Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

Vattenfall will den Import von Fracking-Erdgas aus den USA „veredeln“

Ein Firmenkonsortium aus ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall will im Industriepark Brunsbüttel mit „HySynGas“ das weltweit erste industrielle Großprojekt zur Herstellung synthetischer Gase aufbauen.

Eigentlich gut, denkt man. Zunächst sollte es sicher um den Einsatz von Wasserstoff gehen, der mit Windstrom hergestellt wird. Die Erzeugung von synthetischem Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas, ist aufwändiger, verlustreicher und gegenwärtig bei weitem nicht wirtschaftlich.

Beim Weiterlesen der Pressemeldung von Vattenfall fängt man an zu staunen über die Unverfrorenheit dieses Vorhabens, das im Projekt der „Norddeutschen Energiewende“ NEW 4.0 eingebundenen ist und das sich als Reallabor um hohe finanzielle Unterstützung bewerben will (SNG = synthetisches Erdgas):

„Während der Wasserstoff in der Region genutzt werden soll, wollen wir das SNG in das deutsche Erdgasnetz einspeisen und somit bilanziell in ganz Deutschland zur Verfügung stellen. Mit einem möglichen künftigen LNG-Terminal in Brunsbüttel ergibt sich perspektivisch die Möglichkeit, das angelandete Erdgas klimaschonend zu veredeln, also mit grünem synthetischem Gas aus Schleswig-Holstein zu vermengen und so einen Beitrag zur Dekarbonisierung des gesamten Erdgassystems zu leisten.“

Ein LNG-Tankwagen wird in Brunsbüttel betankt (Bild von Cvoelker, CC BY-SA 4.0)

Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH: „Die aktuellen gesetzgeberischen Rahmenbedingungen erlauben derzeit jedoch keinen wirtschaftlichen Betrieb. Die Projektpartner ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall bewerben sich daher auf ein Reallabor des Bundeswirtschaftsministeriums.“

Darum geht es: Steuernachlässe und Subventionen, letztlich auch zur „Veredelung“ von Trumps Fracking-Erdgas, das wegen seiner hohen Freisetzungen des starken Klimagifts Methan nicht nur extrem klimaschädlich ist, mit dessen Förderung außerdem in den USA die Umwelt ruiniert wird und das zudem viel teurer ist als konventionell gefördertes Erdgas.

Ein „Beitrag zur Dekarbonsierung des gesamten Erdgassystems“ also? Es ist kaum zu fassen, für wie dumm diese Herren ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger halten. Man glaubt, sie verstehen nicht, dass es hier nur um ein Feigenblatt für die Überschwemmung des deutschen Erdgasnetzes mit Fracking-Erdgas geht.

Das Bundeswirtschaftsministerium versucht mit Hochdruck, LNG-Terminals zum Import von Fracking-Erdgas aus den USA durchzusetzen, weil damit die von US-Präsident Trump angedrohten Handelssanktionen gegen den Export von Pkw aufgeschoben werden. Per Verordnung sollen daher Erdgasleitungen bis zu den geplanten Terminals in Brunsbüttel und an anderen Standorten durchgesetzt werden. Die Kosten dafür sollen auf die Gaskunden umgelegt werden. Das BMWi wird daher ein offenes Ohr für das Greenwashing von Vattenfall und Partnern haben.

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