Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

AURUBIS – Umweltpreis mit dunklen Flecken

Eine Fernwärmeleitung vom Hamburger Kupfer-Unternehmen Aurubis zur östlichen Hafencity ging Ende Oktober 2018 in Betrieb.

Diese Fernwärmeleitung und Aurubis haben kürzlich auf recht unterschiedliche Arten auf sich aufmerksam gemacht:

  1. Aurubis erhielt eine Auszeichnung für die Nutzung eines Teils seiner Abwärme und
  2. Aurubis steht seit längerem in der Kritik, weil das Unternehmen Kupferkonzentrat aus Peru bezieht, wo die Regierung Proteste der Bevölkerung gegen schädliche Transporte mit der Verhängung des Ausnahmezustands unterdrückt.

  1. Die Abwärme von AURUBIS

Unter den fünf Preisträgern der German Renewable Awards ist das Kupfer-Unternehmen Aurubis. Ab Ende Oktober 2018 werden mit einem Teil der verfügbaren Abwärme von Aurubis bis zu 12.000 Haushalte in der östlichen Hafencity beheizt.

Auf der Homepage der German Renewable Awards wird die Preisverleihung so begründet:

Kategorie „Projekt des Jahres“

„Einen entscheidenden Beitrag zur Hamburger Wärmewende“ leiste das Sieger-Projekt der Aurubis AG in der Rubrik „Projekt des Jahres“, so die Jury des German Renewables Awards. Der Hamburger Kupferproduzent stellte die Kupferproduktion so um, dass ab Ende 2018 60 MW Abwärmeleistung genutzt wird um die HafenCity Ost zu versorgen. Auf diese Art werden mehr als 20.000 t CO2 pro Jahr vermieden.

Das ist zwar nicht korrekt. Denn ab Ende 2018 sollen nur 20 MW von den möglichen 60 MW abgegeben werden und davon wird vorläufig auch nur recht wenig genutzt, da die zu beheizenden Gebäude erst im Lauf der nächsten Jahre entstehen. Aber um solche Kleinigkeiten kann sich ein Preisverleiher natürlich nicht kümmern.

Nicht ganz vergessen sollte man dabei, dass Aurubis sehr viel Strom vom Kohlekraftwerk Moorburg bezieht, weil das Unternehmen unter Führung von Werner Marnette, dem späteren Wirtschaftsminister der CDU-Landesregierung von Schleswig-Holstein, im Jahr 2007 eine „virtuelle Scheibe“ in Höhe von 115 MW an diesem Kraftwerk erworben hat und jetzt nicht mehr davon loszukommen scheint. Es ist zu hoffen, dass die zukünftigen Preisanstiege des Stroms aus Moorburg sich nicht im Preis der Abwärme wiederfinden werden. Nach Wikipedia hat Aurubis einen langfristigen Liefervertrag mit Vattenfall geschlossen, dessen Preisstellung sich an den Erzeugungskosten des entsprechenden Kraftwerks orientiert und demzufolge Aurubis von Vattenfall bis 2040 pro Jahr eine Milliarde Kilowattstunden Strom beziehen wird.

  1. Unzumutbare Belastung der Bevölkerung Perus durch die Kupferminen

Der Kupferproduzent Aurubis ist einer der Abnehmer des Kupferkonzentrats von Minen in Peru. Der Abtransport des Kupferkonzentrats aus der größten Kupfermine mit rund 300 Lkw-Ladungen pro Tag über teils lehmige und staubige Straßen ist wegen Erschütterungen, Staub und Lärm und wegen des Sinkens der Agrarerträge eine unzumutbare Belastung für die lokale Bevölkerung . Gegen Proteste der Bevölkerung verhängte die Nationalregierung in Lima im Januar 2018 den Ausnahmezustand über die gesamte 482 km lange Kupfertrasse.

„Das deutsche Unternehmen profitiert davon, dass die Regierung in Lima alles tut, um die Kupferexporte nicht zu gefährden.“ schrieb die taz am 21. September 2018. In diesem Bericht wird bezweifelt, ob Aurubis sich ernsthaft darum bemüht, die Situation in Peru zu verbessern.

Die Zeitung Neues Deutschland hatte bereits am 25.1.2017 auf diese Probleme hingewiesen und darauf, dass sich Aurubis durchaus Gedanken darüber mache, woher das Kupfererz komme, das in Hamburg und in Bulgarien verarbeitet werde. Hierzu ein Policy Paper vom Januar 2017.


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