Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

7. Februar 2021
von Redaktion
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ALDI als Nachhaltigkeits-Held

Dreieinhalb Seiten Akzeptanz und
ein halbe Seite Widerspruch
gegen Buschholz aus Namibia

Die Hamburger Umweltbehörde BUKEA bemüht sich nach Kräften, die Öffentlichkeit für die Verbrennung von Buschholz aus Namibia in Hamburg zu sensibilisieren.

In einem Beitrag „Diskussion Akzeptanz und Widerspruch“ auf ihrer speziellen Internetseite gibt es dazu dreieinhalb Seiten Akzeptanz. Am Ende tatsächlich auch eine halbe Seite Widerspruch.

Bild: FfF Windhoek

Der Text beginnt mit einer tiefgründigen Beteuerung zur Nachhaltigkeit des Prüfprozesses der BUKEA und des IfaS:

„Besonders die Nachhaltigkeit – und damit die (möglichen) Auswirkungen in jeglicher Hinsicht – auch soweit dies für die Zukunft abschätzbar ist – werden besonders untersucht.“

Anschließend wird viel „Akzeptanz“ geboten und – zugegeben – es ist auch Neues dabei:

ALDI Nord und ALDI Süd als Sustainability Heroes

ALDI Nord und ALDI Süd vertreiben also seit einiger Zeit Holzkohle aus Namibia für das deutsche Grillvergnügen und für die Unterstützung Namibias und als Dank für die dazu eingegangene Zusammenarbeit mit dem Siegelgeber FSC hat der Discounter vor kurzem den „Sustainability Heroes Awards“ in der Kategorie „Soziales Engagement“ erhalten.

Was schadet es da, dass sogar die Studie der Forstberatung UNIQUE in ihrem Szenario 3 der unter den gegenwärtigen Bedingungen hergestellten Holzkohle aus Namibia eine miserable Klimabilanz bescheinigt? Was der Hamburger Energietisch schon Ende April 2020 über die Holzkohle aus Namibia geschrieben hat, das dürfen ergebnisoffene Buschholz-Anhänger:innen nur mit spitzen Fingern anrühren. Auch wenn es sich um den am häufigsten aufgerufenen Beitrag auf der Homepage des HET handelt, so hat er doch den Makel, dass er „deutlich und frühzeitig“ verfasst wurde!

Die Expert:innen von Rettet den Regenwald und von FERN können noch so oft auf die Nutzlosigkeit all dieser Siegel für den Klimaschutz hinweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) kann Grillen mit Holzkohle ein Klimaverbrechen nennen und Alternativen zur Holzkohle anbieten.  Wer wird ihnen noch Aufmerksamkeit schenken, wenn sich „die Umweltstiftung WWF Deutschland seit einigen Jahren mit Grillkohle aus Namibia beschäftigt“? Und wenn Prof. Dr. Heck vom IfaS sich im Kapitel 8 seines Masterdokuments viel gründlicher mit Siegeln beschäftigt als mit der zweifelhaften Treibhausgas-Bilanz des Buschholzes, der nicht einmal ein Unterkapitel zugestanden wird?

„Deutlich und frühzeitig“:   für ergebnisoffene Buschholzleute ein Graus!

„Deutlich und frühzeitig“ wird auch dem HET angekreidet, weil er schon im Juni 2020 ein Kurzgutachten vorstellte, das dem Buschholz-Export aus Namibia wegen seiner Klimaschädlichkeit ein vernichtendes Zeugnis ausstellte. Dazu fällt den Buschholz-Fans nichts Besseres ein, als dass im HET-Kurzgutachten „allerdings andere Landnutzungsstrategien als die im Projekt des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagements IfaS geplanten“ untersucht worden seien. Wer wird an dieser Behauptung zweifeln, wenn dahinter die grün geführte Hamburger Umweltbehörde steht? 

Dass in diesem Kurzgutachten genau das Szenario 1 der UNIQUE-Studie von Seebauer et al. untersucht wurde, auf das sich die Treibhausgas-Berechnungen des IfaS stützen – wer will das schon wissen?

Der Hamburger Energietisch als großer Verführer

Richtig: Im Oktober 2020 gab es auch noch eine „Gemeinsame Stellungnahme gegen den Import von Buschholz aus Namibia für Hamburger Kraftwerke“. Die gibt es nicht nur auf Englisch wie für die BUKEA, sondern auch auf Deutsch.

Der HET war einer der 21 Unterzeichner. Die BUKEA hat das so eingeordnet:

„Der Energietisch hat diese Aussagen deutschlandweit und auch in Namibia verbreitet und eine Reihe von Organisationen davon überzeugt, ein Statement gegen das Projekt zu unterzeichnen.“

So groß ist der Einfluss des HET.   Wer hätte das gedacht?

Unterzeichnet haben unter anderen:

CampusGrün,
Deutsche Umwelthilfe (DUH),
Ende Gelände Hamburg,
NaturFreunde Hamburg,
Rettet den Regenwald,
ROBIN WOOD,
Earthlife Namibia und
Global Forest Coalition

Ganz Namibia setzt auf den Buschholzexport – oder?

In Namibia sieht die BUKEA nur „Akzeptanz“. Wer will schon wissen, dass es in Namibia einflussreichen „Widerstand“ gegen den Buschholz-Export und die erwarteten sozialen Folgen gibt? Dass das namibische Ministry of Mines and Energy seine Unterstützung für die Presseerklärung des ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUST (ESJT) vom 27. Januar 2021 signalisiert hat, das könnte störend sein für die Ergebnisoffenheit und Nachhaltigkeit des Hamburger Prüfprozesses oder? Dass Herbert Jauch, der Vorsitzende des ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUSTS, das dritte Buschholz-Seminar am 8. Dezember 2020 klar dominierte − vergessen. Das war so nicht geplant.

Nach dem selbstgewählten Zeitplan bleiben der BUKEA noch gut vier Monate, um sich aus der Umklammerung durch den gefährlichen Busch-Virus zu befreien. Nach dem jüngsten Auftreten einer ALDI-Nord-und-Süd-Mutante haben sich die Aussichten allerdings verschlechtert. Es soll an einem Vakzin gearbeitet werden. Aber niemand kennt bisher dessen Wirksamkeit. Und eine Impfpflicht gibt es ohnehin nicht.

29. Januar 2021
von Redaktion
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Kein Export von Buschholz aus Namibia!

Der einflussreiche ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUST unter dem Vorsitz von Herbert Jauch hat sich am 27. Januar 2021 in einer Presseerklärung klar und eindeutig gegen den vorgeschlagenen groß angelegten Export von Busch-Biomasse aus Namibia nach Deutschland ausgesprochen. (Englische Originalversion und ins Deutsche übersetzte Version)

Bild: Fridays for Future Windhoek

Als Gründe für die Ablehnung des Exports von Buschholz nach Deutschland werden unter Anderem genannt:

  • Es besteht ein dringender Bedarf an lokalen erneuerbaren Energien, da Namibia stark von Energieimporten aus Kohlekraftwerken in Südafrika abhängig ist.
  • Die Schaffung von Arbeitsplätzen muss bei der Ernte der Buschbiomasse im Mittelpunkt stehen. Mit einer vollmechanisierten Ernte von Buschholz könnte im Vergleich zu einer halbmechanisierten Ernte eine beträchtliche Anzahl von bestehenden Arbeitsplätzen vernichtet werden.

Sehr deutlich wird die Pressemeldung am Ende:

„Ein Exportabkommen, das die Lieferung großer Mengen an Biomasse über Jahrzehnte hinweg erfordert, mag zwar bestimmten Interessengruppen zugutekommen, fördert aber nicht Namibias entwicklungspolitische Ziele der Schaffung von Arbeitsplätzen und lokaler Wertschöpfung. Solche entwicklungspolitischen öffentlichen Interessen müssen von der namibischen Regierung gewahrt werden. Wir fordern unsere Regierung daher dringend auf, lokale Wertschöpfungsketten und die Schaffung erneuerbarer lokaler Energie als beste Option für Namibia direkt zu fördern.

Der vorgeschlagene groß angelegte Export von Busch-Biomasse nach Deutschland würde eine Fortsetzung der kolonialen Handelsmuster darstellen, wobei Afrika auf die Rolle des Lieferanten von halbverarbeiteten Materialien zurückgedrängt wird. Dies bietet keine Lösung für die Entwicklungsherausforderungen Namibias und das zentrale Ziel der Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort.“

22. Januar 2021
von Redaktion
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Wissenschaftliche Eigenverantwortung nach Art der Hamburger Umweltbehörde

„Augen zu und durch“ scheint die Devise der Hamburger Umweltbehörde bei ihrer Buschholz-Affäre zu sein.

In der Schriftlichen Kleinen Anfrage der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft  Drs. 22/2792, 19.1.21,    Buschholz aus Namibia – Interessenkonflikte bei der Prüfung durch die BUKEA?   geht es um die Begutachtung von Treibhausgasen, die bei einer energetischen Nutzung von Buschholz aus Namibia durch Hamburg freigesetzt werden würden.

Die Einleitung zu dieser Kleinen Anfrage belegt sehr ausführlich, dass besonders von der Forst-Beratung UNIQUE, aber auch vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) auf Grund von Interessenkonflikten keine unabhängigen und objektiven Gutachten zu Treibhausgas-Emissionen durch die Nutzung von namibischem Buschholz zu erwarten sind.

In einer Einleitung zu seinen Antworten erklärt der Senat, dass nach Selbstauskünften des IfaS „die in den Prozess eingebrachten Studien und Berechnungen nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt wurden und entsprechend in Peer Reviews bestätigt worden worden sind“.

Interessenkonflikte beim IfaS werden von der Umweltbehörde also ausgeschlossen, weil nämlich „nach Auskünften“ des IfaS bestimmt gar keine bestehen.

Peer Reviews (Externe Beurteilungen):
Wo sind sie?    Hat jemand welche bemerkt?

Bild zu Peer Reviews von der IJS Publishing Group

Der Senat fährt fort:  „Der zuständigen Behörde sind derzeit keine Veröffentlichungen oder andere Aussagen mit entsprechender wissenschaftlicher Qualität bekannt, die Zweifel an der Richtigkeit der genannten Aussagen nach sich ziehen würden.“

Vor sechs Wochen war der Umweltbehörde noch das Gutachten von Prof. Rabenstein vom 12. Juni 2020 bekannt, das zu einem völlig anderen Ergebnis kam als UNIQUE und IfaS. In Drs. 22/2352 (4. 12 2020) Buschholz aus Namibia – ergebnisoffene Prüfung? schrieb der Senat zu einer entsprechenden Frage 14: „Das Gutachten ist bekannt und wird in den Abwägungsprozess einbezogen.“

Jetzt scheint dieses Gutachten für den Senat und die Umweltbehörde nicht mehr zu existieren. Jedenfalls nicht als eines „mit entsprechender wissenschaftlicher Qualität“.

Zur Ausräumung der starken Zweifel an der Objektivität der Gutachter UNIQUE und IfaS könnten weitere unabhängige gutachterliche Stellungnahmen beitragen. Der Senat zur entsprechenden Frage 8: „Zurzeit sind keine gutachterlichen Stellungnahmen in Planung.“

Ist das Ganze nicht sehr bedenklich? Der Hamburger Senat gehört nicht zu den Bedenkenträgern: „Die Beauftragung und Bewertung wissenschaftlicher Expertise erfolgt anhand sachlicher, fachlicher und wissenschaftlicher Kriterien.“

Vor 110 Jahren schrieb Christian Morgenstern messerscharf:

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.

4. Januar 2021
von Redaktion
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Die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Wärme Hamburg GmbH

Der Vorsitzende des Ausschusses Umwelt und Energie, Klimaschutz, Agrarwirtschaft der Hamburger Bürgerschaft, Stephan Gamm (CDU), interessierte sich am 18.12.2020 in einer Schriftlichen Kleine Anfrage (22/2549) namens „Kohlekraftwerk Wedel – Eine unendliche und traurige Geschichte. Setzt Rot-Grün nur noch auf teure Placebos statt seriöser Energiepolitik?“ unter anderem für den Umfang der Stromproduktion im alten Heizkraftwerk Wedel, das bekannt dafür ist, dass es am laufenden Band die Anwohnerinnen und Anwohner mit ätzenden Partikeln bespuckt.

Wie viel Strom hat das Kraftwerk Wedel in den Jahren 2015 bis 2020 bereitgestellt? Das wollte er wissen. Und höflich wie immer fügte er hinzu „Bitte nach Jahren getrennt angeben.“

Es ist nicht bekannt, ob er damit gerechnet hat oder ob er mit einem gewissen Erstaunen die Antwort des Hamburger Senats las: „Diese Daten fallen unter das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis der WH.“

Da Herr Gamm ein Energiefachmann ist, war ihm natürlich klar, dass jedermann, auch Zeitgenoss*innen mit geringem einschlägigem Expertenwissen, die jährliche Stromerzeugung des Heizkraftwerks Wedel auf den Energy-Charts von Fraunhofer ISE ohne Mühe nachsehen kann.

Nicht nur als Graphik, sondern auch auf drei Ziffern genau sind diese Angaben dort leicht zu finden:

Ja, da zeigt sich rechts: Entgegen dem allgemeinen Trend bei Kohlekraftwerken war die Stromerzeugung in Wedel im Jahr 2020 mit 809 GWh wieder höher als im Jahr 2019 mit 771 GWh.

Und das trotz des bisher milden „Winters“ Ende 2020 und bemerkenswerterweise, nachdem die Umweltbehörde am 26. Oktober 2020 voller Stolz eine Reduzierung der Kohleverbrennung in Wedel angekündigt hatte, einen „Meilenstein für den Klimaschutz“.

Zugegeben, seit dem 26. Oktober kann natürlich schon viel weniger Strom erzeugt worden sein, was sich im Jahreswert vielleicht nicht so deutlich niederschlägt. Jedoch: die täglichen Werte zeigen, dass das HKW Wedel im November und Dezember erst richtig losgelegt hat:

Aber zurück zu Herrn Gamm. Natürlich kennt er als Vorsitzender des Umweltausschusses die Energy-Charts von Fraunhofer ISE und die hier gezeigten Daten.

Es muss ihm also – so ist zu vermuten – darum gegangen sein, den Senat vorzuführen.

Nach dem Rückkauf des Hamburger Fernwärmnetzes, gegen den Herr Gamm immer zuverlässig eingetreten ist, könnte er die Absicht haben zu zeigen, dass die höhere Transparenz, die die Unterstützer*innen des Rückkaufs erhofften, keineswegs eingetreten ist. Eine „demokratische Kontrolle“, wie sie der zweite Satz des Volksentscheids von 2013 fordert, setzt natürlich voraus, dass so einfache Angaben wie die jährliche Stromerzeugung der Heizkraftwerke nicht geheim gehalten werden – zumal wenn sie ja jederzeit öffentlich zugänglich sind.

Es wird also vielleicht nicht lange dauern, bis Herr Gamm triumphierend eine Kleine oder Große Anfrage der Bürgerschaft hervorziehen wird aus der Zeit, wo Vattenfall noch Besitzer des Hamburger Fernwärmenetzes war, in der Angaben zur Stromerzeugung großzügig öffentlich bekannt gemacht wurden.

Fragt sich nur, warum der Senat sich von Herrn Gamm vorführen ließ.

Diese Frage ist gegenwärtig noch schwer zu beantworten. Am ehesten könnte eine Antwort mit der versprochenen Reduzierung der Kohleverbrennung in Wedel zusammenhängen. Vielleicht ist diese Reduzierung doch nur ein Sowieso-Effekt, wie der Hamburger Energietisch bereits am 30. Oktober vermutete?

14. Dezember 2020
von Redaktion
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Road Map to a Biomass Industrial Park in Namibia

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Ende November und Anfang Dezember 2020 boten Befürworter eines Buschholz-Imports aus Namibia drei Video-Seminare an. Wem diese Seminare noch nicht gereicht haben, dem schenkt das Trierer Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) nun kurz vor Weihnachten neues, spannendes Lesefutter: ein Masterdocument Road-Map to BIP.

Datiert auf den 19. November 2020 lag dieses Masterdocument schon vor diesen Video-Seminaren vor. Die Veranstalter:innen hielten jedoch dicht. Nun ist die Überraschung perfekt.

Für die, die es noch nicht wissen: Biomasse-Industrieparks (BIP) sind die Lösung für die ökologische und sozioökonomische Katastrophe, die  Namibia bedroht, das bush encroachment (S. 11). Namibia besitzt über 450 Millionen Tonnen einer ungenutzten erneuerbaren Ressource, nämlich der Biomasse, die auf 45 Millionen Hektar gedeiht (S. 11).

So ein BIP verarbeitet davon aber nur 0,25 Millionen Tonnen im Jahr. Für den Kohleersatz in Hamburg-Tiefstack wären die Lieferungen eines einzigen BIPs fast schon ausreichend. Welcher Investor würde da nicht sein Auge mit Wohlgefallen auf diese ungenutzte Ressource richten? Auch Flensburg, Berlin und Rostock wollen aus der Kohle aussteigen (S. 47).

Schon „konnten entscheidende strategische Partner mit konkretem Interesse an einer Biomassepartnerschaft erfolgreich angesprochen und verpflichtet werden, wie z. B. die Stadt Hamburg oder die Brüning-Gruppe.“ (S. 166)

Die internationale Nachfrage nach Holzpellets und Holzhackschnitzeln von europäischen Kraftwerksbetreibern wie von Stadtwerken, von Unternehmen wie Vattenfall, Uniper, Drax und von Großhändlern wie der Brüning-Gruppe etc. wird in den nächsten Jahren drastisch steigen (S. 24). Ein Riesengeschäft bahnt sich an!

Die Brüning-Gruppe handelt europaweit mit energieliefernden Massenrohstoffen und verfügt bereits über Zertifizierungen wie FSC, PEFC, SBP, ISO 14001, EFB und ENplus, die zunehmend von Endkunden in Europa gefordert werden. Wie praktisch.  Also hat sie ebenso wie die Stadt Hamburg auch schon ein Memorandum of Understanding (MoU) mit IfaS unterzeichnet, basierend auf dem Biomass Hub-Konzept von IfaS, das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt wurde (S. 139). Die Zertifizierungen und Siegel und das Sustainable Resource Verification Scheme (SURE) spielen eine große Rolle (S. 156). Für die betroffenen Farmer und vor allem auch für die scheinselbständigen Erntearbeiter wird das zweifellos Auswirkungen haben. Ob sich das IfaS darüber wohl schon Gedanken gemacht hat?

Viel Arbeit und nicht wenige Erfolge dieser Arbeit in den letzten 18 Monaten beschreibt das Masterdocument. Aber alle MoU-Prüfprozesse sind selbstverständlich völlig ergebnisoffen. Honi soit qui mal y pense.

Der erste BIP am schönen Platz der Fetten Kühe

Nicht weniger als 105 BIPs könnte Namibia für die nächsten 20 Jahre ohne Probleme verkraften (S. 45). Das vorhandene Straßen- und Eisenbahnnetz wird dafür natürlich nicht ausreichen. Es kommen also auch auf den namibischen Staat beträchtliche Investitionen zu. Ob das die Steuer-Einkünfte (1,8 Prozent des BIP-Umsatzes (S. 117))  nicht glatt auffressen würde?

Nach dem erfolgreichem Abschluss des Prüfprozesses in Hamburg muss ein erster BIP geschaffen werden (S. 57): in Otjiwarongo (Herero, auf Deutsch „schöner Platz der Fetten Kühe“). Gedacht ist an ein PPP (Public-Private Partnership). Der namibische Staat dient als Regulator. In Otjiwarongo schenkt er auch noch die notwendigen Grundstücke. Für den Rest sind der Operator und die Service Providers zuständig.

Und woher kommt das Geld? Wo sind die Investoren? Keine Sorge: Es gibt international sehr viel Geld auf den Finanzmärkten, das nach lukrativen Anlege-Möglichkeiten sucht.This will be done via our so called “Road Show” concept in Namibia and South Africa.“ (S. 166)

Potenzielle Investoren „aus der Region“ wie Imperial Logistics aus Südafrika wurden bereits kontaktiert und für die BIPs gewonnen (S. 168). Das ist auch gut für die BRD. Denn die Imperial Logistics International B.V. & Co. KG sitzt laut Wikipedia in Duisburg, Nordrhein-Westfalen, weil sie aus dem Krupp-Konzern hervorgegangen ist.

Das Masterdocument: 171 Seiten, prall gefüllt mit interessanten Informationen. Nach dem Ausdruck „full mechanized“, wie voll-mechanisierte Ernte, sucht man aber vergebens. „Semi-mechanized“ kommt zweimal vor, aber für eine Klärung der sehr wichtigen Frage, wie viele der gegenwärtigen einfachen Arbeitsplätze verdrängt werden würden, ist so gut wie nichts zu erfahren. Fortschritt kostet eben einen Preis und um Dr. Brown, den CEO der namibischen Umweltkammer, zu zitieren: Wir wollen doch nicht wieder in Höhlen wohnen!

Die Auswirkungen auf das globale Klima?

Zur Klimafrage erfährt die geneigte Leserin zuerst: „The biomass itself has a CO2 balance of 0 because it has absorbed CO2 from the environment up to the day of tinning.“ Gemeint ist „bush thinning“, nicht Verzinnung. Die Buschbiomasse ist CO2-neutral, so IfaS. Der CO2-Ausstoß beim Transport der Biomasse zum Verbraucher muss aber berücksichtigt werden. (S. 134)

Das war der Erkenntnisstand des IfaS zum Zeitpunkt der Niederschrift seines „Dossiers“. Inzwischen hat das Institut gelernt, was namibische Autorinnen schon länger wussten, dass auch noch das von den zusätzlichen Rindern ausgestoßene Methan eine nicht unerhebliche Rolle spielt, besonders aber der im Boden gespeicherte organische Kohlenstoff (SOC). Denn wenn verbuschtes Land in Grasland (Savanne) umgewandelt wird, dann verändert sich der Kohlenstoff-Gehalt im Boden. Der Boden wirkt über einen längeren Zeitraum als Quelle oder als Senke von CO2. Und das kann die Erderhitzung erheblich beeinflussen.

Dies bedenkend versicherte Herr Dr. Flesch (IfaS) beim öffentlichen Seminar in Hamburg am 1. Dezember 20, mit dem in Namibia abgeholzten und in Hamburg verbrannten Buschholz würde der Atmosphäre in der Gesamtbilanz sogar CO2 entzogen werden (S. 33 – 37). Gegenüber der Alternative fossiles Erdgas würden 111% CO2 eingespart. Oben auf Seite 33 ist hierzu aber zu erfahren, dass beim Seminar ein mögliches optimistisches Treibhausgas-Szenario gezeigt wurde.

Dass zum Beispiel das Gutachten [Rabenstein 2020], in dem die Auswirkungen der Buschholz-Nutzung in Hamburg gründlich untersucht wurden, zu einem völlig anderen Ergebnis kam als Dr. Flesch, das passt nicht zum Masterdocument. Deswegen wird es auch verschwiegen. Aber sicher ist sich das IfaS trotzdem nicht. Denn interessanterweise steht auf Seite 32: „Die entstehenden THG-Emissionen sind unter keinen Umständen höher als die von Erdgas oder Kohle.“

THG-Emissionen, die nicht drastisch niedriger sind als die von fossilem Erdgas, kommen aber beim Kohleersatz in Hamburg gar nicht in Frage, weil mit ihnen die Klimaziele Hamburgs nicht zu erreichen wären.

Das waren einige Fundstücke aus dem Masterdocument. Vielleicht haben sie Ihr Interesse geweckt? Sie werden sicher noch viel mehr finden. Zum Beispiel das folgende, das empfindsamen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen die Haare zu Berge stehen lässt:

„From the time of the colonialism of Germany in Africa, a chance arises for Germany to be able to heal the damages related to historical events.“ (S. 28)

Auf Deutsch: „Ausgehend von der Zeit des deutschen Kolonialismus in Afrika ergibt sich für Deutschland eine Chance, die mit den historischen Ereignissen verbundenen Schäden heilen zu können.“

So kann man den Völkermord an den Herero und Nama also auch noch für seine Geschäfte einsetzen.

21. Dezember 2020

9. Dezember 2020
von Redaktion
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Ätzende Partikel kosten viel Geld

Seit vielen Jahren wehrt sich die Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ gegen die Beregnung mit ätzenden Partikeln aus einem Schornstein des Kohle-Heizkraftwerks Wedel, die nicht nur Sachschäden anrichten, sondern auch hochgradig gesundheitsgefährdend sind. Derzeit ist der Partikelniederschlag besonders schlimm. So etwas haben selbst die Aktiven der Bürgerinitiative (BI) noch nicht gesehen. 

Die Mitglieder und Unterstützer:innen der BI haben schon sehr viel Spendengelder für Gutachten, Untersuchungen und juristische Unterstützung aufgebracht.

Die gerichtliche Entscheidung ist jetzt auf den 22. März 2021 angesetzt.
Die BI ist daher ganz besonders stark auf Spenden angewiesen. Die Gegenseite, das Fernwärmeunternehmen Wärme Hamburg, kann die entsprechenden Kosten leicht aus der Portokasse bezahlen.

Die BI freut sich daher über jede Spende:

Konto: Linda Clausen-Hansen
       IBAN:  DE68 2005 0550 1280 5301 46

Stichwort: Ätzende Partikel

Als der Auswurf ätzender Partikel begann, hat sich Vattenfall für die Schäden entschuldigt. Die Behebung wurde anstandslos bezahlt. Später wollte man lieber nicht mehr für die Schäden zuständig sein. Die Wärme Hamburg GmbH (WH), die das Heizkraftwerk (HKW) von Vattenfall kaufte, fand nach Einreichung der Eilklage der BI auf einmal, dass diese nicht jeden einzelnen Partikelniederschlag belegt hätte.

Die Bürgerinitiative hält dagegen: Die Partikel sähen immer gleich aus, kommen in Wedel nur bei Südostwind (aus Richtung des Schornsteins), seien grundsätzlich extrem sauer und bei Kraftwerksstillstand kämen gar keine Partikel. Die Gegenproben aus dem Schornstein seien ebenfalls stark sauer und: Alle chemischen Untersuchungen von allen Seiten hätten belegt, dass die Partikel aus dem HKW Wedel stammen. Auch sei die Betreiberin verpflichtet, nachzuweisen, dass das Kraftwerk keine schädlichen Partikel emittiert, und nicht die betroffenen Bürgerinnen und Bürger.

So ätzend sind die Partikel

Die zuständige Überwachungsbehörde in Schleswig-Holstein ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Das LLUR bestätigt, dass die Partikel aus dem Kraftwerk stammen. Beide, WH und LLUR, behaupten, dass Partikel-Ausstoß bei alten Kohle-Kraftwerken normal sei. Nur: Andere Kraftwerke, die ätzende Partikel ausstoßen, können beide nicht benennen. Es gibt auch gar keine. Zuvor hatte das LLUR schriftlich bestätigt, dass Partikel-Emissionen selbstverständlich nicht dem gesetzlich vorgeschriebenen Stand der Technik entsprechen.

Die Schäden sehen auch immer gleich aus: Es gebe zwei typische Schadensbilder, so die BI. Diese entstünden auch nur im direkten Kraftwerksumfeld und nur nach Ätzpartikel-Beregnung. Inzwischen werde es immer schlimmer.

Umweltsenator Jens Kerstan verweist laut einem BILD-Artikel auf die Containerschiffe auf der Elbe. Diese fahren aber die ganze Elbe auf und ab. Daher müsste es doch überall an der Elbe Partikelschäden geben? Der Gutachter der Wärme Hamburg schreibt immerhin die immer gleichen Schadenbilder dem Kraftwerk zu.

Bei den Säure-Emissionsschäden ist die Wärme Hamburg in der Nachweispflicht, sagt die BI. Das LLUR zieht es vor,  die Schäden einfach gar nicht anzusehen, geschweige denn begutachten zu lassen, und verdächtigt neben den Schiffen die Vögel, die Blätter und die Bäume. Der zuständige Behörden-Mitarbeiter verlege sich auf Handyfotos von „irgendwelchen“ Motorhauben in einem so großen Abstand, dass darauf praktisch nichts zu erkennen ist. Somit muss die BI selbst alles akribisch dokumentieren, obwohl die Überwachung eindeutig dem LLUR als Überwachungsbehörde obliegt.

Beide, die WH und das LLUR behaupten, dass die extrem ätzenden Partikel, die zu Schwefelsäurebildung führen, nicht gesundheitsgefährdend seien. Die BI kritisiert, dass sie sich dabei auf einen einzigen Test berufen, der im Jahr 2017 mit Proben aus dem Kraftwerk bei noch deutlich höheren pH-Werten durchgeführt wurde. Und: In dem auf Englisch geschriebenen Gutachten stehe überhaupt nicht, dass es keine Gesundheitsgefahr für die Augen gebe. Im Gegenteil.

Die Gerichtsverhandlung zu den ätzenden Partikeln beginnt

am 22. März 2021 um 10:00 im Verwaltungsgericht Schleswig.

Alle Verfahren und Gutachten kosten neben sehr viel Arbeit auch sehr viel Geld. Die BI fände es schlimm, wenn die WH und das LLUR mit ihrem Verhalten durchkämen, nur weil der BI das Geld fehlt.  Die BI freut sich daher sehr über jede Unterstützung.

30. Oktober 2020
von Redaktion
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Meilenstein für den Klimaschutz bei der Kohleverbrennung in Wedel?

Hier als pdf-Datei

Laut einer Pressemitteilung der Wärme Hamburg GmbH vom 26.Oktober 2020 hat der Aufsichtsrat eine Reduzierung der Kohleverbrennung im Heizkraftwerk Wedel beschlossen. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung wird die Wärme Hamburg den Kohleeinsatz ab sofort um 20 Prozent und ab 2023 um mindestens 30 Prozent pro Jahr reduzieren. Letzteres entspricht rund 150.000 Tonnen Kohle pro Jahr, die künftig weniger verbrannt werden sollen (Bild 1).

Bild 1: Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg zur Reduzierung der jährlichen Kohleverbrennung in Wedel (blau) und entsprechende Verminderung des CO2-Ausstoßes

Nach Bild 1 sollen bis zur Heizperiode 2022/2023 im Vergleich zu heute die Effekte 1 und 2 wirksam werden und zwar durch eine „Einsatzoptimierte Fahrweise“ und eine „Modifizierte Einsatzplanung“. „Möglich wird diese Reduktion vor allem durch eine Verlagerung auf andere gasgefeuerte Wärmeerzeuger im Kraftwerkspark der Wärme Hamburg“, behauptet die Pressemitteilung von Wärme Hamburg. Gemeint ist dabei vor allem das Erdgas-gefeuerte Gas- und Dampf-Kraftwerk am Standort Tiefstack.

Ab der Heizperiode 2022/2023 soll der Einsatz einer 80 Megawatt Power-to-Heat-Anlage am Standort Wedel dazukommen, in der nach dem Tauchsieder-Prinzip Wärme mit Direktstrom erzeugt und so Kohle verdrängt werden soll. Dazu unten mehr.

Die ersten auf die Ankündigung dieser Selbstverpflichtung folgenden Bewertungen sind recht unterschiedlich:

Für Manfred Braasch vom BUND Hamburg ist eine Drosselung des Einsatzes von Kohle in Wedel „eine gute Nachricht für den Klimaschutz“.

Der klima- und energiepolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm, nannte laut Süddeutscher Zeitung Kerstans Pläne dagegen eine Mogelpackung. Sie seien nicht mehr als „eine homöopathische Maßnahme mit grünem Anstrich“. Dafür werde die Drosselung des Kohleeinsatzes die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusätzlich belasten. Die Folge seien höhere Preise für die Fernwärmekunden. Eine Begründung für diese Einschätzung gab Gamm leider nicht.

Dr. Beckereit, der Technische Geschäftsführer der Wärme Hamburg GmbH, nannte als CO₂-Einsparkosten ca. zehn Euro pro Tonne und Jahr – ein erstaunlich niedriger Wert.

Der Verzicht auf diesen Kohle-Einsatz würde Wärme Hamburg bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr kosten. Für eine Absenkung um rund 240.000 t CO2 durch die Effekte 1 und 2, berechnet nach Bild 1, ergibt sich Beckereits Wert bei Zugrundelegung von etwa zwei Jahren.

Bild 2: Umfang der jährlichen Stromerzeugung im HKW Wedel (Daten: Fraunhofer ISE). Bei den Werten von 2020 fehlen noch die Monate November und Dezember

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10. Oktober 2020
von Redaktion
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Ersatz der Steinkohle in Hamburger Heizkraftwerken durch Buschholz aus Namibia?

Die Hamburger Umweltbehörde prüft weiter mit handverlesenen Willigen

Nach einem Memorandum of Understanding „Biomass partnership with Namibia“, das von der Umweltbehörde am 7. Mai 2020 unterzeichnet wurde, wurden drei Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Nutzung von Biomasse aus Namibia in Hamburg beschäftigen sollen und zwar mindestens 12 Monate lang.

Die Arbeitsgruppe 1 soll Pro´s und Kontra´s für die vorgeschlagene Biomassenutzung in Deutschland bzw. außerhalb von Namibia zusammentragen. Die Risiken aus umwelt-, entwicklungspolitischer und kommunikativer Sicht sollen analysiert werden. Danach wird sich diese Arbeitsgruppe auf die Entwicklung einer soliden Kommunikationsstrategie / eines Konzepts für eine Biomasse-Partnerschaft mit Namibia konzentrieren. Sie ist also für die PR zuständig.

Schon am 31. Juli 2020 erklärte die Umweltbehörde BUKEA zu den Arbeitsgruppen: „Deren Aufgabe ist es zu prüfen, wie die Idee, namibisches Buchholz nach Hamburg zu bringen und zu verfeuern, langfristig und nachhaltig umgesetzt werden kann.“

Stephan Jersch von der Fraktion die LINKE in der Bürgerschaft nahm „umgesetzt“ wörtlich und fragte den Senat in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage (Frage 11):  „Ist diese Aussage so zu verstehen, dass der Import von Buschholz aus Namibia nach Hamburg bereits beschlossen ist und nur noch die angegebenen Prüfungen für die Umsetzung durchzuführen sind?“

Der Senat antwortete am 22. September 2020 kurz und prägnant:

„Nein, es handelt sich um einen ergebnisoffenen Prüfprozess.“

Ergebnisoffen?

An und für sich tagen diese Arbeitsgruppen hinter verschlossenen Türen und es bleibt geheim, was dort von und mit wem verhandelt wird. Jersch wollte es aber genauer wissen und fragte nach den gesetzten TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppen (Frage 6). Wird alles, was über die Arbeitsgruppe 1 bekannt ist zusammengetragen, so ergibt sich ein erstaunliches Ergebnis:

Von 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterstützen mindestens 15 die Biomasse-Partnerschaft. Drei zur ersten Video-Konferenz am 2. Juli 2020 eingeladene Personen, die erkennbar kritisch waren, wurden weder zu einer angekündigten zweiten Video-Konferenz noch zu den Arbeitsgruppen eingeladen. Dieses Missverhältnis ist so krass, dass selbst der Projektverantwortliche der GIZ in Namibia, Johannes Laufs, äußerte, es sei „nicht gewollt, nur Befürworter dabei zu haben“.

Am 9. Oktober 2020 haben sich 18 umwelt- und entwicklungspolitische Verbände aus dem In- und Ausland mit einer „Gemeinsamen Stellungnahme gegen den Import von Buschholz aus Namibia für Hamburger Kraftwerke“ an die Öffentlichkeit gewandt. (Weitere wie CampusGrün Hamburg sind inzwischen dazugekommen.) Die Verbände erklärten, dass die geplante Biomasse-Partnerschaft gegen alle Forderungen des Volksentscheids zum Rückkauf der Hamburger Energienetze verstoße. Dieser Volksentscheid ist bindend für Bürgerschaft und Senat.

Was soll da noch lange geprüft werden?

Die Umweltbehörde reagierte laut Hamburger Abendblatt verstockt:

Die Ergebnisse der Auswertung frühestens im Sommer 2021 erwartet und präsentiert werden. „Wir würden uns freuen, wenn sich alle an dem Thema Interessierten bis dahin in Geduld üben“, so Behördensprecher Björn Marzahn. Die Unterzeichner befürchten jedoch, dass eine öffentliche Diskussion zum Thema erst dann zu erwarten ist, wenn sie nicht mehr ergebnisoffen sei.

Die Farce mit den Arbeitsgruppen geht also weiter. Geduld …  Geduld …!

Der etwas übernutzte Ratschlag – dem, der nicht mehr weiter weiß, wird geraten „gründe einen Arbeitskreis!“ kann in diesem Fall abgewandelt werden:

„Ist der Volksentscheid Dir schnuppe,
gründe eine Arbeitsgruppe!“

10. August 2020
von Redaktion
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Sommer in Hamburg: Kohlestrom aus Wedel für den Profit!

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Es ist heiß in Hamburg im August 2020. Fernwärme aus den Kohle-Heizkraftwerken braucht jetzt niemand.

Doch die beiden Blöcke des alten, maroden Steinkohle-Heizkraftwerks Wedel erzeugen Strom und berieseln die AnwohnerInnen mit ätzenden Partikeln:

Block Wedel 2 ist seit dem 10. Juli wieder in Betrieb. Block Wedel 1 wurde am 29. Juli zugeschaltet.

Stromerzeugung in den beiden Blöcken des Kohlekraftwerks Wedel vom 1.1. bis zum 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Block 1 ging vom 2. Juni bis zum 10. Juli für fünf-einhalb Wochen in die sommerliche Revision.

Block 2 wurde schon am 9. Mai abgeschaltet und erst nach elf-einhalb Wochen wieder in Betrieb genommen. Höchst gefährlich, so erklärte der Betriebsleiter des Heizkraftwerks Wedel bei einer Märchenstunde am 4. Februar 2020 den staunenden ZuhörerInnen des 10. Wärmedialogs. Einen Kohleblock wie in Wedel über mehr als vier Wochen zu konservieren, sei keineswegs ratsam. Er könnte beim Wiederanfahren glatt seinen Dienst verweigern und was dann?

Das Öko-Institut leistete bei dieser Argumentation mit einem Kurzgutachten  willkommene Unterstützung, ohne sich richtig über das Hamburger Fernwärmesystem kundig gemacht zu haben.

Sogar reiner Moorburg-Strom ist viel weniger klimaschädlich als reiner Wedel-Strom

Genügend warmes Wasser kann für das ganze Fernwärmenetz in den Sommermonaten leicht von der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße und – wenn nötig – vom Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) Tiefstack geliefert werden.

Alternativen zum Kohlestrom aus Wedel:

Stromerzeugung des GuD-Kraftwerks in Tiefstack zwischen dem 1.1. und dem 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Die Stromerzeugung aus dem Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) Tiefstack, die parallel zur Erzeugung von Warmwasser stattfindet, ist kaum kleiner als die Stromerzeugung in Wedel. Sie ist aber weniger klimaschädlich.

Stromerzeugung im Kraftwerk Moorburg vom 1.1. bis zum 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Das Defizit-Kraftwerk Moorburg steht derweil die meiste Zeit still, Block A schon seit März 2020. Und obwohl dieses Kohlekraftwerk der allgemeinen Verachtung ausgesetzt ist: Wenn es um reine Stromerzeugung ohne Wärmeauskoppelung geht, macht Moorburg mit seinem besseren elektrischen Wirkungsgrad doch viel mehr elektrischen Strom aus der Steinkohle als Wedel.

Um dann gibt es natürlich noch Wind- und Solarstrom. Dazu gleich mehr.

Strömungsumkehr auf der Wedelleitung Anfang Juni

Am 2. Juni 2020 wurde auf der Fernwärmeleitung nach Wedel die „Strömungsumkehr“ eingeleitet. Heißes Wasser floss seither nicht mehr von Wedel in die Stadt Hamburg, sondern in umgekehrter Richtung aus der Stadt Hamburg nach Wedel. Dabei hätte die Wärme Hamburg GmbH es eigentlich belassen können bis Mitte oder Ende September, wenn wieder Fernwärme zum Heizen gebraucht wird.

Der Hamburger Senat und die Umweltbehörde hätten zeigen können, dass sie es wirklich ernst meinen mit dem Klimaschutz. Sie hätten sich für eine Sommerpause in der Stromerzeugung durch das Heizkraftwerk Wedel einsetzen können und sie hätten dem Unternehmen Wärme Hamburg GmbH den Ausfall der Strom-Erlöse erstatten können, wie es die Hamburger Umweltverbände fordern.

Es hätte auch nicht zu so vielen Abschaltungen von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom kommen müssen (rot und orange im Norden von Schleswig-Holstein), wenn das Kraftwerk Wedel eine vollständige Sommerpause eingelegt hätte.

Abschaltung von erneuerbaren Stromquellen im Norden Schleswig-Holsteins im Juli 2020 (je mehr rot, umso kräftigere Abschaltung). Bild: Netzampel

Aufmerksame ZuhörerInnen beim 10. Wärmedialog werden sich vielleicht noch erinnern, wie zufrieden der Moderator der Veranstaltung mit den Gästen von Wärme Hamburg und von der Umweltbehörde war, die versprachen, den Kohleeinsatz zukünftig so zu optimieren, dass die CO2-Emissionen ähnlich stark abnehmen würden wie bei einer vollständigen Sommerabschaltung. Die Vertreterin des Öko-Instituts war erfreut über die Aussichten auf ein weiteres Gutachten zum Zweck dieser Optimierung.

Wie es damit wohl steht?

Es scheint, die Herren sind zurzeit sehr damit beschäftigt, Zeit und Geld in das leicht verrückte Projekt einer Nutzung von Buschwerk aus Namibia für die Hamburger Fernwärme zu stecken. Die Kohleverfeuerung in Wedel ist dabei wohl etwas in den Hintergrund ihrer Aufmerksamkeit getreten. Wenn dann nach der Ausschreibung zum Umbau des Kraftwerks Moorburg die entsprechende Durchführbarkeitsstudie in Auftrag geht, gibt es für sie wahrscheinlich Interessanteres als die Forderungen nach einer Sommerpause des Kraftwerks Wedel.

27. April 2020
von Redaktion
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Holzkohle aus Buschholz in Namibia?

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Ein sehr großer Teil der aus Namibia exportierten Holzkohle wird in Europa beim Freizeitvergnügen Grillen verbrannt. Auch wenn es sich um Holzkohle handelt, die nicht aus Tropenholz hergestellt wurde und daher auch von großen Umweltverbänden als „grün“ bezeichnet wird, ist ihre Verwendung extrem klimaschädlich. Das liegt zum einen an der sehr ineffizienten Herstellung und zum anderen an riesigen Mengen von Treibhausgasen wie Methan und Kohlenstoffmonoxid, die bei der Produktion freigesetzt werden.

Der Hamburger Energietisch hat am 10. April 2020 ein Dossier öffentlich zugänglich gemacht, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) an der Hochschule Trier erstellt wurde. Unter dem Titel „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg“ wird darin die Errichtung von Biomasse-Industrieparks in Namibia vorgeschlagen. Ein YouTube-Video „Biomass Industrial Parks – Namibia“ bietet einen Überblick über die Vorstellungen der GIZ.

Große Mengen von Buschholz aus Namibia sollen in Form von Holzhackschnitzeln oder Holzpellets nach Hamburg verschifft werden, um hier in der Fernwärmeerzeugung eingesetzt zu werden. Die Hamburger Umweltbehörde, die Wärme Hamburg GmbH und die GIZ verhandeln schon seit etwa einem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit über dieses Projekt. Auf die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte eines solchen Entwicklungs- und Kooperationsprojekts ging bereits eine erste kurze Analyse des HET ein, die die Veröffentlichung des Dossiers begleitete. Welche Vorteile sich Namibia und die GIZ von einer Reduzierung der Verbuschung des nördlichen Landesteils erhoffen, wurde in dieser Analyse kurz beschrieben.

Bild 1: Holzkohle-Produktion in Namibia (Bildquelle: gondwana-Collection.com)

Laut dem GIZ-Dossier wird derzeit geschätzt, „dass in ganz Namibia bereits heute jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen Holzbiomasse zur Wertschöpfung beitragen und für Wertschöpfungsketten wie Holzkohle, Brennholz, Holzschnitzel, Zaunpfähle, Strauchfütterung usw. verwendet werden.“

Im Gegensatz zur Gewinnung von Holzkohle ist die Erzeugung von Holzschnitzeln und Holzpellets in Namibia noch nicht weit fortgeschritten. Hier soll daher die Produktion von Holzkohle in Namibia genauer unter die Lupe genommen werden. Das dürfte auch für die Beurteilung des GIZ-Projekts „Biomasse-Industriepark“ und für den Vorschlag einer Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg nützlich sein.

Zu betrachten sind dabei insbesondere

  • Art und Umfang der Holzkohle-Produktion und -Vermarktung in Namibia,
  • Ökologische Beurteilung der Produktion und des Einsatzes von Holzkohle,
  • Sozioökonomische Bedingungen der Holzkohle-Produktion in Namibia.

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10. April 2020
von Redaktion
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Hamburger Kraftwerke: Kohleausstieg mit Biomasse?

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Das eindrucksvolle Klimaschutzprojekt „German Zero“, an dem zurzeit mit Hochdruck gearbeitet wird, nimmt die Verpflichtungen Deutschlands aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 wirklich ernst.

Während den gegenwärtigen Zielen und Selbstverpflichtungen Deutschlands ein globaler Temperaturanstieg um etwa 3 °C bis 2100 entspricht – vorausgesetzt es käme nicht zum Überschreiten weiterer Kipppunkte – setzte sich German Zero das Ziel, einen Plan für den Beitrag Deutschlands zur Begrenzung der Erderhitzung um maximal 1,5 °C auszuarbeiten.

Der „1,5-Grad-Klimaplan für Deutschland“ von German Zero sieht Klimaneutralität von Deutschland bis 2035 vor. Der Plan wird als notwendig und machbar bezeichnet.

Theoretisch kann Deutschland seinen Energiebedarf mit im eigenen Land erzeugten erneuer­baren Energien decken. Ergänzend kann aber auch, so wie heute, Energie importiert werden. „Partnerschaften mit potenziellen Lieferländern sind zu schließen und die notwendi­gen Infrastrukturen zu schaffen. … Wie viele Windräder und Photovoltaikanla­gen aufgestellt werden müssen, hängt davon ab, in welchem Maße Energie eingespart wird und in wel­cher Menge klimaneutrale Kraftstoffe importiert werden.“

German Zero zeigt als vereinfachtes Beispiel für eine Aufteilung der jährlich benötigten Energie durch Erzeugung in Deutschland und durch Importe aus anderen Ländern:

(Quelle: German Zero)

Gegenwärtig ist nicht bekannt, wie viele und welche „erneuerbar erzeugten Brennstoffe“ schon 2035 in großen Mengen importiert werden können. Denn es geht dabei um den Aufbau einer auf dem Weltmarkt operierenden Wasserstoff-Wirtschaft. Biomasse könnte schon in Kürze nach Hamburg importiert werden, wie das folgende Angebot zur Nutzung von Buschholz aus Namibia in der Hamburger Fernwärme-Erzeugung zeigt.

Eine Energie-Partnerschaft zwischen Hamburg und Namibia?

In einer etwa ein Jahr alten Projektbeschreibung wird eine Partnerschaft zwischen Hamburg und Namibia für den Import von Biomasse vorgeschlagen. Zu diesem Projekt mit dem Titel „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg. Entwicklung eines Biomasse Industrieparks (BIP) in Namibia“ gibt es ein Dossier vom 18. April 2019, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) an der Hochschule Trier stammt.

Ein Youtube-Video „Biomass Industrial Parks – Namibia“ bietet einen Überblick über die Vorstellungen der GIZ.

Weitere allgemeine Informationen enthält ein Sonderdruck aus der Zeitschrift energie aus PflanzenBuschernte ersetzt Import von Kohle. Bioenergie in Namibia“.

Umfangreiche Informationen finden sich auch auf namibischen Internetseiten unter www.dasnamibia.org und www.n-big.org.

(Quelle: Zeitschrift energie aus pflanzen, Sonderdruck)

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21. März 2020
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Sommerpause für Hamburgs Kohle-Heizkraftwerke

Erdüberhitzung als farbiger Strichcode

Mit der Verabschiedung des Hamburger Klimaschutzgesetzes im Januar 2020 und zuvor schon mit dem Hamburger Kohleausstiegsgesetz hat sich Hamburg verpflichtet, Wärmeerzeugung aus Kohle unter Beachtung des wirtschaftlich Vertretbaren möglichst weitgehend zu vermeiden. Hiervon sind die Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerke Tiefstack und Wedel betroffen, die sich vollständig im Hamburger Eigentum befinden.

Etwa zwei Drittel der Fernwärme im zentralen Hamburger Fernwärmenetz wird immer noch durch Verbrennung von Steinkohle in diesen Heizkraftwerken erzeugt: Mindestens für fünf weitere Jahre in Wedel, wahrscheinlich länger, und noch für bis zu elf Jahren in Tiefstack.

Während der drei bis vier wärmsten Sommermonate kann die Verbrennung von Kohle schon kurzfristig vermieden werden: Im Sommer wird nur vergleichsweise wenig Fernwärme für den Warmwasserbedarf benötigt. Mit dem Einsatz der Müllverbrennungsanlagen in der Borsigstraße und dem Gas- und Dampfkraftwerk Tiefstack kann während dieses Zeitraums vollständig auf Kohle-Verbrennung verzichtet werden.  Wenn die Freie und Hansestadt Hamburg das Hamburger Klimaschutzgesetz ernst nimmt, kann sie dieser Maßnahme nur ausweichen, wenn sie zeigen kann, dass das nicht im Rahmen des wirtschaftlich Vertretbaren möglich ist.

In einer umfangreichen Stellungnahme „Debatte um eine Sommerpause für Hamburgs Kohle-Heizkraftwerke“ wird gezeigt, dass viele Vorbehalte, die beim 10. Hamburger Wärmedialog am 4. Februar 2020 von Vertretern des Unternehmens Hamburg Wärme GmbH, aber auch in einem Kurzgutachten des Öko-Instituts vorgebracht wurden, nicht stichhaltig sind.

Da das Kohle-HKW Tiefstack nur etwa halb so alt ist wie das HKW Wedel kann dieses ähnlich wie das Kohle-Heizkraftwerk München Nord in den Sommermonaten seinen Betrieb einstellen. Auch eine sommerliche Konservierung des HKW Wedel ist möglich. Wenn diese als zu riskant erscheint, so kann das HKW Wedel im Sommer zumindest mit der Minimal-Leitung betrieben werden.

Nach bisherigen Schätzungen des Öko-Instituts handelt es sich wie in München um eine Maßnahme mit relativ geringen CO2-Minderungskosten. Diese Kosten für eine entsprechende Klimaschutzmaßnahme Hamburgs sollten dem Unternehmen Hamburg Wärme GmbH aus öffentlichen Geldern erstattet werden.

Der Senat sollte unverzüglich eine vertiefende Untersuchung durch ein externes Beratungsbüros in Auftrag geben, mit der möglichst bald eine unabhängige und transparente Bewertung der in der Stellungnahme beschriebenen fünf Varianten zur sommerlichen Kohlevermeidung vorgenommen werden.

26. Februar 2020
von Redaktion
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Wasserstoff-Produktion in Moorburg – gut für die Energiewende?

Am 20. Februar 2020, drei Tage vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, kündigten Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher und Wirtschaftssenator Westhagemann an, das Kohlekraftwerk Moorburg solle schneller vom Netz genommen werden: Einer der beiden 800-MW-Blöcke des erst seit 2015 laufenden Kohlekraftwerks könne auf Gas umgestellt werden. Der zweite 800-MW-Block würde vom Netz gehen, sobald der erste Block umgerüstet sei. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks Moorburg würden so auf einen Schlag halbiert, so Tschentscher nach Berichten von NDR und von SAT.1.

Tschentscher machte deutlich, dass bis zu einer Realisierung der Idee noch viele Schritte zu gehen seien. Erste Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber Vattenfall habe es aber bereits gegeben. Westhagemann möchte die Gespräche gerne fortführen. Denn Vattenfall wolle ja so schnell wie möglich aus der Kohle aussteigen. Eine Machbarkeitsstudie, so Tschentscher, sei „ein wichtiger Punkt, den wir in die Koalitionsverhandlungen einführen werden“.

Auf dem Gelände des Kraftwerks Moorburg soll eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff aus „überflüssigem“ Strom errichtet werden. „Wasserstoff hilft uns für den Klimaschutz nur weiter, wenn er mit regenerativ erzeugtem Strom hergestellt wird“, so Tschentscher in CAPITAL.

Bundesumweltministerin Schulze: „Das wäre eine Lösung, die sehr intelligent Klimaschutz und Industriepolitik zusammenbringt. Weil es geht ja hier darum, den Strom aus erneuerbarer Energie, den Strom aus dem Wind, besser zu nutzen, ihn dazu zu nutzen, auch Wasserstoff herzustellen und gleichzeitig ein Kohlekraftwerk vom Netz zu nehmen.“

Vattenfall zeigte sich in einer Pressemeldung aufgeschlossen gegenüber diesem Vorhaben und verwies ausführlich auf seine Kompetenz in Sachen Wasserstoff-Technologie.

Westhagemann hatte schon im September 2019 eine 100-MW-Anlage zur Wasserstoff-Erzeugung mit Wasser-Elektrolyse angekündigt. Der Bau dieser Anlage solle durch Fördermittel vom Bund und der EU ermöglicht werden. Es sollen ungefähr zwei Tonnen oder 22.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produziert werden. Im Januar 2020 wurden 150 Millionen Euro als Kosten für das Projekt angegeben.

Einen Investorenvertrag gab es jedoch noch nicht. Und ebensowenig einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung der Pläne.

Bild 1: Stromerzeugung in den Kraftwerken Brokdorf und Moorburg sowie Tiefstack und Wedel in TWh pro Jahr (nach Daten der Energy Charts des Fraunhofer ISE. Im Jahr 2017 stand das Kernkraftwerk Brokdorf mehrere Monate still, weil die Brennstäbe stark oxidiert waren.). Im Jahr 2020 sankl die Stromproduktion im Kraftwerk Moorburg dramatisch.

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20. Januar 2020
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Der extensive Einsatz des Klimakillers Sulfurylfluorid in Hamburg wirft viele Fragen auf

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Ein Flugblatt der AG UEV der LINKEN

Erst durch eine Schriftliche Kleine Anfrage des LINKEN-Abgeordneten Stephan Jersch scheint die Hamburger Umweltbehörde (BUE) auf den sehr stark gestiegenen Einsatz des extrem klimaschädlichen Insektizids Sulfurylfluorid (SO2F2, kurz SF) aufmerksam geworden zu sein, mit dem im Hamburger Hafen, aber wohl ebenso in anderen Häfen, vor allem Holzexporte begast werden. Bei den Berechnungen der BUE zum gegenwärtig viel diskutierten neuen Hamburger Klimaplan blieb SF völlig unberücksichtigt.

Die Klimaschädlichkeit der Freisetzungen von Sulfurylfluorid wurde in den bisherigen Presse-Berichten sogar noch untertrieben. Für das Treibhausgaspotenzial (GWP) von SF ist im Zusammenhang mit den Klimazielen von Paris nicht ein Zeithorizont von 100 Jahren (GWP = 4732), sondern ein Zeithorizont von 20 Jahren anzusetzen (GWP = 6965). Bei 203,65 Tonnen SF gemäß der Bürgerschaftsdrucksache 21/19518 vom 10.1.2020 geht es im Jahr 2019 daher um 1,418 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist mehr als der Ausstoß des Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerks Tiefstack von 1,21 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2017.

Seit 2018 stieg die im Hamburger Hafen eingesetzte Menge von SF sehr stark an.

Die Umweltbehörde gab sich laut Hamburger Abendblatt überrascht. Sie monierte, die Hafen-Behörden hätte doch früher auf das Problem aufmerksam machen können. Die bisherigen Prognosen weltweit hätten eine wesentlich geringere Freisetzung von SF vermuten lassen, als es die Zahlen aus Hamburg jetzt ergeben hätten. Doch auch die Einsatzmenge von 51,20 Tonnen SF im Jahr 2018 entspricht schon 357.000 Tonnen CO2-Äquivalenten. Das ist ungefähr so viel, wie beim geplanten Ersatz des Heizkraftwerks Wedel an CO2 pro Jahr eingespart werden soll.

Die Umweltbehörde als Ganzes hat also geschlafen. Auf der Arbeitsebene wusste man möglicherweise Bescheid. Dafür spricht die Ausführlichkeit der Beantwortung der Anfrage von Jersch. Beim kürzlich vorgelegten neuen Hamburger Klimaplan wird bisher überhaupt nur CO2 berücksichtigt, nicht dagegen alle anderen klimaschädlichen Stoffe wie Sulfurylfluorid, aber auch Methan.

In der Presse wird jetzt behauptet, es gebe keinen Ersatz und die Importländer bestünden auf dem Einsatz von SF. Dabei nennen die von der Hamburger Wirtschaftsbehörde veröffentlichten  Vorschriften Australiens (Stand 31.8.2018) „für die „Behandlung von Hochrisikowaren“  „Hitzebehandlung bei 50°C für mindestens 20 Minuten (gemessen am kältesten Teil der Ware)“ noch vor der „Sulfurylfluorid-Begasung“.

Auch in der Senatsdrucksache wird auf Frage 9, ob es alternative Stoffe beziehungsweise Verfahren gebe, die den Zweck des Einsatzes von Sulfurylfluorid erfüllen, geantwortet: „Ja.“ Nämlich: „Thermische Behandlung (Wärmeentwesung): … Sämtliches nach China exportiertes Schnittholz wird wärmebehandelt.“ Warum sollte das nicht auch bei Stammholz machbar sein? Vermutlich ist für die Hafenwirtschaft der Einsatz des Klimakillers SF nur einfacher.

„Die zur Begasung eingesetzte Gasmenge wird nach der Begasung im Wesentlichen in die Atmosphäre freigesetzt, da die Substanz sich während der Begasung nicht zersetzt und das Abgas nicht gereinigt wird.“, so der Senat in der Drucksache (Frage 4).

Wenn SF überhaupt eingesetzt wird, warum wird es dann nicht nach Gebrauch durch Wasser geleitet?

Hierzu aus Fact Sheets: “In water, sulfuryl fluoride is rapidly broken down; half-lives of about 10 minutes to 3 days have been reported.” In Wasser würde es nach spätestens einigen Tagen zersetzt, im Gegensatz zur Freisetzung in die Atmosphäre, bei der das nicht geschieht.

SF ist nicht nur ein Klimakiller, sondern auch ein sehr gefährliches Gift. Dem Amt für Arbeitsschutz sind aber laut Drucksache keine Arbeitsunfälle mit SF bekannt. Es ist jedoch wirklich nicht schwer, Fallstudien zu tödlichen Vergiftungsfällen zu finden.

Deutschland verbraucht mehr Holz, als es selbst erzeugt. Dass nun auch in den zuständigen Behörden die Frage auftaucht, warum überhaupt Holz, noch dazu insektenbefallenes, in großen Mengen um den halben Erdball geschickt werden muss – ob der freie globale Handel in jedem Fall wichtiger ist als globaler Klimaschutz – das ist positiv. Man darf gespannt sein auf Ergebnisse.

Gegenwärtig wird die Schuld an diesem krassen Klimaschutz-Versagen nun hin und her geschoben. Von den Behörden zum Hafen und weiter.

Treibhausgas-Emissionen im Hamburger Hafen

Ein aktuelles, fast schon groteskes Beispiel, wie den Menschen, die einen ernsthaften Klimaschutz fordern, von den Entscheidungsträgern Sand in die Augen gestreut wird:

Auf ein Bürgerschaftliches Ersuchen hin (Drs. 21/10779 vom 8. November 2017) legte Wirtschaftssenator Westhagemann soeben einen „Nachhaltigkeitsbericht für den gesamten Hafen“ vor.

Darin ist vielfach von Treibhausgas-Emissionen (THG) die Rede. Als klimaschädigender Stoffe kommt in diesem 123 Seiten umfassenden Bericht aber nur CO2 vor – nicht Methan und auch nicht Sulfurylfluorid. Zufall oder ist dafür nur einfach niemand zuständig?

Die THG-Emissionen der Hamburg Port Authority (HPA) – sprich die CO2-Emissionen (direkte und indirekte) – liegen nach dem Nachhaltigkeitsbericht im Jahr 2018 zwar höher als im Jahr 2014, aber der Öffentlichkeit wird anderes mitgeteilt.
Die Botschaft für die Öffentlichkeit: „Hafen reduziert CO2-Ausstoß um 100.000 Tonnen“.

Wie passt das zusammen? Im Nachhaltigkeitsbericht erfährt man, dass die genannte CO2-Reduzierung „allein“ durch Maßnahmen der Teilnehmenden an einer „Projektgruppe“ erbracht wurde. Diese hat auch irgend etwas mit dem Hafen zu tun. Dazu gehören außer der Hamburg Port Authority, der Industrieverband Hamburg, die Logistik-Initiative Hamburg, der Verein Hamburger Spediteure, der Zentralverband Deutscher Schiffsmakler, der DGB  Hamburg, die Umwelt- und die Wirtschaftsbehörde und so weiter.

Leider weiß der Nachhaltigkeitsbericht noch nicht genau, wieviele Tonnen CO2 diese „Projektgruppe“ eingespart hat:
„Im Berichtszeitraum konnten allein durch Maßnahmen der Teilnehmenden der Projektgruppe circa 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die CO2-Emissionen, die ihren Ursprung im Hamburger Hafen haben, können aktuell noch nicht verlässlich ermittelt werden. Die Projektgruppe regt an, dass diese Daten in Zukunft validiert erfasst und auf einer transparent zugänglichen Plattform verfügbar gemacht werden.“

100.000 Tonnen CO2 – ist das nun viel oder wenig? „Die Hamburger Industrie hat von allen Sektoren bislang die mit Abstand geringste Einsparung an CO2-Emissionen geleistet.“ so der BUND Hamburg am 15. Mai 2019.

25. November 2019
von Redaktion
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Sommerpause für Kohlestrom aus Wedel und Tiefstack!

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Die Fraktion der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft beantragte am 23. Oktober 2019, das Kohleheizkraftwerk Wedel und den mit Steinkohle betriebenen Block in Tiefstack ab sofort außerhalb der für die Wärmeerzeugung notwendigen Heizperiode außer Betrieb zu nehmen (Drucksache 21/18777). Dieser Antrag wurde am 6. November 2019  in der Hamburger Bürgerschaft diskutiert.

Außerhalb der Heizperiode wird die für das Hamburger Fernwärmesystem notwendige Wärmemenge allein durch die Müllverbrennungsanlage Borsigstraße bereitgestellt. Die Kohle-Kraftwerke in Wedel und Tiefstack werden dafür nicht gebraucht. Auch nicht die Erdgas-Heizwerke und -Heizkraftwerke, die zum Fernwärmesystem gehören.

Dennoch verbrennen – abgesehen von einer etwa vierwöchigen Revisionspause – diese Kohlekraftwerke auch im Sommer fleißig Steinkohle, um den in Tiefstack und in Wedel mit einem schlechten Wirkungsgrad von nur 32 % (!) gewonnenen Strom zu vermarkten . Das folgende Bild zeigt die tägliche Stromerzeugung im Jahr 2018, aufgeschlüsselt nach Kohlekraftwerken in Hamburg.

Tägliche Stromerzeugung der Kohleblöcke Tiefstack 2 (hellgrün), Wedel 1 (hellblau) und Wedel 2 (dunkelblau) im Jahr 2018 (mit Daten von Fraunhofer ISE)

Der Rat der Stadt Wedel hatte schon am 1. Juli 2017 einstimmig beschlossen: „Der Rat der Stadt Wedel fordert die Freie und Hansestadt Hamburg dazu auf, das Heizkraftwerk Wedel nur noch in der Heizperiode zu nutzen und nicht – so wie aktuell – ganzjährig zur Stromerzeugung.“

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6. Juni 2019
von Redaktion
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Die Hamburger Umweltbehörde will bei der Bilanzierung von CO2-Emissionen weiter schummeln

Die Hamburger Umweltbehörde (BUE) tut sich ersichtlich schwer damit, zu erklären, warum beim Ersatz des Kohle-Heizkraftwerks Wedel die von ihr favorisierte „Südvariante“ besser sein soll als eine „Nordvariante“ im Stellinger Moor, die Alternative ohne den teuren und langwierigen Bau einer Elbtrasse. Die Südvariante ist wesentlich teurer, weil für die Elbtrasse mindestens 140 Mio. € aufzubringen sind. Daher will die BUE wenigstens mit der Behauptung punkten, durch diese Trasse würden umfangreiche erneuerbare Wärmequellen erschlossen. Zu diesem Zweck erklärt sie, Fernwärme aus der Müllverbrennung sei praktisch CO2-frei.

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5. Mai 2019
von Redaktion
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Gegen den Import von verflüssigtem Fracking-Erdgas nach Deutschland

Antrag des HET im Energienetzbeirat am 18. April 2019

Mit einem Antrag, der im Energienetzbeirat am 18. April 2019 beraten wurde, wurde Umwelt-Senator Jens Kerstan gebeten, sich unter Ausschöpfung aller bestehenden Möglichkeiten gegen den geplanten Import von flüssigem Erdgas (LNG) aus Fracking-Quellen in die Bundesrepublik Deutschland einzusetzen. Insbesondere sollten die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums verhindert werden, die Kosten für die Anschlussleitungen zu den Terminals von den Gas-Verbrauchern tragen zu lassen. Weiterlesen →