Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

Aktuelles

Klimademo am Freitag, den 15.3.2019

16 h Kundgebung Gänsemarkt

Demo ab 17 h über Jungfernstieg Steinstr. und Mönckebergstr. zum Rathausmarkt (Ankunft etwa 18:15 h)

Zubringer Demos zum Gänsemarkt vom Pferdemarkt 15 h, vom Uni Campus (Allende Platz, am Abaton Kino) 15 h, sowie zwei Fahrraddemos:

von Wandsbek Markt, Abfahrt 14:30 h, und vom Altonaer Balkon (Elbe Aussichtspunkt südlich vom Bahnhof Altona und Rathaus Altona) ab 14 h

Aufruf des Bündnisses hier

Zum Bündnis gehören CampusGrün Hamburg      Ende Gelände Hamburg  

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 ⇒ Chronik der Diskussion um den Rückkauf des Fernwärmesystems

 ⇒ Mahnwache für den Rückkauf vor der Hamburger SPD-Zentrale am 5. Oktober 2018

 ⇒ Menschenkette für den Rückkauf der Fernwärme am 21. September 2018

 Bilder von der Menschenkette am 21. September 2018 für den Rückkauf der Fernwärme

 ⇒ Kosten-Nutzen-Analyse für den Rückkauf des Fernwärmesystems


Die Hamburger Umweltbehörde will bei der Bilanzierung von CO2-Emissionen weiter schummeln

Die Hamburger Umweltbehörde (BUE) tut sich ersichtlich schwer damit, zu erklären, warum beim Ersatz des Kohle-Heizkraftwerks Wedel die von ihr favorisierte „Südvariante“ besser sein soll als die Alternative, eine „Nordvariante“ im Stellinger Moor, die keine Elbtrasse benötigt. Die Südvariante ist wesentlich teurer, weil für die Elbtrasse mindestens 140 Mio. € aufzubringen sind. Daher will die BUE wenigstens mit der Behauptung punkten, durch diese Trasse würden umfangreiche erneuerbare Wärmequellen erschlossen. Zu diesem Zweck erklärt sie, Fernwärme aus der Müllverbrennung sei praktisch CO2-frei.

Sie beruft sich dabei auf Argumente der Lobby-Organisation „Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK“ (AGFW), die versichert, der Brennstoff Müll sei CO2-frei, weil die bei der Verbrennung von Müll freigesetzten CO2-Emissionen „vorgelagerten Wertschöpfungsstufen“ zuzuschlagen seien.

In einer Schriftlichen Kleinen Anfrage der LINKEN wurde der BUE nun vorgehalten, sie verstoße gegen die klaren Feststellungen eines Grundlagenpapiers des arrhenius-Instituts, das die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt im Jahr 2011 selbst in Auftrag gegeben hatte.

In diesem Papier wird festgestellt, in jedem Fall sei die einmal gewählte Bilanzierungsmethode konsequent zu verwenden. Verschiedene Bilanzierungsmethoden dürften nicht miteinander vermischt werden. Die BUE aber tut genau das. Sie vermischt Bilanzierungsmethoden, indem sie Wärme aus der Müllverbrennung anders behandelt als beispielsweise Wärme aus Erdgas- oder Biomasse-Heizkraftwerken.

Die Antwort der Umweltbehörde auf die Schriftliche Kleine Anfrage klingt ziemlich hilflos: „Grundsätzlich sollte ein gewählter Bilanzierungsansatz beibehalten werden. Der Senat behält sich vor, entsprechend den Anforderungen auch andere Methoden anzuwenden.“

Für die Entscheidung über den Rückkauf des Hamburger Fernwärmesystems hatte die Umweltbehörde CO2-Bilanzen mit CO2-freier Müllwärme vorgelegt und damit Senat und Bürgerschaft falsch unterrichtet.

Die Schriftliche Kleine Anfrage erkundigt sich nach einer Korrektur dieser falschen Unterrichtung. Dazu ist die Umweltbehörde offenbar nicht bereit.

Die Hamburger Umweltbehörde untergräbt damit immer weiter ihre Glaubwürdigkeit.


Der Hamburger Energienetzbeirat stimmt Anträgen des HET zugunsten der Nordvariante zu – eines Ersatzes des HKW Wedel  im Stellinger Moor

Der Hamburger Energienetzbeirat (ENB) hat auf seiner Sitzung am 29. November 2018 einem Antrag des Hamburger Energietischs (HET) zugestimmt, in dem ein ergebnisoffener Vergleich der Südvariante mit Elbtrasse und der Nordvariante im Stellinger Moor ohne Elbtrasse gefordert wird. Der Vertreter der Umweltbehörde teilte mit, die Umweltbehörde werde dieser Empfehlung des ENB nicht folgen, solange nicht zusätzliche Potenziale für erneuerbare Wärme in der Nordvariante aufgezeigt würden. In der gleichen Sitzung des ENB erläuterte Dr. Beckereit, dass der Anteil der erneuerbaren Wärme in der von der BUE geplanten Südvariante aus Kostengründen weiter reduziert worden sei, indem die Leistung der in Dradenau geplanten Abwasserwärmepumpe von 80 MW auf 25 MW verringert wurde.

Daneben beschloss der ENB mit großer Mehrheit einen Antrag des HET zur Bildung einer Arbeitsgruppe des Energienetzbeirats, in der eine ausführliche Diskussion und Bewertung der Ersatzlösungen für das alte Heizkraftwerk Wedel vorgenommen werden soll (Thema „Ausgestaltung der Ersatzlösung für das HKW Wedel“).

Diese Arbeitsgruppe des ENB hat nach zwei Sitzungen dem ENB am 24.1.2019 einen Zwischenbericht vorgelegt. Das Abendblatt berichtete am 5.2.2019 über die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppe.

Der Satz „Kritiker: Umweltsenator Kerstan rechnet sich CO2-Belastung aus Müllverbrennung schön.“ bezieht sich darauf, dass von der Umweltbehörde die CO2-Belastung durch die Müllverbrennung falsch bilanziert wird. Obwohl die von der Müllverbrennung verursachte CO2-Belastung ziemlich hoch ist, will die Umweltbehörde sie mit unseriösen Begründungen ignorieren, um damit die von ihr favorisierte „Südvariante“ schönzurechnen.

Auch der Umweltverband BUND sieht Probleme: „Die CO2-Bilanzierung in Bezug auf die Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm sehen wir durchaus kritisch, sie muss noch einmal überprüft werden“, so BUND-Chef Manfred Braasch.


Zum 5. Jahrestag des Hamburger Volksentscheids zum Rückkauf der Energienetze fand am 26. September 2018 eine Informations- und Diskussions-Veranstaltung in der GLS-Bank statt. 

Dr. Martin Pehnt vom ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hielt den Hauptvortrag zum Thema: „Wärmewende in Hamburg:    Fünf Thesen und fünf Bausteine für eine erneuerbare und effiziente Fernwärmeversorgung“.

Weitere Beiträge zur Veranstaltung:
•  Christian Heine, Geschäftsführer von Stromnetz Hamburg und Gasnetz Hamburg:   5 Jahre Volksentscheid – Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes in Hamburg – Erfolge und Herausforderungen
•  Matthias Ederhof, Vorstand der Energienetz Hamburg eG:   5 Jahre Volksentscheid – Stand der Dinge
•  Gilbert Siegler, Sprecher des HET:   Weiterentwicklung der Fernwärme fünf Jahre nach dem Volksentscheid

Zum 3. Jahrestag des Hamburger Volksentscheids zum Rückkauf der Energienetze fand am 6. Oktober 2016 eine Informations- und Diskussions-Veranstaltung in der GLS-Bank statt.

Dr. Joachim Nitsch hielt den Hauptvortrag zum Thema: „Drei Jahre nach dem Volksentscheid Energienetze in Hamburg: Wo steht die Energiewende in Hamburg? Zwischenbilanz und Ausblick“.

Zum 1. Jahrestag des Hamburger Volksentscheids zum Rückkauf der Energienetze fand am 15. September 2014 eine Informations- und Diskussions-Veranstaltung statt.

Dr. Stephan Richter, GEF Ingenieur AG, referierte über: „Perspektiven für die Fernwärme in Hamburg   effizient – bezahlbar – klimaverträglich“.


Menschenkette von Vattenfall zum Rathaus für den Rückkauf des Fernwärmenetzes am Freitag, dem 21. September 2018, 16 Uhr

Persönlichkeiten aus Hamburger Energiewendekreisen hatten am 28. August 2108 zur Teilnahme an einer Menschenkette für den Rückkauf des Hamburger Fernwärmesystems aufgerufen. Hier eine Kurzfassung des Aufrufs.

Plakat zur Menschenkette am 21.9.2018

Worum ging es?

Spätestens bis zum 30. November 2018 müssen Senat und Bürgerschaft entscheiden, ob das große Hamburger Fernwärmesystem, das noch zu 74,9 % Vattenfall gehört, von Hamburg zurückgekauft wird oder ob Hamburg endgültig auf die Verfügung über das Fernwärmenetz verzichtet.

Der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ vom 22.9.2013 schreibt den Rückkauf zwingend vor, sofern er „zulässig“ ist. Wenn Senat und Bürgerschaft sich dennoch gegen den Rückkauf entscheiden würden, würde das Fernwärmenetz auf immer im Privatbesitz bleiben. So wurde es von Olaf Scholz und Vattenfall im Frühjahr 2012 vertraglich festgeschrieben. In diesem Vertrag wurde ein Mindestkaufpreis von 950 Mio. € vereinbart.

Nachdem Wirtschaftsprüfer Anfang Mai auf der Basis der geheim gehaltenen Geschäftspläne von Vattenfall einen Unternehmenswert der Fernwärme-Gesellschaft VWH einschließlich der Unternehmenseinheit Wedel von 645 Mio. € errechnet hatten, wurde der Hamburger Bevölkerung von den meisten Medien suggeriert, die Landeshaushaltsordnung (LHO) verbiete den Rückkauf des Fernwärmesystems. Da der Mindestkaufpreis um 305 Mio. € höher liege als der für Vattenfall errechnete Unternehmenswert dürfe Senat und Bürgerschaft nicht dem Volksentscheid folgen.

Diese Behauptung ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Von BUND, Zukunftsrat, Wärmedialog und HET wurde darauf frühzeitig öffentlich hingewiesen. Die weit verbreiteten Medien ignorierten jedoch diese Richtigstellungen. Erst als Umweltsenator Kerstan seit Anfang August in mehreren Interviews klarstellte, was wirklich in der Landeshaushaltsordnung steht, berichteten diese Medien auch hierüber. Die Gegner des Rückkaufs bei CDU und FDP kamen allerdings mit ihren entstellenden Behauptungen nach wie vor prominent zu Wort. Vattenfall überflutete Hamburg mit Werbeplakaten auf denen ein Ausstieg aus fossilen Energiequellen „innerhalb einer Generation“ versprochen wurde. Länger kann das Steinkohle-Kraftwerk Moorburg aber ohnehin nicht betrieben werden!

Die Landeshaushaltsordnung (LHO) sieht nach § 7 (2) für Maßnahmen von erheblicher finanzieller Bedeutung Kosten-Nutzen-Analysen vor. Nach 2.2.4 der Verwaltungsvorschrift zu § 7 sind „gesellschaftliche Wirkungen“ einzubeziehen. Eine volkswirtschaftliche Betrachtung ist durchzuführen, nicht nur eine betriebswirtschaftliche. Ein vom BUND Hamburg, der EnergieNetz Hamburg eG und der gemeinnützigen Stiftung GLS Treuhand am 17. August 2018 vorgestelltes Rechtsgutachten von Rödl&Partner bestätigte in überzeugender Weise, dass der Rückkauf „zulässig“ ist und Hamburg den Netze-Volksentscheid voll und ganz vollziehen kann.

Am 21.9.2018 am Rathaus von der Menschenkette überreichte Fernwärme-Konzession

Hinzu kommt, dass Hamburg beim Rückkauf auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht gar nicht 305 Mio. € „zu viel“ bezahlen würde, sondern lediglich 142 Mio. €. Senator Kerstan hat sehr deutlich gemacht, dass der Rückkauf des Fernwärmesystems wegen zahlreicher Vorteile für Hamburg sogar ein gutes Geschäft werden kann. Ein Gutachten des Beratungsunternehmens LBD in Zusammenarbeit mit der Hamburger Vermögensverwaltung HGV bestätigte Anfang Oktober diese Einschätzung.

Die SPD hielt sich in der Rückkauffrage allerdings sehr zurück. Führende Politiker der Hamburger SPD überlegten sogar eine Verschiebung des vollständigen Rückkaufs bis 2028, obwohl sie früher den Rückkauf fest versprochen hatten.

Umso wichtiger war es, dass nicht nur mit Gutachten, Gremien-Empfehlungen und Presseerklärungen zur Einhaltung des Volksentscheids aufgerufen wurde, sondern dass die Mitglieder von Bürgerschaft und Senat, die sich für den Rückkauf einsetzten, auch durch öffentliche Aktionen unterstützt wurden. Daher waren alle Hamburgerinnen und Hamburger zur Teilnahme an einer Menschenkette am 21. September 2018 aufgerufen.

Bei dieser wurden der Bürgerschaft im Rathaus in einer symbolischen Kunstaktion Geschäftsgeheimisse von Vattenfall und eine Fernwärmekonzession vom Vattenfall-Kundenzentrum aus überbracht. Am 21. September 2018 baten die drei Vertrauenspersonen des Netze-Volksentscheids, Manfred Braasch, Theo Christiansen und Günter Hörmann die SPD-Landeschefin Melanie Leonhard und den SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf in einem Offenen Brief eindringlich, jetzt Wort zu halten und den Volksentscheid konsequent umzusetzen. Sie wiesen dabei darauf hin, „dass der 2014 zwischen dem SPD‐Senat und dem Energiekonzern Vattenfall vereinbarte Mindestkaufpreis der Vermeidung eines langwierigen Rechtsstreits um den Rückkauf der Energienetze geschuldet war.“

Am 24. September 2018 wurde eine repräsentative Umfrage bekannt, nach der eine große Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger dem Rückkauf des Fernwärmenetzes zustimmt. Hier ein Bericht der mopo und hier mehr.

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Bilder von der Menschenkette

      

           

Der Sprecher des HET, Gilbert Siegler, überreicht der Bürgerschaftskanzlei eine Konzessions-Urkunde für das Fernwärmesystem

Black Box mit Geschäftsgeheimnissen von Vattenfall (Gestaltung und Foto Axel Richter)

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Am Samstag, dem 30. Juni 2018, veranstaltete das Bündnis „Moorburgtrasse 2.0 Stoppen“ eine zweite öffentliche Begehung eines Teils der geplanten Fernwärmeleitung (dieses Mal des nördlichen Abschnitts).

Mehr dazu in unserer Pressemitteilung
Mehr zum „Trassenmonster“  (auf der Webseite der Bürgerinitiative „Keine Moorburgtrasse!“) und auf den Seiten von Robin Wood

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Fragen, Antworten und aktuelle Infos zur Moorburgtrasse 2.0

Es ist nicht mehr zu leugnen, dass die von der Behörde für Umwelt und Energie und von Vattenfall gemeinsam beschlossene Fernwärmetrasse mit Elbquerung einen zweiten Anlauf für eine Moorburgtrasse bedeutet – zumindest für Vattenfall. Warum ignoriert die Behörde die Einwände von Umweltverbänden und weiteren Nichtregierungsorganisationen? Warum will der Senat unbedingt diese teure Lösung? Warum prüft die Behörde die bessere Alternative nur unzureichend?

Antworten finden Sie in unserer Unterseite zur Moorburgtrasse

Am 15. Dezember 2017 wurde bekannt, dass Vattenfall so lange nur klimaschädliche Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg in das Hamburger Fernwärmenetz liefern will, bis das Kohle-Heizkraftwerk Moorburg stillgelegt wird – 2030, 2035, 2040 oder später. Dass auch verantwortliche Hamburger Politiker sich für die sog. „Südvariante“ mit einer neuen die Elbe unterquerenden Trasse Richtung Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm und HKW Moorburg einsetzen und nicht für die in vieler Hinsicht überlegene „NRO-Nordvariante“ ohne Moorburgtrasse 2.0, ist angesichts der zahlreichen offensichtlichen Nachteile dieser „Südvariante“ für Hamburg nicht zu akzeptieren.

Der Faktencheck und die Pros und Contras zu den diskutierten Varianten finden Sie ebenfalls in unserer Unterseite zur Moorburgtrasse