Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

Aktueller Stand des Ersatzes des Heizkraftwerks Wedel

  1. Im Oktober 2018 wurden 120 Mio. Euro als Investitionskosten für die Elbtrasse angegeben.[1] Jetzt sind es Gesamtkosten zwischen 120 bis 180 Mio. Euro noch ohne die zugehörigen Betriebs- und Wartungskosten.[2] [3] Darin sind sogar schon Fördermittel aus dem KWK-Gesetz enthalten.[4] Zur Erhöhung der Kosten haben eine Verlängerung des Elbtunnels und der Kostenanstieg des vergangenen Jahres beigetragen.[5]

Faktisch ist daher mit mindestens 200 Mio. für die Elbtrasse und die Verbindungstrassen zu den einzelnen Wärmequellen zu rechnen.

  1. Als Bauzeit für die Elbtrasse vom Leitungsanschluss in Bahrenfeld nach Dradenau werden 2 ¼ Jahre geplant. Würde diese Bauzeit eingehalten, könnte das sicher als beispielloser Rekord gelten. [6] Immerhin handelt es sich um einen begehbaren Tunnel tief unter der Elbe, begrenzt durch zwei riesige, schwierig zu erstellende Schachtbauwerke.

Wie schon von einer Arbeitsgruppe des Energienetzbeirats [7] eingeschätzt, gilt die Elbtrasse als „Bottleneck“ in der Zeitplanung.[8] Zum Ausgleich soll wohl die unrealistisch kurze Bauzeitplanung dienen. Außerdem wurde ein „entsprechendes Risikomanagement“ eingeführt.[9]

Wenn entweder die Elbtrasse oder die Gas-KWK-Anlage oder beide bis Ende 2025 nicht vom Probebetrieb in den Dauerbetrieb übergehen, dann würden 190 Mio. Euro an KWK-Förderung verloren gehen, mit denen Hamburg bei der Begründung für den Rückkauf der Fernwärmesystems fest gerechnet hatte.

Man tröstet man sich mit der Hypothese einer Verlängerung der KWK-Förderung von 2025 auf 2030, wohl wissend, dass die vergangene Verlängerung von 2022 auf 2025 nur mit größter Mühe zustande kam und eine weitere Verlängerung  für die Umstellung von Kohle auf Gas so gut wie ausgeschlossen ist.[10]

  1. Der hohe Finanzeinsatz von ca. 400 Mio. Euro (200 Mio. für Elbtrasse, 190 Mio. bei Verlust der KWK-Förderung) soll mit der Erschließung großer Mengen an erneuerbarer Wärme südlich der Elbe gerechtfertigt werden. Tatsächlich soll nun aber südlich der Elbe sehr viel fossiles Erdgas eingesetzt werden.

Nur mit extremen Bilanzierungstricks kommen die Planer der Umweltbehörde (BUE) zu einem mäßigen Anteil an erneuerbarer Wärme: Wärme aus Müllverbrennung wird als „klimaneutral“ deklariert.[11] Begründung: Die  unbestreitbaren CO2-Emissionen der Müllverbrennung würden mit oder ohne Fernwärmeauskopplung entstehen.[12] Die CO2-Emissionen will man der Müll-Entsorgung zurechnen, obwohl sie bei der Verbrennung freigesetzt werden. Leider weiß das Klima von diesen sehr bemühten Unterscheidungen nichts.

  1. Die Nordvariante im Stellinger Moor, die von der Arbeitsgruppe des Energienetzbeirats im April 2019 befürwortet wurde, ist angeblich mit ihrem höheren Anteil an erneuerbarer Wärme nicht „konkurrenzfähig“ zur Südvariante.[13] Bei einem Verzicht auf die hohe Zusatzkosten der Elbtrasse wäre aber etwas teurere echte erneuerbare Wärme leicht finanzierbar.
  2. Der hoch gelobte Aquiferspeicher in Dradenau, der weltweites Aufsehen erregen sollte, wird wohl still und leise beerdigt.[14]

[1] Drs. 21/14636, 16.10.2018, Umsetzung des Volksentscheids über die Hamburger Strom-, Gas- und Fernwärmeleitungsnetze

[2] Diese werden als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse deklariert. Frage 38

[3] Frage 35

[4] Frage 35

[5] Frage 36 und 37

[6] Frage 43

[7] Bericht der Arbeitsgruppe:

[8] Frage 33

[9] Frage 33.

[10] Frage 6

[11] Vorspann, Frage 12

[12] Frage 30

[13] Frage 33

[14] Antwort zu den Fragen 19 bis 23

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