Der Hamburger Energietisch

Für die Energiewende in Hamburg

26. Februar 2020
von Redaktion
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Wasserstoff-Produktion in Moorburg – gut für die Energiewende?

Am 20. Februar 2020, drei Tage vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg, kündigten Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher und Wirtschaftssenator Westhagemann an, das Kohlekraftwerk Moorburg solle schneller vom Netz genommen werden: Einer der beiden 800-MW-Blöcke des erst seit 2015 laufenden Kohlekraftwerks könne auf Gas umgestellt werden. Der zweite 800-MW-Block würde vom Netz gehen, sobald der erste Block umgerüstet sei. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks Moorburg würden so auf einen Schlag halbiert, so Tschentscher nach Berichten von NDR und von SAT.1.

Tschentscher machte deutlich, dass bis zu einer Realisierung der Idee noch viele Schritte zu gehen seien. Erste Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber Vattenfall habe es aber bereits gegeben. Westhagemann möchte die Gespräche gerne fortführen. Denn Vattenfall wolle ja so schnell wie möglich aus der Kohle aussteigen. Eine Machbarkeitsstudie, so Tschentscher, sei „ein wichtiger Punkt, den wir in die Koalitionsverhandlungen einführen werden“.

Auf dem Gelände des Kraftwerks Moorburg soll eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff aus „überflüssigem“ Strom errichtet werden. „Wasserstoff hilft uns für den Klimaschutz nur weiter, wenn er mit regenerativ erzeugtem Strom hergestellt wird“, so Tschentscher in CAPITAL.

Bundesumweltministerin Schulze: „Das wäre eine Lösung, die sehr intelligent Klimaschutz und Industriepolitik zusammenbringt. Weil es geht ja hier darum, den Strom aus erneuerbarer Energie, den Strom aus dem Wind, besser zu nutzen, ihn dazu zu nutzen, auch Wasserstoff herzustellen und gleichzeitig ein Kohlekraftwerk vom Netz zu nehmen.“

Vattenfall zeigte sich in einer Pressemeldung aufgeschlossen gegenüber diesem Vorhaben und verwies ausführlich auf seine Kompetenz in Sachen Wasserstoff-Technologie.

Westhagemann hatte schon im September 2019 eine 100-MW-Anlage zur Wasserstoff-Erzeugung mit Wasser-Elektrolyse angekündigt. Der Bau dieser Anlage solle durch Fördermittel vom Bund und der EU ermöglicht werden. Es sollen ungefähr zwei Tonnen oder 22.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produziert werden. Im Januar 2020 wurden 150 Millionen Euro als Kosten für das Projekt angegeben.

Einen Investorenvertrag gab es jedoch noch nicht. Und ebensowenig einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung der Pläne.

Bild 1: Stromerzeugung in den Kraftwerken Brokdorf und Moorburg sowie Tiefstack und Wedel in TWh pro Jahr (nach Daten der Energy Charts des Fraunhofer ISE. Im Jahr 2017 stand das Kernkraftwerk Brokdorf mehrere Monate still, weil die Brennstäbe stark oxidiert waren.). Im Jahr 2020 sankl die Stromproduktion im Kraftwerk Moorburg dramatisch.

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21. Februar 2020
von Redaktion
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Was plant Vattenfall für sein Steinkohle-Kraftwerk Moorburg?

Drei Tage vor der Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020 und einen Tag vor der großen Demonstration von Fridays for Future in Hamburg überraschte der Erste Bürgermeister Tschentscher mit einem Plan für einen schnelleren Ausstieg des Kraftwerks Moorburg aus der Kohle.

(NDR-Video und SAT.1-Video von einer Pressekonferenz am 20.2.2020.)

Westhagemann, Schulze und Tschentscher bei einer Pressekonferenz am 20.2.2020

Bürgermeister Tschentscher: „Unser Wirtschaftssenator hat in den letzten Monaten an einer Idee gearbeitet, die dazu führen kann, dass wir Moorburg sehr viel schneller als Kohlekraftwerk vom Netz nehmen, um an dieser Stelle etwas sehr Innovatives zu tun, nämlich eine Wasserstoff-Produktionsanlage mit grünem Strom zu errichten.“

Ein Kohle-Block des Kraftwerks Moorburg mit einer elektrischen Leistung von 800 MW soll stillgelegt, der andere mit ebenfalls 800 MW auf Gas umgerüstet werden. „Wir wollen mit dem Betreiber Vattenfall darüber sprechen, in Moorburg so bald wie möglich aus der Kohle auszusteigen“, sagte Tschentscher. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks Moorburg würden so auf einen Schlag halbiert, so Tschentscher dem NDR zufolge.

Nach einem Bericht der Harburger SPD ließ Tschentcher offen, ob das neue Kraftwerk sowie die Wasserstoffproduktion privat betrieben werden sollen oder ob städtische Unternehmen wie Hamburg Energie mit einspringen könnten. „Wir drängen uns nicht“, sagte er, schloss eine unternehmerische Beteiligung der Stadt aber auch nicht aus.

Wirtschaftsenator Westhagemann: „Natürlich müsste man einen Umbau vornehmen. Also das heißt, die Turbine muss ersetzt werden, der Kessel muss ersetzt werden, aber alles, was drum rum ist, die Dampfaggregate, die ich dort habe, das bleibt alles bestehen. Das heißt, ein Teil der Infrastruktur bleibt vorhanden.“

Vattenfall schrieb dazu in einer Pressemeldung vom 20.2.2020: „Das Hamburger Kraftwerk Moorburg ist das letzte kohlegefeuerte Kraftwerk von Vattenfall ohne Fernwärmeauskopplung und passt langfristig nicht zu unserem Unternehmensziel. Aus diesem Grund haben wir schon vor einiger Zeit einen Prozess eingeleitet, um Lösungen zu finden, die zu unserer strategischen Ausrichtung der Dekarbonisierung passen. Neben einem Brennstoffwechsel kann auch unter anderem eine Veräußerung als Option nicht ausgeschlossen werden.“

Die Pressemeldung geht danach ausführlich auf die Perspektiven von Wasserstoff in Hamburg ein und preist die Erfahrungen von Vattenfall mit dieser Technologie: „Auch in Berlin beabsichtigen wir, Wasserstoff als Brennstoff auf unserem Weg in eine fossilfreie Wärmeversorgung einzusetzen. Und in Hamburg planen wir schon länger unsere Wasserstoffaktivitäten mit dem Fokus auf Industrie und Transport auszuweiten. … Darüber und zur Frage, ob und wie der Standort Moorburg für eine klimafreundliche Energieversorgung umgebaut werden kann, sprechen wir sehr gerne mit den Regierungen von Hamburg und der Bundesrepublik.“

Zeitgleich mit der Pressekonferenz Tschentschers wurde bekannt, dass Vattenfall der Stadt durch einen Verkauf seiner Mehrheitsanteile an der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) entgegengekommen ist. Über diesen Verkauf zwischen der Stadtreinigung Hamburg und Vattenfall war seit Jahren verhandelt worden, ohne dass bisher Fortschritte zu erkennen waren. Nähere Einzelheiten sollen erst später veröffentlich werden.

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19. Februar 2020
von Redaktion
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Hamburg als Vorreiter bei „CO2-freier“ Müll-Fernwärme

Gabriela Keller in der Berliner Zeitung zum „Nullsummenspiel“ Müll-Fernwärme

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Es war zu erwarten!

Wenn eine grün geführte Energie- und Umweltbehörde trotz aller Einsprüche der Zivilgesellschaft und trotz Empfehlungen des Hamburger Energienetzbeirats nicht davon ablässt, den Einflüsterungen der Fernwärme-Lobby-Organisation AGFW zu folgen und Fernwärme aus Müllverbrennungsanlagen als klimaneutral bewertet, dann finden sich bald eilfertige Nachahmer.

In Berlin wurde das Nullsummenspiel – die trickreiche Verlagerung von CO2-Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen – immerhin von der örtlichen Presse, der Berliner Zeitung, aufgegriffen, entlarvt und problematisiert:

Aus dieser Reportage von Gabriela Keller:

Die grüne Senatorin Regine Günther [stützt sich] auf ein methodisch auffälliges Konzept: Die Studie berücksichtigt „Abwärmequellen mit einem Emissionsfaktor von 0 g pro kWh“. Anders gesagt: Die Energie, die bei der Verbrennung von Müll entsteht, wird als zu hundert Prozent CO2-frei verbucht.

Dies widerspricht üblichen Berechnungsmethoden und bringt Umweltschützer und Wissenschaftler auf: „Es ist strikt falsch, und es ist interessengeleitet“, sagt Günter Dehoust, Senior Researcher am renommierten Öko-Institut in Berlin, „und das Drama ist, dass sich viele Leute diese Berechnung zu eigen machen.“ Es gebe klare Berechnungsvorgaben für Abwärme, wie sie auch das Bundesumweltamt zu Grunde legt, sagt er: „Alle Studien, die ich kenne, berücksichtigen die CO2-Emissionen aus der Abwärme.“

Es ist nicht so, dass er die Müllverbrennung generell ablehne. Für bestimmte Mengen von Restmüll gebe es keine andere Lösung, und so lange dabei Wärme anfällt, solle man sie auch nutzen. „Man darf sie deswegen aber nicht klimaneutral darstellen.“ Ökologisch weitaus vorteilhafter wäre es, Abfälle zu recyceln. Wer dagegen Abfallwärme als CO2-neutral bilanziert, setze fragwürdige Signale: „Es ist ein Taschenspielertrick, denn es geht ja darum: Wie plane ich die Wärmeversorgung in der Zukunft? Wenn ich mir die Emissionen schön rechne, habe ich falsche Planungsgrundlagen, die dann bei politischen Entscheidungen zu Grunde gelegt werden.“

Und so lässt sich an diesem Beispiel verfolgen, wie Methoden von Lobbygruppen in die Bilanzierungsmethoden einfließen – und von politischer Seite akzeptiert werden:

Berlin ist nicht die einzige Stadt, in der Müllverbrennung als CO2-neutraler Energielieferant auftaucht. Auch Hamburg kalkuliert die Emissionen seines Fernwärmenetzes seit wenigen Jahren nach diesem Prinzip – ebenfalls unter Berufung auf den AGFW – auch dort ist ein grüner Umweltsenator verantwortlich.

Im Entwurf des Gebäudeenergie-Gesetzes findet sich der CO2-Faktor Null bei der Müll-Abwärme auf Bundesebene wieder.

Als „Primärenergiefaktor für den nicht erneuerbaren Anteil“ steht in Anlage 4 zu § 22, Absatz 1 des Entwurfs des Gebäudeenergiegesetzes von Ende Januar 2020:

16       Siedlungsabfälle        0,0

Gabriela Keller fand in der Machbarkeitsstudie von BET für einen Kohleausstieg in Berlin bis 2030 auf Seite xxxi einen

Satz, der stutzig macht: „Die Bewertung zeigt, dass eine Reduktion der Abfallmenge die kumulierten Emissionen erhöht, eine Erhöhung der Abfallmengen führt zu sinkenden Emissionen.

Heißt das, je mehr Müll verbrennt, umso besser fürs Klima? BET antwortet: „Dieses Thema ist sehr komplex und hier sind falsche Rückschlüsse schnell möglich.“ Grundsätzlich solle Müll bei der Verbrennung „thermodynamisch so hochwertig wie möglich“ verwertet werden. Die gemäß der Studie umgebaute Anlage weise „eine sehr hohe Effizienz auf und deswegen ist es tatsächlich gut für das Klima, wenn Müll dort (statt anderswo mit schlechterer Effizienz) thermisch verwertet wird.“

Eine bei komplexen Themen häufig verwendete Methode, unangenehme Fragen abzuwimmeln. Man geht nicht auf die gestellte Frage ein, sondern redet unter Verwendung von vielen nicht geläufigen Fachbegriffen über etwas, was gar nicht in Frage steht.

BET wählte für Vattenfall und die Stadt Berlin die Schwindel-Methode des AGFW für die Bilanzierung der Müll-Wärme:

Dabei weiß das Beratungsunternehmen sehr genau Bescheid, wie sich in der ausführlichen Fortsetzung dieses Kastens auf Seite 92 seiner Machbarkeitsstudie zeigt.

1. Februar 2020
von Redaktion
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Vertiefung der Weser – auf den letzten Drücker in ein Bundesgesetz geschmuggelt

Am 31. Januar 2020 hat der Bundestag das umstrittene Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz (MgvG) aus dem Hause von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer beschlossen. Die LINKE und die Grünen sowie auch einige SPD-Mitglieder stimmten gegen dieses Gesetz.

Das verabschiedete Gesetz ist ein Teil eines größeren Vorhabens von CDU und CSU, die Beteiligungsrechte der Umweltverbände einzuschränken (12-Punkteplan).

Ganz in diesem Sinne versuchte auch die Hamburger Industrie, den Hamburger Senat zu entsprechenden Zugeständnissen zu bewegen.

Nach der Verabschiedung des Maßnahmenvorbereitungsgesetzes soll der Bundestag in der nächsten Zeit 8 Eisenbahnstrecken-Projekte und 6 Wasserstraßen-Projekte  per Gesetz genehmigen können, zum Beispiel zwei Fahrrinnen-Vertiefungen der Weser. Bislang entscheiden Behörden, ob Projekte verwirklicht werden. Bei Einsprüchen gilt das Verwaltungsrecht. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Absicht, die Beteiligungsrechte von Umweltverbänden und -Initiativen zu beschneiden.

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20. Januar 2020
von Redaktion
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Der extensive Einsatz des Klimakillers Sulfurylfluorid in Hamburg wirft viele Fragen auf

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Ein Flugblatt der AG UEV der LINKEN

Erst durch eine Schriftliche Kleine Anfrage des LINKEN-Abgeordneten Stephan Jersch scheint die Hamburger Umweltbehörde (BUE) auf den sehr stark gestiegenen Einsatz des extrem klimaschädlichen Insektizids Sulfurylfluorid (SO2F2, kurz SF) aufmerksam geworden zu sein, mit dem im Hamburger Hafen, aber wohl ebenso in anderen Häfen, vor allem Holzexporte begast werden. Bei den Berechnungen der BUE zum gegenwärtig viel diskutierten neuen Hamburger Klimaplan blieb SF völlig unberücksichtigt.

Die Klimaschädlichkeit der Freisetzungen von Sulfurylfluorid wurde in den bisherigen Presse-Berichten sogar noch untertrieben. Für das Treibhausgaspotenzial (GWP) von SF ist im Zusammenhang mit den Klimazielen von Paris nicht ein Zeithorizont von 100 Jahren (GWP = 4732), sondern ein Zeithorizont von 20 Jahren anzusetzen (GWP = 6965). Bei 203,65 Tonnen SF gemäß der Bürgerschaftsdrucksache 21/19518 vom 10.1.2020 geht es im Jahr 2019 daher um 1,418 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das ist mehr als der Ausstoß des Hamburger Steinkohle-Heizkraftwerks Tiefstack von 1,21 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2017.

Seit 2018 stieg die im Hamburger Hafen eingesetzte Menge von SF sehr stark an.
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