Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

6. Mai 2019
von Redaktion
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Vattenfall will den Import von Fracking-Erdgas aus den USA „veredeln“.

Ein Firmenkonsortium aus ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall will im Industriepark Brunsbüttel mit „HySynGas“ das weltweit erste industrielle Großprojekt zur Herstellung synthetischer Gase aufbauen.

Eigentlich gut, denkt man. Zunächst sollte es sicher den Einsatz von Wasserstoff gehen, der mit Windstrom hergestellt wird. Die Erzeugung von synthetischem Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas, ist aufwändiger, verlustreicher und gegenwärtig bei weitem nicht wirtschaftlich.

Beim Weiterlesen der Pressemeldung von Vattenfall fängt man an zu staunen über die Unverfrorenheit dieses Vorhabens, das im Projekt der „Norddeutschen Energiewende“ NEW 4.0 eingebundenen ist und sich als Reallabor um hohe finanzielle Unterstützung bewerben will (SNG = synthetisches Erdgas):

Ein LNG-Tankwagen wird in Brunsbüttel betankt (Bild von Cvoelker, CC BY-SA 4.0)

„Während der Wasserstoff in der Region genutzt werden soll, wollen wir das SNG in das deutsche Erdgasnetz einspeisen und somit bilanziell in ganz Deutschland zur Verfügung stellen. Mit einem möglichen künftigen LNG-Terminal in Brunsbüttel ergibt sich perspektivisch die Möglichkeit, das angelandete Erdgas klimaschonend zu veredeln, also mit grünem synthetischem Gas aus Schleswig-Holstein zu vermengen und so einen Beitrag zur Dekarbonisierung des gesamten Erdgassystems zu leisten.“

Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH: „Die aktuellen gesetzgeberischen Rahmenbedingungen erlauben derzeit jedoch keinen wirtschaftlichen Betrieb. Die Projektpartner ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall bewerben sich daher auf ein Reallabor des Bundeswirtschaftsministeriums.“

Darum geht es: Steuernachlässe und Subventionen, letztlich auch zur „Veredelung“ von Trumps Fracking-Erdgas, das wegen seiner hohen Freisetzungen des starken Klimagifts Methan nicht nur extrem klimaschädlich ist, mit dessen Förderung außerdem in den USA die Umwelt ruiniert wird und das zudem viel teurer ist als konventionell gefördertes Erdgas.

Ein „Beitrag zur Dekarbonsierung des gesamten Erdgassystems“ also? Es ist kaum zu fassen, für wie dumm diese Herren ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger halten. Man glaubt, sie verstehen nicht, dass es hier nur um ein Feigenblatt für die Überschwemmung des deutschen Erdgasnetzes mit Fracking-Erdgas geht.

Das Bundeswirtschaftsministerium versucht mit Hochdruck, LNG-Terminals zum Import von Fracking-Erdgas aus den USA durchzusetzen, weil damit die von US-Präsident Trump angedrohten Handelssanktionen gegen den Export von Pkw aufgeschoben werden. Per Verordnung sollen daher Erdgasleitungen bis zu den geplanten Terminals in Brunsbüttel und an anderen Standorten durchgesetzt werden. Die Kosten dafür sollen auf die Gaskunden umgelegt werden. Das BMWi wird daher ein offenes Ohr für das Greenwashing von Vattenfall und Partnern haben.

24. März 2019
von Redaktion
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107 Schornsteinfeger und das Gebäudeenergiegesetz

Eckpunkte für ein klimagerechtes Gebäudeenergiegesetz“ heißt ein von den prominenten Grünen, Julia Verlinden, Chris Kühn und Jens Kerstan, unterzeichnetes Eckpunktepapier. Es wird von mindestens 107 Schornsteinfegern propagiert, wie sich bei Suchmaschinen zeigt. Eckpunkte zum Gebäudeenergiegesetz waren schon zuvor von den Bundestagsabgeordneten Verlinden und Kühn formuliert worden. Der grüne Umweltsenator Kerstan hat sich diesen nun angeschlossen. Klimareporter berichtete am 18. März 2019 darüber.

Das geplante Gebäudeenergiegesetz (GEG), in dem die Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Gesetz zusammengefasst werden sollen, wird zwar von der Großen Koalition immer weiter verschleppt,  demnächst soll aber der Hamburger „Klimaplan“ fortgeschrieben werden („schutz“ in „Klimaplan“ wurde leider schon vor vier Jahren gestrichen) und da die Hamburger Grünen kürzlich vorgeschlagen haben, das Klimaziel für Hamburg im Jahr 2030 von minus 50 % auf minus 55 % zu verschärfen, lohnt sich eine genauerer Blick auf diese Eckpunkte.

Nach einer pflichtgemäßen Rüge der Blockadestrategie der Bundesregierung denken die drei Grünen die ökologische und die soziale Frage zusammen: „Unser Ziel sind energetisch modernisierte, klimagerechte Wohnungen für alle.“

Hierfür wird – wenigstens verbal – sichergestellt, „dass energetische Modernisierung nicht für Verdrängung missbraucht wird und auch Menschen mit kleinerem Einkommen in energetisch hochwertigen Häusern und Wohnungen leben können.“

Aber auch Eigenheimbesitzer*innen haben die drei im Blick. „Ihnen wollen wir bei Bedarf mit Steuervergünstigungen und zielgerichteten Förderprogrammen helfen.“

Also Steuervergünstigungen als Sanierungsanreiz! Damit hierdurch nicht die besser Verdienenden sehr stark bevorzugt werden, findet sich die Klausel „bei Bedarf“. Und wie hilft diese? Da steht nur noch: „Der mehrfach versprochene Steuerbonus für die energetische Sanierung hat es wieder nicht in die Haushaltspläne der Großen Koalition geschafft.“ – Vielleicht alles halb so wild. Denn nach Zielen für eine Erhöhung der abgrundtiefen energetischen Sanierungsraten sucht man in den „Eckpunkten“ ohnehin vergebens.

Viel forscher kommen die „Eckpunkte“ daher, wenn es um Vorgaben für mehr Erneuerbare geht. Da steht viel Unterstützenswertes, beispielsweise dass neue Ölheizungen in Neubau und Bestand ab 2021 nicht mehr eingebaut werden dürfen. Natürlich wäre es schön, wenn das auch für sog. Hybridheizungen gelten würde, wie sie beim großen norddeutschen Projekt NEW 4.0 mit Unterstützung der Hamburger Umweltbehörde getestet werden. „Hybrid“ bezieht sich hier auf Ölheizungen, in denen auch elektrischer Strom eingesetzt wird, wenn zu viel Windstrom zur Verfügung steht. Die von Schrumpfung bedrohte Heizölbranche setzt sehr stark auf diese Weiterentwicklung von Ölheizungen und wird dabei beispielsweise vom schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Buchholz (FDP) entschieden unterstützt.

Die Fernwärme soll nach den „Eckpunkten“ schrittweise bis 2040 CO2-neutral werden. Bis 2040 also – für Hamburg vielleicht etwas schwach und hoffentlich nicht so, dass dann Müllverbrennung immer noch als CO2-neutral erklärt wird wie gegenwärtig von der Hamburger Umweltbehörde.

Solarthermie soll unterstützt werden, indem „überholte Bezugsgrößen … durch branchenübliche Ertragsangaben ersetzt“ werden. Ob das wirklich helfen wird? Gar in Hamburg, wo nach einem viel versprechenden Beginn die Solarthermie seit etwa zehn Jahren zu einem ganz ärmlichen Stiefkind der Wärmeplanung verkommen ist?

Also könnte man vertrauen auf die Devise: „Ab 2025 sollte für dann neu errichtete Gebäude 100% Erneuerbarer Wärme Standard sein, um Fehlinvestitionen zu vermeiden.“ „Durch politische Rahmenbedingungen ist dafür zu sorgen, dass die wenigen Gasheizungen, die im Neubau ab 2025 überhaupt noch installiert werden, mit CO2-neutralem Gas (Biogas aus Reststoffen, Power-to-X) versorgt werden.“ Das hätte natürlich den Vorteil, dass dann Trumps Fracking-Erdgas, importiert über die gegenwärtig vorangetriebenen Flüssigerdgas-Terminals, niemand mehr haben wollen würde! Aber besser wäre es sicher, wenn der Umweltsenator alles Erdenkliche in Bewegung setzen würde, um an der Unterelbe gar keine LNG-Terminals entstehen zu lassen.

Befürchtungen, 100% Erneuerbare Wärme in Neubauten könnte für das Jahr 2025 schon zu ambitioniert sein, wenn zurzeit sogar ein Tend zurück zu Erdgas und Heizöl festzustellen ist, wird vorgebaut: „Einen Schutz vor finanzieller Überforderung gewährleistet weiterhin der Wirtschaftlichkeitsvorbehalt.“ Den drei Grünen ist offenbar entgangen, dass Energiewende-Experten das Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinsparungsgesetzes als überholt betrachten. Sie möchten den Grundsatz der „wirtschaftlichen Vertretbarkeit“ in Richtung einer „wirtschaftlichen Zumutbarkeit“ ändern. Ein kluger Gedanke!

„Die Vorgaben für Neubau und Bestand müssen auch sommerlichen Wärmeschutz beinhalten.“ Auch damit lässt sich sicher punkten. Und gut, dass einschlägige Baunormen schon seit vielen Jahren dafür sorgen. Allerdings: „Komplizierte DIN-Normen sind durch praxistaugliche Verfahren zu ersetzen.“ verlangen die „Eckpunkte“. Welche „praxistauglichen Verfahren“? Wenn gleich darauf „Monitoring nach klaren, messbaren und realistischen Kriterien“ gefordert wird? Fachleute wird das etwas ratlos machen.

Das KfW Effizienzhaus 55 als Zielstandard ist als Teil der „Eckpunkte“ insofern bemerkenswert, als es zeigt, dass Senator Kerstan dazugelernt haben muss. Denn vor kurzem ließ er das Beratungsunternehmen LBD noch ein kurzes Gutachten schreiben, das Gebäudeenergieeffizienz als nachrangig gegenüber einer Fernwärmeversorgung erklärte.

Mehr Vollzug“! Gemeint ist die Überprüfung, ob gesetzliche Verpflichtungen zur Energieeinsparung und zum Einsatz erneuerbarer Energien in der Praxis auch wirklich eingehalten werden. Nur zu! Darauf wird schon seit Jahrzehnten gewartet. Man darf gespannt sein, wie die zuständigen Behörden in Hamburg demnächst loslegen werden.

Für die Mieter*innen soll ein Beschwerdestelle eingerichtet werden: „Außerdem wollen wir Mieter*innen unterstützen und eine Beschwerdestelle einrichten, die in Streitfällen klären hilft, ob Energiesparmaßnahmen wie vom Vermieter angekündigt umgesetzt wurden, tatsächlich Energie einsparen und zu den versprochenen Heizkostensenkungen führen.“ Wäre es nicht vielleicht besser, die Verbraucherzentrale und die Mieterberatung kräftiger zu unterstützen?

Und was versprechen sich nun eigentlich die 107 Schornsteinfeger von den „Eckpunkten“?

Die Schornsteinfeger, wohl ausnahmslos Inhaber von Energieberater-Zertifikaten, werden sich über das Folgende gefreut haben: „Für den Einstieg in die Energieberatung wollen wir Beratungsgutscheine für Sanierungsfahrpläne ausgeben und bundesweit den Zugang zu qualifizierten Beratungsangeboten für das Energiesparen und für die Umrüstung auf Erneuerbare Energien sicherstellen.“ Diesen „Einstieg in die Energieberatung“ machen also die Schornsteinfeger und dann kommt bundesweit der „Zugang zu qualifizierten Beratungsangeboten“.

28. Februar 2019
von Redaktion
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Kohleausstieg in Hamburg – die Nachhut feiert sich als Vorreiter

Aus der Nutzung von Steinkohle im großen Hamburger Heizkraftwerk Tiefstack bis zum Jahr 2025 aussteigen – das schlug Vattenfall als Mehrheitseigner des Unternehmens Vattenfall Wärme Hamburg (VWH) Ende 2017 vor. Dass damit der rechnerische Wert der VWH gesenkt werden und Hamburg vom Rückkauf des Fernwärmesystems abgehalten werden sollte, war unschwer zu erkennen. Senator Kerstan schloss sich dennoch dem Vorhaben an, das Kohle-Heizkraftwerk Tiefstack im Jahr 2025 vollständig auf einen Betrieb mit Erdgas umzustellen.

Die Volksinitiative „Tschüss Kohle“ griff das Ausstiegsvorhaben auf. Sie fordert den Ausstieg aus der Kohleverbrennung in Tiefstack bis Ende 2025. Der Senat sollte außerdem darauf hinwirken, dass bis Ende 2030 auch das riesige Kohlekraftwerk in Moorburg vom Netz geht. Auch die Hamburger Grünen unterstützten diese Volksinitiative durch ihre Unterschrift.

Ein halbes Jahr später erklärte Senator Kerstan bei der Behandlung des Fernwärme-Rückkaufs im Haushaltsausschuss am 18. Oktober 2018, er habe sich mit Vattenfall doch wieder auf eine Umrüstung des HKW Tiefstack im Jahr 2030 geeinigt. Sei Hamburg erst einmal alleiniger Eigner, könne man aber prüfen, ob man die Umstellung nicht doch auf das Jahr 2025 vorziehen sollte, um sich die KWK-Förderung zu sichern.

Die SPD hat sich derweil schon festgelegt. Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion, in einer Pressemitteilung am 27. Januar 2019 – nach dem Beschluss der von der Bundesregierung eingerichteten Kohlekommission: „Es ist sehr gut, dass sich Kohleregionen, Wirtschaft und Gewerkschaften sowie die großen Umweltverbände wie BUND, Greenpeace und der Deutsche Naturschutzring gemeinsam auf einen verbindlichen Weg aus der Kohle geeinigt haben. … In Hamburg haben wir den Klimaschutz schon lange auf der Agenda. Wenn wir die Kohlefeuerung bis 2030 im Kraftwerk Tiefstack wie geplant beenden können, kann Hamburg im Bund eine Vorreiterrolle einnehmen.

Ob sich am Ende der Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverfeuerung Tiefstack nicht auch noch bis zum Jahr 2035 hinziehen wird? Dem Jahr, in dem nach den Beschlüssen der Kohlekommission möglichst in ganz Deutschland der Kohleausstieg abgeschlossen sein soll?

14. Februar 2019
von Redaktion
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Die Geschäftsstelle des Energienetzbeirats verweigert erneut die Veröffentlichung eines kritischen Gutachtens

Der HET hat dem Energienetzbeirat (ENB) am 24.1.2019 einen Antrag zur korrekten Bilanzierung von CO2 aus der Müllverbrennung vorgelegt. Eigens zur Begründung wurde diesem Antrag ein von Prof. Rabenstein verfasstes Gutachten beigefügt. In diesem Gutachten wird der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie (BUE) vorgeworfen, dass sie Fernwärme aus Müllverbrennung entgegen allen geltenden Konventionen als CO2-frei bilanziert. Die Geschäftsstelle des Energienetzbeirats weigert sich bisher wie schon in früheren ähnlichen Fällen, dieses Gutachten auf der Internetseite des ENB zusammen mit dem Antrag öffentlich zugänglich zu machen. Eigenartigerweise wurde jedoch eine Präsentation mit einer Kurzfassung des Gutachtens für die Behandlung des Antrags im ENB zusammen mit diesem Antrag auf die Internetseite des Energienetzbeirats gestellt.

1. November 2018
von Redaktion
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AURUBIS – Umweltpreis mit dunklen Flecken

Eine Fernwärmeleitung vom Hamburger Kupfer-Unternehmen Aurubis zur östlichen Hafencity ging Ende Oktober 2018 in Betrieb.

Diese Fernwärmeleitung und Aurubis haben kürzlich auf recht unterschiedliche Arten auf sich aufmerksam gemacht:

  1. Aurubis erhielt eine Auszeichnung für die Nutzung eines Teils seiner Abwärme und
  2. Aurubis steht seit längerem in der Kritik, weil das Unternehmen Kupferkonzentrat aus Peru bezieht, wo die Regierung Proteste der Bevölkerung gegen schädliche Transporte mit der Verhängung des Ausnahmezustands unterdrückt.

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