. Laut Veranstaltern soll auch über den Stand der Diskussionen in den Arbeitsgruppen des von der Behörde für Umwelt, Energie, Klima und Agrarwirtschaft (BUKEA) durchgeführten Prüfprozesses zu dieser Partnerschaft berichtet und zu einer öffentlichen Diskussion angeregt werden. Das ist zwar ganz sicher keine ergebnisoffene Diskussion über den Buschholzimport nach Hamburg, aber auch kein Maulkorb für alle Kritikerinnen und Kritiker.

Öffentliche Diskussion in Hamburg,
Maulkörbe in Namibia?

In Namibia dagegen, dem besonders betroffenen Land, wurde von Dr. Brown ein wirksamer Diskussions-Lockdown verhängt, der nach seinen Ausführungen noch lange nicht beendet sein dürfte, wenn Hamburg den Buschholz-Import fertig geprüft und sich entschieden haben wird. Bisher wird von der Umweltbehörde Mitte 2021 als Termin hierfür genannt.

Wer auf Lockerungen des Brown´schen Lockdowns für Diskussionen in Namibia hofft, wird wohl noch viel länger warten müssen.

Wer hier die Wirkungen neokolonialistischer Strukturen sieht, liegt wohl nicht ganz falsch.

(Übertragung aus dem Englischen ins Deutsche durch die Redaktion des HET)

30. Oktober 2020
von Redaktion
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Meilenstein für den Klimaschutz bei der Kohleverbrennung in Wedel?

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Laut einer Pressemitteilung der Wärme Hamburg GmbH vom 26.Oktober 2020 hat der Aufsichtsrat eine Reduzierung der Kohleverbrennung im Heizkraftwerk Wedel beschlossen. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung wird die Wärme Hamburg den Kohleeinsatz ab sofort um 20 Prozent und ab 2023 um mindestens 30 Prozent pro Jahr reduzieren. Letzteres entspricht rund 150.000 Tonnen Kohle pro Jahr, die künftig weniger verbrannt werden sollen (Bild 1).

Bild 1: Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg zur Reduzierung der jährlichen Kohleverbrennung in Wedel (blau) und entsprechende Verminderung des CO2-Ausstoßes

Nach Bild 1 sollen bis zur Heizperiode 2022/2023 im Vergleich zu heute die Effekte 1 und 2 wirksam werden und zwar durch eine „Einsatzoptimierte Fahrweise“ und eine „Modifizierte Einsatzplanung“. „Möglich wird diese Reduktion vor allem durch eine Verlagerung auf andere gasgefeuerte Wärmeerzeuger im Kraftwerkspark der Wärme Hamburg“, behauptet die Pressemitteilung von Wärme Hamburg. Gemeint ist dabei vor allem das Erdgas-gefeuerte Gas- und Dampf-Kraftwerk am Standort Tiefstack.

Ab der Heizperiode 2022/2023 soll der Einsatz einer 80 Megawatt Power-to-Heat-Anlage am Standort Wedel dazukommen, in der nach dem Tauchsieder-Prinzip Wärme mit Direktstrom erzeugt und so Kohle verdrängt werden soll. Dazu unten mehr.

Die ersten auf die Ankündigung dieser Selbstverpflichtung folgenden Bewertungen sind recht unterschiedlich:

Für Manfred Braasch vom BUND Hamburg ist eine Drosselung des Einsatzes von Kohle in Wedel „eine gute Nachricht für den Klimaschutz“.

Der klima- und energiepolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm, nannte laut Süddeutscher Zeitung Kerstans Pläne dagegen eine Mogelpackung. Sie seien nicht mehr als „eine homöopathische Maßnahme mit grünem Anstrich“. Dafür werde die Drosselung des Kohleeinsatzes die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusätzlich belasten. Die Folge seien höhere Preise für die Fernwärmekunden. Eine Begründung für diese Einschätzung gab Gamm leider nicht.

Dr. Beckereit, der Technische Geschäftsführer der Wärme Hamburg GmbH, nannte als CO₂-Einsparkosten ca. zehn Euro pro Tonne und Jahr – ein erstaunlich niedriger Wert.

Der Verzicht auf diesen Kohle-Einsatz würde Wärme Hamburg bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr kosten. Für eine Absenkung um rund 240.000 t CO2 durch die Effekte 1 und 2, berechnet nach Bild 1, ergibt sich Beckereits Wert bei Zugrundelegung von etwa zwei Jahren.

Bild 2: Umfang der jährlichen Stromerzeugung im HKW Wedel (Daten: Fraunhofer ISE). Bei den Werten von 2020 fehlen noch die Monate November und Dezember

Eine PR-Maßnahme mit Sowieso-Effekten?

Es lohnt sich, die Angaben der Wärme Hamburg GmbH etwas näher zu betrachten. Vor allem ist die Frage zu stellen, wieviel von der versprochenen Reduktion des Kohleeinsatzes ohnehin erfolgt wäre.

Wir betrachten zunächst die „Effekte 1 und 2“, die „Einsatzoptimierte Fahrweise“ und die „Modifizierte Einsatzplanung“.

Seit 2019 ist die Stromerzeugung in den beiden Blöcken des HKW Wedel deutlich abgesunken (Bild 2). Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2017 und 2018 verminderte sich die Stromerzeugung um 16 % (2019) und um 22 % (2020 – mit einer Korrektur für die beiden letzten Monate). Als Gründe kommen in Frage: Das wachsende Angebot an erneuerbarem Strom, der Anstieg der Emissionshandels-Preise und im Jahr 2020 auch die gesunkene Nachfrage nach Strom auf Grund der CORONA-Pandemie. 

Bild 3: Umfang der jährlichen Stromerzeugung in Block 2 des HKW Tiefstack (Daten: Fraunhofer ISE). Beim Wert von 2020 fehlen noch die Monate November und Dezember

In Bild 3 finden sich für den im Kohle-Heizkraftwerk Tiefstack erzeugten Strom ähnliche Rückgänge: 14 % (2019) und 23 % (2020 – mit einer Korrektur für die beiden letzten Monate).

Mit den Angaben in Bild 1 lässt sich ein selbstverpflichteter Rückgang der Kohle-Verbrennung in den nächsten zwei Jahren um 21 % berechnen. Steinkohle wird in den Heizkraftwerken Hamburgs allerdings nicht nur zur Erzeugung von Strom, sondern auch für die Wärmeversorgung eingesetzt. Da die Tendenzen für die Abnahme des Strombedarfs wohl anhalten werden, dürfte ein erheblicher Teil der Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg der ohnehin stattfindenden Reduzierung der Nachfrage nach fossilem Strom entsprechen.

Auch die „Verlagerung auf andere gasgefeuerte Wärmeerzeuger“, also eine stärkere Nutzung des Gas-Heizkraftwerks in Tiefstack, bietet sich ohnehin wegen der seit 2019 gesunkenen Gaspreise an.

Dr. Beckereit: „Die Einsparung von Kohle erfolgt durch ein detailliert von der Wärme Hamburg ausgearbeitetes Steuerungsprogramm, das unter Berücksichtigung von angestrebter CO₂-Reduktion, Betriebs- und Belastungszustand der Anlage sowie der aktuellen Marktdaten die Fahrweise vorgibt.“ Das klingt nach peniblen, detaillierten Berechnungen. Auffällig ist allerdings, dass sich für die drei Effekte in Bild 1 genau die gleichen Kohle-Absenkungswerte von 50.000 Tonnen pro Jahr ergeben haben – ein Zufall?

Wie sich Stromnachfrage und Preise der Rohstoffe weiterentwickeln werden, ist trotz des gegenwärtig abnehmenden Trends bei der Nachfrage nach Kohle-Strom nicht sicher vorherzusagen. Wenn sich insbesondere durch die Abschaltung des Kernkraftwerks Brokdorf spätestens Ende 2021 und durch die beantragte Stilllegung des Kraftwerks Moorburg die Nachfrage nach fossilem Strom wieder beträchtlich erhöhen sollte, dann könnte die Wärme Hamburg GmbH damit natürlich leicht Reduzierungen bei der Selbstverpflichtung zur Senkung des Kohleeinsatzes begründen …

Keine Sommerpause für die Berieselung mit ätzenden Partikeln in Wedel

Beim 10. Hamburger Wärmedialog am 4. Februar 2020 setzte die EnergieNetz Hamburg eG auf eine „Umarmungsstrategie“, um eine Senkung des Kohleeinsatzes in Hamburg zu erreichen.  Bei diesem Vorgehen überhäuft der Bittsteller den zu Bittenden mit Schmeicheleien in der Hoffnung, damit Zugeständnisse zu erreichen. Bei Betrachtung des bisherigen Resultats muss vorläufig ungeklärt bleiben, ob diese Strategie als erfolgreich zu bewerten ist.

Die Umweltbehörde erklärte hierzu: „Nach dem Rückkauf der Wärmegesellschaft Ende 2019 erfolgte die Konzeptentwicklung für die Kohlereduzierung aufgrund von Impulsen der EnergieNetz Hamburg eG und des Ökoinstituts Freiburg. In einer Kurzstudie hatte das Ökoinstitut angeregt, über ein Kohlebudget CO2-Einsparungen zu erzielen. Längere Anlagenstillstände wurden aufgrund des Kraftwerksalters hingegen nicht empfohlen.“

„Längere Anlagenstillstände“ bezieht sich auf eine Sommerpause bei der Stromerzeugung in Wedel. Diese wird schon lange von den Anwohnern des Kraftwerks in Wedel und Hamburg, die von ätzenden Partikeln geplagt werden, gefordert.

Dazu die SZ: „Kerstan räumte ein, dass die Bürgerinitiative, die das Kraftwerk schon lange abgeschaltet sehen will, jetzt nicht jubeln werde. Er wies aber auch drauf hin, dass den Anwohnern nach dem jetzigen Konzept der ursprünglich geplante Bau eines Gaskraftwerks im schleswig-holsteinischen Wedel erspart bleibe. Denn „ein Gaskraftwerk hat durchaus auch Ausstöße und Schadstoffbelastungen für die Anwohner“, sagte Kerstan.“

Dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Wärme Hamburg GmbH scheint dabei entgangen zu sein, dass die Juristen der Wärme Hamburg GmbH sich hartnäckig weigern, auf den Anspruch für den Bau eines Gaskraftwerks in Wedel zu verzichten. Die Anwohner:innen in Wedel müssen daher auch noch für diesen juristischen Streit hohe Kosten aufbringen.

Die Wedeler Grünen haben am 29.10.2020 erneut gefordert, das Wedeler Kraftwerk auch im Sommer zu drosseln.

Viele offene Fragen rund um einen 80 Megawatt-Tauchsieder

Für das Projekt einer 80 Megawatt Power-to-Heat-Anlage am Standort Wedel ist ein sehr enger Zeitrahmen vorgegeben. Die Anlage soll ab der Heizperiode 2022/2023 zum Einsatz kommen.

Gespräche mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz zum Bau dieser großen Tauchsieder-Anlage begannen nach Angaben des Senats im Sommer 2019. Für die Errichtung der Anlage sind eine Baugenehmigung sowie eine Anzeige gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) erforderlich.

In Wedel wurde die Planung im Planungsausschuss am 20. Oktober 2020 und im Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss am 22. Oktober 2020 vorgestellt, während die Ausschreibung bereits seit Mitte August lief. Im November 2020 soll der Bauantrag gestellt werden und schon im zweiten Quartal 2021 soll mit dem Bau begonnen werden (Bild 4 in der WH-Präsentation). Schafft die Wärme Hamburg es nicht, die Anlage bis Ende 2022 in Betrieb zu nehmen, sind für jeden Monat hohe Vertragsstrafen an 50Hertz zu zahlen.

Die Kosten für die mit 80 Megawatt elektrischer Leistung bislang größte Power-to-Heat-Anlage in der BRD in Höhe von 26 bis 30 Millionen Euro übernimmt der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Hamburg Wärme soll die Anlage am Standort des HKW Wedel errichten und in den nächsten fünf Jahren betreiben. Eine längerfristige Fortsetzung ist geplant. Die Investitions- und Betriebskosten einschließlich der entfallenden Einnahmen aus der Strom- und Wärmeerzeugung des HKW Wedel werden durch den Übertragungsnetzbetreiber erstattet.

Abgesehen von der Verlängerung sind diese Vertragsbestimmungen für das Redispatch von KWK-Leistung im Rahmen von § 13 Absatz 6a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) („Nutzen statt Abregeln“) gesetzlich vorgegeben.

Für Wärme Hamburg gilt nach Tabelle 1 in der Drs. 22/1301, dass die Wärmeerzeugung im Heizkraftwerk Wedel um bis zu 80 MW (thermisch) reduziert werden kann, wenn mit elektrischem Strom aufgeheiztes Wasser verfügbar ist. Nach einem Bericht im Wedel-Schulauer Tageblatt ist vertraglich festgelegt, dass auch die elektrische Leistung des HKW Wedel um den gleichen Betrag reduziert wird.

Der Strom soll aus Windparks an Ost- und Nordsee stammen, zunehmend auch von Offshore-Anlagen, und im 110 KV-Netz in Wedel ankommen. Durch „Redispatch“ soll das Abregeln von Windstrom reduziert werden. Der Bezug von Strom, der andernfalls abgeregelt würde, interessiert aber auch viele Abnehmer, die mit den für ein Fernwärmeunternehmen geltenden wirtschaftlichen Bedingungen konkurrieren müssten: Erzeuger von Wasserstoff und Betreiber von industriellen Anlagen in Hafen (Stahl, Aluminium, Raffinerien). Wie wird sich diese Konkurrenzsituation auswirken?

Nach S. 6 der WH-Präsentation wird das jährliche Einsatzpotential vom Übertragungsnetz-Betreiber 50Hertz auf über 1.000 Betriebsstunden geschätzt. An mehr als 1000 von 8760 Stunden im Jahr (oder nur den Stunden einer Jahres-Heizperiode?) soll erneuerbarer Strom mit beträchtlicher Leistung in Wedel verfügbar sein, der ohne diese Verwendung abgeregelt würde.

Die aktuelle Planung zum Ersatz des Kraftwerks in Wedel sieht den Start der Inbetriebnahme in der Heizperiode 2023/24 vor, so die Erklärung der Umweltbehörde. Nach Sicherstellung eines stabilen Dauerbetriebs soll 2025 die endgültige Abschaltung des Kraftwerks Wedel erfolgen. Wenn die Power-to-Heat-Anlage Im Januar 2023 in Betrieb geht, dann bleibt bis zur Lieferung von Fernwärme aus Dradenau und der Abschaltung des HKW Wedel nur wenig Zeit für einen rentablen Einsatz dieser Anlage. Ob bei Vertragsabschluss die Wirtschaftlichkeit wohl konservativ untersucht worden ist?

Dazu kommen eine Reihe von weiteren Fragen:

  • Wieviel zahlt das Fernwärmeunternehmen für die übernommen Wärme an 50Hertz?
  • Welche Zwänge zur Abnahme von erneuerbarem überschüssigem Strom bestehen für Hamburg Wärme, sobald das HKW Wedel in den Reservebetrieb übergeht, wenn die Anlagen in Dradenau Fernwärme liefern?
  • Nach § 13 Absatz 6a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) ist der hier geregelte Dispatch-Vertrag daran gebunden, dass die KWK-Anlage, deren Wärme durch Strom ersetzt wird, vor dem 1. Januar 2017 in Betrieb gegangen ist. Das gilt für das jetzige HKW Wedel. Gilt sie nach dem Abschalten des HKW Wedel weiter für die Ersatzanlagen?
  • Wie wird der Betrieb der Wärme-aus-Strom-Anlage in Wedel nach der Abschaltung des HKW Wedel ablaufen? Ist dann nicht der Bau eines zusätzlichen Heizkraftwerks in Wedel notwendig? (vgl. dazu das Schaltschema mit der Einbindung in das städtische Fernwärmenetz auf S. 5 der WH-Präsentation)
  • Nach § 13 Absatz 6a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) ist der Vertrag daran gebunden, dass die KWK-Anlage, deren Wärme durch Strom ersetzt wird, in einem Netzausbaugebiet liegt. Wird Wedel auch für eine Nachfolgeanlage noch in einem Netzausbaugebiet liegen?
  • Alle anderen Maßnahmen nach § 13 EWG Absatz 1 Nummer 2 haben Vorrang vor der Anwendung von § 13 Absatz 6a EnWG, einer Wärme-aus-Strom-Anlage. Ist damit sichergestellt, dass durch diesen Tauchsieder-Einsatz nicht wichtigeren Anwendungen wie der Erzeugung von Wasserstoff, Aluminium und Stahl der erneuerbare Strom weggeschnappt wird?
  • Auch in Dradenau soll eine Power-to-Heat-Anlage gebaut werden (30 MW). Inwieweit steht diese in Konkurrenz zu der in Wedel um erneuerbaren Strom?

10. Oktober 2020
von Redaktion
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Ersatz der Steinkohle in Hamburger Heizkraftwerken durch Buschholz aus Namibia?

Die Hamburger Umweltbehörde prüft weiter mit handverlesenen Willigen

Nach einem Memorandum of Understanding „Biomass partnership with Namibia“, das von der Umweltbehörde am 7. Mai 2020 unterzeichnet wurde, wurden drei Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Nutzung von Biomasse aus Namibia in Hamburg beschäftigen sollen und zwar mindestens 12 Monate lang.

Die Arbeitsgruppe 1 soll Pro´s und Kontra´s für die vorgeschlagene Biomassenutzung in Deutschland bzw. außerhalb von Namibia zusammentragen. Die Risiken aus umwelt-, entwicklungspolitischer und kommunikativer Sicht sollen analysiert werden. Danach wird sich diese Arbeitsgruppe auf die Entwicklung einer soliden Kommunikationsstrategie / eines Konzepts für eine Biomasse-Partnerschaft mit Namibia konzentrieren. Sie ist also für die PR zuständig.

Schon am 31. Juli 2020 erklärte die Umweltbehörde BUKEA zu den Arbeitsgruppen: „Deren Aufgabe ist es zu prüfen, wie die Idee, namibisches Buchholz nach Hamburg zu bringen und zu verfeuern, langfristig und nachhaltig umgesetzt werden kann.“

Stephan Jersch von der Fraktion die LINKE in der Bürgerschaft nahm „umgesetzt“ wörtlich und fragte den Senat in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage (Frage 11):  „Ist diese Aussage so zu verstehen, dass der Import von Buschholz aus Namibia nach Hamburg bereits beschlossen ist und nur noch die angegebenen Prüfungen für die Umsetzung durchzuführen sind?“

Der Senat antwortete am 22. September 2020 kurz und prägnant:

„Nein, es handelt sich um einen ergebnisoffenen Prüfprozess.“

Ergebnisoffen?

An und für sich tagen diese Arbeitsgruppen hinter verschlossenen Türen und es bleibt geheim, was dort von und mit wem verhandelt wird. Jersch wollte es aber genauer wissen und fragte nach den gesetzten TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppen (Frage 6). Wird alles, was über die Arbeitsgruppe 1 bekannt ist zusammengetragen, so ergibt sich ein erstaunliches Ergebnis:

Von 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterstützen mindestens 15 die Biomasse-Partnerschaft. Drei zur ersten Video-Konferenz am 2. Juli 2020 eingeladene Personen, die erkennbar kritisch waren, wurden weder zu einer angekündigten zweiten Video-Konferenz noch zu den Arbeitsgruppen eingeladen. Dieses Missverhältnis ist so krass, dass selbst der Projektverantwortliche der GIZ in Namibia, Johannes Laufs, äußerte, es sei „nicht gewollt, nur Befürworter dabei zu haben“.

Am 9. Oktober 2020 haben sich 18 umwelt- und entwicklungspolitische Verbände aus dem In- und Ausland mit einer „Gemeinsamen Stellungnahme gegen den Import von Buschholz aus Namibia für Hamburger Kraftwerke“ an die Öffentlichkeit gewandt. (Weitere wie CampusGrün Hamburg sind inzwischen dazugekommen.) Die Verbände erklärten, dass die geplante Biomasse-Partnerschaft gegen alle Forderungen des Volksentscheids zum Rückkauf der Hamburger Energienetze verstoße. Dieser Volksentscheid ist bindend für Bürgerschaft und Senat.

Was soll da noch lange geprüft werden?

Die Umweltbehörde reagierte laut Hamburger Abendblatt verstockt:

Die Ergebnisse der Auswertung frühestens im Sommer 2021 erwartet und präsentiert werden. „Wir würden uns freuen, wenn sich alle an dem Thema Interessierten bis dahin in Geduld üben“, so Behördensprecher Björn Marzahn. Die Unterzeichner befürchten jedoch, dass eine öffentliche Diskussion zum Thema erst dann zu erwarten ist, wenn sie nicht mehr ergebnisoffen sei.

Die Farce mit den Arbeitsgruppen geht also weiter. Geduld …  Geduld …!

Der etwas übernutzte Ratschlag – dem, der nicht mehr weiter weiß, wird geraten „gründe einen Arbeitskreis!“ kann in diesem Fall abgewandelt werden:

„Ist der Volksentscheid Dir schnuppe,
gründe eine Arbeitsgruppe!“

18. August 2020
von Redaktion
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Ersatz der Steinkohle-Fernwärme aus Tiefstack mit Gas-Fernwärme aus Moorburg?

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Mit einer „Machbarkeitsstudie zur Umwandlung des Kraftwerkes Moorburg und Aufbau einer großen Elektrolyseanlage“ soll bis zum 30. Juni 2021 der Ausstieg aus der Steinkohle-Verfeuerung im Kraftwerk Moorburg untersucht werden.

Laut dem Koalitionsvertrag vom 2. Juni 2020 soll damit geklärt werden, „ob und wie ein Teil des bisherigen Kohlekraftwerks zu einer GuD-Anlage auf der Basis von Erdgas umgerüstet werden könnte, die der Stromproduktion bei gleichzeitiger Erzeugung von Wärme dienen würde.“

Bis zum Jahr 2025 soll einer der beiden Steinkohleblöcke in ein Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) umgewandelt werden, der andere Steinkohleblock soll dann stillgelegt werden.

Eine der Leitfragen für die Machbarkeitsstudie lautet gemäß der Ausschreibung: „Welche Bedeutung hat eine Einbindung in das Fernwärmenetz und wie kann diese realisiert werden?“

Sicherlich ist mit dem „Fernwärmenetz“ das zentrale Hamburger Fernwärmenetz der Wärme Hamburg GmbH gemeint. In dieses Netz soll also ab 2025 Gas-Fernwärme aus einem GuD in Moorburg eingespeist werden.

Bild 1: Eine Wiederbelebung der Wärme-Anbindung WA MOOR?
(Bild: Vattenfall, Scoping-Unterlagen vom April 2018)

Eine Fernwärme-Anbindung des Kraftwerks Moorburg hatte Vattenfall schon einmal im April 2018 vorgeschlagen, allerdings für Kohle-Fernwärme (Bild 1). Inzwischen gibt es weit gediehene Pläne zum Bau eines GuD in Dradenau mit einer thermischen Leistung von 290 MW. Eine Frage der LINKEN in der Bürgerschaft, ob „eine Umrüstung des Kohlekraftwerks Moorburgs zum GuD Einfluss auf die Planung des GuD am Standort Dradenau habe, beantwortete der Senat mit: „Nein. Die Planungen für den Energiepark Hafen als Ersatz für das Kraftwerk Wedel sind weit fortgeschritten und gehen noch 2020 in die Umsetzung.“ (Drucksache 22/861 vom 4.8.2020).

Wärmeleistungen

Ein Steinkohleblock des Kraftwerks Moorburg besitzt eine maximale elektrische Leistung von 800 MW. Die maximale Fernwärmeleistung aus beiden Blöcken ist auf 650 MW ausgelegt.

Da nicht nur die zurzeit geringe Stromerzeugung des Kraftwerks Moorburg, sondern bald auch die des Kernkraftwerks Brokdorf ersetzt werden muss, dürfte die elektrische Leistung eines GuD in Moorburg kaum wesentlich geringer sein als die von einem der jetzigen Blöcke. Für eine gute Ausnutzung der Energie des Brennstoffs sollte wiederum die thermische Leistung dieser neuen KWK-Anlage nicht viel niedriger sein als ihre elektrische Leistung.

Würde nun eine thermische Leistung von bis zu 600 MW aus einem GuD in Moorburg zu der thermischen Leistung von rund 300 MW des geplanten „Energieparks Hafen“ in Dradenau hinzugefügt und danach noch 60 MW vom Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) und weitere Fernwärme aus Wedel, die sich mit der Planung einer Power-to-Heat-Anlage in Wedel bereits andeutet, so müsste die Fernwärmeleitung vor dem Heizwerk Haferweg bis zu 1000 MW transportieren können. Bisher kamen aus Wedel aber nur bis zu 400 MW.

Auch wenn man die thermische Leistung des GuD in Moorburg deutlich geringer wählen würde als 600 MW, bliebe weiterhin das Problem, dass aus dem westlichen Fernwärmenetz bei höherem Fernwärmebedarf viel mehr Wärme ins Netz – in den mittleren und östlichen Teil – zu übertragen wäre als es die vorhandenen hydraulischen Restriktionen zulassen.

Daher stellt sich durchaus die Frage, ob es sinnvoll ist, sowohl in Dradenau als auch in Moorburg Fernwärme mit neuen Gas- und Dampfkraftwerken zu erzeugen, die in Bahrenfeld in die Wedelleitung eingespeist werden würde. Sollte nicht doch in Dradenau umgeplant werden?

Ausweg aus hydraulischen Problemen:
eine südliche Trasse nach Tiefstack

Als Ausweg aus dem beschriebenen Problem bietet es sich an, für Fernwärme aus Moorburg einen anderen Weg der Einbindung in der städtische Fernwärmenetz zu wählen. Bild 2 zeigt eine neue Verbindung, die von einem Hub bei der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) auf die vom Unternehmen AURUBIS kommende Fernwärmeleitung trifft und parallel zu dieser, ohne Elbuntertunnelung in das westliche und mittlere Fernwärmenetz führt.

Bild 2: Einbindung der Fernwärme aus Moorburg in den östliche Netzteil beim HKW Tiefstack (Bild unter Nutzung einer Bildvorlage der WH)

Der Jahresdauerlinie aus dem Jahr 2016 in Bild 3 lässt sich entnehmen, dass 2016 bei hohem Fernwärmebedarf etwa 400 MW Fernwärme vom Kohle-Heizkraftwerk Tiefstack und GuD Tiefstack ins Netz eingespeist wurden. Inzwischen ist der Bedarf des gesamten Netzes etwas angewachsen. Es stehen zukünftig aber auch Wärmebeiträge von AURUBIS (40 MW) und vom geplanten Umbau der 3. Linie (Altholz) in der Borsigstraße (bis zu 70 MW) zur Verfügung.

Bild 3: Jahresdauerlinie des Hamburger Fernwärmenetzes im Jahr 2016 (Bildquelle: Vattenfall).
An der vertikalen Achse lassen sich die maximalen thermischen Leistungen ablesen

In Verbindung mit dem Kohleausstieg in Tiefstack würde es sich daher anbieten, die Wärme der klimafreundlichen (industriellen) Wärmequellen in der Nähe der MVR in die vorgeschlagene Südschiene (die Leitung zum östlichen Netz) zu integrieren. Auf ein eigenes GuD in Dradenau könnte in diesem Fall kostensparend verzichtet werden.

Vorteile einer Südschiene von Moorburg ins östliche Netz

  1. Der Kohleausstieg in Tiefstack könnte kurz nach der Inbetriebnahme des geplanten GuD in Moorburg erfolgen.
  2. Ein Netzausbau zur Bereinigung hydraulischer Engpässe in der Innenstadt für die aus dem westlichen Teil kommende Fernwärme wäre nicht nötig.
  3. Ca. 200 Mio. Euro für eine Elbtrasse von Dradenau nach Bahrenfeld könnten eingespart werden. Zur Nutzung der Abwärmequellen im Hafen wäre diese nicht nötig und der Ersatz der Fernwärme aus Wedel könnte entsprechend den Vorschlägen des Beratungsbüros BET aus dem Jahr 2015 und nach den Ergebnissen der Arbeitsgruppe des Energienetzbeirats im Stellinger Moor neben dem ZRE erfolgen.
  4. Mit einer Südschiene von Moorburg in den östlichen Teil des Fernwärmenetzes könnte in erheblichem Umfang Geld eingespart werden. Da eine Trasse von der MVR zur AURUBIS-Trasse in Industriegebieten verlegt werden könnte und kein Elbtunnel nötig wäre, wäre auch mit geringeren Akzeptanz-Problemen zu rechnen als bei der beantragten Fernwärmetrasse FWS-West durch Othmarschen, Groß Flottbek und Bahrenfeld, gegen die sich Klagen abzeichnen.

15. August 2020
von Redaktion
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Nun doch Fernwärme aus Hamburg-Moorburg?

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Die Hamburger Finanzbehörde hat am 21. Juli 2020 einen Wettbewerb um die Erstellung einer „Machbarkeitsstudie zur Umwandlung des Kraftwerkes Moorburg und Aufbau einer großen Elektrolyseanlage“ ausgeschrieben.

Bewerbungsschluss ist der 21. August 2020. Als Vertragsbeginn ist der 1. Dezember 2020 geplant und zum 30. Juni 2021 soll die Machbarkeitsstudie fertig sein.

Überraschung:

Es „soll die Anbindung eines umgerüsteten Kraftwerkes Moorburg an das Fernwärmenetz in die Untersuchung als eine wesentliche Variante eingebunden und bewertet werden“, so das „Technische Leistungsverzeichnis“ der Ausschreibung.

Zum Zweck einer Anbindung des Steinkohle(!)-Heizkraftwerks Moorburg hatte Vattenfall schon im April 2018 ein Scoping-Verfahren gestartet, das aber von der Umweltbehörde gestoppt wurde (Bild).

Eine Wiederbelebung der Wärme-Anbindung WA MOOR?
(Bild: Vattenfall, Scoping-Unterlagen vom April 2018)

Am 20. Februar 2020, drei Tage vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, kündigten Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher und Wirtschaftssenator Westhagemann an, das Kohlekraftwerk Moorburg solle schneller vom Netz genommen werden: Einer der beiden 800-MW-Blöcke des erst seit 2015 laufenden Kohlekraftwerks könne auf Gas umgestellt werden. Der zweite 800-MW-Block würde vom Netz gehen, sobald der erste Block umgerüstet sei. Nun scheint das Ganze konkreter zu werden. Die am 20. Februar 2020 angekündigte Machbarkeitsstudie kommt:

„Das Kraftwerk Moorburg ist heute der mit Abstand größte Emittent von Kohlendioxid in Hamburg. Vor dem Hintergrund der Klimaschutzvorgaben des Senates sowie der Rahmenvorgaben auf nationaler Ebene (Kohleausstiegsgesetz) soll eine Umstellung des Kraftwerkes auf einen möglichst emissionsfreien Betrieb schnell erfolgen, mögliche Konzepte sollen mit Unterstützung durch die Betreiberin untersucht werden.“ („Technische Leistungsverzeichnis“ der Ausschreibung)

Dass es dabei vor allem auch um Wasserstoff gehen soll, wissen wir seit der letzten Wahl zur Bürgerschaft: „Eine integrative Betrachtung unter Berücksichtigung der Strom-, Wärme- und Wasserstoffproduktion eröffnet dabei die Möglichkeit, intelligente und wirtschaftlich sinnvolle (Nach-)Nutzungsmodelle für den privilegierten Standort und die bestehende Infrastruktur zu entwickeln.“

Neben Strom und Wasserstoff steht im „Technischen Leistungsverzeichnis“ also auch „Wärme“.

„Hat eine Umrüstung des Kohlekraftwerks Moorburgs zum GuD Einfluss auf die Planung des GuD am Standort Dradenau?“ fragte konsequenterweise die LINKE in der Bürgerschaft nach der Drucksache 22/861 vom 4.8.2020.

Antwort des Senats: „Nein. Die Planungen für den Energiepark Hafen als Ersatz für das Kraftwerk Wedel sind weit fortgeschritten und gehen noch 2020 in die Umsetzung.“

Diese Einschätzung entspricht wohl dem üblichen Zweckoptimismus der Umweltbehörde bei Planungsterminen. Denn mit der Planfeststellung für die Elbtrasse ist erst 2021 zu rechnen. Aber es stellt sich schon die Frage: Ist sich der ganze Senat hier eigentlich einig?

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10. August 2020
von Redaktion
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Sommer in Hamburg: Kohlestrom aus Wedel für den Profit!

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Es ist heiß in Hamburg im August 2020. Fernwärme aus den Kohle-Heizkraftwerken braucht jetzt niemand.

Doch die beiden Blöcke des alten, maroden Steinkohle-Heizkraftwerks Wedel erzeugen Strom und berieseln die AnwohnerInnen mit ätzenden Partikeln:

Block Wedel 2 ist seit dem 10. Juli wieder in Betrieb. Block Wedel 1 wurde am 29. Juli zugeschaltet.

Stromerzeugung in den beiden Blöcken des Kohlekraftwerks Wedel vom 1.1. bis zum 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Block 1 ging vom 2. Juni bis zum 10. Juli für fünf-einhalb Wochen in die sommerliche Revision.

Block 2 wurde schon am 9. Mai abgeschaltet und erst nach elf-einhalb Wochen wieder in Betrieb genommen. Höchst gefährlich, so erklärte der Betriebsleiter des Heizkraftwerks Wedel bei einer Märchenstunde am 4. Februar 2020 den staunenden ZuhörerInnen des 10. Wärmedialogs. Einen Kohleblock wie in Wedel über mehr als vier Wochen zu konservieren, sei keineswegs ratsam. Er könnte beim Wiederanfahren glatt seinen Dienst verweigern und was dann?

Das Öko-Institut leistete bei dieser Argumentation mit einem Kurzgutachten  willkommene Unterstützung, ohne sich richtig über das Hamburger Fernwärmesystem kundig gemacht zu haben.

Sogar reiner Moorburg-Strom ist viel weniger klimaschädlich als reiner Wedel-Strom

Genügend warmes Wasser kann für das ganze Fernwärmenetz in den Sommermonaten leicht von der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße und – wenn nötig – vom Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) Tiefstack geliefert werden.

Alternativen zum Kohlestrom aus Wedel:

Stromerzeugung des GuD-Kraftwerks in Tiefstack zwischen dem 1.1. und dem 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Die Stromerzeugung aus dem Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) Tiefstack, die parallel zur Erzeugung von Warmwasser stattfindet, ist kaum kleiner als die Stromerzeugung in Wedel. Sie ist aber weniger klimaschädlich.

Stromerzeugung im Kraftwerk Moorburg vom 1.1. bis zum 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Das Defizit-Kraftwerk Moorburg steht derweil die meiste Zeit still, Block A schon seit März 2020. Und obwohl dieses Kohlekraftwerk der allgemeinen Verachtung ausgesetzt ist: Wenn es um reine Stromerzeugung ohne Wärmeauskoppelung geht, macht Moorburg mit seinem besseren elektrischen Wirkungsgrad doch viel mehr elektrischen Strom aus der Steinkohle als Wedel.

Um dann gibt es natürlich noch Wind- und Solarstrom. Dazu gleich mehr.

Strömungsumkehr auf der Wedelleitung Anfang Juni

Am 2. Juni 2020 wurde auf der Fernwärmeleitung nach Wedel die „Strömungsumkehr“ eingeleitet. Heißes Wasser floss seither nicht mehr von Wedel in die Stadt Hamburg, sondern in umgekehrter Richtung aus der Stadt Hamburg nach Wedel. Dabei hätte die Wärme Hamburg GmbH es eigentlich belassen können bis Mitte oder Ende September, wenn wieder Fernwärme zum Heizen gebraucht wird.

Der Hamburger Senat und die Umweltbehörde hätten zeigen können, dass sie es wirklich ernst meinen mit dem Klimaschutz. Sie hätten sich für eine Sommerpause in der Stromerzeugung durch das Heizkraftwerk Wedel einsetzen können und sie hätten dem Unternehmen Wärme Hamburg GmbH den Ausfall der Strom-Erlöse erstatten können, wie es die Hamburger Umweltverbände fordern.

Es hätte auch nicht zu so vielen Abschaltungen von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom kommen müssen (rot und orange im Norden von Schleswig-Holstein), wenn das Kraftwerk Wedel eine vollständige Sommerpause eingelegt hätte.

Abschaltung von erneuerbaren Stromquellen im Norden Schleswig-Holsteins im Juli 2020 (je mehr rot, umso kräftigere Abschaltung). Bild: Netzampel

Aufmerksame ZuhörerInnen beim 10. Wärmedialog werden sich vielleicht noch erinnern, wie zufrieden der Moderator der Veranstaltung mit den Gästen von Wärme Hamburg und von der Umweltbehörde war, die versprachen, den Kohleeinsatz zukünftig so zu optimieren, dass die CO2-Emissionen ähnlich stark abnehmen würden wie bei einer vollständigen Sommerabschaltung. Die Vertreterin des Öko-Instituts war erfreut über die Aussichten auf ein weiteres Gutachten zum Zweck dieser Optimierung.

Wie es damit wohl steht?

Es scheint, die Herren sind zurzeit sehr damit beschäftigt, Zeit und Geld in das leicht verrückte Projekt einer Nutzung von Buschwerk aus Namibia für die Hamburger Fernwärme zu stecken. Die Kohleverfeuerung in Wedel ist dabei wohl etwas in den Hintergrund ihrer Aufmerksamkeit getreten. Wenn dann nach der Ausschreibung zum Umbau des Kraftwerks Moorburg die entsprechende Durchführbarkeitsstudie in Auftrag geht, gibt es für sie wahrscheinlich Interessanteres als die Forderungen nach einer Sommerpause des Kraftwerks Wedel.

5. Juli 2020
von Redaktion
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Erwiderung von Prof. Rabenstein auf Prof. Hecks Behauptungen im Zusammenhang mit seinem Vorschlag einer Biomasse-Partnerschaft Hamburg – Namibia

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In der Hamburger Morgenpost (MOPO) erschien am 29. Juni 2020 ein Artikel mit dem Titel Professoren-Streit in Hamburg. Zoff um das „Namibia-Gestrüpp“.

Prof. Dr. Peter Heck, Leiter des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Hochschule Trier, äußerte darin Kritik an dem KurzgutachtenVerwertung von Buschholz aus Namibia in Hamburg. Auswirkungen auf das globale Klima“, das im Auftrag des Hamburger Energietischs ausgearbeitet und am 15. Juni 2020 mit einer Pressemeldung des HET der Öffentlichkeit vorgestellt worden war. Zu diesem HET-Gutachten gibt es auch eine kurze Zusammenfassung.

Zum Verständnis des gesamten Vorgangs kann eine Beschreibung des von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)  und von IfaS bearbeiteten ProjektsNutzung von Busch-Biomasse“ dienen, das am 7. Mai 2020 zu einem Memorandum of Understanding (MoU) mit der Hamburger Umweltbehörde (BUE) führte. Nach diesem MoU soll in den kommenden zwei Jahren eine Biomasse-Partnerschaft Hamburgs mit Namibia geprüft und etabliert werden. Es geht um die Verwendung von Buschholz aus Namibia im Hamburger Energiesektor, insbesondere bei der Erzeugung von Fernwärme.

Institutionelle Struktur für das Memorandum of Understanding (Im MoU steht noch BUE. Jetzt lautet die Abkürzung der Umweltbehörde BUKEA).
  • Die Forst-Beratung UNIQUE (Grafik) erhielt von der GIZ den Auftrag, die Treibhausgas-Emissionen zu bewerten, die durch verschiedene Arten der Nutzung von namibischem Buschholz entstehen würden.
  • Das von Prof. Heck geleitete IfaS wurde von der GIZ beauftragt, die Entwicklung von Biomasse-Partnerschaften mit Namibia zu entwickeln mit dem übergeordneten Ziel, strategische Partnerschaften mit deutschen Abnehmern zu arrangieren (siehe MoU).

Von Prof. Heck (IfaS) und von Frank Gschwender (GIZ) stammt ein Dossier vom 18. April 2019, Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg. Entwicklung eines Biomasse Industrieparks (BIP) in Namibia, in dem Hamburg vorgeschlagen wird, Buschholz aus Namibia zu importieren, um es in der Fernwärme-Erzeugung zu verbrennen.

Das HET-Gutachten rät dagegen dringend von einer langjährigen energetischen Nutzung von Buschholz aus Namibia in Hamburg ab, da Hamburg bis spätestens 2050 Klimaneutralität anstrebt. Im Gutachten zeigte sich bei einem Vergleich der Energieträger Buschholz aus Namibia, Erdgas, Steinkohle und Altholz aus der BRD, dass für den Einsatz in der Hamburger Fernwärmeerzeugung je nach dem für Namibia gewählten Szenario die gesamten Treibhausgase des importierten Buschholzes im besten Fall nicht geringer sind als diejenigen von fossilem Erdgas und im ungünstigsten Fall weit höher sind als diejenigen von Steinkohle.

Dazu kommt, dass wegen der Folgeeffekte der veränderten Landnutzung in Namibia die durch den Buschholzeinsatz in Hamburg ausgelösten Treibhausgasemissionen mit zunehmender Zeit sogar ansteigen würden.

Zu der von Prof. Rahmstorf dargestellten Absenkung der CO2-Emissionen in Deutschland, die für die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens notwendig ist, passt das wie die Faust aufs Auge.

Um das CO2-Restbudget Deutschlands einzuhalten, müssen die deutschen CO2-Emissionen wie im Bild von Prof. Rahmstorf gesenkt werden.

Die Veröffentlichung des HET-Gutachtens fand in Teilen der Hamburger Medien Aufmerksamkeit (MOPO 16.6.20).

Am 29.6.2020 äußerte sich Prof. Heck in einem Interview mit der Boulevard-Zeitung MOPO zum HET-Gutachten:

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2. Mai 2020
von Redaktion
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Die globalen Methan-Emissionen sind erneut alarmierend angestiegen

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Anfang April 2020 gab die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA – National Oceanic and Atmospheric Administration) neue Werte der Treibhausgase CO2, CH4, N2O und SF6 bekannt.

Alarmierend ist, dass die Konzentration von Methan (CH4) in der Atmosphäre erneut beträchtlich angestiegen ist.

Methangehalt der Atmosphäre (ppb = Milliardstel) (Quelle: Global Monitoring Laboratory NOAA)

Wie das Bild zeigt, blieben die Werte der Methan-Konzentration von 1999 bis 2006 nahezu konstant. Da Methan im Gegensatz zu CO2 in der Atmosphäre nur eine mittlere Lebensdauer von 12,4 Jahren besitzt, hatten Wissenschaftler*innen gehofft, es werde nun so viel Methan abgebaut, wie gleichzeitig neu freigesetzt werde. Doch ab 2007 begann die Methan-Konzentration wieder stark zu steigen.

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27. April 2020
von Redaktion
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Holzkohle aus Buschholz in Namibia?

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Ein sehr großer Teil der aus Namibia exportierten Holzkohle wird in Europa beim Freizeitvergnügen Grillen verbrannt. Auch wenn es sich um Holzkohle handelt, die nicht aus Tropenholz hergestellt wurde und daher auch von großen Umweltverbänden als „grün“ bezeichnet wird, ist ihre Verwendung extrem klimaschädlich. Das liegt zum einen an der sehr ineffizienten Herstellung und zum anderen an riesigen Mengen von Treibhausgasen wie Methan und Kohlenstoffmonoxid, die bei der Produktion freigesetzt werden.

Der Hamburger Energietisch hat am 10. April 2020 ein Dossier öffentlich zugänglich gemacht, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) an der Hochschule Trier erstellt wurde. Unter dem Titel „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg“ wird darin die Errichtung von Biomasse-Industrieparks in Namibia vorgeschlagen. Ein YouTube-Video „Biomass Industrial Parks – Namibia“ bietet einen Überblick über die Vorstellungen der GIZ.

Große Mengen von Buschholz aus Namibia sollen in Form von Holzhackschnitzeln oder Holzpellets nach Hamburg verschifft werden, um hier in der Fernwärmeerzeugung eingesetzt zu werden. Die Hamburger Umweltbehörde, die Wärme Hamburg GmbH und die GIZ verhandeln schon seit etwa einem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit über dieses Projekt. Auf die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte eines solchen Entwicklungs- und Kooperationsprojekts ging bereits eine erste kurze Analyse des HET ein, die die Veröffentlichung des Dossiers begleitete. Welche Vorteile sich Namibia und die GIZ von einer Reduzierung der Verbuschung des nördlichen Landesteils erhoffen, wurde in dieser Analyse kurz beschrieben.

Bild 1: Holzkohle-Produktion in Namibia (Bildquelle: gondwana-Collection.com)

Laut dem GIZ-Dossier wird derzeit geschätzt, „dass in ganz Namibia bereits heute jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen Holzbiomasse zur Wertschöpfung beitragen und für Wertschöpfungsketten wie Holzkohle, Brennholz, Holzschnitzel, Zaunpfähle, Strauchfütterung usw. verwendet werden.“

Im Gegensatz zur Gewinnung von Holzkohle ist die Erzeugung von Holzschnitzeln und Holzpellets in Namibia noch nicht weit fortgeschritten. Hier soll daher die Produktion von Holzkohle in Namibia genauer unter die Lupe genommen werden. Das dürfte auch für die Beurteilung des GIZ-Projekts „Biomasse-Industriepark“ und für den Vorschlag einer Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg nützlich sein.

Zu betrachten sind dabei insbesondere

  • Art und Umfang der Holzkohle-Produktion und -Vermarktung in Namibia,
  • Ökologische Beurteilung der Produktion und des Einsatzes von Holzkohle,
  • Sozioökonomische Bedingungen der Holzkohle-Produktion in Namibia.

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10. April 2020
von Redaktion
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Hamburger Kraftwerke: Kohleausstieg mit Biomasse?

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Das eindrucksvolle Klimaschutzprojekt „German Zero“, an dem zurzeit mit Hochdruck gearbeitet wird, nimmt die Verpflichtungen Deutschlands aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 wirklich ernst.

Während den gegenwärtigen Zielen und Selbstverpflichtungen Deutschlands ein globaler Temperaturanstieg um etwa 3 °C bis 2100 entspricht – vorausgesetzt es käme nicht zum Überschreiten weiterer Kipppunkte – setzte sich German Zero das Ziel, einen Plan für den Beitrag Deutschlands zur Begrenzung der Erderhitzung um maximal 1,5 °C auszuarbeiten.

Der „1,5-Grad-Klimaplan für Deutschland“ von German Zero sieht Klimaneutralität von Deutschland bis 2035 vor. Der Plan wird als notwendig und machbar bezeichnet.

Theoretisch kann Deutschland seinen Energiebedarf mit im eigenen Land erzeugten erneuer­baren Energien decken. Ergänzend kann aber auch, so wie heute, Energie importiert werden. „Partnerschaften mit potenziellen Lieferländern sind zu schließen und die notwendi­gen Infrastrukturen zu schaffen. … Wie viele Windräder und Photovoltaikanla­gen aufgestellt werden müssen, hängt davon ab, in welchem Maße Energie eingespart wird und in wel­cher Menge klimaneutrale Kraftstoffe importiert werden.“

German Zero zeigt als vereinfachtes Beispiel für eine Aufteilung der jährlich benötigten Energie durch Erzeugung in Deutschland und durch Importe aus anderen Ländern:

(Quelle: German Zero)

Gegenwärtig ist nicht bekannt, wie viele und welche „erneuerbar erzeugten Brennstoffe“ schon 2035 in großen Mengen importiert werden können. Denn es geht dabei um den Aufbau einer auf dem Weltmarkt operierenden Wasserstoff-Wirtschaft. Biomasse könnte schon in Kürze nach Hamburg importiert werden, wie das folgende Angebot zur Nutzung von Buschholz aus Namibia in der Hamburger Fernwärme-Erzeugung zeigt.

Eine Energie-Partnerschaft zwischen Hamburg und Namibia?

In einer etwa ein Jahr alten Projektbeschreibung wird eine Partnerschaft zwischen Hamburg und Namibia für den Import von Biomasse vorgeschlagen. Zu diesem Projekt mit dem Titel „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg. Entwicklung eines Biomasse Industrieparks (BIP) in Namibia“ gibt es ein Dossier vom 18. April 2019, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) an der Hochschule Trier stammt.

Ein Youtube-Video „Biomass Industrial Parks – Namibia“ bietet einen Überblick über die Vorstellungen der GIZ.

Weitere allgemeine Informationen enthält ein Sonderdruck aus der Zeitschrift energie aus PflanzenBuschernte ersetzt Import von Kohle. Bioenergie in Namibia“.

Umfangreiche Informationen finden sich auch auf namibischen Internetseiten unter www.dasnamibia.org und www.n-big.org.

(Quelle: Zeitschrift energie aus pflanzen, Sonderdruck)

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21. März 2020
von Redaktion
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Sommerpause für Hamburgs Kohle-Heizkraftwerke

Erdüberhitzung als farbiger Strichcode

Mit der Verabschiedung des Hamburger Klimaschutzgesetzes im Januar 2020 und zuvor schon mit dem Hamburger Kohleausstiegsgesetz hat sich Hamburg verpflichtet, Wärmeerzeugung aus Kohle unter Beachtung des wirtschaftlich Vertretbaren möglichst weitgehend zu vermeiden. Hiervon sind die Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerke Tiefstack und Wedel betroffen, die sich vollständig im Hamburger Eigentum befinden.

Etwa zwei Drittel der Fernwärme im zentralen Hamburger Fernwärmenetz wird immer noch durch Verbrennung von Steinkohle in diesen Heizkraftwerken erzeugt: Mindestens für fünf weitere Jahre in Wedel, wahrscheinlich länger, und noch für bis zu elf Jahren in Tiefstack.

Während der drei bis vier wärmsten Sommermonate kann die Verbrennung von Kohle schon kurzfristig vermieden werden: Im Sommer wird nur vergleichsweise wenig Fernwärme für den Warmwasserbedarf benötigt. Mit dem Einsatz der Müllverbrennungsanlagen in der Borsigstraße und dem Gas- und Dampfkraftwerk Tiefstack kann während dieses Zeitraums vollständig auf Kohle-Verbrennung verzichtet werden.  Wenn die Freie und Hansestadt Hamburg das Hamburger Klimaschutzgesetz ernst nimmt, kann sie dieser Maßnahme nur ausweichen, wenn sie zeigen kann, dass das nicht im Rahmen des wirtschaftlich Vertretbaren möglich ist.

In einer umfangreichen Stellungnahme „Debatte um eine Sommerpause für Hamburgs Kohle-Heizkraftwerke“ wird gezeigt, dass viele Vorbehalte, die beim 10. Hamburger Wärmedialog am 4. Februar 2020 von Vertretern des Unternehmens Hamburg Wärme GmbH, aber auch in einem Kurzgutachten des Öko-Instituts vorgebracht wurden, nicht stichhaltig sind.

Da das Kohle-HKW Tiefstack nur etwa halb so alt ist wie das HKW Wedel kann dieses ähnlich wie das Kohle-Heizkraftwerk München Nord in den Sommermonaten seinen Betrieb einstellen. Auch eine sommerliche Konservierung des HKW Wedel ist möglich. Wenn diese als zu riskant erscheint, so kann das HKW Wedel im Sommer zumindest mit der Minimal-Leitung betrieben werden.

Nach bisherigen Schätzungen des Öko-Instituts handelt es sich wie in München um eine Maßnahme mit relativ geringen CO2-Minderungskosten. Diese Kosten für eine entsprechende Klimaschutzmaßnahme Hamburgs sollten dem Unternehmen Hamburg Wärme GmbH aus öffentlichen Geldern erstattet werden.

Der Senat sollte unverzüglich eine vertiefende Untersuchung durch ein externes Beratungsbüros in Auftrag geben, mit der möglichst bald eine unabhängige und transparente Bewertung der in der Stellungnahme beschriebenen fünf Varianten zur sommerlichen Kohlevermeidung vorgenommen werden.

26. Februar 2020
von Redaktion
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Wasserstoff-Produktion in Moorburg – gut für die Energiewende?

Am 20. Februar 2020, drei Tage vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, kündigten Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher und Wirtschaftssenator Westhagemann an, das Kohlekraftwerk Moorburg solle schneller vom Netz genommen werden: Einer der beiden 800-MW-Blöcke des erst seit 2015 laufenden Kohlekraftwerks könne auf Gas umgestellt werden. Der zweite 800-MW-Block würde vom Netz gehen, sobald der erste Block umgerüstet sei. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks Moorburg würden so auf einen Schlag halbiert, so Tschentscher nach Berichten von NDR und von SAT.1.

Tschentscher machte deutlich, dass bis zu einer Realisierung der Idee noch viele Schritte zu gehen seien. Erste Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber Vattenfall habe es aber bereits gegeben. Westhagemann möchte die Gespräche gerne fortführen. Denn Vattenfall wolle ja so schnell wie möglich aus der Kohle aussteigen. Eine Machbarkeitsstudie, so Tschentscher, sei „ein wichtiger Punkt, den wir in die Koalitionsverhandlungen einführen werden“.

Auf dem Gelände des Kraftwerks Moorburg soll eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff aus „überflüssigem“ Strom errichtet werden. „Wasserstoff hilft uns für den Klimaschutz nur weiter, wenn er mit regenerativ erzeugtem Strom hergestellt wird“, so Tschentscher in CAPITAL.

Bundesumweltministerin Schulze: „Das wäre eine Lösung, die sehr intelligent Klimaschutz und Industriepolitik zusammenbringt. Weil es geht ja hier darum, den Strom aus erneuerbarer Energie, den Strom aus dem Wind, besser zu nutzen, ihn dazu zu nutzen, auch Wasserstoff herzustellen und gleichzeitig ein Kohlekraftwerk vom Netz zu nehmen.“

Vattenfall zeigte sich in einer Pressemeldung aufgeschlossen gegenüber diesem Vorhaben und verwies ausführlich auf seine Kompetenz in Sachen Wasserstoff-Technologie.

Westhagemann hatte schon im September 2019 eine 100-MW-Anlage zur Wasserstoff-Erzeugung mit Wasser-Elektrolyse angekündigt. Der Bau dieser Anlage solle durch Fördermittel vom Bund und der EU ermöglicht werden. Es sollen ungefähr zwei Tonnen oder 22.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produziert werden. Im Januar 2020 wurden 150 Millionen Euro als Kosten für das Projekt angegeben.

Einen Investorenvertrag gab es jedoch noch nicht. Und ebensowenig einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung der Pläne.

Bild 1: Stromerzeugung in den Kraftwerken Brokdorf und Moorburg sowie Tiefstack und Wedel in TWh pro Jahr (nach Daten der Energy Charts des Fraunhofer ISE. Im Jahr 2017 stand das Kernkraftwerk Brokdorf mehrere Monate still, weil die Brennstäbe stark oxidiert waren.). Im Jahr 2020 sankl die Stromproduktion im Kraftwerk Moorburg dramatisch.

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21. Februar 2020
von Redaktion
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Was plant Vattenfall für sein Steinkohle-Kraftwerk Moorburg?

Drei Tage vor der Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020 und einen Tag vor der großen Demonstration von Fridays for Future in Hamburg überraschte der Erste Bürgermeister Tschentscher mit einem Plan für einen schnelleren Ausstieg des Kraftwerks Moorburg aus der Kohle.

(NDR-Video und SAT.1-Video von einer Pressekonferenz am 20.2.2020.)

Westhagemann, Schulze und Tschentscher bei einer Pressekonferenz am 20.2.2020

Bürgermeister Tschentscher: „Unser Wirtschaftssenator hat in den letzten Monaten an einer Idee gearbeitet, die dazu führen kann, dass wir Moorburg sehr viel schneller als Kohlekraftwerk vom Netz nehmen, um an dieser Stelle etwas sehr Innovatives zu tun, nämlich eine Wasserstoff-Produktionsanlage mit grünem Strom zu errichten.“

Ein Kohle-Block des Kraftwerks Moorburg mit einer elektrischen Leistung von 800 MW soll stillgelegt, der andere mit ebenfalls 800 MW auf Gas umgerüstet werden. „Wir wollen mit dem Betreiber Vattenfall darüber sprechen, in Moorburg so bald wie möglich aus der Kohle auszusteigen“, sagte Tschentscher. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks Moorburg würden so auf einen Schlag halbiert, so Tschentscher dem NDR zufolge.

Nach einem Bericht der Harburger SPD ließ Tschentcher offen, ob das neue Kraftwerk sowie die Wasserstoffproduktion privat betrieben werden sollen oder ob städtische Unternehmen wie Hamburg Energie mit einspringen könnten. „Wir drängen uns nicht“, sagte er, schloss eine unternehmerische Beteiligung der Stadt aber auch nicht aus.

Wirtschaftsenator Westhagemann: „Natürlich müsste man einen Umbau vornehmen. Also das heißt, die Turbine muss ersetzt werden, der Kessel muss ersetzt werden, aber alles, was drum rum ist, die Dampfaggregate, die ich dort habe, das bleibt alles bestehen. Das heißt, ein Teil der Infrastruktur bleibt vorhanden.“

Vattenfall schrieb dazu in einer Pressemeldung vom 20.2.2020: „Das Hamburger Kraftwerk Moorburg ist das letzte kohlegefeuerte Kraftwerk von Vattenfall ohne Fernwärmeauskopplung und passt langfristig nicht zu unserem Unternehmensziel. Aus diesem Grund haben wir schon vor einiger Zeit einen Prozess eingeleitet, um Lösungen zu finden, die zu unserer strategischen Ausrichtung der Dekarbonisierung passen. Neben einem Brennstoffwechsel kann auch unter anderem eine Veräußerung als Option nicht ausgeschlossen werden.“

Die Pressemeldung geht danach ausführlich auf die Perspektiven von Wasserstoff in Hamburg ein und preist die Erfahrungen von Vattenfall mit dieser Technologie: „Auch in Berlin beabsichtigen wir, Wasserstoff als Brennstoff auf unserem Weg in eine fossilfreie Wärmeversorgung einzusetzen. Und in Hamburg planen wir schon länger unsere Wasserstoffaktivitäten mit dem Fokus auf Industrie und Transport auszuweiten. … Darüber und zur Frage, ob und wie der Standort Moorburg für eine klimafreundliche Energieversorgung umgebaut werden kann, sprechen wir sehr gerne mit den Regierungen von Hamburg und der Bundesrepublik.“

Zeitgleich mit der Pressekonferenz Tschentschers wurde bekannt, dass Vattenfall der Stadt durch einen Verkauf seiner Mehrheitsanteile an der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) entgegengekommen ist. Über diesen Verkauf zwischen der Stadtreinigung Hamburg und Vattenfall war seit Jahren verhandelt worden, ohne dass bisher Fortschritte zu erkennen waren. Nähere Einzelheiten sollen erst später veröffentlich werden.

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20. Januar 2020
von Redaktion
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Der extensive Einsatz des Klimakillers Sulfurylfluorid in Hamburg wirft viele Fragen auf

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Ein Flugblatt der AG UEV der LINKEN

Erst durch eine Schriftliche Kleine Anfrage des LINKEN-Abgeordneten Stephan Jersch scheint die Hamburger Umweltbehörde (BUE) auf den sehr stark gestiegenen Einsatz des extrem klimaschädlichen Insektizids Sulfurylfluorid (SO2F2, kurz SF) aufmerksam geworden zu sein, mit dem im Hamburger Hafen, aber wohl ebenso in anderen Häfen, vor allem Holzexporte begast werden. Bei den Berechnungen der BUE zum gegenwärtig viel diskutierten neuen Hamburger Klimaplan blieb SF völlig unberücksichtigt.

Die Klimaschädlichkeit der Freisetzungen von Sulfurylfluorid wurde in den bisherigen Presse-Berichten sogar noch untertrieben. Für das Treibhausgaspotenzial (GWP) von SF ist im Zusammenhang mit den Klimazielen von Paris nicht ein Zeithorizont von 100 Jahren (GWP = 4732), sondern ein Zeithorizont von 20 Jahren anzusetzen (GWP = 6965). Bei 203,65 Tonnen SF gemäß der Bürgerschaftsdrucksache 21/19518 vom 10.1.2020 geht es im Jahr 2019 daher um 1,418 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist mehr als der Ausstoß des Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerks Tiefstack von 1,21 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2017.

Seit 2018 stieg die im Hamburger Hafen eingesetzte Menge von SF sehr stark an.

Die Umweltbehörde gab sich laut Hamburger Abendblatt überrascht. Sie monierte, die Hafen-Behörden hätte doch früher auf das Problem aufmerksam machen können. Die bisherigen Prognosen weltweit hätten eine wesentlich geringere Freisetzung von SF vermuten lassen, als es die Zahlen aus Hamburg jetzt ergeben hätten. Doch auch die Einsatzmenge von 51,20 Tonnen SF im Jahr 2018 entspricht schon 357.000 Tonnen CO2-Äquivalenten. Das ist ungefähr so viel, wie beim geplanten Ersatz des Heizkraftwerks Wedel an CO2 pro Jahr eingespart werden soll.

Die Umweltbehörde als Ganzes hat also geschlafen. Auf der Arbeitsebene wusste man möglicherweise Bescheid. Dafür spricht die Ausführlichkeit der Beantwortung der Anfrage von Jersch. Beim kürzlich vorgelegten neuen Hamburger Klimaplan wird bisher überhaupt nur CO2 berücksichtigt, nicht dagegen alle anderen klimaschädlichen Stoffe wie Sulfurylfluorid, aber auch Methan.

In der Presse wird jetzt behauptet, es gebe keinen Ersatz und die Importländer bestünden auf dem Einsatz von SF. Dabei nennen die von der Hamburger Wirtschaftsbehörde veröffentlichten  Vorschriften Australiens (Stand 31.8.2018) „für die „Behandlung von Hochrisikowaren“  „Hitzebehandlung bei 50°C für mindestens 20 Minuten (gemessen am kältesten Teil der Ware)“ noch vor der „Sulfurylfluorid-Begasung“.

Auch in der Senatsdrucksache wird auf Frage 9, ob es alternative Stoffe beziehungsweise Verfahren gebe, die den Zweck des Einsatzes von Sulfurylfluorid erfüllen, geantwortet: „Ja.“ Nämlich: „Thermische Behandlung (Wärmeentwesung): … Sämtliches nach China exportiertes Schnittholz wird wärmebehandelt.“ Warum sollte das nicht auch bei Stammholz machbar sein? Vermutlich ist für die Hafenwirtschaft der Einsatz des Klimakillers SF nur einfacher.

„Die zur Begasung eingesetzte Gasmenge wird nach der Begasung im Wesentlichen in die Atmosphäre freigesetzt, da die Substanz sich während der Begasung nicht zersetzt und das Abgas nicht gereinigt wird.“, so der Senat in der Drucksache (Frage 4).

Wenn SF überhaupt eingesetzt wird, warum wird es dann nicht nach Gebrauch durch Wasser geleitet?

Hierzu aus Fact Sheets: “In water, sulfuryl fluoride is rapidly broken down; half-lives of about 10 minutes to 3 days have been reported.” In Wasser würde es nach spätestens einigen Tagen zersetzt, im Gegensatz zur Freisetzung in die Atmosphäre, bei der das nicht geschieht.

SF ist nicht nur ein Klimakiller, sondern auch ein sehr gefährliches Gift. Dem Amt für Arbeitsschutz sind aber laut Drucksache keine Arbeitsunfälle mit SF bekannt. Es ist jedoch wirklich nicht schwer, Fallstudien zu tödlichen Vergiftungsfällen zu finden.

Deutschland verbraucht mehr Holz, als es selbst erzeugt. Dass nun auch in den zuständigen Behörden die Frage auftaucht, warum überhaupt Holz, noch dazu insektenbefallenes, in großen Mengen um den halben Erdball geschickt werden muss – ob der freie globale Handel in jedem Fall wichtiger ist als globaler Klimaschutz – das ist positiv. Man darf gespannt sein auf Ergebnisse.

Gegenwärtig wird die Schuld an diesem krassen Klimaschutz-Versagen nun hin und her geschoben. Von den Behörden zum Hafen und weiter.

Treibhausgas-Emissionen im Hamburger Hafen

Ein aktuelles, fast schon groteskes Beispiel, wie den Menschen, die einen ernsthaften Klimaschutz fordern, von den Entscheidungsträgern Sand in die Augen gestreut wird:

Auf ein Bürgerschaftliches Ersuchen hin (Drs. 21/10779 vom 8. November 2017) legte Wirtschaftssenator Westhagemann soeben einen „Nachhaltigkeitsbericht für den gesamten Hafen“ vor.

Darin ist vielfach von Treibhausgas-Emissionen (THG) die Rede. Als klimaschädigender Stoffe kommt in diesem 123 Seiten umfassenden Bericht aber nur CO2 vor – nicht Methan und auch nicht Sulfurylfluorid. Zufall oder ist dafür nur einfach niemand zuständig?

Die THG-Emissionen der Hamburg Port Authority (HPA) – sprich die CO2-Emissionen (direkte und indirekte) – liegen nach dem Nachhaltigkeitsbericht im Jahr 2018 zwar höher als im Jahr 2014, aber der Öffentlichkeit wird anderes mitgeteilt.
Die Botschaft für die Öffentlichkeit: „Hafen reduziert CO2-Ausstoß um 100.000 Tonnen“.

Wie passt das zusammen? Im Nachhaltigkeitsbericht erfährt man, dass die genannte CO2-Reduzierung „allein“ durch Maßnahmen der Teilnehmenden an einer „Projektgruppe“ erbracht wurde. Diese hat auch irgend etwas mit dem Hafen zu tun. Dazu gehören außer der Hamburg Port Authority, der Industrieverband Hamburg, die Logistik-Initiative Hamburg, der Verein Hamburger Spediteure, der Zentralverband Deutscher Schiffsmakler, der DGB  Hamburg, die Umwelt- und die Wirtschaftsbehörde und so weiter.

Leider weiß der Nachhaltigkeitsbericht noch nicht genau, wieviele Tonnen CO2 diese „Projektgruppe“ eingespart hat:
„Im Berichtszeitraum konnten allein durch Maßnahmen der Teilnehmenden der Projektgruppe circa 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die CO2-Emissionen, die ihren Ursprung im Hamburger Hafen haben, können aktuell noch nicht verlässlich ermittelt werden. Die Projektgruppe regt an, dass diese Daten in Zukunft validiert erfasst und auf einer transparent zugänglichen Plattform verfügbar gemacht werden.“

100.000 Tonnen CO2 – ist das nun viel oder wenig? „Die Hamburger Industrie hat von allen Sektoren bislang die mit Abstand geringste Einsparung an CO2-Emissionen geleistet.“ so der BUND Hamburg am 15. Mai 2019.

25. November 2019
von Redaktion
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Sommerpause für Kohlestrom aus Wedel und Tiefstack!

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Hier als kurzes Flugblatt

Die Fraktion der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft beantragte am 23. Oktober 2019, das Kohleheizkraftwerk Wedel und den mit Steinkohle betriebenen Block in Tiefstack ab sofort außerhalb der für die Wärmeerzeugung notwendigen Heizperiode außer Betrieb zu nehmen (Drucksache 21/18777). Dieser Antrag wurde am 6. November 2019  in der Hamburger Bürgerschaft diskutiert.

Außerhalb der Heizperiode wird die für das Hamburger Fernwärmesystem notwendige Wärmemenge allein durch die Müllverbrennungsanlage Borsigstraße bereitgestellt. Die Kohle-Kraftwerke in Wedel und Tiefstack werden dafür nicht gebraucht. Auch nicht die Erdgas-Heizwerke und -Heizkraftwerke, die zum Fernwärmesystem gehören.

Dennoch verbrennen – abgesehen von einer etwa vierwöchigen Revisionspause – diese Kohlekraftwerke auch im Sommer fleißig Steinkohle, um den in Tiefstack und in Wedel mit einem schlechten Wirkungsgrad von nur 32 % (!) gewonnenen Strom zu vermarkten . Das folgende Bild zeigt die tägliche Stromerzeugung im Jahr 2018, aufgeschlüsselt nach Kohlekraftwerken in Hamburg.

Tägliche Stromerzeugung der Kohleblöcke Tiefstack 2 (hellgrün), Wedel 1 (hellblau) und Wedel 2 (dunkelblau) im Jahr 2018 (mit Daten von Fraunhofer ISE)

Der Rat der Stadt Wedel hatte schon am 1. Juli 2017 einstimmig beschlossen: „Der Rat der Stadt Wedel fordert die Freie und Hansestadt Hamburg dazu auf, das Heizkraftwerk Wedel nur noch in der Heizperiode zu nutzen und nicht – so wie aktuell – ganzjährig zur Stromerzeugung.“

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6. Juni 2019
von Redaktion
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Die Hamburger Umweltbehörde will bei der Bilanzierung von CO2-Emissionen weiter schummeln

Die Hamburger Umweltbehörde (BUE) tut sich ersichtlich schwer damit, zu erklären, warum beim Ersatz des Kohle-Heizkraftwerks Wedel die von ihr favorisierte „Südvariante“ besser sein soll als eine „Nordvariante“ im Stellinger Moor, die Alternative ohne den teuren und langwierigen Bau einer Elbtrasse. Die Südvariante ist wesentlich teurer, weil für die Elbtrasse mindestens 140 Mio. € aufzubringen sind. Daher will die BUE wenigstens mit der Behauptung punkten, durch diese Trasse würden umfangreiche erneuerbare Wärmequellen erschlossen. Zu diesem Zweck erklärt sie, Fernwärme aus der Müllverbrennung sei praktisch CO2-frei.

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5. Mai 2019
von Redaktion
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Gegen den Import von verflüssigtem Fracking-Erdgas nach Deutschland

Antrag des HET im Energienetzbeirat am 18. April 2019

Mit einem Antrag, der im Energienetzbeirat am 18. April 2019 beraten wurde, wurde Umwelt-Senator Jens Kerstan gebeten, sich unter Ausschöpfung aller bestehenden Möglichkeiten gegen den geplanten Import von flüssigem Erdgas (LNG) aus Fracking-Quellen in die Bundesrepublik Deutschland einzusetzen. Insbesondere sollten die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums verhindert werden, die Kosten für die Anschlussleitungen zu den Terminals von den Gas-Verbrauchern tragen zu lassen. Weiterlesen →