Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

27. Juni 2021
von Redaktion
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Eine Transparenz-Offensive der kommunalen Hamburger Energienetze?

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Anlässlich einer frühen Prüfung der Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg GmbH zur Senkung der Kohleverbrennung in Wedel hat der Bürgerschaftsabgeordnete Stephan Jersch (Die LINKE) in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage 22/4979 vom 17.6.2021 den Senat darauf aufmerksam gemacht, dass Bürgerschaftsabgeordnete, die nach Daten der Wärme Hamburg GmbH fragen, mit der Antwort „Diese Daten fallen unter das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis der WH.“ abgespeist werden und zwar auch dann, wenn die entsprechenden Daten öffentlich zugänglich sind. Er fragte: „Wie verträgt sich dieses Verhalten aus der Sicht des Senats mit der Forderung des zweiten Satzes des Volksentscheids zum Rückkauf der Hamburger Energienetze von 2013, in dem mit Gesetzeskraft eine demokratische Kontrolle angeordnet wurde?“

Die Antwort des Senats lässt auf eine Transparenz-Offensive bei den öffentlichen Energieunternehmen der Hansestadt Hamburg hoffen. Der Senat erklärte:

„Die hier vorliegende Anfrage wurde zum Anlass genommen, die bisherige Praxis zu überprüfen und eine Neubewertung in dieser Frage vorzunehmen. Die Prüfung hatte zum Ergebnis, dass für die Zukunft eine einfache und transparente Darstellung der entsprechenden Daten erarbeitet wird.“

Nun ist damit noch nicht klar, wann diese Darstellung verfügbar sein wird und wie „einfach und transparent“ sie sein wird. Immerhin erhielt Jersch auf seine Fragen zum Kohleeinsatz im Heizkraftwerk Wedel und zu den entsprechenden CO2-Emissionen bereits die gewünschten detaillierten Antworten:

Monatliche Kohleeinsätze und die entsprechenden CO2-Emissionen des HKW Wedel

Was folgt aus diesen Daten für die Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg GmbH zur Senkung der Kohleverbrennung in Wedel?

Die Selbstverpflichtung zur Einsparung von zunächst 20 Prozent des Kohleeinsatzes in Wedel wurde Ende Oktober 2020 verkündet und sollte „sofort“ in Kraft treten.

Als Referenzgröße zum Zeitpunkt „heute“ wurden 475.000 t Kohle pro Jahr angegeben. Eine Reduzierung um 20 Prozent ergibt somit einen „Deckel“ von 380.000 t Kohle bis Ende Oktober 2021.

Eine Summierung in der Tabelle von November 2020 bis einschließlich Mai 2021ergibt 315.503 t Steinkohle, die bereits verfeuert wurden. Es bleiben daher noch maximal 64.497 t Steinkohle vor allem für die Monate September und Oktober 2021, falls im Juli und August die Stromerzeugung weitgehend ruht. Ein Vergleich mit den Monaten März und April 2021 (zusammen 93.248 t) zeigt, dass der Kohleeinsatz in Wedel stark reduziert werden muss, wenn die Verpflichtung eingehalten werden soll. Das folgende Bild macht das deutlich:

Dass die Wärme Hamburg GmbH ihre Selbstverpflichtung zur Reduktion des Kohleeinsatzes im HKW Wedel zwischen dem 1. November 2020 und dem 1. November 2021 einhalten kann und will, wurde auf die erste Frage hin vom Senat mit einem klaren „Ja“ bestätigt.

Kaltes Wetter als Ausflucht aus der Selbstverpflichtung?

Als Erklärung für den durchgängig erhöhten Kohleeinsatz in Wedel zwischen November 2020 und April 2021 anstelle einer Reduktion wurde von Wärme Hamburg eine besonders kalte Witterung ins Feld geführt.

Laut SZ: „Wärme Hamburg weist diesen Vorwurf der „Irreführung“ strikt zurück: Bei den Zielgrößen handele es sich um Zahlen, die im Gesamtjahr erreicht werden sollen, sagte Geschäftsführer Michael Beckereit. „Wenn der Winter besonders kalt ist, wie er am Anfang diesen Jahres war, kann man nicht in jedem Monat genau ein Zwölftel erreichen, sondern es wird am Ende des Jahres abgerechnet.“

Laut em wurden sogar Grenzen von Ertragseinbußen als eventuelle Argumente aufgeboten: „Dafür will das Unternehmen auch Rohertragseinbußen von bis zu 1,5 Mio. Euro hinnehmen. … Monatsvergleiche sind vor dem Hintergrund der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und dem maximal eingeplanten Rohertragsverzicht weder möglich noch vorgesehen“, so der Sprecher.

Ausflüchte dieser Art können nicht akzeptiert werden. Denn zum einen ist der Referenzwert 475.000 t Kohle pro Jahr ohnehin großzügig gewählt:

Auf die Frage 10: „Wie groß war der Kohleeinsatz in Wedel im Jahr 2020 und wie hoch waren die entsprechenden CO2-Emissionen?“ antwortete der Senat:

„Der Kohleeinsatz im Jahr 2020 lag bei ca. 450.000 t, die CO2-Emission lag bei ca. 1.000.000 t.“

Zum anderen zeigt ein Temperaturvergleich von 2015 bis heute: Die Temperaturen im Winter 2020/21 liegen nicht weit von den Mittelwerten der letzten sieben Jahre. Der Winter 2019/20 war ungewöhnlich warm. Die Monate Februar und März 2018 waren erheblich kälter als die entsprechenden Monate im Jahr 2021.

Und schließlich enthält die Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg GmbH weder eine Temperatur- noch eine Rohertragsklausel.

20. Juni 2021
von Redaktion
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Solidarität mit der Bürgerinitiative: „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“

Gerichtsfarce in Schleswig

Am 12. Mai 2021 fand vor dem Verwaltungsgericht Schleswig ein von zwölf Wedeler Anwohnerinnen und Anwohnern angestrengtes Verfahren gegen die ätzenden Partikelemissionen des Kohlekraftwerks Wedel statt. Beklagte war das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein (LLUR), das die Genehmigung für den Kraftwerksbetrieb dem Betreiber Wärme Hamburg GmbH verbieten sollte, so lange von dort gesundheitliche oder materielle Schäden ausgehen. Nach einer über 5-stündigen mündlichen Verhandlung wies das Gericht die Klagen ab.

Seit Jahren sind die Anlieger des Kraftwerks, eines der ältesten Deutschlands – je nach Windrichtung und Partikelausstoß – von diesen Emissionen betroffen. Daher gründeten sie im Jahr 2012 die Bürgerinitiative: Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel und belegten mit insgesamt 18 Gutachten ihre Schäden. Es handelt sich nicht um „geringfügige Alltagsverschmutzungen“, wie das Gericht es in seiner Urteilsbegründung sieht, sondern um zum Teil massive Beschädigungen an Fahrzeugen und Häusern. In der Vergangenheit wurde das auch durch den früheren Kraftwerksbetreiber Vattenfall und den heutigen Eigentümer Wärme Hamburg GmbH eingestanden. Denn beide Unternehmen leisteten mit Regressverträgen Schadensersatzzahlungen. Selbst der Gutachter von Wärme Hamburg schrieb die Schäden an den Pkw plausibel dem Kraftwerk zu.

Zudem besteht die Gefahr gesundheitlicher Schäden. Denn, wie durch mehrere Gutachten nachgewiesen, sind die Partikel sauer und ätzend und können besonders bei Kindern, denen diese Gefahr möglicherweise nicht bekannt ist, gesundheitliche Schäden hervorrufen.

Was den ganzen Prozess zu einer Farce macht, ist der Umstand, dass das Gericht den Klägern, also den betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner, keine wirkliche Möglichkeit bot ihre Sichtweise vorzutragen. Deren Sachverständiger wurde in die letzte Reihe des Gerichtssaals beordert und durfte nicht reden. Die Zeugen mussten den Gerichtssaal verlassen und wurden ebenfalls nicht angehört. Auf die Inaugenscheinnahme beschädigter Fahrzeuge, die vor dem Gerichtsgebäude zur Dokumentation bereitstanden, verzichtete die Justiz. Ein beantragtes unabhängiges Gerichtsgutachten lehnte die Richterin mit der Begründung ab, dass die festgestellten Partikel nicht ätzend seien. Dem Gericht seien darüber hinaus alle Gutachten (über 100) bekannt. Diese Grundlage genüge für ein Urteil im Namen des Volkes.

Wie absurd das Verhalten des Gerichts war, macht eine Pressemeldung im Nachgang zu der Verhandlung deutlich. Darin wurde das Urteil unter anderem damit begründet, dass die von der Gegenseite gelieferten Gutachten von den Klagenden nicht „hinreichend substantiiert“ gewesen seien, also nicht genügend entkräftet wurden. Dies hätte in einer fairen Verhandlung sicherlich zur Sprache kommen können. Das war jedoch nicht gewollt.

Eine Revision zu diesen Urteilen beim Oberverwaltungsgericht ließ das Gericht nicht zu. Sie müsste erst eigens beantragt werden. Dies will wohlweislich überlegt sein. Denn ein faires Urteil ist auch vom Geldbeutel abhängig. Die Gerichtskosten werden allein für diese Gerichtsverhandlung auf 3.000 € geschätzt. Die Anwaltskosten hierfür sind fast doppelt so hoch.

Wie geduldig die Wedeler Bürgerinnen und Bürger bisher versucht haben, ihren Kampf für eine saubere und gesunde Umwelt zu führen, lässt sich nicht nur an der zeitlichen Dimension ermessen, sondern auch an der finanziellen. Denn bisher hat ihnen der Kampf bereits gut 300.000 € abverlangt.

Der Hamburger Energietisch unterstützt die Anliegen der Bürgerinitiative Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel solidarisch und ruft zur finanziellen Unterstützung auf.

Konto der Bürgerinitiative:
Linda Clausen-Hansen
IBAN: DE68 2005 0550 1280 5301 46
Stichwort: Kein Mega-Kraftwerk Wedel

Medien:
ndr: Kraftwerk Wedel Gericht weist Klagen zu Auto Lackschäden ab. 12.5.2021
onvista: Verwaltungsgericht weist Klagen gegen Kohlekraftwerk Wedel zurück. 12.5.2021
tag24: Gesundheitliche Schäden durch ätzende Partikel? Verwaltungsgericht weist Klagen zurück. 12.5.2021

29. Mai 2021
von Redaktion
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Doch kein Meilenstein für den Klimaschutz bei der Kohleverbrennung in Wedel?

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Laut der Pressemitteilung der Wärme Hamburg GmbH vom 26. Oktober 2020 hat der Aufsichtsrat eine Reduzierung der Kohleverbrennung im Heizkraftwerk Wedel beschlossen. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung wollte die Wärme Hamburg den Kohleeinsatz „ab sofort“ um 20 Prozent und ab 2023 um mindestens 30 Prozent pro Jahr reduzieren. Letzteres entspräche rund 150.000 Tonnen Kohle pro Jahr, die künftig weniger verbrannt werden sollen (Bild 1).

Bild 1: Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg zur Reduzierung der jährlichen Kohleverbrennung in Wedel (blau) und entsprechende Verminderung des CO2-Ausstoßes

Entsprechend Bild 1 sollten bis zur Heizperiode 2022/2023 im Vergleich zum Stand Ende Oktober 2020 die Effekte 1 und 2 wirksam werden und zwar durch eine „Einsatzoptimierte Fahrweise“ und eine „Modifizierte Einsatzplanung“. „Möglich wird diese Reduktion vor allem durch eine Verlagerung auf andere gasgefeuerte Wärmeerzeuger im Kraftwerkspark der Wärme Hamburg“, erklärte die Pressemitteilung von Wärme Hamburg. Gemeint war dabei vermutlich vor allem das erdgasgefeuerte Gas- und Dampf-Kraftwerk am Standort Tiefstack.

Dr. Beckereit, der Technische Geschäftsführer der Wärme Hamburg GmbH, nannte als CO₂-Einsparkosten ca. zehn Euro pro Tonne und Jahr – ein erstaunlich niedriger Wert.

Der Verzicht auf diesen Kohle-Einsatz würde Wärme Hamburg bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr kosten. Für eine Absenkung um rund 240.000 t CO2 durch die Effekte 1 und 2, berechnet nach Bild 1, ergibt sich Beckereits Wert bei Zugrundelegung von etwa zwei Jahren.

Dass die angekündigten CO2-Reduzierungen Sowieso-Effekten entsprechen könnten, wurde vermutet.

Was ist aus der Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg geworden?

Bild 2 zeigt die Stromerzeugung aus Steinkohle im Heizkraftwerk Wedel in den Monaten November bis April. Zum Vergleich wurde in grüner Farbe eine gegenüber 2019/2020 um 20 Prozent reduzierte Stromerzeugung dargestellt, die der Selbstverpflichtung entspräche.

In allen sechs Monaten unmittelbar nach der Selbstverpflichtung war die Stromerzeugung aus Steinkohle größer (schwarz) als ein Jahr zuvor (grau). Von einer Abnahme um 20 Prozent (von grau zu grün) kann also keine Rede sein.

Bild 2: Stromerzeugung im Steinkohle-Heizkraftwerk Wedel in den Monaten November bis April für die Heizperioden 2019/2020 bzw. 2020/2021 und um 20 Prozent gegenüber 2019/2020 verringerte Stromerzeugung gemäß der Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg zur Reduzierung der jährlichen Kohleverbrennung (Daten: Fraunhofer ISE)

Die Summen der Stromerzeugung von November bis April sind

       2019/2020:                              486 GWh     entsprechend 100 %

       2020/2021:                              538 GWh     entsprechend 111 %

       um 20 Prozent reduziert:        389 GWh     entsprechend 80 %

An welchen Kraftwerken liegt es?

Ein Vergleich der Stromerzeugung in den einzelnen Heizkraftwerken Tiefstack, Wedel 1 und Wedel 2 (Bilder 3 und 4) zeigt: Auch die Stromerzeugung aus Steinkohle in Tiefstack hat in den sechs Wintermonaten leicht zugenommen und zwar von 531 GWh auf 541 GWh, die Stromerzeugung in den beiden Blöcken in Wedel hat aber von 486 GWh auf 538 GWh zugenommen, vor allem durch einen verstärkten Einsatz von Block 1 des HKW Wedel.

Bild 3: Stromerzeugung in den Steinkohle-Heizkraftwerken Hamburg Tiefstack und Wedel in den Monaten November bis April für die Heizperiode 2019/2020 (Daten: Fraunhofer ISE)
Bild 4: Stromerzeugung in den Steinkohle-Heizkraftwerken Hamburg Tiefstack und Wedel in den Monaten November bis April für die Heizperiode 2020/2021 (Daten: Fraunhofer ISE)

Mehr Kohlestrom entgegen dem Trend

Bild 5 zeigt, dass die Stromerzeugung in den Hamburger Heizkraftwerken von 2015 bis 2019 zurückging, was sich mit der Zunahme an erneuerbarem Strom erklären lässt. Seit Anfang 2020 hat sich durch die Corona-Pandemie der Strombedarf verringert. Das allgemeine Angebot an erneuerbarem Strom ist weiter gewachsen. Daher ist es bemerkenswert, dass vor allem die Kraftwerke in Wedel ihre Stromproduktion und damit den Kohle-Einsatz seit 2020 gegenüber 2019 vergrößert haben. Zu vermuten ist, dass der Einspeisevorrang von Strom aus kohlegefeuerten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in klimaschädlicher Weise genutzt wird, um dargebotenen erneuerbaren Strom zu verdrängen.

Bild 5: Jährliche Stromerzeugung in den drei Hamburger Kohle-Heizkraftwerken (Daten: Fraunhofer ISE).

Die Wärme Hamburg GmbH muss sich erklären

In den Bildern 2 bis 5 wird nur die Größe der Stromerzeugung gezeigt. Denn diese unterliegt keinem Betriebs- und Geschäftsgeheimnis. Neben Strom wird in den Heizkraftwerken auch Wärme für das Fernwärmenetz erzeugt. Der Umfang des gesamten Einsatzes von Steinkohle in den Hamburger Kohlekraftwerken ist nicht öffentlich zugänglich, zumindest nicht für die Zeit seit der Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg GmbH.

Die Annahme liegt jedoch nahe, dass zwar mit einer modifizierten Einsatzplanung in Tiefstack operiert wurde, da dort als Alternative zum Kohle-Heizkraftwerk das Gas- und Dampfkraftwerk Tiefstack zur Verfügung steht, dessen Einsatz den Vorteil geringerer Aufwendungen für Emissionszertifikate besitzt.

Im Übrigen aber besteht der Eindruck, dass die Wärme Hamburg GmbH mit ihrer Selbstverpflichtung vom 26. Oktober 2020 die Öffentlichkeit in die Irre geführt hat. Denn eine drastische Änderung des Kohleeinsatzes ist in den nächsten Monaten nicht zu erwarten, nachdem die Wärme Hamburg darauf bestanden hat, auch weiterhin in den Sommermonaten in Wedel Strom zu erzeugen, in denen gar keine Fernwärme aus Wedel benötigt wird. Außerdem enthielt die Selbstverpflichtung den Zusatz „ab sofort“.

Sollte die Wärme Hamburg GmbH sich aus ökonomischen Gründen gezwungen sehen, so viel Strom aus Kohle zu erzeugen und zu vermarkten, wie nur möglich ist, so müsste der Hamburger Senat bereit sein, mit einer finanziellen Unterstützung das Unternehmen in die Lage zu versetzen, seine Selbstverpflichtung einzuhalten. Dies dürfte nach den Kostenangaben bei der Bekanntgabe der Selbstverpflichtung eine der kostengünstigsten Klimaschutzmaßnahmen sein, die es für Hamburg gibt.

15. Mai 2021
von Redaktion
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Jetzt auch in Hamburg neue Klimaschutz-Ziele!

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Das Bundesverfassungsgericht hat mit seinem als epochal bezeichneten Beschluss vom 24. März 2021 Klagen gegen das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) vom 15.11.2019 stattgegeben und dieses Gesetz in Teilen für verfassungswidrig erklärt. Die deutsche Bundesregierung verschärfte daraufhin rasch ihre Klimaschutz-Ziele für das Jahr 2030 und die Folgejahre.


Bild 1:        Karikatur: Mester/sfv

Zielmarken für das neue Klimaschutzgesetz der BRD sind:

  • 2030 mindestens 65 statt 55 Prozent weniger Treibhausgas-Ausstoß im Vergleich zu 1990
  • Klimaneutralität bis 2045 gegenüber bisher 2050

Die Bundesregierung folgte damit weitgehend einem Vorschlag von AGORA Energiewende vom Mai 2021, aus dem Bild 2 stammt.


Bild 2:  Vorschlag von „AGORA Energiewende“ zur Umsetzung des BVerfG-Urteils (Bild: AGORA Energiewende)

Aus der Begründung des Bundesverfassungsgerichts

Das Bundesverfassungsgericht begründete seine Entscheidung mit dem Gerechtigkeitsprinzip. Teile des Bundes-Klimaschutzgesetzes wurden für rechtswidrig erklärt, weil die zum Teil noch sehr jungen Beschwerdeführenden durch die Reduktionsziele im bisherigen deutschen Klimaschutzgesetz  in ihren Freiheitsrechten verletzt werden. „Die Vorschriften verschieben hohe Emissionsminderungslasten unumkehrbar auf Zeiträume nach 2030.“

„Dass Treibhausgasemissionen gemindert werden müssen, folgt auch aus dem Grundgesetz. Das verfassungsrechtliche Klimaschutzziel des Art. 20a GG ist dahingehend konkretisiert, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur dem sogenannten „Paris-Ziel“ entsprechend auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Um das zu erreichen, müssen die nach 2030 noch erforderlichen Minderungen dann immer dringender und kurzfristiger erbracht werden. Von diesen künftigen Emissionsminderungspflichten ist praktisch jegliche Freiheit potenziell betroffen, weil noch nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens mit der Emission von Treibhausgasen verbunden und damit nach 2030 von drastischen Einschränkungen bedroht sind. Der Gesetzgeber hätte daher zur Wahrung grundrechtlich gesicherter Freiheit Vorkehrungen treffen müssen, um diese hohen Lasten abzumildern. Zu dem danach gebotenen rechtzeitigen Übergang zu Klimaneutralität reichen die gesetzlichen Maßgaben für die Fortschreibung des Reduktionspfads der Treibhausgasemissionen ab dem Jahr 2031 nicht aus. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, die Fortschreibung der Minderungsziele der Treibhausgasemissionen für Zeiträume nach 2030 bis zum 31. Dezember 2022 näher zu regeln.“


Bild 3:              Karikatur: Mester/sfv

Wie wird Hamburg auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts reagieren?

Den Vorgaben des  Bundesverfassungsgerichts muss sich auch das Bundesland Hamburg stellen.

Hamburg hat in der Fortschreibung seines Klimaplans laut Drs. 21/19200 im Dezember 2019 beschlossen, seine CO2-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren und bis 2050 „klimaneutral“ zu sein. „Klimaneutral“ sollte hierbei heißen: CO2-Reduktion um mindestens 95 Prozent. Berechnungsgrundlage war dabei die CO2-Verursacherbilanz, während die BRD Treibhausgase nach einer Territorialbilanz bestimmt (Bild 4).


Bild 4: Bisherige Klimaschutz-Selbstverpflichtungen der BRD und Hamburgs. Für die BRD ist die bisherige verpflichtende Abnahme der Treibhausgase dargestellt, für Hamburg die Abnahme der CO2-Emissionen, jeweils bezogen auf das Jahr 1990.

Wenn Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein soll, dann darf Klimaneutralität in Hamburg nicht auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden wie im bisherigen Klimaplan. Außerdem dürfen für die Zeitspanne 2030 bis 2045 keine höheren Anforderungen zur Reduzierung der Emissionen gestellt werden als im Rest Deutschlands. Daher muss die CO2-Minderung bis 2030 auch für Hamburg mindestens 65 Prozent wie Bild 5 zeigt.

In einem Antrag 19/29294 (5.5.2021) aus Anlass der Entscheidung des BVerfG forderten die Grünen im Bundestag eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 70 Prozent bis 2030. Eine ähnliche „Nachschärfung“ forderte auch der BUND.

Weitere Verschärfungen wie diese lassen sich damit begründen, dass die von der jetzigen Bundesregierung beabsichtigte Reduzierung immer noch das für die BRD verbleibende CO2-Emissionsbudget erheblich übersteigt. Aus der Entscheidung des BVerfG:

„Die verfassungsrechtlich maßgebliche Temperaturschwelle von deutlich unter 2 °C und möglichst 1,5 °C kann prinzipiell in ein globales CO2-Restbudget umgerechnet werden, das sich dann auf die Staaten verteilen lässt.“

„Danach darf nicht einer Generation zugestanden werden, unter vergleichsweise milder Reduktionslast große Teile des CO2-Budgets zu verbrauchen, wenn damit zugleich den nachfolgenden Generationen eine radikale Reduktionslast überlassen und deren Leben umfassenden Freiheitseinbußen ausgesetzt würde.“

Nach einer Kurzanalyse von Greenpeace würde das vom Bundesverfassungsgericht kritisierte bisherige Klimaschutzgesetz bis 2030 schon rund 96 Prozent des für die BRD verbleibenden CO2-Budgets verbrauchen. Auch beim neuen Reduktionspfad nach der Novelle des Klimaschutzgesetzes wären es immer noch 91 Prozent des Budgets bis 2030. Greenpeace fordert daher einen Ausstieg aus der Kohle bis 2030 statt bis 2038.


Bild 5: Neue Klimaschutz-Verpflichtungen der BRD sowie Anpassung für Hamburg. Für die BRD wird die Abnahme der Treibhausgase dargestellt, für Hamburg die Abnahme der CO2-Emissionen, jeweils bezogen auf das Jahr 1990.

Die Treibhausgas-Reduzierungen in den einzelnen Sektoren


Bild 6: Sektorbezogene Emissionspfade im Zeitraum 2020 bis 2030 nach der Novelle 2021 des Bundes-Klimaschutzgesetzes

Nach dem Referentenentwurf zur Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes sollen die Treibhausgas-Emissionen in den einzelnen Sektoren zwischen 2020 und 2030 wie in Bild 6 sinken. Die stärksten Absenkungen sollen in den Sektoren Energie und Industrie erfolgen, in denen viele Anlagen dem Europäischen Emissionshandel unterliegen. Damit soll besonders dort gemindert werden, wo die Vermeidungskosten am geringsten sind. Hinzu kommt, dass der Energiesektor wegen der Bedeutung der Elektrifizierung von Endverbrauchssektoren (Sektorkopplung) ein Schlüsselsektor für Emissionsminderungen in allen Sektoren ist.

Während die im Referentenentwurf geforderte Absenkung gegenüber dem Jahr 2020 bei der Energiewirtschaft 61 Prozent beträgt, liegt sie bei den anderen Sektoren zwischen 39 und 44 Prozent, bei der Landwirtschaft sogar nur bei 23 Prozent.


Bild 7: Bisherige sektorbezogene Emissionspfade im Zeitraum 2017 bis 2030 nach dem Hambrger Klimaplan 2019 (Tabelle 7 in Drs. 21/19200 vom 3.12.2019)

Bei einem Vergleich mit der bisherigen Planung in Hamburg fällt auf, dass in den Sektoren Verkehr und Industrie bisher nur Absenkungen von 30 bzw. 35 Prozent vorgesehen waren, während bei den Sektoren Private Haushalte und Gewerbe, Handel, Dienstleistungen bereits 55 bzw. 59 Prozent gefordert wurden. Bei einer Novellierung des Hamburger Klimaplans wäre daher ein Abgleich mit den bundesweiten Ansätzen angebracht.

Der BUND Hamburg hat bereits darauf hingewiesen, dass bei der Verschärfung des Klimaplans „letztlich auch eine solide Finanzierung notwendig (ist), die über den nächsten Doppelhaushalt hinausgeht.“

Gute Vorsätze

In der Aktuellen Stunde der Hamburger Bürgerschaft am 5. Mai 2021 forderte die Sprecherin der Grünen für Klimapolitik und Mobilitätswende, Rosa Domm, zum Bundes-Klimaschutzgesetz: „Deswegen wird es auch nicht reichen, die Ziele für 2030 anzupassen, auch nicht auf 65 % Reduktion. Was wir jetzt brauchen ist ein Klimaschutzgesetz, das sich auf ein 1,5-Grad-CO2-Budget stützt. … Ich sehe auch ganz klar Hamburg in der Pflicht. Unser Klimaschutzgesetz muss auch wasserdicht werden mit klaren Reduktionspfaden für alle Sektoren und generationsgerechten und 1,5-Grad-kompatiblen Reduktionszielen.“

Senator Kerstan erklärte anschließend, der Senat habe sich selber auferlegt, seinen Klimaplan alle vier Jahre fortzuschreiben. Vor dem Hintergrund des Urteils des BVerfG müsse er natürlich dennoch überprüfen, ob er „für das Jahr 2030 beim Konkretisionsgrad noch drauflegen müsse“.

„Und wenn der Bund bis zum Jahr 2040 85 % einsparen will und 45 klimaneutral werden wollte – mit dem Anspruch, den Hamburg bisher an den Tag gelegt hat, Wegbereiter, Vorreiter zu sein und Blaupausen für die Zukunft zu entwickeln, dann brauchen wir für Hamburg ein ehrgeizigeres Ziel. Wir als Umwelt- und Klimabehörde wären dankbar und froh darüber, den Auftrag vom Senat zu bekommen, das auch wirklich in der nächsten Fortschreibung des Klimaplans und Klimaplanschutzgesetzes festschreiben zu können.“

Der aktuelle Klimaplan wurde am 3.12.2019 beschlossen. Abwarten bis zur Fortschreibung nach vier Jahren gemäß dem Hamburg Klimaschutzgesetz § 6 (3) würde bedeuten, dass neue Zielwerte und entsprechende Maßnahmen erst im Jahr 2024 wirksam werden würden. Mit den zitierten Erklärungen von Rosa Domm und Jens Kerstan wäre das kaum vereinbar.

Rosa Domm forderte am 5. Mai Sofortmaßnahmen von der Bundesregierung. Die hat inzwischen entsprechende Beschlüsse gefasst. Jetzt ist auch Hamburg an der Reihe. Nach dem HmbKliSchG § 6 (2) berichtet der Senat „der Bürgerschaft alle zwei Jahre über den Stand der Zielerreichung und der Umsetzung der Maßnahmen des Hamburger Klimaplans“. Bis zum Zwischenbericht im Dezember 2021 gibt es genug Zeit, verschärfte Ziele zu beschließen und Maßnahmen zu deren Umsetzung zu ergreifen.

3. Mai 2021
von Redaktion
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Sehr geehrter Herr Drieschner,

Achtung: Satire!

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bitte  erschrecken Sie nicht, wenn der Hamburger Energietisch e. V. (HET) aus Anlass Ihrer Enthüllungsgeschichte „Verirrt im Dornendickicht“ in der Zeit vom 29. April 2021 ein Schreiben an Sie richtet. Wir müssen einsehen, dass Sie das Ränkespiel des HET durchschaut und überzeugend offengelegt haben. Daher versuchen wir eine Flucht nach vorne.

Karikatur: Mester, SFV

Ihre Philippika ist umso glaubwürdiger, als Sie durchaus Verständnis für eine Debatte um den Import von Buschholz aus Namibia nach Deutschland zeigen. Sie erinnern aus diesem Anlass an „Rückschläge“ für den energetischen Einsatz von Biomasse aus fernen Ländern: „Der Palmölproduktion für die Stromindustrie fiel Regenwald zum Opfer, mit schlimmen Folgen für Umwelt, Artenvielfalt und Klima.“

In der Tat: Während Palmöl heute nur dem Diesel beigemischt wird, wurde es früher sogar in Blockheizkraftwerken für die Stromerzeugung eingesetzt. Aber das ist schon eine geraume Weile her. Vielleicht stammt es noch aus der Zeit, in der Sie als „Atomjournalist“ Bekanntheit erlangten. Suchmaschinen präsentieren Sie als solchen immer noch ganz oben, obwohl dieser Abschnitt Ihrer Tätigkeit ebenfalls schon längere Zeit zurück liegt.

Wahrscheinlich wenden Sie sich an Ihre atom-affinen Leserinnen und Leser von damals, wenn Sie jetzt gleich zweimal auf „Radiokarbonuntersuchungen“ zu sprechen kommen: Beim HET, den Sie als „Anhänger der Theorie von Buschholzverschwörung“ entlarven, entdecken Sie die Motive „globale Klimakrise und historische Kolonialverbrechen, Pläne für den Kohleausstieg und angeblich missdeutete Radiokarbonuntersuchungen an Graswurzeln“.

Völlig überzeugend kommen Sie an einer Schlüsselstelle Ihres Essays auf Savannen, Büsche und SOC zu sprechen: „Weltweit steckt mindestens ein Zehntel, nach anderen Berechnungen sogar fast ein Drittel von allem SOC in den Böden der Savannen. Zum weitaus größten Teil, das weiß man aus Radiokarbonuntersuchungen getrockneter Wurzelmasse, wurde dieses SOC durch Gras erzeugt – auch dort, wo Büsche stehen, und sogar an Stellen, wo der Bewuchs schon vor Jahrzehnten eine waldähnliche Form angenommen hat.“

Solche Passagen Ihres eindrucksvollen Traktats weisen Sie als erfahrenen Fachjournalisten aus. Von den drei zentralen Begriffen im Streit um das Buschholz – Biomasse, Savanne und Soil Organic Carbon, kurz SOC – erläutern Sie den letzten in unnachahmlicher Weise. Wer hat schon gewusst, dass „ein großer Teil der Biomasse, die Pflanzen aufbauen, nicht oberirdisch sichtbar, sondern im Boden verborgen ist“ und dass darüber hinaus dieser Umstand „in der Debatte um das globale Klima erst seit Kurzem eine Rolle“ spielt? Eine Erwähnung des engen Zusammenhang des SOC mit dem bekannteren Humusgehalt des Bodens erschien Ihnen sicher zu banal.

Zurück zu den „Radiokarbonuntersuchungen“: Das radioaktive C-14-Isotop wird bekanntlich zur Altersbestimmung herangezogen. Beim Dornendickicht, den Shrubs, Büschen oder was sonst noch als Bezeichnung der Bedeckung des „degradierten Buschlands“ gebräuchlich ist, genügt zur Altersbestimmung eigentlich das Zählen von Jahresringen. Bei Gras und Graswurzeln tut mensch sich damit schwerer – das räumen wir gerne ein. In der modernen Biologie verwendet man aber eigentlich gar keine Radioaktivitätsbestimmungen zur Untersuchung der Beiträge von Gras und von holzigen Pflanzen zum Humus. Mensch bestimmt vielmehr mit Massenspektrometern die jeweiligen Anteile der stabilen Kohlenstoff-Isotope C-12 und C-13. Gräser und Gehölze bedienen sich derer nämlich in unterschiedlichem Maße, sodass aus dem Verhältnis der beiden Schlüsse auf Wer, Wo und Wann gezogen werden können.


Unterschriften unter die Petition „Keine Büsche und Bäume in Großkraftwerken verfeuern!“

Haben Sie bitte keine Angst: Wir werden Sie nun nicht mit Literaturlisten zu diesem Thema traktieren. Entsetzlich lange Literaturlisten gehören zu den schärfsten Waffen des HET. Das haben Sie ganz richtig festgestellt. Wir wollen uns beim Einsatz von Literaturlisten auch nicht damit herausreden, dass andere uns in dieser Hinsicht noch übertreffen. Das Gutachten von Dr. A. Schick und Prof. Dr. Dr. h.c. P. Ibisch „Namibian ‘Bush encroachment’ in context:  an ecological perspective on current and future dryland greening, its causes and consequences“, das die Deutsche Umwelthilfe am 29. April 2021 vorstellte, übertrifft mit etwa 200 Literaturquellen die vom HET in Auftrag gegebenen Gutachten zur Klimawirkung von namibischem Buschholz in Deutschland deutlich.

Doch das ändert nichts daran und wir wollen es auch gar nicht bestreiten: „In der Umweltbehörde untersuchen Fachleute die Ökobilanz des ganzen Unterfangens, die technische Machbarkeit, die sozialen und ökonomischen Folgen in Namibia und hier.“ Durch die Kritik des HET am Buschholzprojekt, eingerahmt durch endlos lange Literaturlisten, werden diese „Fachleute“ der Hamburger Umweltbehörde nun so nervtötend beschäftigt, dass die BUKEA ihren Prüfprozess bereits um ein halbes Jahr verlängern musste. Die „Experten“, die Ihrem Bericht zufolge sagen, eigentlich sehe der Import von Buschholz ganz gut aus, benötigen so viel Zeit, um sich durch Literaturlisten, „deren Umfang für ein naturwissenschaftliches Studium ausreichen würde“, hindurch zu fressen, dass sie bereits zur Resignation „gegen sehr breiten öffentlichen Widerstand“ neigen, wie Sie herausgefunden haben.

Viel bürokratenfreundlicher verhält sich das Institut IfaS, von dem Sie berichten: „Wie viel SOC im Boden angereichert würde, weiß niemand. Nach einer Modellrechnung des Instituts für Stoffstrommanagement in Birkenfeld, das dieses Entwicklungsprojekt begleitet, könnte es bestenfalls so viel sein, dass der ganze Prozess, inklusive Verschiffung und Verbrennung der Pellets, der Atmosphäre CO2 entziehen würde.“ Eine tolle Klimaschutzmaßnahme mit negativen Emissionen! Nach solchen wird doch so dringend gesucht! Wer kann sich jetzt noch dagegen sträuben?

Dieses Institut geht vorbildlicherweise mit der Angabe von Literaturquellen äußerst sparsam um und beruft sich stattdessen gerne auf nicht namentlich genannte Experten – meist aus Namibia. Sicherheitshalber stützt es sich außerdem weitgehend auf ein Gutachten der Forstberatung UNIQUE, die ihre einschlägige Studie mit einer halblangen Literaturliste versah, was sich bei einem über hundert Seiten langen, von der GIZ bezahlten Gutachten kaum vermeiden lässt. Allerdings stellen auch diese „Referenzen“ die „Fachleute“ der BUKEA  vor Probleme. Denn sie wurden offensichtlich schlampig zusammengehauen und konnten daher von den „Kritiker:innen“ leicht zerlegt werden. Hierauf beziehen Sie sich zu Recht, wenn Sie schreiben, dass zum Wahn einer Buschholzverschwörung nicht nur „europäische Politiker, die gemeinsame Sache mit afrikanischen Großgrundbesitzern machen“, „angeblich gekaufte Gutachter“ und „angeblich gefälschte pseudo wissenschaftliche Arbeiten“ gehören.

Zurück zu den Geständnissen, zu denen sich der HET durchgerungen hat, in der Hoffnung damit weiteren Ihrer hellsichtigen Enthüllungen über die von ihm in Gang gesetzte Verschwörung zuvorzukommen.

  1. Von Dr. Chris Brown berichten Sie, er habe sich geweigert, „die Schriften des Hamburger Energietisches in Namibia zu verbreiten“. In der Tat hat dieser im gleichen Zusammenhang bereits richtig vermutet, dass es dem HET darum gehe, anstelle von namibischem Buschholz russischem Erdgas in Deutschland den Weg zu bereiten. Sie selbst setzen die Entlarvung nun konsequent fort, indem Sie ergänzen, diese „Kampagne“ werde von Umweltorganisationen aus den USA und aus Russland unterstützt.
  2. Indem der HET sich entschieden gegen den Import von namibischem Buschholz wendet, fördert er natürlich auch die Geschäfte von Riverstone, diesem übermächtigen Konkurrenten einer transkontinentalen Lieferung von Holzpellets aus Namibia nach Deutschland. Dieser US-Konzern mit Sitz in der Steueroase Guernsey schickt sich an, mit Holzpellets aus nordamerikanischen Wäldern und aus den baltischen Staaten in großem Maßstab Steinkohle in der BRD zu ersetzen. Kein Zweifel, dass damit der Markteintritt des namibischen Buschholzes ganz erheblich erschwert werden könnte.
  3. Wenige ahnten bisher, dass sich der HET bereits im Jahr 2015 mit dem kanadischen Unternehmen ReconAfrica verbündete, damit sich dieses spätfossilistische Start-Up still und leise Lizenzen der namibischen Regierung für Ölbohrungen im Okavango-Delta sichern konnte. Wenn dort im „Garten Eden“, dem größten grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet der Erde, dem Weltnaturerbe KAZA (Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area), erst einmal in großem Umfang nach Erdöl und Erdgas gefrackt wird, dann wird sich kaum mehr jemand über die Verbuschung der umgebenden Landstriche aufregen.
  4. Auch für das entsetzliche Schicksal der namibischen Wüstenlöwen muss sich der HET in gewisser Weise verantwortlich fühlen. Da nämlich namibische Farmer mit zunehmendem Vordringen invasiver Dornbüsche immer geringere Erträge bei ihrer Rinderzucht erzielen konnten, verlegten sich nicht wenige auf die lukrativere Trophäenjagd mit dem Ergebnis, dass die Jagdgebiete der Wüstenlöwen, in denen es früher von Springböcken nur so wimmelte, heute leergefegt sind. Den Hungertod vor Augen stürzen sich die letzten Wüstenlöwen nun sogar auf die Hühner von Subsistenzbauern in den angrenzenden kommunalen Gebieten.
  5. Unter den von der Einschüchterung durch den HET betroffenen Organisationen – Sie gehen näher auf die Umweltorganisation Namibia Nature Foundation (NNF) ein – darf das schon erwähnte „Institut für Stoffstrommanagement in Birkenfeld“ (IfaS) nicht übersehen werden. Aus tiefster Überzeugung schrieben die Autoren in ihrem „Masterdocument“ im Zusammenhang mit den von ihnen errechneten günstigen Preisen von Holzpellets aus Namibia: “From the time of the colonialism of Germany in Africa, a chance arises for Germany to be able to heal the damages related to historical events.” Nach einem vom HET entfesselten Sturm der öffentlichen Entrüstung über diese Anspielung auf den Völkermord an den Herero und Nama vor gut hundert Jahren sah sich das IfaS im April 2021 genötigt, eine Neuversion seiner Machbarkeitsstudie vom 19. November 2020 ohne diesen Satz herauszugeben („Road Map to a Biomass Industrial Park“). Dabei ist die Freiheit der Wissenschaft doch grundgesetzlich garantiert.
  6. Dass die am 29. April 2021 von der Deutschen Umwelthilfe, von Robin Wood sowie von Peter Wohlleben gestartete Petition „Keine Büsche und Bäume in Großkraftwerken verfeuern!“, der sich der BUND Hamburg angeschlossen hat, nach drei Tagen schon das Zwischenziel von 50.000 Unterschriften überschritten hatte, das ist wohl nur ganz indirekt und zu einem kleinen Teil dem HET anzulasten. Der Boden hierfür wurde zuvor bereits von anderen Verschwörern wie den 500 internationalen Wissenschaftlern bereitet, die die EU und die USA aufforderten, auf Holzverbrennung ganz und gar zu verzichten.
Bild: P. Ibisch

Sehr geehrter Herr Drieschner:

Dieses unser Sündenregister können Sie wahrscheinlich mühelos fortsetzen. Ihre Verwunderung darüber, wie eine so unbedeutende, wenn auch vom Umweltbundesamt anerkannte Umweltorganisation wie der HET mächtige Umweltverbände wie Robin Wood und die Deutsche Umwelthilfe mittels einer Unterstützung aus Schottland und den USA auf seine Seite ziehen konnte, ist mehr als berechtigt. Wir fänden es daher fair, wenn Sie diese von Ihnen dargestellten Zusammenhänge vor allem bei ihrer Polemik gegen die Verführten, insbesondere Robin Wood, berücksichtigen würden. Es wäre eine großzügige Geste der ZEIT, wenn sie Robin Wood und der DUH Raum für eine Gegenäußerung bieten würde.

Der HET selbst wird nach diesen Geständnissen prüfen müssen, ob er sich gewissen Hamburger Splittergruppen anschließen will, die sich bisher, recht klug bemäntelt, glühend bis verbissen für den Import von namibischem Buschholz eingesetzt haben. Ob diese dem HET nicht die Tür vor der Nase zuschlagen werden, ist ungewiss, auch wenn der HET im Büßerhemd daherkommen sollte.

Der Artikel von F. Drieschner, auf den sich diese Satire bezieht, findet sich leider wohl nur in der Printausgabe. Auszüge daraus werden unter „Verirrt im Dornendickicht“ wiedergegeben.

25. April 2021
von Redaktion
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Mit hohen Fördergeldern Bäume statt Kohle verheizen?

Diskussionspapier

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Eine neue Lobbygruppe um den US-Konzern Riverstone, den Energieversorger EnBW und Unternehmen der Holzpellets-Erzeuger macht sich für die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf die Verbrennung von Holz stark. Sie beruft sich auf einen Beschluss von Bundestag und Bundesrat parallel zur Verabschiedung des Kohleausstiegsgesetzes. Ende März 2021 stellte sie ein im Detail ausgearbeitetes Förderkonzept vor. Mindestens 2 Milliarden Euro aus zusätzlichen Steuergeldern sind für die Förderung der Holzverbrennung vorgesehen. Es könnte viel mehr werden. Die Nutzung von Frischholz, noch dazu für eine sehr ineffiziente Verbrennung, steht in klarem Widerspruch zu den deutschen Energie- und Klimaschutzzielen. Eine derartige öffentliche Förderung muss daher unterbleiben. In den Niederlanden wurde kürzlich bereits beschlossen, keine neuen Subventionen für Biomasse-Kraftwerke mehr zu gewähren.

Eine neue Lobbygruppe der Holz-Energiebranche

Ende März 2021 meldete sich eine neu gegründete Lobbygruppe zu Wort, die sich für die Verbrennung von Holz stark macht:

  • In Berlin wird ein „Forum Nachhaltige Holzenergie“ (FNH) gegründet. Eine erste Pressemeldung vom 30. März 2021: „Neues Forum will Erzeugung von grüner Wärme und Strom vorantreiben. Pellets aus nachhaltig gewonnenen Holzreststoffen bieten klimaneutrale Alternative zu Steinkohle.“
  • Eine Studie des Beratungsunternehmens enervis zur Förderhöhe wird präsentiert.
  • Das Handelsblatt berichtet am 26. März 2021 über diese Studie: „Die Betreiber von Kohlekraftwerken wollen ihre Anlagen künftig mit Biomasse befeuern. Sie sehen darin einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Stabilisierung des gesamten Stromerzeugungssystems.“ Viele weitere Medienberichte folgen.

Zu den Gründungs-Mitgliedern des FNH zählen laut Pressemeldung unter anderem Amandus Kahl, EnBW, Enviva, eta Energieberatung, OnyxPower, SchwaigerHolzindustrie,  STELA Laxhuber und Wismar Pellets. Den  Vorsitz des Vorstands übernahm Philipp Hübler (Wismar Pellets). Stellvertretende  Vorsitzende sind Andreas Schultz (Amandus Kahl) und  Marius  Hachenberg  (Enviva).

Der Kern der Lobbyorganisation, EnBW, Enviva und Onyx Power, wird also vor allem durch Pellet-Hersteller ergänzt. Amandus Kahl ist ein Unternehmen, von dem Prof. Dr. Heck vom IfaS laut seiner Machbarkeitsstudie erhofft, dass es die Schwierigkeiten der Pelletierung von namibischem Subtropenholz überwindet.

Der deutsche Ausstieg aus der Steinkohle

Bundestag und Bundesrat haben am 3. Juli 2020 mit dem Kohleausstiegsgesetz den Ausstieg der BRD aus der Verstromung von Kohle beschlossen. Das Kohleverstromungs-beendigungsgesetz (KVBG) ist am 14. August 2020 in Kraft getreten. Der Ausstieg aus der Nutzung der Steinkohle zur Stromerzeugung soll schon bis zum Jahr 2034 abgeschlossen werden, wie Bild 1 zeigt.

Die Betreiber von Braunkohlekraftwerken sollen mit insgesamt 4,35 Milliarden Euro für die Stilllegungen entschädigt werden. Die Stilllegung der Steinkohlekraftwerke erfolgt durch eine Kombination aus Ordnungsrecht und Instrumenten des Wettbewerbs. Bis 2023 werden Ausschreibungen für Entschädigungen durchgeführt. Ab 2024 gibt es zusätzlich zu den Ausschreibungen ein ordnungsrechtliches Verfahren. Ab 2028 wird die Reihenfolge der Kraftwerks-Stilllegung durch die Aufsichtsbehörden festgelegt, ganz ohne Ausschreibungen.

Bild 1:  Stromerzeugungskapazitäten in der BRD entsprechend dem Kohleausstiegsgesetz

Steinkohle-Kraftwerke im Norden


Bild 2: Deutsche Steinkohlekraftwerke in Küstennähe (Quelle: Energy-Charts, Fraunhofer-Institut ISE)

Bild 2 zeigt Steinkohle-(Heiz-)Kraftwerke in der Nähe der Nord- und Ostseeküste.

Da die Auslastung vieler Steinkohlekraftwerke in Deutschland bereits so gering ist, dass sich nicht einmal die laufenden Kosten decken lassen (Bild 3), haben sich viele Kraftwerks-Betreiber darum bemüht, bei den ersten Ausschreibungen eine Entschädigung für die Stilllegung zu erhalten.


Bild 3:  Auslastungen von Steinkohlekraftwerken bei der Stromerzeugung im Jahr 2020 (nach Daten der Energy-Charts, Fraunhofer-Institut ISE)

Ein Überblick über Stand und Planungen bei Steinkohlekraftwerken in Küstennähe, wobei Kraftwerke, bei denen Holz als Ersatz für Steinkohle geplant wird, besonders interessieren:

Hamburg:

Das große Kraftwerk Moorburg, das im Jahr 2015 in Betrieb genommen wurde, ist nach einer Auslastung im Jahr 2020 von nur noch etwa 14 % bereits vom Netz gegangen.

Die Strom-Auslastung der Hamburger Heizkraftwerke Wedel und Tiefstack mit elektrischen Maximalleistungen von 250 MW bzw. 189 MW  ist noch relativ hoch. Es gibt eine Zusage des grünen Umweltsenators, den Ausstieg Hamburgs aus der Kohleverbrennung bis 2028 abzuschließen. Die Hamburger Umweltbehörde BUKEA prüft gegenwärtig den Einsatz von Buschholz aus Namibia für den Ersatz der Steinkohle am Standort Tiefstack.

Rostock:

Das Heizkraftwerk Rostock gehört zu 50,4 % der EnBW und zu 49,6 % der Rheinenergie AG. Es ist stromorientiert ausgelegt mit einer elektrischen Höchstleistung von 514 MW bei einem Wirkungsgrad von 43 %  und mit einer Fernwärme-Höchstleistung von nur 150 MW. Laut Mitteilung des Geschäftsführers des Betreiberunternehmens Kraftwerks- und Netzgesellschaft am 30.1.2019 sollte das Kohlekraftwerk als eines der Letzten in Deutschland vom Netz gehen, also deutlich nach 2030. Am 16.5.2020 hieß es jedoch, man wolle das Kraftwerk so schnell wie möglich auf die Verbrennung von Holz umrüsten. Eine solche Umrüstung hatten auch die Grünen Rostock am 29.4.2020 gefordert.

Die Stadt Rostock bezieht etwa 30 % ihrer Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk und könnte im Jahr 2025 die Belieferung mit Fernwärme aus dem Kraftwerk Rostock beenden. Wenn die Fernwärme dann anderweitig gedeckt werden würde, wäre das heute 27 Jahre alte Kohlekraftwerk noch weniger wirtschaftlich als bereits jetzt.

Wilhelmshaven:

Das Uniper Kraftwerk Wilhelmshaven wird am 8. Dezember 2021 endgültig stillgelegt werden – nach einem Zuschlag durch die Bundesnetzagentur bei der zweiten Ausschreibung. Das Kraftwerk mit einer maximalen elektrische Leistung von 757 MW wurde 1976 in Betrieb genommen. Uniper (früher bei E.ON) gehört zu drei Vierteln dem finnischen Fortum-Konzern. Wasserstoff soll den Standort retten.

Die Investmentgesellschaft Riverstone Energy Limited (REL) kaufte Ende 2019 vom französischen Energiekonzern Engie vier Kraftwerke in Deutschland und in den Niederlanden über das neu gegründete Energieerzeugungsunternehmen Onyx. Der Verkauf ließ den Kohle-Anteil im Energiemix von Engie (früher GDF Suez) von 13 Prozent im Jahr 2015 auf 4 Prozent schrumpfen. Gekauft wurden die Kraftwerke Wilhelmshaven (Engie bzw. Onyx), Farge bei Bremen, Maasvlakte Power Station in Rotterdam und Zolling in Bayern.

Das Onyx-Kraftwerk in Wilhelmshaven ist ein brandneues, erst 2015 in Betrieb genommenes Steinkohlekraftwerk mit einer maximalen elektrischen Leistung von 731 Megawatt und einem elektrischen Wirkungsgrad von 46 %. Die Leistungsdaten des Kraftwerks entsprechen weitgehend denen eines Blocks des Steinkohle-Kraftwerks Moorburg. In diesem Kraftwerk werden in Spitzenzeiten 200 Tonnen Steinkohle pro Stunde verfeuert. Nach der geplanten Umrüstung auf Holzpellets wären es 400 Tonnen Holz pro Stunde – zum Schaden des Klimas.

Bild 4: Onyx Powers Vision für die Umrüstung des Kraftwerks Wilhelmshaven auf Biomasse (Quelle: Onyx Power)

Die Maasvlakte Power Station in Rotterdam, erst seit 2015 voll in Betrieb, hat ähnlich wie ein Block des Kraftwerks Moorburg eine maximale Leistung von 800 MW. Das Kraftwerk soll in der Lage sein, bis zu 80 % oder bis zu 50 % Biomasse zusammen mit Kohle zu verbrennen.

Seit 2019 läuft ein Projekt zur Mitverbrennung von Schwarzen Pellets, nach dem jährlich rund 220.000 Tonnen Biomasse verbrannt werden sollen. Das wäre wesentlich weniger als im Onyx-Kraftwerk Wilhelmshaven geplant.

Onyx Power beantragte eine Förderung in Höhe von 238 Mio. Euro als Gegenleistung für eine Schließung des Kraftwerks.

Bremen:

Das Steinkohle-Kraftwerk Farge im Norden Bremens ging schon 1969 ans Stromnetz. Im Jahr 2004 wurde das Kraftwerk modernisiert. Dabei wurde der Wirkungsgrad von 39,4 auf 42,3 % erhöht bei einer maximalen elektrischen Nettoleistung von 350 MW. Onyx Power gab Mitte April 2021 bekannt, das Kraftwerk solle auf die Verbrennung von Altholz umgestellt werden.

Ein vollständiger Ersatz der Steinkohle durch Altholz ist sehr unwahrscheinlich. Vielmehr ist anzunehmen, dass ganz überwiegend Frischholz eingesetzt werden soll. Denn es würde etwa sieben-mal mehr Altholz benötigt, als in Hamburg für die Strom- und Fernwärmeerzeugung eingesetzt wird (146.000 t Altholz pro Jahr) (gerechnet mit 4000 Volllaststunden pro Jahr bei einem Wirkungsgrad von 40 % und einem Heizwert von 3,6 MWh pro Tonne). Dabei soll in Farge sogar eine Beschränkung auf die Altholzklassen II und III unter Ausschluss der mit Holzschutzmitteln belasteten Klasse IV vorgenommen werden.

Die grüne Senatorin Schaefer findet dennoch, Bremen könnte mit dem Konzept von Onyx Power zum  Abschalten des Kohlekraftwerks Farge einen großen Schritt zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens weiterkommen.

Onyx Power hat sich „entschlossen, eine Detailplanung und die Vorbereitung des Genehmigungsverfahrens als eine wesentliche Voraussetzung für die Umrüstung der Anlage anzustoßen.“ Am 16. April 2021 wird „das Unternehmen beim Gewerbeaufsichtsamt eine Vorhabenbeschreibung für das Projekt an der Weser einreichen. Das offizielle Genehmigungsverfahren wird nicht vor Spätsommer 2021 starten.“ Wie beim Onyx-Kraftwerk Wilhelmshaven wird auch hier langfristig ein Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft für denkbar bezeichnet.

Das Kohlekraftwerk Hafen in Bremen erhielt schon bei der ersten Ausschreibungsrunde einen Zuschlag für die Stilllegung und wird 2021 abgeschaltet. Zur Erzeugung von Fernwärme ist ein Umstieg auf die Verbrennung von Erdgas und Müll geplant.

Als Ersatz für das Kohlekraftwerk Hastedt bei Bremen ist ein Erdgas-Kraftwerk im Bau, das bis 2022/3 fertiggestellt werden soll. Von Uniper soll für die Stadtwerke Bremen (swb) ein Gaskraftwerk mit 9 Gasmotoren bei eine elektrischen Leistung von 105 MW und einer Fernwärme-Leistung von 93 MW errichtet werden. Gegen dieses sehr effiziente Kraftwerksprojekt gab es Proteste mit der Forderung nach einem Baustopp.

Freising:

Nahe dem bayerischen Freising steht das auf die Verwertung von Altholz ausgerichtete Heizkraftwerk  Zolling mit einer elektrischen Leistung von 20 MW.

20 MW Altholz in Zolling gegenüber1880 MW Steinkohle. Daraus macht Onyx Power unter den Stichworten „CO2-Neutralität und Umweltschutz“: „Bereits jetzt erzeugt die Onyx Power Group einen beachtlichen Anteil seines Stroms aus CO2-neutralen Energieträgern. Insbesondere der Einsatz von Biomasse in konventionellen Kraftwerken birgt große Chancen für den Klimaschutz. Unter den Oberbegriff Biomasse fällt unter anderem Alt- und Restholz, das sowohl in der holzverarbeitenden Industrie als Abfallprodukt als auch in der Forstwirtschaft anfällt. Durch die Nutzung von Biomasse kann dieses Holz einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden.“

Die Konzerne Riverstone, Onyx Power und Enviva

Riverstone Energy Limited (REL) ist eine geschlossene Investment-gesellschaft, die in die globale Energiebranche investiert. Sie hat eine Adresse in der Steueroase Guernsey. Bis heute wurden von REL 20 Investitionen in Öl, Gas, Biomasse und Energiedienstleistungen in den USA, Westkanada, Golf von Mexiko, Lateinamerika und Europa getätigt.

Onyx Power:

Für den Kauf und Betrieb der vier Engie-Kraftwerke wurde eigens das Unternehmen Onyx Power gegründet. Onyx betreibt damit seit dem 30. November 2019 fünf Anlagen mit einer Bruttokapazität von rund 2.350 MW an den Standorten Wilhelmshaven, Farge, Zolling und Rotterdam (NL).

Während zunächst spekuliert wurde, Riverstone könne es beim Kauf von Kohlekraftwerken auf Klagen und möglichst hohe Entschädigungen abgesehen haben, wird inzwischen deutlich, dass es um die Verbrennung von Holz anstelle von Steinkohle geht. Ein Plan B, Klagen gegen Deutschland nach dem Muster von Vattenfall auf Basis der berüchtigten Energiecharta, ist aber nicht auszuschließen.

Enviva:

Der von Riverstone im Jahr 2020 übernommene Holz-Konzern Enviva ist der weltweit größte Produzent von Holzpellets. Enviva wirbt mit dem SloganDisplace Coal. Grow more Trees. Fight Climate Change” und lässt die Wälder im Südosten der USA abholzen und als Holzpellets nach Europa verschiffen.

Auf der Homepage der Riverstone Holding LLC ist zu erfahren: Enviva besitzt und betreibt neun Werke mit einer Gesamtproduktionskapazität von ca. 4,9 Millionen Tonnen Holzpellets pro Jahr in Virginia, North Carolina, South Carolina, Mississippi, Georgia und Florida. Darüber hinaus besitzt Enviva zwei Export-Schiffsterminals in Chesapeake, Virginia, und Wilmington, North Carolina, und hat langfristige Pachtverträge für Terminals in Mobile, Alabama, Panama City, Florida, und Savannah, Georgia.

„Richtige Rahmenbedingungen“ für die Holzverbrennung

Onyx Power berichtete am 11.6.2020, mit dem Niedersächsischen Umweltminister, Olaf Lies (SPD), und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal hätten Gespräche über die Umrüstung des Onyx-Kraftwerks Wilhelmshaven von Steinkohle auf Biomasse stattgefunden (Bild 4). Die politischen Entscheider wollten sich für bessere Rahmenbedingungen einsetzen.

„Unternehmen, die sich nicht aus der Verantwortung ziehen und gewillt sind, in die Umrüstung bestehender Kraftwerke zu investieren, müssen wir eine Brücke bauen. Wir werden uns dafür einsetzen, die richtigen Rahmenbedingungen für klimaneutrale Energieerzeugung zu schaffen“, so Bernd Westphal. Die Nutzung des Kraftwerksstandorts und großer Teile des Kraftwerks sei selbst unter dem Blickwinkel der Ressourcenschonung absolut nachhaltig. „Wir sollten möglichst rasch Lösungen anbieten, damit die Umstellung auch wirtschaftlich darstellbar ist“, empfahl der SPD-Politiker.

Westphal arbeitete viele Jahren für die IG Bergbau und Chemie (IG BC) und für die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Seit 2013 sitzt er im Bundestag. Er ist nicht nur wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sondern auch ordentliches Mitglied des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung. Nach seinem Einzug in den Bundestag warb er für Fracking-Pilotprojekte. Die massive Reindustrialisierung der USA, wo Fracking im breiten Stil betrieben werde und dies zu wettbewerbsfördernden niedrigen Gaspreisen führe, dürfe hierzulande nicht übersehen werden.

Das zdf berichtete am 29.6.2021, insbesondere jüngere Kraftwerke sollten eine Perspektive für die zukünftige Energieversorgung bekommen, etwa zum Einsatz von Wasserstoff oder Biomasse.

In der Hektik der Verabschiedung des Kohleausstiegsgesetzes durch den Bundestag am 3. Juli 2020 fand eine entsprechende „Entschließung zu Drucksache 19/17342“ (Drs. 19/20714 Seite 10 ff.) wenig Beachtung, mit der eine Förderung der Umstellung bestehender Kohlekraftwerke auf Gas- oder Biomasseverstromung beschlossen wurde. (Vollständiger Beschlusstext im Anhang unten)

Dieser Beschluss verpflichtet die Bundesregierung, bis Ende 2020  ein zusätzlich aus dem Bundeshaushalt zu finanzierendes beihilferechtskonformes Förderprogramm zur Umstellung bestehender Kohlekraftwerke auf Gas- oder Biomasse­verstromung aus nachhaltiger Biomasse vorzulegen.

Vorgesehen ist die Bereitstellung eines Förderprogramms von 1 Milliarde Euro zusätzlich aus dem Bundes­haushalt. Aus Sicht des Klimaschutzes ist es besonders problematisch, dass dieses Förderprogramm so ausgestaltet werden soll, dass es auch auf diejenigen Kraftwerke zielt, die wegen geringer oder fehlender Wärmeauskopplung nicht über den Kohleersatzbonus des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes erfasst werden. Bei den Kraftwerke ohne Wärmeauskoppelung werden etwa 60 Prozent der Energie ungenutzt verschwendet. Eine zusätzliche Milliarde Euro soll für das im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz verankerte För­derprogramm für die treibhausgasneutrale Erzeugung und Nutzung von Wärme aus dem Bundeshaushalt zur Ver­fügung gestellt werden.

Dass die Bundesregierung zu diesem Förderbeschluss bisher noch keinen Termin für eine entsprechende Richtlinie hat, ist nicht sehr überraschend. Denn sie kommt auch sonst im Energiebereich kaum voran.

Nun haben die Interessenten um das Forum Nachhaltige Holzenergie die Initiative ergriffen. Sie ließen vom Energieberatungsunternehmen Enervis Energy Advisors ein Förderkonzept ausarbeiten – nur für Biomasse.

Auftraggeber sind

  • der Energieversorger und Kraftwerksbetreiber EnBW Energie Baden-Württemberg AG,
  • die Enviva Management Germany GmbH und
  • die Onyx Germany GmbH.

Bei der EnBW , die sich fast zur Hälfte im Besitz des grün-schwarz regierten Landes Baden-Württembergs befindet, könnte es beim Wechsel zu Biomasse um die beiden Blöcke des Heizkraftwerks Altbach/Deizisau in der Nähe von Stuttgart mit einer elektrischen Leistung von zusammen 769 MW gehen und um das Kraftwerk Rostock.

Dem internationalen Riverstone-Konzern mit Enviva und Onyx geht es um einen Umstieg auf Biomasse beim Onyx-Kraftwerk in Wilhelmshaven und beim Kraftwerk Farge bei Bremen.

Garantierte Gewinne und hohe Kraftwerks-Auslastung

Enervis ermittelte in einer Kurzstudie, die im März 2021 vorgestellt wurde, wie hoch die Förderung von Strom aus der Holzverbrennung sein müsste, damit die Umstellung von Steinkohle auf Biomasse (meist Holzschnitzel oder Holzpellets) nach 10 oder alternativ 15 Jahren sichere Gewinne für die Kraftwerksbesitzer einfahren würde. Denn die Umrüstung eines Kohlekraftwerks auf die Verbrennung von Holz und die Erzeugung von elektrischem Strom aus Holz kann nicht durch die Stromerlöse gedeckt werden.

Während die Börsenstrompreise im Allgemeinen zwischen 40 und 50 € pro MWh liegen – unter Berücksichtigung von CO2-Kosten aus dem EU-Emissionshandel zwischen 40 und 70 € pro MWh – sollen die Biomasse-Kraftwerksbetreiber je nach geographischer Lage und Kraftwerksart mit Hilfe der Förderung aus dem Bundeshaushalt zwischen 105 und 120 € pro MWh Strom erhalten. Die Differenz zu diesem „Strike-Preis“ soll aus dem Bundeshaushalt gezahlt werden. Für Zeitintervalle, in denen der Marktpreis für den Strom höher liegt, soll der Unterschied zum „Strike-Preis“ zurückgezahlt  werden. Man spricht bei dieser Fördermethode von einem „Differenzvertrag“ (Contract for Difference = CDF).

Bild 5: Deutsche Börsenstrompreise pro MWh für das Jahr 2020 (Corona-bedingt waren die Strompreise im Jahr 2020 niedrig. Im Jahr 2019 waren sie aber nicht viel höher.) (Quelle: Energy-Charts, Fraunhofer-Institut ISE)

Wie oft überschreitet der Börsenstrompreis die Schwelle des Strike-Preises? Wie die Börsenstrompreise pro MWh für das Jahr 2020 in Bild 5 zeigen: so gut wie gar nicht (drei kurze Spitzen im September/Oktober). Der Differenzvertrag CDF ist in diesem Fall also reine Bauernfängerei!

Eine verlässliche Bestimmung der Stromgestehungskosten großer Holz-Kraftwerke ist schwierig. Enviva gab in einer Präsentation für Investoren als Systemkosten für Biomasse-Kraftwerke im Jahr 2016 etwa 90 € pro MWh an, für Biomasse-Heizkraftwerke etwa 70 € pro MWh an. Nach der enervis-Studie wird für die riesigen Biomasse-Kraftwerke von Drax (Großbritannien) ein Strike-Preis von 130 bis 140 € pro MWh erzielt.

Das Beratungsunternehmen Enervis hat für die Ermittlung der Förderhöhe aus Steuergeld vier verschiedene Arten von Steinkohlekraftwerken betrachtet (Bild 6): Zwei mit Wärme- und Stromerzeugung (KWK) und zwei mit reiner Stromerzeugung. Da sich drei von diesen „Referenzkraftwerken“ an einem Hafenstandort befinden und nur eine leistungsschwächere KWK-Anlage an einem Binnenstandort, ist klar, dass es in erster Linie um die Verbrennung von Holz geht, das per Schiff angeliefert werden soll.

Bild 6: Referenzkraftwerke (RK) und Kraftwerksparameter im Enervis-Gutachten (Quelle: Enervis)

Bei einem derart hohen Verkaufspreis für den Biomasse-Strom und einer vermutlich vorrangigen Einspeisung in das Stromnetz könnten auf diese Weise geförderte (Heiz-)Kraftwerke das ganze Jahr über mit voller Auslastung elektrischen Strom erzeugen. Anzumerken ist allerdings, dass die enervis-Studie nur eine Förderung über jährliche 3500 Vollbenutzungsstunden vorsieht.

Dass bei den meisten der diskutierten Kraftwerke Unmengen des Energiegehalts des Holzes verschleudert werden würden, weil sie die Abwärme ungenutzt verpuffen lassen, macht diese angeblich nachhaltige Stromerzeugung enorm ineffizient.

Einer 10 Jahre dauernden Strompreisförderung zwischen 30 und 50 Euro pro MWh für Holzkraftwerke kann man zum Vergleich die Förderung von 25 Euro pro MWh für ein halbes Jahr gegenüberstellen, die die zahlreichen im Jahr 2021 aus der EEG-Förderung herausfallenden Windkraft-Altanlagen erhalten, die bei den derzeit niedrigen Stromgroßhandelspreisen nicht wirtschaftlich zu betreiben sind.

Wie weit reichen 1 oder 2 Milliarden Euro aus Steuergeldern?

Eine grobe Überschlagsrechnung für Umrüstungen von Steinkohle auf Biomasse bei den Kraftwerken Onyx Wilhelmshaven und Farge Bremen auf Seiten von Onyx Power sowie bei den Kraftwerken Rostock und Altbach/Deizisau bei Stuttgart auf Seiten von EnBW ergibt bei 3500 Volllaststunden pro Jahr und bei einer Förderhöhe von 40 Euro pro MWh ein Fördervolumen von etwa 3 Milliarden Euro, also eine dreimal höhere Summe als sie der Bundestagsbeschluss vorsieht. Eine Förderung von Biomasse im Hamburger Heizkraftwerk Tiefstack wurde dabei noch nicht mitgerechnet.

Das riesige britische Biomasse- und Kohlekraftwerk Drax erhält jedes Jahr fast eine Milliarde Euro an Subventionen.

Natürlich versäumt die Lobbygruppierung nicht, auf das viele Schadholz und die vom Borkenkäfer befallenen Bäume hinzuweisen. Wobei sie geflissentlich übersehen, dass gerade jetzt die Holzpreise für Bauholz explodieren und nicht voraussehbar ist, welche Holzmengen zu welchen Preisen in fünf Jahren zur Verfügung stehen werden, wenn die Kohlekraftwerke umgebaut sein wollten.

Chancen für Buschholz aus Namibia?

Das von der GIZ beauftragte Institut für angewandtes Stoffstrommanagement IfaS betrachtet in seiner Machbarkeitsstudie vom November 2020 einen Kohleersatz durch Buschholz aus Namibia in den Städten Berlin, Flensburg, Hamburg und Rostock, die Belieferung europäischer Kraftwerksbetreiber wie Vattenfall, Uniper und Drax und großer Händler wie die Brüning-Gruppe, mit der es bereits ein weiteres Memorandum of Understanding abgeschlossen hat.

Enervis hat als Biomassekosten für eine Hafenstadt wie Hamburg 150 € pro Tonne angesetzt. Dabei wurde angenommen, dass sich dieser Preis für 20 Jahre real fixieren lässt.

Für Buschholz aus Namibia rechnete Prof. Heck auf Seite 117 der Machbarkeitsstudie mit einem aktuellen Marktpreis von 162 € / Tonne Holzpellets und einem Break-Even-Preis von 147 € / Tonne. Für namibisches Buschholz könnte es daher sehr schwierig werden, bei Preisen wie denen von enervis zu konkurrieren, vor allem dann, wenn vom IfaS noch nicht berücksichtigte Kosten-Komponenten auftauchen.

Davon ist auszugehen, allein schon wenn man an die Probleme denkt, die bei der Pelletierung von namibischem Hartholz und beim hohen Aschegehalt des namibischen Buschholzes bestehen. Die Buschholz-Exporteure werden daher die Kosten in Namibia weiter drücken müssen, wenn sie ins Geschäft kommen wollen. Es wird dann weniger an Wertschöpfung in Namibia bleiben.

Peter Feldhaus, seit Juni 2019 Geschäftsführer der Onyx Power Group, zuvor bei Thyssenkrupp und McKinsey, rechnet für das Kraftwerk Onyx vielleicht im Jahr 2024 bis 2025 mit dem Wechsel auf Holzpellets – wenn der Rahmen stimmt. Das Hamburger Heizkraftwerk Tiefstack hätte dann im Jahr 2028 wohl geringere Chancen für eine Förderung.


Bild 7: Wo Steinkohle in Kraftwerken in Küstennähe durch Holz ersetzt werden soll (Grundbild aus den Energy-Charts, Fraunhofer-Institut ISE)

Holzverbrennung und Wasserstoff-Strategie

Um loslegen zu können, wünscht sich Feldhaus Klarheit bei den Rahmenbedingungen,: „Für uns ist entscheidend, dass die Politik schnell entscheidet, um unsere Investitionen tätigen zu können. Wir brauchen vor der Sommerpause ein klares Signal“ – um eine „effiziente und klimaneutrale Wasserstoffelektrolyse“ betreiben zu können.

Nach Bild 5 gab es schon 2020 viel öfter negative Strompreise als Strompreise oberhalb des vorgeschlagenen Strike-Preises. Bei zunehmender volatiler Stromerzeugung mit Sonne und Wind wird das Stromangebot noch wesentlich häufiger den aktuellen Verbrauch übersteigen.

Der Geschäftsführer Feldhaus weiß Rat: „Wir gehen in unseren Betrachtungen von 3500 Volllaststunden für die mit Biomasse befeuerten Kraftwerke aus. Damit würden sie ideal mit Wind- und Sonnenenergie harmonieren. Wenn man einen küstennahen Standort wählen würde, würde man beispielsweise Wind-Offshore-Anlagen, die eine Auslastung von etwa 4000 Volllaststunden haben, beim Betrieb von Elektrolyseuren ideal ergänzen. Dadurch lässt sich eine effiziente und klimaneutrale Wasserstoffelektrolyse über das ganze Jahr betreiben. Das sichert den Elektrolyseuren eine hohe Auslastung und trägt zur Kostendegression bei grünem Wasserstoff bei.“

Ein komplizierter Gedankengang: Wie harmonieren Biomasse-Kraftwerke ideal mit Wind- und Sonnenenergie? Wenn Wind und Sonne weniger Strom liefern als aktuell benötigt wird, dann können Biomasse-Kraftwerke zum Schließen der Stromlücke beitragen. Wenn die Stromerzeugung mit Wind und Sonne den aktuellen Verbrauch übersteigt, dann kann mit dem „Überschuss“ grüner Wasserstoff produziert werden. Wozu sollen sich dann auch noch die Biomassekraftwerke an der Produktion von angeblich grünem Wasserstoff beteiligen?

Dass mit Strom aus einem Biomasse-Kraftwerk Wasserstoff besonders ineffizient erzeugt werden würde, könnte Feldhaus egal sein, wenn sein Kraftwerk den „Strike-Preis“ erhalten würde.

Mit einem auf Biomasse umgerüsteten Steinkohlekraftwerk wie Onyx Wilhelmshaven wäre ein elektrischer Wirkungsgrad von etwa 42 % erreichbar. Während bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff mit Strom aus Wind und Sonne ein Wirkungsgrad von etwa 75 % machbar ist und sich in Verbindung mit einem Fernwärmenetz wie in Hamburg auch noch viel von der Abwärme nutzen ließe, wäre bei der Feldhaus´schen Wasserstofferzeugung mit Biomasse-Strom aus Wilhelmshaven mit einem Gesamt-Wirkungsgrad von etwa 30 % zu rechnen. Die im Holz gespeicherte Energie würde zu mehr als zwei Dritteln verschleudert.

Nicht nur Herr Feldhaus kokettiert mit der Wasserstofferzeugung aus Biomasse-Kraftwerken. Auch der Hamburger Senat denkt in diese Richtung, vielleicht im Zusammenhang mit namibischem Buschholz: „Als „grün“ zu zertifizierender Wasserstoff ist durch Elektrolyse unter Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Dazu kann mit gewissen Einschränkungen auch Biomasse gehören.“ (Drs. 22/3129)

Vorbild Ausland?

Die enervis-Studie wirbt auf drei Seiten mit internationalen Beispielen, bei denen der Ersatz von Kohle bereits in großem Maßstab vollzogen worden ist: Drax Power Station, das größte Kraftwerk Großbritanniens, Lynemouth, ebenfalls in Großbritannien und etliche Kraftwerke in Dänemark.  Auch in den Niederlanden, Belgien, Polen und selbst in den USA gibt es inzwischen Drax-Nachfolge-Projekte.

Gemeinsam ist fast allen, dass sie importiertes Holz verbrennen. Drax aus den USA, Kanada und Portugal.  58 Prozent der in Estland für den Export produzierten Holzpellets gehen nach Dänemark. Der Holzhunger des Landes gefährde im Baltikum die Wälder beklagen 32 Naturschutzorganisationen in einem offenen Brief.

Das britische Kraftwerk Drax, das größte Kraftwerk Großbritanniens, das als eines der ersten auf Holzverbrennung umgestellt wurde, kommt in der enervis-Studie 16-mal vor. Die dabei auftretenden Probleme werden nicht genannt.

Mit einem Strike-Preis von 130 bis 140 Euro pro MWh ist der Strom etwa dreimal so teuer wie der Strom aus Kohle. Nach Einführung eine Contracts for Difference wird ein Strompreis von 105 Pfund pro MWh bzw. 120 Euro pro MWh garantiert.

Die 700 Millionen Pfund oder umgerechnet rund 840 Millionen Euro teure Umstellung enthält auch Kosten für den Aufbau einer Versorgungskette: allein 225 Millionen Pfund haben zwei große Pelletier-Anlagen im Süden der USA und Hafeneinrichtungen zur Verladung der Pellets in Baton Rouge in Louisiana gekostet.

„Einfach lagern lassen sich die Pellets allerdings nicht, die Brandgefahr ist viel zu hoch. Dagegen sei Kohle, vor allem Anthrazitkohle, fast ein Feuer-Verhinderungsmittel, erklärte ein Drax-Mitarbeiter im Gespräch mit ingenieur.de. Die ständige Begasung mit Stickstoff und CO2 soll bei Drax aber jede Explosion verhindern, zudem überwachen Sensoren die Wärmeentwicklung in den Silos.“

Bild 8: Holzverbrennung 100 % CO2-neutral?      (Karikatur: SFV /​ Mester)

Fortschritte in den Niederlanden

Das niederländische Parlament beschloss am 25.2.2021 nach langjährigem Druck von Umweltinitiativen mit großer Mehrheit, keine neuen Subventionen für 50 geplante Biomasse-Wärmekraftwerke zu gewähren. Die derzeitigen jährlichen Subventionen in Höhe von 578,5 Mio. Euro für bestehende niederländische Biomasseanlagen – von denen etwa 200 Wärme erzeugen, während vier Kraftwerke mit Kohle und Biomasse befeuert werden – bleiben allerdings noch bestehen. Diese Anlagen verbrennen hauptsächlich Holzpellets, die aus dem Südosten der USA und aus Osteuropa importiert werden, dazu eine beträchtliche Menge an Hackschnitzeln.

Die öffentliche Meinung in der EU wendet sich immer deutlicher gegen die Nutzung von Waldbiomasse zur Energiegewinnung. So könnte die Entscheidung der Niederlande richtungsweisend sein. Im Juni wird die EU ihre Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) überprüfen und entscheiden, ob sie weiterhin Biomasse-Subventionen zulässt und Biomasse-Emissionen nicht „am Schornstein“ anrechnet. Derzeit wird die Verbrennung von Waldbiomasse zur Energiegewinnung in der EU als kohlenstoffneutral eingestuft, obwohl immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass es viele Jahrzehnte dauert, bis Wälder wieder nachwachsen, um eine Kohlenstoffneutralität zu erreichen.

Holzverbrennung und Klimaschutz

„Pellets aus nachhaltig gewonnenen Holzreststoffen bieten klimaneutrale Alternative zu Steinkohle“, das verspricht das „Forum Nachhaltige Holzenergie“.

Holzreststoffe: Die Produktion von Holzpellets lag in Deutschland im Jahr 2020 bei 3 Mio. Tonnen. Allein schon für die die in Deutschland geplanten Holz-Kraftwerke von Riverstone und EnBW würden jährlich mindestens 5 Mio. Tonnen Holzpellets gebraucht. Wenn tatsächlich Strom für die Wasserstoffgewinnung erzeugt werden würde, wären es entsprechend mehr. In Altholzkraftwerken werden jährlich 6 Mio. t Altholz eingesetzt, in Müllverbrennungsanlagen und Kohlekraftwerken werden etwa 3,5 Mio. t energetisch verwertet. Bei einer steigenden stofflichen Verwertung, bleibt die energetische Verwertung bis 2030 etwa beim jetzigen Umfang. Hohe zusätzliche Altholzmengen können also nur aus dem Ausland kommen.

Bild 9: Spezifische Treibhausgas-Emissionen von Kohle, Erdgas und Holzpellets bei der Stromerzeugung ohne und mit Kraft-Wärme-Kopplung nach Enviva (Quelle: Enviva 2020)

Bei dieser beschränkten Verfügbarkeit von Altholz und Holzreststoffen, ist offensichtlich, dass die umgerüsteten Kohlekraftwerke großenteils mit Holz aus intakten Wäldern befeuert werden würden – und das mitten in der Klimakrise.

Klimaneutralität: Ein bisschen ehrlicher als das „Forum Nachhaltige Holzenergie“ unterrichtet Enviva seine Investoren. Enviva ließ sich die Daten in Bild 9 aufwändig und detailliert berechnen (Präsentation). Berechnungen dieser Art enthalten folgende entscheidende Fehler:

Es wird kein Basis-Szenario berücksichtigt, bei dem die weitere CO2-Speicherung bei Unterlassung der Abholzung von Bäumen in Rechnung gestellt wird. Es wird so getan, als könnte Jahrzehnte auf das Nachwachsen von Biomasse für das verbrannte Holz gewartet werden – ohne Probleme mit der Erderhitzung.

Die CO2-Emissionen pro gewonnener Energieeinheit sind bei der Verbrennung von Holz deutlich höher als bei der Verbrennung von Steinkohle. Erst in einem Zeitraum von Jahrzehnten kann die gleiche CO2-Menge von nachwachsenden Bäumen wieder gespeichert werden. Im laufenden Jahrzehnt müssen jedoch die globalen Treibhausgas-Emissionen um die Hälfte sinken, wenn eine Chance gewahrt werden soll, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Da nutzt es nichts, wenn theoretisch Jahrzehnte später durch das Wachsen von Ersatzbäumen die emittierte CO2-Menge wieder gespeichert wäre. Wie viele Bäume würden in der Zwischenzeit bei riesigen Waldbränden, wie wir sie bereits erleben, verloren gegangen sein, wenn die Erderhitzung sich fast ungebremst fortsetzen würde und ein Kipppunkt nach dem anderen überschritten werden würde?

Aus diesen Gründen haben im Februar 2021 mehr als 500 Wissenschaftler:innen und mehr als 40.000 Europäer:innen die Repräsentant:innen großer Industriestaaten aufgefordert, in ihren Erneuerbare-Energien-Richtlinien förderfähige Waldbiomasse auf Rückstände und Abfälle zu beschränken.  „Das Nachwachsen braucht Zeit, die die Welt nicht hat, um die Klimakrise zu lösen“.


Anhang:      Aus dem Entschließungsantrag Drs. 19/20714

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf

  • bis Ende 2020 ein zusätzlich aus dem Bundeshaushalt zu finanzierendes beihilferechtskonformes Förderprogramm zur Umstellung bestehender Kohlekraftwerke auf, hocheffiziente und flexible Gas- oder Biomasse­verstromung aus nachhaltiger Biomasse vorzulegen,
  • das Programm so auszugestalten, dass es auch auf diejenigen Kraft­werke zielt, die wegen geringer oder fehlender Wärmeauskopplung nicht über den Kohleersatzbonus des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes erfasst werden,
  • nur Kraftwerkstechnik zu fördern, die dem langfristigen Ziel der Treib­hausgasneutralität 2050 dient und eine flexible Fahrweise ermöglicht,
  • im Falle der Verstromung von Biomasse zu gewährleisten, dass es sich um nachhaltige, effizient genutzte und treibhausgasneutral erzeugte Biomasse handelt. Umfasst sein sollen Biomasse, Biogas und Holz ge­mäß den Vorgaben des Klimaschutzprogramms 2030,
  • zu prüfen, ob im Rahmen des Förderprogramms in Ergänzung zur Um­stellung der Stromproduktion auch Stromspeicheroptionen und andere energiewendetaugliche Technologien am Kraftwerksstandort berück­sichtigt werden können,
  • sicherzustellen, dass das Förderprogramm mit der europäischen Ener­gie- und Klimapolitik und mit den beihilferechtlichen Vorschriften oder Regelungen der Strombinnenmarktgesetzgebung in Einklang steht,
  • für das Förderprogramm 1 Milliarde Euro zusätzlich aus dem Bundes­haushalt bereitzustellen,
  • auch für das im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz verankerte För­derprogramm für die treibhausgasneutrale Erzeugung und Nutzung von Wärme 1 Milliarde Euro zusätzlich aus dem Bundeshaushalt zur Ver­fügung zu stellen.

Stand: 27.4.2021

23. April 2021
von Redaktion
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Namibische NGO gegen Buschholzexport und für den Vorrang des Entwicklungsinteresses von Namibia

Bertchen Kohrs hat am 21. April 2021 für die namibische NGO Earthlife Namibia zur Frage, ob Steinkohle in Deutschland durch Buschholz aus Namibia ersetzt werden sollte, Stellung bezogen. (Fassung in Englisch und in Deutsch) Eine Kurzfassung ist bereits in der Zeitung AZ Namibia erschienen.

Frauz Kohrs hebt hervor, dass erst nach gründlicher und unabhängiger Forschung, bei der alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden müssen, Entscheidungen über die Buschholzverwertung getroffen werden sollten und zwar in Namibia und nicht von anderen Interessengruppen. Namibias Entwicklungsinteresse müsse an erster Stelle stehen.

Sie stellt fest, dass leider Namibia wertvolle Rohstoffe exportiere, die dann in anderen Ländern weiterverarbeitet würden, anstatt vor Ort Wertschöpfungsketten zu schaffen.

Sie wertet es als ein Zeichen kolonialer Arroganz, wenn Prof. Dr. Heck (IfaS) ein Geschäft vorschlägt, bei dem das ‚ressourcenarme‘ Deutschland von der Ausbeutung wertvoller Ressourcen Namibias profitiere, und bezogen auf die geplante Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg von einer Heilung der Wunden im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen spricht, während die Forderungen der Nachkommen des Völkermords von der deutschen Regierung nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandelt würden.

Heck hatte in einer Machbarkeitsstudie geschrieben: “From the time of the colonialism of Germany in Africa, a chance arises for Germany to be able to heal the damages related to historical events.” („Aus der Zeit des deutschen Kolonialismus in Afrika ergibt sich für Deutschland die Chance, die mit den historischen Ereignissen verbundenen Wunden heilen zu können.“) Diese Textpassage wurde inzwischen aus der Studie des IfaS entfernt.

30. März 2021
von Redaktion
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Mehr als ein Dutzend Fehler in den Buschholz-Gutachten der GIZ

Am 31. März 2021 wurde den Medien ein im Auftrag des Hamburger Energietischs (HET) erstelltes Gutachten zur Klimawirkung eines Imports von Buschholz aus Namibia vorgestellt.
An der Pressekonferenz nahm aus Namibia Herbert Jauch, Arbeitswissenschaftler und Vorsitzender des ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUST (ESJT), teil.

♦ Das Ende März 2021 veröffentlichte Klimawirkungs-Gutachten von Prof. Dr. Dietrich Rabenstein „Buschholz aus Namibia: Ersatz für die Steinkohle in Deutschland?“:

Komplettes Gutachten,  deutsche Kurzfassung und englische Kurzfassung

♦ Eine Presseerklärung des ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUST:

Nutzung für Namibias Busch-Biomasse: Eine Chance für eine entwicklungspolitische Intervention, um koloniale Handelsmuster zu durchbrechen.“

Die Hamburger Umweltbehörde (BUKEA), die seit Mai 2020 den Import von Buschholz aus Namibia prüft, will Mitte 2021 die Ergebnisse dieses Prüfprozesses öffentlich vorstellen.

Sie stützt ihre bisherige Bewertung vor allem auf zwei externe, für die GIZ erstellte Studien:

Vom „Hamburg Szenario“ des IfaS gibt es bisher keine geschlossene und nachvollziehbare Darstellung. Zur Vervollständigung einer Bewertung mussten sechs weitere IfaS-Bruchstücke zur „Road Map“ hinzugezogen werden.

Was wurde im neuen HET-Gutachten untersucht?

Im neuen Gutachten von Prof. Rabenstein, einem Angehörigen der HafenCity Universität Hamburg, wurden die folgenden drei Fragen untersucht:

  1. Wie hoch wären die spezifischen Treibhausgas-Emissionen von Buschholz aus Namibia, wenn es in Hamburg oder in einer anderen europäischen Hafenstadt verbrannt werden würde?
  2. Ist es für einen Stopp der Verbuschung wirklich nötig, Buschholz in großem Maßstab aus Namibia zu exportieren?
  3. Ist die Verbrennung von Buschholz aus Namibia in deutschen Heizkraftwerken wirklich klimafreundlicher als eine Stromerzeugung mit Buschholz in Namibia, wie sie vom staatlichen Stromversorger NamPower geplant wird?

Nicht unmittelbar mit der Klimawirkung in Verbindung stehende Fragen wie die nach den sozialen und wirtschaftlichen Folgen, nach den Auswirkungen auf die Biodiversität und die Verfügbarkeit von Grundwasser in Namibia sind nicht Gegenstände dieses Gutachtens.

Mehr als ein Dutzend Fehler in den Gutachten von UNIQUE und IfaS

Die Klimabilanz des IfaS enthält dem HET-Gutachten zufolge mindestens ein Dutzend Fehler und Unstimmigkeiten, die teilweise auf UNIQUE zurückzuführen sind und teilweise erst in den IfaS-Bruchstücken auftauchen. Fast alle Fehler wirken sich auf gleiche Art und Weise aus: die errechneten Treibhausgas-Emissionen werden durch sie gesenkt.

Ein umfangreiches Kapitel 5 im HET-Gutachten beschreibt auf 13 Seiten besonders folgenreiche Fehler. Andere werden in den Kapiteln 6.3, 8, 9 und im Anhang aufgelistet.

IfaS behauptet, infolge der Verbrennung von namibischem Buschholz in deutschen Heizkraftwerken würde der Atmosphäre CO2 entzogen: 26 kg CO2 pro MWh des Energieinhalts der verbrannten Holzpellets. Diese „negativen Emissionen“ würden genau den Einsparungen an Treibhausgasen entsprechen, zu denen sich Namibia als Beitrag zum Klimavertrag von Paris 2015 verpflichtet habe, so das IfaS. Mehr als rund 100 kg CO2 pro MWh des Energieinhalts der Holzpellets aus Namibia würden auf keinen Fall emittiert.

Das HET-Gutachten stellte dagegen fest: Nach einer Korrektur aller in den UNIQUE-IfaS-Studien festgestellten Fehler ergaben sich rund 650 kg CO2 pro MWh. Das ist noch viel mehr als bei der bisher im Heizkraftwerk Tiefstack verfeuerten Steinkohle mit 439 kg CO2 pro MWh des Energieinhalts. Das folgende einfache Diagramm illustriert diesen Vergleich:

Vergleich der Treibhausgas-Emissionen gemäß IfaS und nach einer Korrektur

Einige der Unterschiede in der Bewertung werden im folgenden Bild veranschaulicht.

Links ist ein mit Büschen bewachsenes Gebiet vor der Buschernte zu sehen. Nach der Abholzung eines Teils dieser Büsche, „Ausdünnung“ genannt, entstehen Treibhausgase nicht nur durch die Verbrennung des Holzes. Vielmehr wird in bedeutendem Umfang Kohlenstoff aus dem Boden als CO2 freigesetzt. Für Jahre soll Nachwachsen von Büschen verhindert werden. Auf frei gewordenen Flächen sollen Rinder oder Wildtiere grasen, die Methan ausstoßen, ein fast hundertmal  stärkeres Klimagift als CO2. Bei einer vollständigen Lebenszyklusanalyse darf nicht übersehen werden, dass die Büsche bei einem 20-jährigen Weiterwachsen CO2 gespeichert hätten, hätte man auf die Abholzung verzichtet (rechte Seite im Bild).

UNIQUE und IfaS rechneten entgegen den meisten Literaturquellen und entgegen umfangreichen Messungen vor Ort, dass der in Grasland umgewandelte Boden CO2 nicht abgibt, sondern aufnimmt. Das Basis-Szenario „Weiterwachsen von Büschen“ wurde ignoriert. Die Methan-Emissionen wurden auf 100 statt 20 Jahre verteilt, obwohl Methan nur eine mittlere Lebensdauer von etwa 12 Jahren in der Atmosphäre besitzt.

Das folgende Bild wurde ohne die rot eingetragenen Korrekturen schon in der Bürgerschaftsdrucksache 22/1831 veröffentlicht. Außer der Holzverbrennung selbst mussten fehlerbedingt praktisch alle Einzelbeiträge zu den Treibhausgas-Emissionen korrigiert werden.

Fast jeder THG-Beitrag war in der IfaS-Berechnung fehlerhaft

Die Ausflüchte der BUKEA

Ein Klimawirkungsgutachten des HET vom Juni 2020, das bereits die UNIQUE-Studie kritisch analysiert hatte, prüfte die BUKEA nicht. Sie wandte in Drs. 22/3385 ein, es gehe von einer anderen Landnutzung und Landfolgenutzung aus als die Machbarkeitsstudie des IfaS. Daher seien die Ergebnisse nicht vergleichbar.

Weiter führte die Umweltbehörde an, es sei nicht bekannt, ob dieses HET-Gutachten einem Peer Review unterzogen worden sei (einer unabhängigen Überprüfung). Für die Machbarkeitsstudie des IfaS sei allerdings kein Peer Review geplant. Denn diese verfolge nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Publikation.

Das neue Gutachten des HET ist nun vollständig an das „Hamburg Szenario“ der Machbarkeitsstudie des Ifas angepasst. Wird die BUKEA sich  nun damit befassen? Oder wird sie neue Ausflüchte erfinden? Wird sie weiter eine Prüfung verweigern, gar eine „ergebnisoffene“?

Totale Verbuschung Namibias ohne Buschholzexport?

Alle Unterstützer:innen des Buschholz-Exports sind sich einig und wiederholen es bei jeder sich bietenden Gelegenheit: In Namibia wachse so viel Buschholz, dass im Land selbst der Zuwachs auf keinen Fall vollständig verwertbar sei.

Eine genauere Betrachtung zeigt: Auch das ist falsch.

Vom jährlichen Biomasse-Zuwachs sind nämlich abzuziehen:

  1. was an Buschholz im selben Zeitraum durch Buschfeuer verbrannt wird – wahrscheinlich mehr als im Bild – und
  2. was sich in nicht nutzbarem Gelände befindet.

Bei einer Geländeneigung von mehr als 12 ° und in verschiedenen anderen Fällen darf nämlich nicht abgeholzt werden.

Keine Buschernte auf schiefen Ebenen (Bilder: Bond & Midgley 2012)

Der in Namibia selbst nutzbare Anteil des Zuwachses – zwischen 3 und 6 Mio. Tonnen Biomasse pro Jahr (rechts im Bild) – ist daher durchaus vergleichbar mit dem verbleibenden, tatsächlich  „nutzbaren Zuwachs an Busch-Biomasse“. Der entscheidende Unterschied: Eine Nutzung in Namibia selbst bedeutet Wertschöpfung im eigenen Land und beträchtlich mehr Jobs als bei einem hochindustrialisierten Rohstoffexport entstehen würden.

Polemik gegen Buschholznutzung in Namibia selbst

Auffallend war mehrfach, mit welchem Eifer sich Vertreter:innen von GIZ, UNIQUE und IfaS gegen eine Nutzung von Buschholz zur Erzeugung von elektrischem Strom in Namibia selbst wandten.

Die Ausschreibung für ein 40-MW-Biomasse-Kraftwerk ist bereits am 10. März 2021 abgelaufen. Mit Strom aus Buschholz kann Namibia Kohlestrom aus Südafrika ersetzen. Aber, so die Export-Unterstützer:Innen, in einem Heizkraftwerk in Deutschland, könne der Brennstoff effizienter genutzt werden. Das mag so sein. Es gibt aber keine Stromtrassen von Deutschland nach Namibia.

Auch hier zeigte eine Überprüfung im HET-Hutachten eine extrem einseitige Analyse in der Studie von UNIQUE.

Bewertung von Stromerzeugung mit Biomasse in Namibia – links unfair und rechts fairer

Während das exportorientierte UNIQUE-Szenario negative Emissionen aufwies (links), ergaben sich für die Stromerzeugung in Namibia selbst höhere THG-Emissionen als mit Erdgas (Mitte). Die Überprüfung im HET-Gutachten zeigte, dass UNIQUE nicht die Kraftwerks-Kennwerte benutzt hatte, mit denen das Stromversorgungsunternehmen NAMPOWER plant, sondern erheblich schlechtere. Mit den Kennwerten von NAMPOWER und noch ohne Korrekturen für die oben beschriebenen Fehler von UNIQUE ergab sich eine viel günstigere Treibhausgas-Bewertung für das von NAMPOWER geplante Kraftwerk als für den Holzpellet-Export.

Wie objektiv sind die Gutachten von UNIQUE und IfaS?

Nach all diesen Ergebnissen drängt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit und Objektivität der Buschholz-Gutachten auf, auf die sich die BUKEA bisher stützt.

Längst wurde die Frage aufgeworfen, ob es für diese Gutachter nicht Interessenkonflikte gibt, die an ihrer Objektivität zweifeln lassen.

In einer langen Einleitung zur Bürgerschaftsdrucksache 22/2792 wird sehr deutlich, dass UNIQUE wegen umfangreicher eigener wirtschaftlicher Interessen als Gutachter im vorliegenden Fall nicht geeignet ist.

Wie steht es mit der Unabhängigkeit und Objektivität des IfaS? Eine eifrig verbreitete Erzählung lautet, die namibische Regierung habe Hamburg im Jahr 2019 um Abnahme des wuchernden Buschholzes gebeten. Das sei der Auslöser für den Prüfprozess und das MoU von Hamburg und IfaS gewesen.

Das GIZ-Projekt BCBU hat aber schon im Jahr 2015 den Buschholz-Lobby-Verband N-BIG gegründet. IfaS war dabei ein Gründungsmitglied. N-BIG sitzt in allen drei Arbeitsgruppen des Prüfprozesses der BUKEA. Skeptiker:innen wurden nach der Gründung dieser Arbeitsgruppen sehr schnell nicht mehr eingeladen. Die BUKEA nennt das „ergebnisoffene“ Prüfung.

8. März 2021
von Redaktion
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Vattenfall erhält 1,6 Mrd. Euro für stillgelegte Kernkraftwerke

Die deutsche Bundesregierung hatte nach dem Super-GAU in Fukushima acht ältere Kernkraftwerke für immer abschalten lassen. Nach Meldungen vom 5. März 2021 erhalten die Besitzer nun Entschädigungen für Strommengen, die ihnen entgangen sind, für entwertete Investitionen sowie – das betrifft nur Vattenfall – für die Zustimmung zur Einstellung  des langjährigen Klageverfahrens vor dem internationalen Schiedsgericht ICSID.

Bild: HET

Vor der Fukushima-Katastrophe hatte die Bundesregierung eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten beschlossen. Nach den verheerenden Schäden am japanischen Atomkraftwerk waren die sieben ältesten Kernkraftwerke das Kernkraftwerk Krümmel von Vattenfall kurzfristig vom Netz genommen worden. Daraufhin forderten die Betreiber Entschädigungen.

Dass ein solcher Ausgleich erforderlich ist, hatte das Bundesverfassungsgericht in seinen Entscheidungen vom 6. Dezember 2016 und vom 29. September 2020 festgestellt. Den Atomausstieg selbst hatte es bestätigt. Es bleibt nun dabei, dass das letzte deutsche Kernkraftwerk spätestens Ende 2022 vom Netz geht.

Die Eckpunkte der Verständigung sehen vor, dass E.ON/PreussenElektra – der konzernbezogenen Betrachtungsweise des Bundesverfassungsgerichts folgend – über die rechnerisch ihrem Miteigentumsanteil entsprechenden Strommengen der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel frei verfügen, das heißt in ihren konzerneigenen Kraftwerken verstromen können. Das war zwischen den Unternehmen sowie der Bundesregierung umstritten.

Die Steuerzahler kommt diese Einigung teuer zu stehen: Vattenfall, RWE, E.on und EnBW erhalten nun insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro an Ausgleichszahlungen.

Wofür gezahlt wird

Die stillgelegten Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel gehören zu unterschiedlichen Gesellschaftsanteilen E.ON/PreussenElektra (PE) und Vattenfall.

Vattenfall erhält für 35,30 TWh nicht mehr erzeugbare Strommengen der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel einen Ausgleich in Höhe von 33,22 €/MWh brutto. E.ON/PE erwirbt zusätzlich 13,00 TWh der verbleibenden Mengen des Kernkraftwerks Krümmel von Vattenfall zum Preis von 13,92 €/MWh. Der Bund zahlt für diese Strommenge zusätzlich die Differenz in Höhe von 19,30 €/MWh zu dem Preis, der für den Ausgleich vereinbart wurde, an Vattenfall (33,22 €/MWh – 13,92 €/MWh = 19,30 €/MWh).

Hieraus ergibt sich zugunsten von Vattenfall insgesamt eine Zahlung in Höhe von 1.606 Mio. Euro, die sich zusammensetzt aus der Ausgleichszahlung durch den Bund (1.425 Mio. Euro) und dem von E.ON/PE für die 13,00 TWh zu zahlenden Kaufpreis (181 Mio. Euro).

RWE erhält einen Ausgleich für 25,90 TWh des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich in Höhe von 33,22 €/MWh. Hieraus ergibt sich für RWE insgesamt eine Ausgleichszahlung in Höhe von 860 Mio. Euro.

Der Bund prüft, ob eine Option für EnBW geschaffen werden kann, bis zu 2,00 TWh gegen Ende 2022 zusätzlich zu einem Preis von 13,92 €/MWh zu erwerben. Vattenfall hat dazu grundsätzliche Bereitschaft erklärt. Diese Option würde die Kosten des Bundes um bis zu ca. 28 Mio. Euro verringern.

Es wird angestrebt, alle Regelungen 2021 zu vollziehen. Ob dies gelingt, ist noch abhängig vom Ergebnis der beihilferechtlichen Prüfung durch die EU-Kommission.

Als Ausgleich für nicht erzeugbare Strommengen zahlen die Steuerzahler somit 2.285 Mio. Euro.

Für Investitionen, die die Unternehmen im Vertrauen auf die Laufzeitverlängerung kurz vor dem Super-GAU in Fukushima getätigt hatten und die dann aufgrund der Rücknahme der Laufzeitverlängerung entwertet worden waren, erhalten:

EnBW: 80 Mio. Euro,   ON/PE: 42,5 Mio. Euro   und   RWE: 20 Mio. Euro

Als Ausgleich für entwertete Investitionen zahlen die Steuerzahler somit insgesamt 142,5 Mio. Euro.

Alle anhängigen Klageverfahren einschließlich des Schiedsverfahrens Vattenfall gegen die Bundesregierung werden beendet bei Tragen der jeweils eigenen Kosten sowie hälftiger Teilung der Gerichtskosten. Die Energieversorger erklären zudem einen Rechtsmittelverzicht.

Vattenfall hatte vor dem Schiedsgericht auf rund 6 Milliarden Euro Entschädigung geklagt. Das Urteil in dem seit 2012 laufenden ICSID-Verfahren war für den Frühsommer 2021 angekündigt worden.

Angesichts dieser horrenden Forderungen von Vattenfall vor dem Schiedsgericht der Weltbank (ICSID) in Washington sei der Vergleich womöglich das kleinere Übel, so Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen).

Vattenfall könne sich nun mit einem „letzten Milliarden-Geschenk der Bundesregierung“ die Taschen füllen, sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital.

Bild: HET

Raus aus der Sondergerichtsbarkeit für Konzerne!

Nix wie raus aus dem Klimakiller-Pakt forderten drei Klima-Aktivistinnen am 2. März 2021 im Magazin klimareporter. Frankreich und Spanien sind dafür.

Der Energiecharta-Vertrag wurde vor gut 25 Jahren ins Leben gerufen. Damals war das Ziel, die Investitionen von Firmen wie RWE, Shell oder BP in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zu schützen.

Die Wurzeln der Sondergerichte für Konzerne liegen aber im Kolonialismus. In den 1960er Jahren wurden sie entwickelt, um das Vermögen der Kolonisatoren in den von den Industrienationen unabhängig gewordenen Ländern des globalen Südens zu schützen – so erklärt Wirtschaftsexpertin Tonny Nowshin aus Bangladesch die Ursprünge.

Heute schützt der Energiecharta-Vertrag die Energiekonzerne vor demokratisch beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen und torpediert damit viele Versuche, der Erfüllung des Paris-Abkommens näherzukommen. Der Vertrag droht die Erfolge der weltweiten Bewegung für Klimagerechtigkeit zunichtezumachen.

6. März 2021
von Redaktion
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Die Siegel der Hamburger Umweltbehörde

Hier als pdf-Datei

In zwei Schriftlichen Kleinen Anfragen der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft geht es um die Objektivität von Klimagutachten für die Nutzung von Buschholz aus Namibia. In der Kritik stehen zwei Studien, eine von der Forstberatung UNIQUE und eine vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS).

In der Einleitung zu Drs. 22/2792 wurde ausführlich begründet, dass die Begutachtung der Klimawirkung von namibischem Buschholz in Hamburg durch UNIQUE und IfaS infolge von Interessenkonflikten sehr fragwürdig ist. Dass sich die Hamburger Umweltbehörde bei ihrem Prüfprozess auf diese Gutachter stützen will, wird von vielen Seiten sehr kritisch beurteilt. So forderte die NGO Biofuelwatch in einer Analyse für die Böllstiftung am 2. März 2021, die UNIQUE-Studie müsse auf Grund ihrer extremen Fehlerhaftigkeit zurückgezogen werden.

Da der Hamburger Senat eine Reihe von Fragen in der Drs. 22/2792 einfach unbeantwortet ließ, bohrte die LINKE nach. Die Antworten in der Drs. 22/3385 sind leider ein fachliches Armutszeugnis für die Hamburger Umweltbehörde BUKEA.

Bild: Mester, sfv

Peer Reviews (unabhängige fachliche Überprüfung)

IfaS-Studie: Das IfaS legte im November 2020 eine „Machbarkeitsstudie“ vor, die unter anderem eine Berechnung der Treibhausgase für in Hamburg genutztes namibisches Buschholz enthält. In dieser Machbarkeitsstudie, in einer Präsentation und in kleineren Einzelartikeln wird das vom IfaS vorgeschlagene „Szenario Hamburg“ bewertet.

Die Umweltbehörde schreibt zur Frage nach der Objektivität dieser Berechnungen:

„Die „Machbarkeitsstudie“ wurde keinem Peer Review unterzogen. Sie hat den Zweck, aufzuzeigen, wie gegen Verbuschung vorgegangen und gleichzeitig Wertschöpfung realisiert werden kann. Die Studie verfolgt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Publikation. Ein Peer Review ist nicht geplant.“

Die BUKEA verzichtet also in ihrem noch bis Mitte 2021 laufenden Prüfprozess auf eine wissenschaftliche Bewertung der vom IfaS behaupteten „negativen Emissionen“ der Buschholzverbrennung.

Das lautete in der Drs. 22/2792 noch anders. Da hatte der Senat noch festgestellt: „Im Rahmen der Beantwortung der Drs. 22/2352 hat der Senat dargelegt, dass nach Auskünften des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) die in den Prozess eingebrachten Studien und Berechnungen nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt wurden und entsprechend in Peer Reviews bestätigt worden sind.“

Erst eine Bestätigung in Eigenverantwortung. Jetzt doch nicht. Sehr glaubwürdig!

UNIQUE-Studie: Beim UNIQUE-Gutachten sieht das Peer Review nach Drs. 22/3385 so aus:

Die Autoren Seebauer et al. führten ein Jahr vor Abschluss ihres Gutachtens Interviews mit einer Reihe von „lokalen Experten“, die auf Seite 101 namentlich aufgeführt wurden. Nach der Fertigstellung des Gutachtens [am 2. Dezember 2019, die Redaktion] fanden zwei „Konsultations-Workshops“ statt (5.3.2019 und 27.3.2019), überwiegend mit diesen lokalen Experten.[Anmerkung der Redaktion: Sollte die BUKEA Vorgänge aus dem Jahr 2020 aus Versehen auf 2019 datiert haben?]

„Im Rahmen der Workshops gab es u.a. Vorschläge für weitere Untersuchungen, aber keine Widersprüche zum Inhalt der Studie.“ so die BUKEA. Das scheint für ihren Prüfprozess auszureichen.

Ein Gutachten zur Klimawirkung des Buschholzes, das von Prof. Rabenstein von der Hamburger HafenCity Universität ausgearbeitet und im Juni 2020 veröffentlicht wurde, war vom Auftraggeber HET als Beitrag zu einem Peer Review gedacht. Die BUKEA zum Rabenstein-Gutachten:

„Der zuständigen Behörde ist nicht bekannt, ob das genannte Gutachten einem Peer Review unterzogen wurde oder von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit anerkannter Expertise in der Bilanzierung von Natur- und Landnutzungsprozessen bestätigt wurde.“

Aus mathematischer Sicht ergibt sich damit eine unendliche Folge: Die Peer Reviews eines Gutachtens müssen selbst wieder einem Peer Review unterzogen werden, das selbst wieder Peer reviewed werden muss – und so fort ad infinitum.

Übrigens erschien im April 2020 ein Policy Brief zur UNIQUE-Studie, der recht auffallende Änderungen an deren Szenarien enthält. Die BUKEA hat das offenbar nicht bemerkt.

Henne oder Ei?

Für die Untermauerung der Objektivität der Studie von UNIQUE hält die BUKEA gleich mehrere Begründungen bereit:

„Die darin getroffenen Aussagen zur Nachhaltigkeit und einer positiven CO2-Bilanz der Buschausdünnung stehen im Übrigen im Einklang mit vielen anderen weltweit anerkannten Veröffentlichungen.“

Drei davon werden von der BUKEA besonders hervorgehoben:

Begründung 1: Die Republik Namibia hat als verpflichtenden Beitrag zum Klimapakt von Paris 2015 (INDC) die Restaurierung von 15 Mio. ha Savannenlandschaft in Verbindung mit nicht unerheblicher CO2-Einsparung genannt. Das UNIQUE-Gutachten habe nun bestätigt, dass die Zurückgewinnung von Weideland durch Abholzen von Büschen erhebliche CO2-Einsparungen erbringe.

Ein überzeugender Beleg für die Objektivität des UNIQUE-Gutachtens? Oder doch eher ein Indiz für ein Gefälligkeitsgutachten?

Es kommt noch besser: Der Vertreter des IfaS hob bei einer Präsentation der Klimabewertung seines „Szenarios Hamburg“ am 1. Dezember 2020 ausdrücklich hervor: Die vom IfaS ermittelten CO2-Einsparungen durch das Abholzen und Verfeuern der Büsche entsprechen genau den INDC-Verpflichtungen von Namibia zur Reduktion von Treibhausgasen im Rahmen des Pariser Klimabkommens!

Welch ein glücklicher Zufall! Vor allem, wenn ein im Auftrag des HET ausgearbeitetes Gutachten, das in Kürze veröffentlicht werden wird, nach vielen Korrekturen für die Fehler des IfaS zum Ergebnis kommt, Buschholz aus Namibia sei klimaschädlicher als Steinkohle.

Begründung 2: „Der World Wildlife Fund (WWF) unterstützt mit seinem Logo und positiven Aussagen die Nutzung von Grillkohle aus namibischem Buschholz und bezeichnet diese als „wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung“.“

Wo ist der logische Zusammenhang mit der Frage nach der Objektivität des umstrittenen Gutachtens? Sollen nun doch nicht Holzpellets, sondern Grillkohle aus namibischem Buschholz in Hamburger Kraftwerken verbrannt werden? Oder soll nur das Logo des WWF überzeugen?

Der WWF bestätigt mit seinen Siegeln nur, dass kein Tropenholz in der Grillkohle enthalten ist. Diesem Verband scheint egal zu sein, dass in Namibia mehr als das Fünffache an Holz verbrannt wird, um einen Sack Grillkohle zu gewinnen, und dass dabei nicht nur sehr viel CO2 emittiert wird, sondern dass bei der Pyrolyse auch eine große Menge an klimaschädlichen Gasen wie Methan freigesetzt wird.

Die miserable Klimabilanz von Grillkohle aus Namibia (und auch von anderswo) wird sogar in der UNIQUE-Studie ganz explizit betont (Szenario 4). Die BUKEA müsste diese Studie nur lesen! Aber bestätigt das schon die Objektivität der UNIQUE-Studie, die gar nicht zur Holzkohle-Herstellung sondern zur Ausdehnung von Weideland und zum Export des Buschholzes nach Europa rät?

Begründung 3: Die Zertifizierung der Buschausdünnung und der daraus gewonnen Produkte (hauptsächlich Grillkohle) durch den “FSC National Forest Stewardship Standard for the Republic of Namibia“.

Auch das FSC-Siegel interessiert sich überhaupt nicht für die Klimawirkung der aus Buschholz gewonnen Produkte. Es dient der Vermarktung, wie in einem umfangreichen Abschnitt 8 der „Machbarkeitsstudie“ des IfaS  ausgeführt wird.

Überzeugendere Begründungen für die Objektivität des UNIQUE-Gutachtens hat die BUKEA nicht? Wo sind die „vielen anderen weltweit anerkannten Veröffentlichungen“, von denen sie schreibt?

Interessenkonflikte der Gutachter?

In der langen Einleitung zur Drs. 22/2792 wurde so viel über die wirtschaftliche Betätigung des Unternehmens UNIQUE berichtet, dass es wohl auch der BUKEA schwer fällt zu behaupten, Interessenkonflikte könne es für UNIQUE bei ihrem Klimawirkungs-Gutachten nicht geben.

Das IfaS bezeichnet sich als In-Institut der Hochschule Trier. Die BUKEA „kann beim Engagement des Non-profit-Institutes der Hochschule Trier keinen Interessenkonflikt erkennen.“

Gefälligkeitsgutachten, auch von Non-profit-Instituten, beispielsweise für die Pharmaindustrie, sind ein Dauerthema in den Medien. Wenn sich ein Institut wie IfaS im Auftrag der GIZ so sehr für die Realisierung der GIZ-Pläne einsetzt wie sich das in der „Machbarkeitsstudie“ nachlesen lässt, dann kann es dennoch keine Interessenkonflikte geben?

N-BIG, die wichtigste namibische Lobbyorganisation für die Verwertung von Buschholz, wurde 2015 vom GIZ-Projekt BCBU gegründet. Gründungsmitglied war, wie das folgende Bild zeigt, das Ifas.

Gründungsmitglieder von N-BIG (Bildquelle: N-BIG)

Treibhausgas-Emissionen?
Für die Hamburger Umweltbehörde „nur ein Faktor“

Einen Rest an Zweifeln scheint es bei der BUKEA noch zu geben. Jedenfalls bereitet sie die Mitwelt schon auf eine Entscheidung für die großmaßstäbliche Nutzung von namibischem Buschholz vor, auch für den Fall, dass die Klimawirkung sehr bedenklich sein sollte:

„Grundsätzlich ist zu beachten, dass die meisten dieser Berechnungen auf Szenarien beruhen, die einer Validierung in der Praxis bedürfen. Auch wird der Korridor der berechneten Treibhausgasemissionsbilanz nur ein Faktor in der Entscheidungsgrundlage für oder gegen dieses Projekt sein. Wie schon mehrfach betont, werden auch andere Nachhaltigkeitsaspekte, wie zum Beispiel die Biodiversität, der Grundwasserschutz oder soziale und wirtschaftliche Entwicklungschancen und -risiken eine wichtige Rolle spielen.“

Die GIZ- und IfaS-Analysen zu Biodiversität, Grundwasserschutz und sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungschancen und -risiken sind alle fragwürdig und umstritten.

Zudem: Es wird erwartet, dass zahlreiche Staaten, deren Finanzen in erheblichem Maß von der Förderung fossiler Brennstoffe abhängen, in extreme wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten geraten werden, wenn in den kommenden Jahrzehnten das Paris-Abkommen umgesetzt werden wird. Nach der Betrachtungsweise der grün geführten Hamburger Umweltbehörde müssten dann also zum Schaden des Klimas „andere Nachhaltigkeitsaspekte eine wichtige Rolle spielen“.

Eine wachsende Anzahl von Interessenten und Shareholdern erwarten ungeduldig das „Siegel“ der Hamburger Umweltbehörde auf ihren Plänen. Sobald sie es erhalten haben, werden sie an die „Validierung in der Praxis“ gehen. Und wo bleibt das Vorsorgeprinzip?

7. Februar 2021
von Redaktion
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ALDI als Nachhaltigkeits-Held

Dreieinhalb Seiten Akzeptanz und
ein halbe Seite Widerspruch
gegen Buschholz aus Namibia

Die Hamburger Umweltbehörde BUKEA bemüht sich nach Kräften, die Öffentlichkeit für die Verbrennung von Buschholz aus Namibia in Hamburg zu sensibilisieren.

In einem Beitrag „Diskussion Akzeptanz und Widerspruch“ auf ihrer speziellen Internetseite gibt es dazu dreieinhalb Seiten Akzeptanz. Am Ende tatsächlich auch eine halbe Seite Widerspruch.

Bild: FfF Windhoek

Der Text beginnt mit einer tiefgründigen Beteuerung zur Nachhaltigkeit des Prüfprozesses der BUKEA und des IfaS:

„Besonders die Nachhaltigkeit – und damit die (möglichen) Auswirkungen in jeglicher Hinsicht – auch soweit dies für die Zukunft abschätzbar ist – werden besonders untersucht.“

Anschließend wird viel „Akzeptanz“ geboten und – zugegeben – es ist auch Neues dabei:

ALDI Nord und ALDI Süd als Sustainability Heroes

ALDI Nord und ALDI Süd vertreiben also seit einiger Zeit Holzkohle aus Namibia für das deutsche Grillvergnügen und für die Unterstützung Namibias und als Dank für die dazu eingegangene Zusammenarbeit mit dem Siegelgeber FSC hat der Discounter vor kurzem den „Sustainability Heroes Awards“ in der Kategorie „Soziales Engagement“ erhalten.

Was schadet es da, dass sogar die Studie der Forstberatung UNIQUE in ihrem Szenario 3 der unter den gegenwärtigen Bedingungen hergestellten Holzkohle aus Namibia eine miserable Klimabilanz bescheinigt? Was der Hamburger Energietisch schon Ende April 2020 über die Holzkohle aus Namibia geschrieben hat, das dürfen ergebnisoffene Buschholz-Anhänger:innen nur mit spitzen Fingern anrühren. Auch wenn es sich um den am häufigsten aufgerufenen Beitrag auf der Homepage des HET handelt, so hat er doch den Makel, dass er „deutlich und frühzeitig“ verfasst wurde!

Die Expert:innen von Rettet den Regenwald und von FERN können noch so oft auf die Nutzlosigkeit all dieser Siegel für den Klimaschutz hinweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) kann Grillen mit Holzkohle ein Klimaverbrechen nennen und Alternativen zur Holzkohle anbieten.  Wer wird ihnen noch Aufmerksamkeit schenken, wenn sich „die Umweltstiftung WWF Deutschland seit einigen Jahren mit Grillkohle aus Namibia beschäftigt“? Und wenn Prof. Dr. Heck vom IfaS sich im Kapitel 8 seines Masterdokuments viel gründlicher mit Siegeln beschäftigt als mit der zweifelhaften Treibhausgas-Bilanz des Buschholzes, der nicht einmal ein Unterkapitel zugestanden wird?

„Deutlich und frühzeitig“:   für ergebnisoffene Buschholzleute ein Graus!

„Deutlich und frühzeitig“ wird auch dem HET angekreidet, weil er schon im Juni 2020 ein Kurzgutachten vorstellte, das dem Buschholz-Export aus Namibia wegen seiner Klimaschädlichkeit ein vernichtendes Zeugnis ausstellte. Dazu fällt den Buschholz-Fans nichts Besseres ein, als dass im HET-Kurzgutachten „allerdings andere Landnutzungsstrategien als die im Projekt des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagements IfaS geplanten“ untersucht worden seien. Wer wird an dieser Behauptung zweifeln, wenn dahinter die grün geführte Hamburger Umweltbehörde steht? 

Dass in diesem Kurzgutachten genau das Szenario 1 der UNIQUE-Studie von Seebauer et al. untersucht wurde, auf das sich die Treibhausgas-Berechnungen des IfaS stützen – wer will das schon wissen?

Der Hamburger Energietisch als großer Verführer

Richtig: Im Oktober 2020 gab es auch noch eine „Gemeinsame Stellungnahme gegen den Import von Buschholz aus Namibia für Hamburger Kraftwerke“. Die gibt es nicht nur auf Englisch wie für die BUKEA, sondern auch auf Deutsch.

Der HET war einer der 21 Unterzeichner. Die BUKEA hat das so eingeordnet:

„Der Energietisch hat diese Aussagen deutschlandweit und auch in Namibia verbreitet und eine Reihe von Organisationen davon überzeugt, ein Statement gegen das Projekt zu unterzeichnen.“

So groß ist der Einfluss des HET.   Wer hätte das gedacht?

Unterzeichnet haben unter anderen:

CampusGrün,
Deutsche Umwelthilfe (DUH),
Ende Gelände Hamburg,
NaturFreunde Hamburg,
Rettet den Regenwald,
ROBIN WOOD,
Earthlife Namibia und
Global Forest Coalition

Ganz Namibia setzt auf den Buschholzexport – oder?

In Namibia sieht die BUKEA nur „Akzeptanz“. Wer will schon wissen, dass es in Namibia einflussreichen „Widerstand“ gegen den Buschholz-Export und die erwarteten sozialen Folgen gibt? Dass das namibische Ministry of Mines and Energy seine Unterstützung für die Presseerklärung des ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUST (ESJT) vom 27. Januar 2021 signalisiert hat, das könnte störend sein für die Ergebnisoffenheit und Nachhaltigkeit des Hamburger Prüfprozesses oder? Dass Herbert Jauch, der Vorsitzende des ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUSTS, das dritte Buschholz-Seminar am 8. Dezember 2020 klar dominierte − vergessen. Das war so nicht geplant.

Nach dem selbstgewählten Zeitplan bleiben der BUKEA noch gut vier Monate, um sich aus der Umklammerung durch den gefährlichen Busch-Virus zu befreien. Nach dem jüngsten Auftreten einer ALDI-Nord-und-Süd-Mutante haben sich die Aussichten allerdings verschlechtert. Es soll an einem Vakzin gearbeitet werden. Aber niemand kennt bisher dessen Wirksamkeit. Und eine Impfpflicht gibt es ohnehin nicht.

29. Januar 2021
von Redaktion
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Kein Export von Buschholz aus Namibia!

Der einflussreiche ECONOMIC & SOCIAL JUSTICE TRUST unter dem Vorsitz von Herbert Jauch hat sich am 27. Januar 2021 in einer Presseerklärung klar und eindeutig gegen den vorgeschlagenen groß angelegten Export von Busch-Biomasse aus Namibia nach Deutschland ausgesprochen. (Englische Originalversion und ins Deutsche übersetzte Version)

Bild: Fridays for Future Windhoek

Als Gründe für die Ablehnung des Exports von Buschholz nach Deutschland werden unter Anderem genannt:

  • Es besteht ein dringender Bedarf an lokalen erneuerbaren Energien, da Namibia stark von Energieimporten aus Kohlekraftwerken in Südafrika abhängig ist.
  • Die Schaffung von Arbeitsplätzen muss bei der Ernte der Buschbiomasse im Mittelpunkt stehen. Mit einer vollmechanisierten Ernte von Buschholz könnte im Vergleich zu einer halbmechanisierten Ernte eine beträchtliche Anzahl von bestehenden Arbeitsplätzen vernichtet werden.

Sehr deutlich wird die Pressemeldung am Ende:

„Ein Exportabkommen, das die Lieferung großer Mengen an Biomasse über Jahrzehnte hinweg erfordert, mag zwar bestimmten Interessengruppen zugutekommen, fördert aber nicht Namibias entwicklungspolitische Ziele der Schaffung von Arbeitsplätzen und lokaler Wertschöpfung. Solche entwicklungspolitischen öffentlichen Interessen müssen von der namibischen Regierung gewahrt werden. Wir fordern unsere Regierung daher dringend auf, lokale Wertschöpfungsketten und die Schaffung erneuerbarer lokaler Energie als beste Option für Namibia direkt zu fördern.

Der vorgeschlagene groß angelegte Export von Busch-Biomasse nach Deutschland würde eine Fortsetzung der kolonialen Handelsmuster darstellen, wobei Afrika auf die Rolle des Lieferanten von halbverarbeiteten Materialien zurückgedrängt wird. Dies bietet keine Lösung für die Entwicklungsherausforderungen Namibias und das zentrale Ziel der Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort.“

22. Januar 2021
von Redaktion
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Wissenschaftliche Eigenverantwortung nach Art der Hamburger Umweltbehörde

„Augen zu und durch“ scheint die Devise der Hamburger Umweltbehörde bei ihrer Buschholz-Affäre zu sein.

In der Schriftlichen Kleinen Anfrage der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft  Drs. 22/2792, 19.1.21,    Buschholz aus Namibia – Interessenkonflikte bei der Prüfung durch die BUKEA?   geht es um die Begutachtung von Treibhausgasen, die bei einer energetischen Nutzung von Buschholz aus Namibia durch Hamburg freigesetzt werden würden.

Die Einleitung zu dieser Kleinen Anfrage belegt sehr ausführlich, dass besonders von der Forst-Beratung UNIQUE, aber auch vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) auf Grund von Interessenkonflikten keine unabhängigen und objektiven Gutachten zu Treibhausgas-Emissionen durch die Nutzung von namibischem Buschholz zu erwarten sind.

In einer Einleitung zu seinen Antworten erklärt der Senat, dass nach Selbstauskünften des IfaS „die in den Prozess eingebrachten Studien und Berechnungen nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt wurden und entsprechend in Peer Reviews bestätigt worden worden sind“.

Interessenkonflikte beim IfaS werden von der Umweltbehörde also ausgeschlossen, weil nämlich „nach Auskünften“ des IfaS bestimmt gar keine bestehen.

Peer Reviews (Externe Beurteilungen):
Wo sind sie?    Hat jemand welche bemerkt?

Bild zu Peer Reviews von der IJS Publishing Group

Der Senat fährt fort:  „Der zuständigen Behörde sind derzeit keine Veröffentlichungen oder andere Aussagen mit entsprechender wissenschaftlicher Qualität bekannt, die Zweifel an der Richtigkeit der genannten Aussagen nach sich ziehen würden.“

Vor sechs Wochen war der Umweltbehörde noch das Gutachten von Prof. Rabenstein vom 12. Juni 2020 bekannt, das zu einem völlig anderen Ergebnis kam als UNIQUE und IfaS. In Drs. 22/2352 (4. 12 2020) Buschholz aus Namibia – ergebnisoffene Prüfung? schrieb der Senat zu einer entsprechenden Frage 14: „Das Gutachten ist bekannt und wird in den Abwägungsprozess einbezogen.“

Jetzt scheint dieses Gutachten für den Senat und die Umweltbehörde nicht mehr zu existieren. Jedenfalls nicht als eines „mit entsprechender wissenschaftlicher Qualität“.

Zur Ausräumung der starken Zweifel an der Objektivität der Gutachter UNIQUE und IfaS könnten weitere unabhängige gutachterliche Stellungnahmen beitragen. Der Senat zur entsprechenden Frage 8: „Zurzeit sind keine gutachterlichen Stellungnahmen in Planung.“

Ist das Ganze nicht sehr bedenklich? Der Hamburger Senat gehört nicht zu den Bedenkenträgern: „Die Beauftragung und Bewertung wissenschaftlicher Expertise erfolgt anhand sachlicher, fachlicher und wissenschaftlicher Kriterien.“

Vor 110 Jahren schrieb Christian Morgenstern messerscharf:

Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.

4. Januar 2021
von Redaktion
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Die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Wärme Hamburg GmbH

Der Vorsitzende des Ausschusses Umwelt und Energie, Klimaschutz, Agrarwirtschaft der Hamburger Bürgerschaft, Stephan Gamm (CDU), interessierte sich am 18.12.2020 in einer Schriftlichen Kleine Anfrage (22/2549) namens „Kohlekraftwerk Wedel – Eine unendliche und traurige Geschichte. Setzt Rot-Grün nur noch auf teure Placebos statt seriöser Energiepolitik?“ unter anderem für den Umfang der Stromproduktion im alten Heizkraftwerk Wedel, das bekannt dafür ist, dass es am laufenden Band die Anwohnerinnen und Anwohner mit ätzenden Partikeln bespuckt.

Wie viel Strom hat das Kraftwerk Wedel in den Jahren 2015 bis 2020 bereitgestellt? Das wollte er wissen. Und höflich wie immer fügte er hinzu „Bitte nach Jahren getrennt angeben.“

Es ist nicht bekannt, ob er damit gerechnet hat oder ob er mit einem gewissen Erstaunen die Antwort des Hamburger Senats las: „Diese Daten fallen unter das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis der WH.“

Da Herr Gamm ein Energiefachmann ist, war ihm natürlich klar, dass jedermann, auch Zeitgenoss*innen mit geringem einschlägigem Expertenwissen, die jährliche Stromerzeugung des Heizkraftwerks Wedel auf den Energy-Charts von Fraunhofer ISE ohne Mühe nachsehen kann.

Nicht nur als Graphik, sondern auch auf drei Ziffern genau sind diese Angaben dort leicht zu finden:

Ja, da zeigt sich rechts: Entgegen dem allgemeinen Trend bei Kohlekraftwerken war die Stromerzeugung in Wedel im Jahr 2020 mit 809 GWh wieder höher als im Jahr 2019 mit 771 GWh.

Und das trotz des bisher milden „Winters“ Ende 2020 und bemerkenswerterweise, nachdem die Umweltbehörde am 26. Oktober 2020 voller Stolz eine Reduzierung der Kohleverbrennung in Wedel angekündigt hatte, einen „Meilenstein für den Klimaschutz“.

Zugegeben, seit dem 26. Oktober kann natürlich schon viel weniger Strom erzeugt worden sein, was sich im Jahreswert vielleicht nicht so deutlich niederschlägt. Jedoch: die täglichen Werte zeigen, dass das HKW Wedel im November und Dezember erst richtig losgelegt hat:

Aber zurück zu Herrn Gamm. Natürlich kennt er als Vorsitzender des Umweltausschusses die Energy-Charts von Fraunhofer ISE und die hier gezeigten Daten.

Es muss ihm also – so ist zu vermuten – darum gegangen sein, den Senat vorzuführen.

Nach dem Rückkauf des Hamburger Fernwärmnetzes, gegen den Herr Gamm immer zuverlässig eingetreten ist, könnte er die Absicht haben zu zeigen, dass die höhere Transparenz, die die Unterstützer*innen des Rückkaufs erhofften, keineswegs eingetreten ist. Eine „demokratische Kontrolle“, wie sie der zweite Satz des Volksentscheids von 2013 fordert, setzt natürlich voraus, dass so einfache Angaben wie die jährliche Stromerzeugung der Heizkraftwerke nicht geheim gehalten werden – zumal wenn sie ja jederzeit öffentlich zugänglich sind.

Es wird also vielleicht nicht lange dauern, bis Herr Gamm triumphierend eine Kleine oder Große Anfrage der Bürgerschaft hervorziehen wird aus der Zeit, wo Vattenfall noch Besitzer des Hamburger Fernwärmenetzes war, in der Angaben zur Stromerzeugung großzügig öffentlich bekannt gemacht wurden.

Fragt sich nur, warum der Senat sich von Herrn Gamm vorführen ließ.

Diese Frage ist gegenwärtig noch schwer zu beantworten. Am ehesten könnte eine Antwort mit der versprochenen Reduzierung der Kohleverbrennung in Wedel zusammenhängen. Vielleicht ist diese Reduzierung doch nur ein Sowieso-Effekt, wie der Hamburger Energietisch bereits am 30. Oktober vermutete?

14. Dezember 2020
von Redaktion
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Road Map to a Biomass Industrial Park in Namibia

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Ende November und Anfang Dezember 2020 boten Befürworter eines Buschholz-Imports aus Namibia drei Video-Seminare an. Wem diese Seminare noch nicht gereicht haben, dem schenkt das Trierer Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) nun kurz vor Weihnachten neues, spannendes Lesefutter: ein Masterdocument Road-Map to BIP.

Datiert auf den 19. November 2020 lag dieses Masterdocument schon vor diesen Video-Seminaren vor. Die Veranstalter:innen hielten jedoch dicht. Nun ist die Überraschung perfekt.

Für die, die es noch nicht wissen: Biomasse-Industrieparks (BIP) sind die Lösung für die ökologische und sozioökonomische Katastrophe, die  Namibia bedroht, das bush encroachment (S. 11). Namibia besitzt über 450 Millionen Tonnen einer ungenutzten erneuerbaren Ressource, nämlich der Biomasse, die auf 45 Millionen Hektar gedeiht (S. 11).

So ein BIP verarbeitet davon aber nur 0,25 Millionen Tonnen im Jahr. Für den Kohleersatz in Hamburg-Tiefstack wären die Lieferungen eines einzigen BIPs fast schon ausreichend. Welcher Investor würde da nicht sein Auge mit Wohlgefallen auf diese ungenutzte Ressource richten? Auch Flensburg, Berlin und Rostock wollen aus der Kohle aussteigen (S. 47).

Schon „konnten entscheidende strategische Partner mit konkretem Interesse an einer Biomassepartnerschaft erfolgreich angesprochen und verpflichtet werden, wie z. B. die Stadt Hamburg oder die Brüning-Gruppe.“ (S. 166)

Die internationale Nachfrage nach Holzpellets und Holzhackschnitzeln von europäischen Kraftwerksbetreibern wie von Stadtwerken, von Unternehmen wie Vattenfall, Uniper, Drax und von Großhändlern wie der Brüning-Gruppe etc. wird in den nächsten Jahren drastisch steigen (S. 24). Ein Riesengeschäft bahnt sich an!

Die Brüning-Gruppe handelt europaweit mit energieliefernden Massenrohstoffen und verfügt bereits über Zertifizierungen wie FSC, PEFC, SBP, ISO 14001, EFB und ENplus, die zunehmend von Endkunden in Europa gefordert werden. Wie praktisch.  Also hat sie ebenso wie die Stadt Hamburg auch schon ein Memorandum of Understanding (MoU) mit IfaS unterzeichnet, basierend auf dem Biomass Hub-Konzept von IfaS, das gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt wurde (S. 139). Die Zertifizierungen und Siegel und das Sustainable Resource Verification Scheme (SURE) spielen eine große Rolle (S. 156). Für die betroffenen Farmer und vor allem auch für die scheinselbständigen Erntearbeiter wird das zweifellos Auswirkungen haben. Ob sich das IfaS darüber wohl schon Gedanken gemacht hat?

Viel Arbeit und nicht wenige Erfolge dieser Arbeit in den letzten 18 Monaten beschreibt das Masterdocument. Aber alle MoU-Prüfprozesse sind selbstverständlich völlig ergebnisoffen. Honi soit qui mal y pense.

Der erste BIP am schönen Platz der Fetten Kühe

Nicht weniger als 105 BIPs könnte Namibia für die nächsten 20 Jahre ohne Probleme verkraften (S. 45). Das vorhandene Straßen- und Eisenbahnnetz wird dafür natürlich nicht ausreichen. Es kommen also auch auf den namibischen Staat beträchtliche Investitionen zu. Ob das die Steuer-Einkünfte (1,8 Prozent des BIP-Umsatzes (S. 117))  nicht glatt auffressen würde?

Nach dem erfolgreichem Abschluss des Prüfprozesses in Hamburg muss ein erster BIP geschaffen werden (S. 57): in Otjiwarongo (Herero, auf Deutsch „schöner Platz der Fetten Kühe“). Gedacht ist an ein PPP (Public-Private Partnership). Der namibische Staat dient als Regulator. In Otjiwarongo schenkt er auch noch die notwendigen Grundstücke. Für den Rest sind der Operator und die Service Providers zuständig.

Und woher kommt das Geld? Wo sind die Investoren? Keine Sorge: Es gibt international sehr viel Geld auf den Finanzmärkten, das nach lukrativen Anlege-Möglichkeiten sucht.This will be done via our so called “Road Show” concept in Namibia and South Africa.“ (S. 166)

Potenzielle Investoren „aus der Region“ wie Imperial Logistics aus Südafrika wurden bereits kontaktiert und für die BIPs gewonnen (S. 168). Das ist auch gut für die BRD. Denn die Imperial Logistics International B.V. & Co. KG sitzt laut Wikipedia in Duisburg, Nordrhein-Westfalen, weil sie aus dem Krupp-Konzern hervorgegangen ist.

Das Masterdocument: 171 Seiten, prall gefüllt mit interessanten Informationen. Nach dem Ausdruck „full mechanized“, wie voll-mechanisierte Ernte, sucht man aber vergebens. „Semi-mechanized“ kommt zweimal vor, aber für eine Klärung der sehr wichtigen Frage, wie viele der gegenwärtigen einfachen Arbeitsplätze verdrängt werden würden, ist so gut wie nichts zu erfahren. Fortschritt kostet eben einen Preis und um Dr. Brown, den CEO der namibischen Umweltkammer, zu zitieren: Wir wollen doch nicht wieder in Höhlen wohnen!

Die Auswirkungen auf das globale Klima?

Zur Klimafrage erfährt die geneigte Leserin zuerst: „The biomass itself has a CO2 balance of 0 because it has absorbed CO2 from the environment up to the day of tinning.“ Gemeint ist „bush thinning“, nicht Verzinnung. Die Buschbiomasse ist CO2-neutral, so IfaS. Der CO2-Ausstoß beim Transport der Biomasse zum Verbraucher muss aber berücksichtigt werden. (S. 134)

Das war der Erkenntnisstand des IfaS zum Zeitpunkt der Niederschrift seines „Dossiers“. Inzwischen hat das Institut gelernt, was namibische Autorinnen schon länger wussten, dass auch noch das von den zusätzlichen Rindern ausgestoßene Methan eine nicht unerhebliche Rolle spielt, besonders aber der im Boden gespeicherte organische Kohlenstoff (SOC). Denn wenn verbuschtes Land in Grasland (Savanne) umgewandelt wird, dann verändert sich der Kohlenstoff-Gehalt im Boden. Der Boden wirkt über einen längeren Zeitraum als Quelle oder als Senke von CO2. Und das kann die Erderhitzung erheblich beeinflussen.

Dies bedenkend versicherte Herr Dr. Flesch (IfaS) beim öffentlichen Seminar in Hamburg am 1. Dezember 20, mit dem in Namibia abgeholzten und in Hamburg verbrannten Buschholz würde der Atmosphäre in der Gesamtbilanz sogar CO2 entzogen werden (S. 33 – 37). Gegenüber der Alternative fossiles Erdgas würden 111% CO2 eingespart. Oben auf Seite 33 ist hierzu aber zu erfahren, dass beim Seminar ein mögliches optimistisches Treibhausgas-Szenario gezeigt wurde.

Dass zum Beispiel das Gutachten [Rabenstein 2020], in dem die Auswirkungen der Buschholz-Nutzung in Hamburg gründlich untersucht wurden, zu einem völlig anderen Ergebnis kam als Dr. Flesch, das passt nicht zum Masterdocument. Deswegen wird es auch verschwiegen. Aber sicher ist sich das IfaS trotzdem nicht. Denn interessanterweise steht auf Seite 32: „Die entstehenden THG-Emissionen sind unter keinen Umständen höher als die von Erdgas oder Kohle.“

THG-Emissionen, die nicht drastisch niedriger sind als die von fossilem Erdgas, kommen aber beim Kohleersatz in Hamburg gar nicht in Frage, weil mit ihnen die Klimaziele Hamburgs nicht zu erreichen wären.

Das waren einige Fundstücke aus dem Masterdocument. Vielleicht haben sie Ihr Interesse geweckt? Sie werden sicher noch viel mehr finden. Zum Beispiel das folgende, das empfindsamen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen die Haare zu Berge stehen lässt:

„From the time of the colonialism of Germany in Africa, a chance arises for Germany to be able to heal the damages related to historical events.“ (S. 28)

Auf Deutsch: „Ausgehend von der Zeit des deutschen Kolonialismus in Afrika ergibt sich für Deutschland eine Chance, die mit den historischen Ereignissen verbundenen Schäden heilen zu können.“

So kann man den Völkermord an den Herero und Nama also auch noch für seine Geschäfte einsetzen.

21. Dezember 2020

9. Dezember 2020
von Redaktion
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Ätzende Partikel kosten viel Geld

Seit vielen Jahren wehrt sich die Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ gegen die Beregnung mit ätzenden Partikeln aus einem Schornstein des Kohle-Heizkraftwerks Wedel, die nicht nur Sachschäden anrichten, sondern auch hochgradig gesundheitsgefährdend sind. Derzeit ist der Partikelniederschlag besonders schlimm. So etwas haben selbst die Aktiven der Bürgerinitiative (BI) noch nicht gesehen. 

Die Mitglieder und Unterstützer:innen der BI haben schon sehr viel Spendengelder für Gutachten, Untersuchungen und juristische Unterstützung aufgebracht.

Die gerichtliche Entscheidung ist jetzt auf den 22. März 2021 angesetzt.
Die BI ist daher ganz besonders stark auf Spenden angewiesen. Die Gegenseite, das Fernwärmeunternehmen Wärme Hamburg, kann die entsprechenden Kosten leicht aus der Portokasse bezahlen.

Die BI freut sich daher über jede Spende:

Konto: Linda Clausen-Hansen
       IBAN:  DE68 2005 0550 1280 5301 46

Stichwort: Ätzende Partikel

Als der Auswurf ätzender Partikel begann, hat sich Vattenfall für die Schäden entschuldigt. Die Behebung wurde anstandslos bezahlt. Später wollte man lieber nicht mehr für die Schäden zuständig sein. Die Wärme Hamburg GmbH (WH), die das Heizkraftwerk (HKW) von Vattenfall kaufte, fand nach Einreichung der Eilklage der BI auf einmal, dass diese nicht jeden einzelnen Partikelniederschlag belegt hätte.

Die Bürgerinitiative hält dagegen: Die Partikel sähen immer gleich aus, kommen in Wedel nur bei Südostwind (aus Richtung des Schornsteins), seien grundsätzlich extrem sauer und bei Kraftwerksstillstand kämen gar keine Partikel. Die Gegenproben aus dem Schornstein seien ebenfalls stark sauer und: Alle chemischen Untersuchungen von allen Seiten hätten belegt, dass die Partikel aus dem HKW Wedel stammen. Auch sei die Betreiberin verpflichtet, nachzuweisen, dass das Kraftwerk keine schädlichen Partikel emittiert, und nicht die betroffenen Bürgerinnen und Bürger.

So ätzend sind die Partikel

Die zuständige Überwachungsbehörde in Schleswig-Holstein ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Das LLUR bestätigt, dass die Partikel aus dem Kraftwerk stammen. Beide, WH und LLUR, behaupten, dass Partikel-Ausstoß bei alten Kohle-Kraftwerken normal sei. Nur: Andere Kraftwerke, die ätzende Partikel ausstoßen, können beide nicht benennen. Es gibt auch gar keine. Zuvor hatte das LLUR schriftlich bestätigt, dass Partikel-Emissionen selbstverständlich nicht dem gesetzlich vorgeschriebenen Stand der Technik entsprechen.

Die Schäden sehen auch immer gleich aus: Es gebe zwei typische Schadensbilder, so die BI. Diese entstünden auch nur im direkten Kraftwerksumfeld und nur nach Ätzpartikel-Beregnung. Inzwischen werde es immer schlimmer.

Umweltsenator Jens Kerstan verweist laut einem BILD-Artikel auf die Containerschiffe auf der Elbe. Diese fahren aber die ganze Elbe auf und ab. Daher müsste es doch überall an der Elbe Partikelschäden geben? Der Gutachter der Wärme Hamburg schreibt immerhin die immer gleichen Schadenbilder dem Kraftwerk zu.

Bei den Säure-Emissionsschäden ist die Wärme Hamburg in der Nachweispflicht, sagt die BI. Das LLUR zieht es vor,  die Schäden einfach gar nicht anzusehen, geschweige denn begutachten zu lassen, und verdächtigt neben den Schiffen die Vögel, die Blätter und die Bäume. Der zuständige Behörden-Mitarbeiter verlege sich auf Handyfotos von „irgendwelchen“ Motorhauben in einem so großen Abstand, dass darauf praktisch nichts zu erkennen ist. Somit muss die BI selbst alles akribisch dokumentieren, obwohl die Überwachung eindeutig dem LLUR als Überwachungsbehörde obliegt.

Beide, die WH und das LLUR behaupten, dass die extrem ätzenden Partikel, die zu Schwefelsäurebildung führen, nicht gesundheitsgefährdend seien. Die BI kritisiert, dass sie sich dabei auf einen einzigen Test berufen, der im Jahr 2017 mit Proben aus dem Kraftwerk bei noch deutlich höheren pH-Werten durchgeführt wurde. Und: In dem auf Englisch geschriebenen Gutachten stehe überhaupt nicht, dass es keine Gesundheitsgefahr für die Augen gebe. Im Gegenteil.

Die Gerichtsverhandlung zu den ätzenden Partikeln beginnt

am 22. März 2021 um 10:00 im Verwaltungsgericht Schleswig.

Alle Verfahren und Gutachten kosten neben sehr viel Arbeit auch sehr viel Geld. Die BI fände es schlimm, wenn die WH und das LLUR mit ihrem Verhalten durchkämen, nur weil der BI das Geld fehlt.  Die BI freut sich daher sehr über jede Unterstützung.

30. Oktober 2020
von Redaktion
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Meilenstein für den Klimaschutz bei der Kohleverbrennung in Wedel?

Hier als pdf-Datei

Laut einer Pressemitteilung der Wärme Hamburg GmbH vom 26.Oktober 2020 hat der Aufsichtsrat eine Reduzierung der Kohleverbrennung im Heizkraftwerk Wedel beschlossen. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung wird die Wärme Hamburg den Kohleeinsatz ab sofort um 20 Prozent und ab 2023 um mindestens 30 Prozent pro Jahr reduzieren. Letzteres entspricht rund 150.000 Tonnen Kohle pro Jahr, die künftig weniger verbrannt werden sollen (Bild 1).

Bild 1: Selbstverpflichtung der Wärme Hamburg zur Reduzierung der jährlichen Kohleverbrennung in Wedel (blau) und entsprechende Verminderung des CO2-Ausstoßes

Nach Bild 1 sollen bis zur Heizperiode 2022/2023 im Vergleich zu heute die Effekte 1 und 2 wirksam werden und zwar durch eine „Einsatzoptimierte Fahrweise“ und eine „Modifizierte Einsatzplanung“. „Möglich wird diese Reduktion vor allem durch eine Verlagerung auf andere gasgefeuerte Wärmeerzeuger im Kraftwerkspark der Wärme Hamburg“, behauptet die Pressemitteilung von Wärme Hamburg. Gemeint ist dabei vor allem das Erdgas-gefeuerte Gas- und Dampf-Kraftwerk am Standort Tiefstack.

Ab der Heizperiode 2022/2023 soll der Einsatz einer 80 Megawatt Power-to-Heat-Anlage am Standort Wedel dazukommen, in der nach dem Tauchsieder-Prinzip Wärme mit Direktstrom erzeugt und so Kohle verdrängt werden soll. Dazu unten mehr.

Die ersten auf die Ankündigung dieser Selbstverpflichtung folgenden Bewertungen sind recht unterschiedlich:

Für Manfred Braasch vom BUND Hamburg ist eine Drosselung des Einsatzes von Kohle in Wedel „eine gute Nachricht für den Klimaschutz“.

Der klima- und energiepolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm, nannte laut Süddeutscher Zeitung Kerstans Pläne dagegen eine Mogelpackung. Sie seien nicht mehr als „eine homöopathische Maßnahme mit grünem Anstrich“. Dafür werde die Drosselung des Kohleeinsatzes die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusätzlich belasten. Die Folge seien höhere Preise für die Fernwärmekunden. Eine Begründung für diese Einschätzung gab Gamm leider nicht.

Dr. Beckereit, der Technische Geschäftsführer der Wärme Hamburg GmbH, nannte als CO₂-Einsparkosten ca. zehn Euro pro Tonne und Jahr – ein erstaunlich niedriger Wert.

Der Verzicht auf diesen Kohle-Einsatz würde Wärme Hamburg bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr kosten. Für eine Absenkung um rund 240.000 t CO2 durch die Effekte 1 und 2, berechnet nach Bild 1, ergibt sich Beckereits Wert bei Zugrundelegung von etwa zwei Jahren.

Bild 2: Umfang der jährlichen Stromerzeugung im HKW Wedel (Daten: Fraunhofer ISE). Bei den Werten von 2020 fehlen noch die Monate November und Dezember

Weiterlesen →

10. Oktober 2020
von Redaktion
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Ersatz der Steinkohle in Hamburger Heizkraftwerken durch Buschholz aus Namibia?

Die Hamburger Umweltbehörde prüft weiter mit handverlesenen Willigen

Nach einem Memorandum of Understanding „Biomass partnership with Namibia“, das von der Umweltbehörde am 7. Mai 2020 unterzeichnet wurde, wurden drei Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Nutzung von Biomasse aus Namibia in Hamburg beschäftigen sollen und zwar mindestens 12 Monate lang.

Die Arbeitsgruppe 1 soll Pro´s und Kontra´s für die vorgeschlagene Biomassenutzung in Deutschland bzw. außerhalb von Namibia zusammentragen. Die Risiken aus umwelt-, entwicklungspolitischer und kommunikativer Sicht sollen analysiert werden. Danach wird sich diese Arbeitsgruppe auf die Entwicklung einer soliden Kommunikationsstrategie / eines Konzepts für eine Biomasse-Partnerschaft mit Namibia konzentrieren. Sie ist also für die PR zuständig.

Schon am 31. Juli 2020 erklärte die Umweltbehörde BUKEA zu den Arbeitsgruppen: „Deren Aufgabe ist es zu prüfen, wie die Idee, namibisches Buchholz nach Hamburg zu bringen und zu verfeuern, langfristig und nachhaltig umgesetzt werden kann.“

Stephan Jersch von der Fraktion die LINKE in der Bürgerschaft nahm „umgesetzt“ wörtlich und fragte den Senat in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage (Frage 11):  „Ist diese Aussage so zu verstehen, dass der Import von Buschholz aus Namibia nach Hamburg bereits beschlossen ist und nur noch die angegebenen Prüfungen für die Umsetzung durchzuführen sind?“

Der Senat antwortete am 22. September 2020 kurz und prägnant:

„Nein, es handelt sich um einen ergebnisoffenen Prüfprozess.“

Ergebnisoffen?

An und für sich tagen diese Arbeitsgruppen hinter verschlossenen Türen und es bleibt geheim, was dort von und mit wem verhandelt wird. Jersch wollte es aber genauer wissen und fragte nach den gesetzten TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppen (Frage 6). Wird alles, was über die Arbeitsgruppe 1 bekannt ist zusammengetragen, so ergibt sich ein erstaunliches Ergebnis:

Von 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterstützen mindestens 15 die Biomasse-Partnerschaft. Drei zur ersten Video-Konferenz am 2. Juli 2020 eingeladene Personen, die erkennbar kritisch waren, wurden weder zu einer angekündigten zweiten Video-Konferenz noch zu den Arbeitsgruppen eingeladen. Dieses Missverhältnis ist so krass, dass selbst der Projektverantwortliche der GIZ in Namibia, Johannes Laufs, äußerte, es sei „nicht gewollt, nur Befürworter dabei zu haben“.

Am 9. Oktober 2020 haben sich 18 umwelt- und entwicklungspolitische Verbände aus dem In- und Ausland mit einer „Gemeinsamen Stellungnahme gegen den Import von Buschholz aus Namibia für Hamburger Kraftwerke“ an die Öffentlichkeit gewandt. (Weitere wie CampusGrün Hamburg sind inzwischen dazugekommen.) Die Verbände erklärten, dass die geplante Biomasse-Partnerschaft gegen alle Forderungen des Volksentscheids zum Rückkauf der Hamburger Energienetze verstoße. Dieser Volksentscheid ist bindend für Bürgerschaft und Senat.

Was soll da noch lange geprüft werden?

Die Umweltbehörde reagierte laut Hamburger Abendblatt verstockt:

Die Ergebnisse der Auswertung frühestens im Sommer 2021 erwartet und präsentiert werden. „Wir würden uns freuen, wenn sich alle an dem Thema Interessierten bis dahin in Geduld üben“, so Behördensprecher Björn Marzahn. Die Unterzeichner befürchten jedoch, dass eine öffentliche Diskussion zum Thema erst dann zu erwarten ist, wenn sie nicht mehr ergebnisoffen sei.

Die Farce mit den Arbeitsgruppen geht also weiter. Geduld …  Geduld …!

Der etwas übernutzte Ratschlag – dem, der nicht mehr weiter weiß, wird geraten „gründe einen Arbeitskreis!“ kann in diesem Fall abgewandelt werden:

„Ist der Volksentscheid Dir schnuppe,
gründe eine Arbeitsgruppe!“

10. August 2020
von Redaktion
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Sommer in Hamburg: Kohlestrom aus Wedel für den Profit!

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Es ist heiß in Hamburg im August 2020. Fernwärme aus den Kohle-Heizkraftwerken braucht jetzt niemand.

Doch die beiden Blöcke des alten, maroden Steinkohle-Heizkraftwerks Wedel erzeugen Strom und berieseln die AnwohnerInnen mit ätzenden Partikeln:

Block Wedel 2 ist seit dem 10. Juli wieder in Betrieb. Block Wedel 1 wurde am 29. Juli zugeschaltet.

Stromerzeugung in den beiden Blöcken des Kohlekraftwerks Wedel vom 1.1. bis zum 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Block 1 ging vom 2. Juni bis zum 10. Juli für fünf-einhalb Wochen in die sommerliche Revision.

Block 2 wurde schon am 9. Mai abgeschaltet und erst nach elf-einhalb Wochen wieder in Betrieb genommen. Höchst gefährlich, so erklärte der Betriebsleiter des Heizkraftwerks Wedel bei einer Märchenstunde am 4. Februar 2020 den staunenden ZuhörerInnen des 10. Wärmedialogs. Einen Kohleblock wie in Wedel über mehr als vier Wochen zu konservieren, sei keineswegs ratsam. Er könnte beim Wiederanfahren glatt seinen Dienst verweigern und was dann?

Das Öko-Institut leistete bei dieser Argumentation mit einem Kurzgutachten  willkommene Unterstützung, ohne sich richtig über das Hamburger Fernwärmesystem kundig gemacht zu haben.

Sogar reiner Moorburg-Strom ist viel weniger klimaschädlich als reiner Wedel-Strom

Genügend warmes Wasser kann für das ganze Fernwärmenetz in den Sommermonaten leicht von der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße und – wenn nötig – vom Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) Tiefstack geliefert werden.

Alternativen zum Kohlestrom aus Wedel:

Stromerzeugung des GuD-Kraftwerks in Tiefstack zwischen dem 1.1. und dem 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Die Stromerzeugung aus dem Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) Tiefstack, die parallel zur Erzeugung von Warmwasser stattfindet, ist kaum kleiner als die Stromerzeugung in Wedel. Sie ist aber weniger klimaschädlich.

Stromerzeugung im Kraftwerk Moorburg vom 1.1. bis zum 5.8.2020. Bild: Fraunhofer ISE

Das Defizit-Kraftwerk Moorburg steht derweil die meiste Zeit still, Block A schon seit März 2020. Und obwohl dieses Kohlekraftwerk der allgemeinen Verachtung ausgesetzt ist: Wenn es um reine Stromerzeugung ohne Wärmeauskoppelung geht, macht Moorburg mit seinem besseren elektrischen Wirkungsgrad doch viel mehr elektrischen Strom aus der Steinkohle als Wedel.

Um dann gibt es natürlich noch Wind- und Solarstrom. Dazu gleich mehr.

Strömungsumkehr auf der Wedelleitung Anfang Juni

Am 2. Juni 2020 wurde auf der Fernwärmeleitung nach Wedel die „Strömungsumkehr“ eingeleitet. Heißes Wasser floss seither nicht mehr von Wedel in die Stadt Hamburg, sondern in umgekehrter Richtung aus der Stadt Hamburg nach Wedel. Dabei hätte die Wärme Hamburg GmbH es eigentlich belassen können bis Mitte oder Ende September, wenn wieder Fernwärme zum Heizen gebraucht wird.

Der Hamburger Senat und die Umweltbehörde hätten zeigen können, dass sie es wirklich ernst meinen mit dem Klimaschutz. Sie hätten sich für eine Sommerpause in der Stromerzeugung durch das Heizkraftwerk Wedel einsetzen können und sie hätten dem Unternehmen Wärme Hamburg GmbH den Ausfall der Strom-Erlöse erstatten können, wie es die Hamburger Umweltverbände fordern.

Es hätte auch nicht zu so vielen Abschaltungen von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom kommen müssen (rot und orange im Norden von Schleswig-Holstein), wenn das Kraftwerk Wedel eine vollständige Sommerpause eingelegt hätte.

Abschaltung von erneuerbaren Stromquellen im Norden Schleswig-Holsteins im Juli 2020 (je mehr rot, umso kräftigere Abschaltung). Bild: Netzampel

Aufmerksame ZuhörerInnen beim 10. Wärmedialog werden sich vielleicht noch erinnern, wie zufrieden der Moderator der Veranstaltung mit den Gästen von Wärme Hamburg und von der Umweltbehörde war, die versprachen, den Kohleeinsatz zukünftig so zu optimieren, dass die CO2-Emissionen ähnlich stark abnehmen würden wie bei einer vollständigen Sommerabschaltung. Die Vertreterin des Öko-Instituts war erfreut über die Aussichten auf ein weiteres Gutachten zum Zweck dieser Optimierung.

Wie es damit wohl steht?

Es scheint, die Herren sind zurzeit sehr damit beschäftigt, Zeit und Geld in das leicht verrückte Projekt einer Nutzung von Buschwerk aus Namibia für die Hamburger Fernwärme zu stecken. Die Kohleverfeuerung in Wedel ist dabei wohl etwas in den Hintergrund ihrer Aufmerksamkeit getreten. Wenn dann nach der Ausschreibung zum Umbau des Kraftwerks Moorburg die entsprechende Durchführbarkeitsstudie in Auftrag geht, gibt es für sie wahrscheinlich Interessanteres als die Forderungen nach einer Sommerpause des Kraftwerks Wedel.

27. April 2020
von Redaktion
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Holzkohle aus Buschholz in Namibia?

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Ein sehr großer Teil der aus Namibia exportierten Holzkohle wird in Europa beim Freizeitvergnügen Grillen verbrannt. Auch wenn es sich um Holzkohle handelt, die nicht aus Tropenholz hergestellt wurde und daher auch von großen Umweltverbänden als „grün“ bezeichnet wird, ist ihre Verwendung extrem klimaschädlich. Das liegt zum einen an der sehr ineffizienten Herstellung und zum anderen an riesigen Mengen von Treibhausgasen wie Methan und Kohlenstoffmonoxid, die bei der Produktion freigesetzt werden.

Der Hamburger Energietisch hat am 10. April 2020 ein Dossier öffentlich zugänglich gemacht, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) an der Hochschule Trier erstellt wurde. Unter dem Titel „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg“ wird darin die Errichtung von Biomasse-Industrieparks in Namibia vorgeschlagen. Ein YouTube-Video „Biomass Industrial Parks – Namibia“ bietet einen Überblick über die Vorstellungen der GIZ.

Große Mengen von Buschholz aus Namibia sollen in Form von Holzhackschnitzeln oder Holzpellets nach Hamburg verschifft werden, um hier in der Fernwärmeerzeugung eingesetzt zu werden. Die Hamburger Umweltbehörde, die Wärme Hamburg GmbH und die GIZ verhandeln schon seit etwa einem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit über dieses Projekt. Auf die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte eines solchen Entwicklungs- und Kooperationsprojekts ging bereits eine erste kurze Analyse des HET ein, die die Veröffentlichung des Dossiers begleitete. Welche Vorteile sich Namibia und die GIZ von einer Reduzierung der Verbuschung des nördlichen Landesteils erhoffen, wurde in dieser Analyse kurz beschrieben.

Bild 1: Holzkohle-Produktion in Namibia (Bildquelle: gondwana-Collection.com)

Laut dem GIZ-Dossier wird derzeit geschätzt, „dass in ganz Namibia bereits heute jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen Holzbiomasse zur Wertschöpfung beitragen und für Wertschöpfungsketten wie Holzkohle, Brennholz, Holzschnitzel, Zaunpfähle, Strauchfütterung usw. verwendet werden.“

Im Gegensatz zur Gewinnung von Holzkohle ist die Erzeugung von Holzschnitzeln und Holzpellets in Namibia noch nicht weit fortgeschritten. Hier soll daher die Produktion von Holzkohle in Namibia genauer unter die Lupe genommen werden. Das dürfte auch für die Beurteilung des GIZ-Projekts „Biomasse-Industriepark“ und für den Vorschlag einer Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg nützlich sein.

Zu betrachten sind dabei insbesondere

  • Art und Umfang der Holzkohle-Produktion und -Vermarktung in Namibia,
  • Ökologische Beurteilung der Produktion und des Einsatzes von Holzkohle,
  • Sozioökonomische Bedingungen der Holzkohle-Produktion in Namibia.

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10. April 2020
von Redaktion
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Hamburger Kraftwerke: Kohleausstieg mit Biomasse?

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Das eindrucksvolle Klimaschutzprojekt „German Zero“, an dem zurzeit mit Hochdruck gearbeitet wird, nimmt die Verpflichtungen Deutschlands aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 wirklich ernst.

Während den gegenwärtigen Zielen und Selbstverpflichtungen Deutschlands ein globaler Temperaturanstieg um etwa 3 °C bis 2100 entspricht – vorausgesetzt es käme nicht zum Überschreiten weiterer Kipppunkte – setzte sich German Zero das Ziel, einen Plan für den Beitrag Deutschlands zur Begrenzung der Erderhitzung um maximal 1,5 °C auszuarbeiten.

Der „1,5-Grad-Klimaplan für Deutschland“ von German Zero sieht Klimaneutralität von Deutschland bis 2035 vor. Der Plan wird als notwendig und machbar bezeichnet.

Theoretisch kann Deutschland seinen Energiebedarf mit im eigenen Land erzeugten erneuer­baren Energien decken. Ergänzend kann aber auch, so wie heute, Energie importiert werden. „Partnerschaften mit potenziellen Lieferländern sind zu schließen und die notwendi­gen Infrastrukturen zu schaffen. … Wie viele Windräder und Photovoltaikanla­gen aufgestellt werden müssen, hängt davon ab, in welchem Maße Energie eingespart wird und in wel­cher Menge klimaneutrale Kraftstoffe importiert werden.“

German Zero zeigt als vereinfachtes Beispiel für eine Aufteilung der jährlich benötigten Energie durch Erzeugung in Deutschland und durch Importe aus anderen Ländern:

(Quelle: German Zero)

Gegenwärtig ist nicht bekannt, wie viele und welche „erneuerbar erzeugten Brennstoffe“ schon 2035 in großen Mengen importiert werden können. Denn es geht dabei um den Aufbau einer auf dem Weltmarkt operierenden Wasserstoff-Wirtschaft. Biomasse könnte schon in Kürze nach Hamburg importiert werden, wie das folgende Angebot zur Nutzung von Buschholz aus Namibia in der Hamburger Fernwärme-Erzeugung zeigt.

Eine Energie-Partnerschaft zwischen Hamburg und Namibia?

In einer etwa ein Jahr alten Projektbeschreibung wird eine Partnerschaft zwischen Hamburg und Namibia für den Import von Biomasse vorgeschlagen. Zu diesem Projekt mit dem Titel „Transkontinentale Biomassepartnerschaft Namibia – Hamburg. Entwicklung eines Biomasse Industrieparks (BIP) in Namibia“ gibt es ein Dossier vom 18. April 2019, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) an der Hochschule Trier stammt.

Ein Youtube-Video „Biomass Industrial Parks – Namibia“ bietet einen Überblick über die Vorstellungen der GIZ.

Weitere allgemeine Informationen enthält ein Sonderdruck aus der Zeitschrift energie aus PflanzenBuschernte ersetzt Import von Kohle. Bioenergie in Namibia“.

Umfangreiche Informationen finden sich auch auf namibischen Internetseiten unter www.dasnamibia.org und www.n-big.org.

(Quelle: Zeitschrift energie aus pflanzen, Sonderdruck)

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21. März 2020
von Redaktion
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Sommerpause für Hamburgs Kohle-Heizkraftwerke

Erdüberhitzung als farbiger Strichcode

Mit der Verabschiedung des Hamburger Klimaschutzgesetzes im Januar 2020 und zuvor schon mit dem Hamburger Kohleausstiegsgesetz hat sich Hamburg verpflichtet, Wärmeerzeugung aus Kohle unter Beachtung des wirtschaftlich Vertretbaren möglichst weitgehend zu vermeiden. Hiervon sind die Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerke Tiefstack und Wedel betroffen, die sich vollständig im Hamburger Eigentum befinden.

Etwa zwei Drittel der Fernwärme im zentralen Hamburger Fernwärmenetz wird immer noch durch Verbrennung von Steinkohle in diesen Heizkraftwerken erzeugt: Mindestens für fünf weitere Jahre in Wedel, wahrscheinlich länger, und noch für bis zu elf Jahren in Tiefstack.

Während der drei bis vier wärmsten Sommermonate kann die Verbrennung von Kohle schon kurzfristig vermieden werden: Im Sommer wird nur vergleichsweise wenig Fernwärme für den Warmwasserbedarf benötigt. Mit dem Einsatz der Müllverbrennungsanlagen in der Borsigstraße und dem Gas- und Dampfkraftwerk Tiefstack kann während dieses Zeitraums vollständig auf Kohle-Verbrennung verzichtet werden.  Wenn die Freie und Hansestadt Hamburg das Hamburger Klimaschutzgesetz ernst nimmt, kann sie dieser Maßnahme nur ausweichen, wenn sie zeigen kann, dass das nicht im Rahmen des wirtschaftlich Vertretbaren möglich ist.

In einer umfangreichen Stellungnahme „Debatte um eine Sommerpause für Hamburgs Kohle-Heizkraftwerke“ wird gezeigt, dass viele Vorbehalte, die beim 10. Hamburger Wärmedialog am 4. Februar 2020 von Vertretern des Unternehmens Hamburg Wärme GmbH, aber auch in einem Kurzgutachten des Öko-Instituts vorgebracht wurden, nicht stichhaltig sind.

Da das Kohle-HKW Tiefstack nur etwa halb so alt ist wie das HKW Wedel kann dieses ähnlich wie das Kohle-Heizkraftwerk München Nord in den Sommermonaten seinen Betrieb einstellen. Auch eine sommerliche Konservierung des HKW Wedel ist möglich. Wenn diese als zu riskant erscheint, so kann das HKW Wedel im Sommer zumindest mit der Minimal-Leitung betrieben werden.

Nach bisherigen Schätzungen des Öko-Instituts handelt es sich wie in München um eine Maßnahme mit relativ geringen CO2-Minderungskosten. Diese Kosten für eine entsprechende Klimaschutzmaßnahme Hamburgs sollten dem Unternehmen Hamburg Wärme GmbH aus öffentlichen Geldern erstattet werden.

Der Senat sollte unverzüglich eine vertiefende Untersuchung durch ein externes Beratungsbüros in Auftrag geben, mit der möglichst bald eine unabhängige und transparente Bewertung der in der Stellungnahme beschriebenen fünf Varianten zur sommerlichen Kohlevermeidung vorgenommen werden.

26. Februar 2020
von Redaktion
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Wasserstoff-Produktion in Moorburg – gut für die Energiewende?

Am 20. Februar 2020, drei Tage vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, kündigten Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher und Wirtschaftssenator Westhagemann an, das Kohlekraftwerk Moorburg solle schneller vom Netz genommen werden: Einer der beiden 800-MW-Blöcke des erst seit 2015 laufenden Kohlekraftwerks könne auf Gas umgestellt werden. Der zweite 800-MW-Block würde vom Netz gehen, sobald der erste Block umgerüstet sei. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks Moorburg würden so auf einen Schlag halbiert, so Tschentscher nach Berichten von NDR und von SAT.1.

Tschentscher machte deutlich, dass bis zu einer Realisierung der Idee noch viele Schritte zu gehen seien. Erste Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber Vattenfall habe es aber bereits gegeben. Westhagemann möchte die Gespräche gerne fortführen. Denn Vattenfall wolle ja so schnell wie möglich aus der Kohle aussteigen. Eine Machbarkeitsstudie, so Tschentscher, sei „ein wichtiger Punkt, den wir in die Koalitionsverhandlungen einführen werden“.

Auf dem Gelände des Kraftwerks Moorburg soll eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff aus „überflüssigem“ Strom errichtet werden. „Wasserstoff hilft uns für den Klimaschutz nur weiter, wenn er mit regenerativ erzeugtem Strom hergestellt wird“, so Tschentscher in CAPITAL.

Bundesumweltministerin Schulze: „Das wäre eine Lösung, die sehr intelligent Klimaschutz und Industriepolitik zusammenbringt. Weil es geht ja hier darum, den Strom aus erneuerbarer Energie, den Strom aus dem Wind, besser zu nutzen, ihn dazu zu nutzen, auch Wasserstoff herzustellen und gleichzeitig ein Kohlekraftwerk vom Netz zu nehmen.“

Vattenfall zeigte sich in einer Pressemeldung aufgeschlossen gegenüber diesem Vorhaben und verwies ausführlich auf seine Kompetenz in Sachen Wasserstoff-Technologie.

Westhagemann hatte schon im September 2019 eine 100-MW-Anlage zur Wasserstoff-Erzeugung mit Wasser-Elektrolyse angekündigt. Der Bau dieser Anlage solle durch Fördermittel vom Bund und der EU ermöglicht werden. Es sollen ungefähr zwei Tonnen oder 22.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produziert werden. Im Januar 2020 wurden 150 Millionen Euro als Kosten für das Projekt angegeben.

Einen Investorenvertrag gab es jedoch noch nicht. Und ebensowenig einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung der Pläne.

Bild 1: Stromerzeugung in den Kraftwerken Brokdorf und Moorburg sowie Tiefstack und Wedel in TWh pro Jahr (nach Daten der Energy Charts des Fraunhofer ISE. Im Jahr 2017 stand das Kernkraftwerk Brokdorf mehrere Monate still, weil die Brennstäbe stark oxidiert waren.). Im Jahr 2020 sankl die Stromproduktion im Kraftwerk Moorburg dramatisch.

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20. Januar 2020
von Redaktion
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Der extensive Einsatz des Klimakillers Sulfurylfluorid in Hamburg wirft viele Fragen auf

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Ein Flugblatt der AG UEV der LINKEN

Erst durch eine Schriftliche Kleine Anfrage des LINKEN-Abgeordneten Stephan Jersch scheint die Hamburger Umweltbehörde (BUE) auf den sehr stark gestiegenen Einsatz des extrem klimaschädlichen Insektizids Sulfurylfluorid (SO2F2, kurz SF) aufmerksam geworden zu sein, mit dem im Hamburger Hafen, aber wohl ebenso in anderen Häfen, vor allem Holzexporte begast werden. Bei den Berechnungen der BUE zum gegenwärtig viel diskutierten neuen Hamburger Klimaplan blieb SF völlig unberücksichtigt.

Die Klimaschädlichkeit der Freisetzungen von Sulfurylfluorid wurde in den bisherigen Presse-Berichten sogar noch untertrieben. Für das Treibhausgaspotenzial (GWP) von SF ist im Zusammenhang mit den Klimazielen von Paris nicht ein Zeithorizont von 100 Jahren (GWP = 4732), sondern ein Zeithorizont von 20 Jahren anzusetzen (GWP = 6965). Bei 203,65 Tonnen SF gemäß der Bürgerschaftsdrucksache 21/19518 vom 10.1.2020 geht es im Jahr 2019 daher um 1,418 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist mehr als der Ausstoß des Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerks Tiefstack von 1,21 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2017.

Seit 2018 stieg die im Hamburger Hafen eingesetzte Menge von SF sehr stark an.

Die Umweltbehörde gab sich laut Hamburger Abendblatt überrascht. Sie monierte, die Hafen-Behörden hätte doch früher auf das Problem aufmerksam machen können. Die bisherigen Prognosen weltweit hätten eine wesentlich geringere Freisetzung von SF vermuten lassen, als es die Zahlen aus Hamburg jetzt ergeben hätten. Doch auch die Einsatzmenge von 51,20 Tonnen SF im Jahr 2018 entspricht schon 357.000 Tonnen CO2-Äquivalenten. Das ist ungefähr so viel, wie beim geplanten Ersatz des Heizkraftwerks Wedel an CO2 pro Jahr eingespart werden soll.

Die Umweltbehörde als Ganzes hat also geschlafen. Auf der Arbeitsebene wusste man möglicherweise Bescheid. Dafür spricht die Ausführlichkeit der Beantwortung der Anfrage von Jersch. Beim kürzlich vorgelegten neuen Hamburger Klimaplan wird bisher überhaupt nur CO2 berücksichtigt, nicht dagegen alle anderen klimaschädlichen Stoffe wie Sulfurylfluorid, aber auch Methan.

In der Presse wird jetzt behauptet, es gebe keinen Ersatz und die Importländer bestünden auf dem Einsatz von SF. Dabei nennen die von der Hamburger Wirtschaftsbehörde veröffentlichten  Vorschriften Australiens (Stand 31.8.2018) „für die „Behandlung von Hochrisikowaren“  „Hitzebehandlung bei 50°C für mindestens 20 Minuten (gemessen am kältesten Teil der Ware)“ noch vor der „Sulfurylfluorid-Begasung“.

Auch in der Senatsdrucksache wird auf Frage 9, ob es alternative Stoffe beziehungsweise Verfahren gebe, die den Zweck des Einsatzes von Sulfurylfluorid erfüllen, geantwortet: „Ja.“ Nämlich: „Thermische Behandlung (Wärmeentwesung): … Sämtliches nach China exportiertes Schnittholz wird wärmebehandelt.“ Warum sollte das nicht auch bei Stammholz machbar sein? Vermutlich ist für die Hafenwirtschaft der Einsatz des Klimakillers SF nur einfacher.

„Die zur Begasung eingesetzte Gasmenge wird nach der Begasung im Wesentlichen in die Atmosphäre freigesetzt, da die Substanz sich während der Begasung nicht zersetzt und das Abgas nicht gereinigt wird.“, so der Senat in der Drucksache (Frage 4).

Wenn SF überhaupt eingesetzt wird, warum wird es dann nicht nach Gebrauch durch Wasser geleitet?

Hierzu aus Fact Sheets: “In water, sulfuryl fluoride is rapidly broken down; half-lives of about 10 minutes to 3 days have been reported.” In Wasser würde es nach spätestens einigen Tagen zersetzt, im Gegensatz zur Freisetzung in die Atmosphäre, bei der das nicht geschieht.

SF ist nicht nur ein Klimakiller, sondern auch ein sehr gefährliches Gift. Dem Amt für Arbeitsschutz sind aber laut Drucksache keine Arbeitsunfälle mit SF bekannt. Es ist jedoch wirklich nicht schwer, Fallstudien zu tödlichen Vergiftungsfällen zu finden.

Deutschland verbraucht mehr Holz, als es selbst erzeugt. Dass nun auch in den zuständigen Behörden die Frage auftaucht, warum überhaupt Holz, noch dazu insektenbefallenes, in großen Mengen um den halben Erdball geschickt werden muss – ob der freie globale Handel in jedem Fall wichtiger ist als globaler Klimaschutz – das ist positiv. Man darf gespannt sein auf Ergebnisse.

Gegenwärtig wird die Schuld an diesem krassen Klimaschutz-Versagen nun hin und her geschoben. Von den Behörden zum Hafen und weiter.

Treibhausgas-Emissionen im Hamburger Hafen

Ein aktuelles, fast schon groteskes Beispiel, wie den Menschen, die einen ernsthaften Klimaschutz fordern, von den Entscheidungsträgern Sand in die Augen gestreut wird:

Auf ein Bürgerschaftliches Ersuchen hin (Drs. 21/10779 vom 8. November 2017) legte Wirtschaftssenator Westhagemann soeben einen „Nachhaltigkeitsbericht für den gesamten Hafen“ vor.

Darin ist vielfach von Treibhausgas-Emissionen (THG) die Rede. Als klimaschädigender Stoffe kommt in diesem 123 Seiten umfassenden Bericht aber nur CO2 vor – nicht Methan und auch nicht Sulfurylfluorid. Zufall oder ist dafür nur einfach niemand zuständig?

Die THG-Emissionen der Hamburg Port Authority (HPA) – sprich die CO2-Emissionen (direkte und indirekte) – liegen nach dem Nachhaltigkeitsbericht im Jahr 2018 zwar höher als im Jahr 2014, aber der Öffentlichkeit wird anderes mitgeteilt.
Die Botschaft für die Öffentlichkeit: „Hafen reduziert CO2-Ausstoß um 100.000 Tonnen“.

Wie passt das zusammen? Im Nachhaltigkeitsbericht erfährt man, dass die genannte CO2-Reduzierung „allein“ durch Maßnahmen der Teilnehmenden an einer „Projektgruppe“ erbracht wurde. Diese hat auch irgend etwas mit dem Hafen zu tun. Dazu gehören außer der Hamburg Port Authority, der Industrieverband Hamburg, die Logistik-Initiative Hamburg, der Verein Hamburger Spediteure, der Zentralverband Deutscher Schiffsmakler, der DGB  Hamburg, die Umwelt- und die Wirtschaftsbehörde und so weiter.

Leider weiß der Nachhaltigkeitsbericht noch nicht genau, wieviele Tonnen CO2 diese „Projektgruppe“ eingespart hat:
„Im Berichtszeitraum konnten allein durch Maßnahmen der Teilnehmenden der Projektgruppe circa 100.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die CO2-Emissionen, die ihren Ursprung im Hamburger Hafen haben, können aktuell noch nicht verlässlich ermittelt werden. Die Projektgruppe regt an, dass diese Daten in Zukunft validiert erfasst und auf einer transparent zugänglichen Plattform verfügbar gemacht werden.“

100.000 Tonnen CO2 – ist das nun viel oder wenig? „Die Hamburger Industrie hat von allen Sektoren bislang die mit Abstand geringste Einsparung an CO2-Emissionen geleistet.“ so der BUND Hamburg am 15. Mai 2019.

25. November 2019
von Redaktion
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Sommerpause für Kohlestrom aus Wedel und Tiefstack!

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Die Fraktion der LINKEN in der Hamburger Bürgerschaft beantragte am 23. Oktober 2019, das Kohleheizkraftwerk Wedel und den mit Steinkohle betriebenen Block in Tiefstack ab sofort außerhalb der für die Wärmeerzeugung notwendigen Heizperiode außer Betrieb zu nehmen (Drucksache 21/18777). Dieser Antrag wurde am 6. November 2019  in der Hamburger Bürgerschaft diskutiert.

Außerhalb der Heizperiode wird die für das Hamburger Fernwärmesystem notwendige Wärmemenge allein durch die Müllverbrennungsanlage Borsigstraße bereitgestellt. Die Kohle-Kraftwerke in Wedel und Tiefstack werden dafür nicht gebraucht. Auch nicht die Erdgas-Heizwerke und -Heizkraftwerke, die zum Fernwärmesystem gehören.

Dennoch verbrennen – abgesehen von einer etwa vierwöchigen Revisionspause – diese Kohlekraftwerke auch im Sommer fleißig Steinkohle, um den in Tiefstack und in Wedel mit einem schlechten Wirkungsgrad von nur 32 % (!) gewonnenen Strom zu vermarkten . Das folgende Bild zeigt die tägliche Stromerzeugung im Jahr 2018, aufgeschlüsselt nach Kohlekraftwerken in Hamburg.

Tägliche Stromerzeugung der Kohleblöcke Tiefstack 2 (hellgrün), Wedel 1 (hellblau) und Wedel 2 (dunkelblau) im Jahr 2018 (mit Daten von Fraunhofer ISE)

Der Rat der Stadt Wedel hatte schon am 1. Juli 2017 einstimmig beschlossen: „Der Rat der Stadt Wedel fordert die Freie und Hansestadt Hamburg dazu auf, das Heizkraftwerk Wedel nur noch in der Heizperiode zu nutzen und nicht – so wie aktuell – ganzjährig zur Stromerzeugung.“

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6. Juni 2019
von Redaktion
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Die Hamburger Umweltbehörde will bei der Bilanzierung von CO2-Emissionen weiter schummeln

Die Hamburger Umweltbehörde (BUE) tut sich ersichtlich schwer damit, zu erklären, warum beim Ersatz des Kohle-Heizkraftwerks Wedel die von ihr favorisierte „Südvariante“ besser sein soll als eine „Nordvariante“ im Stellinger Moor, die Alternative ohne den teuren und langwierigen Bau einer Elbtrasse. Die Südvariante ist wesentlich teurer, weil für die Elbtrasse mindestens 140 Mio. € aufzubringen sind. Daher will die BUE wenigstens mit der Behauptung punkten, durch diese Trasse würden umfangreiche erneuerbare Wärmequellen erschlossen. Zu diesem Zweck erklärt sie, Fernwärme aus der Müllverbrennung sei praktisch CO2-frei.

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5. Mai 2019
von Redaktion
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Gegen den Import von verflüssigtem Fracking-Erdgas nach Deutschland

Antrag des HET im Energienetzbeirat am 18. April 2019

Mit einem Antrag, der im Energienetzbeirat am 18. April 2019 beraten wurde, wurde Umwelt-Senator Jens Kerstan gebeten, sich unter Ausschöpfung aller bestehenden Möglichkeiten gegen den geplanten Import von flüssigem Erdgas (LNG) aus Fracking-Quellen in die Bundesrepublik Deutschland einzusetzen. Insbesondere sollten die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums verhindert werden, die Kosten für die Anschlussleitungen zu den Terminals von den Gas-Verbrauchern tragen zu lassen. Weiterlesen →